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Neue Zeitung · 1907-08-09 · Heft 9 (9.8.1907) · p. Seite 5

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Journal
Neue Zeitung
Volume
1907
Issue
Heft 9 (9.8.1907)
Date
1907-08-09
Page
Seite 5 (sequence 5)
Language
German
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Nr. 9 Neue Zeitung Seite 5 Gesundheit, speziell eine Badereise, verfügt aber nicht über die erforderlichen Mittel. Wir bitten nun alle Volksgenossen, die Sinn für die Heldenhaftigkeit dieses jungen Mannes und Mitleid mit seinen jungen Jahren haben, zu den Kurkosten beizusteuern. Wir sind bereit, solche Beträge zu übernehmen, ihrem Zwecke zuzuführen und in unserem Blatte auszuweisen. Die Redaktion der „Neuen Zeitung". Es sind uns weiter zugekommen: Von Uscher Landau in Buczacz, K. —.60, „Jüdinnen" in Tluste K. 2.—, A. D. in Stanislau K. 1.40. Zusammen mit dem nun bereits Ausgewiesenen K. 98.50. Bitte an Menschenfreunde! Die in Sniatyn bekannte und wohlgelittene Faniilie Deutsch ist von einem schweren Unglück heimgesucht worden. Ihr Haus ist niedergebrannt und dadurch ist schweres Elend über die Leute gekommen. Wenn ihnen nicht bald Hilfe naht, so gehen sie den schlimmsten Schicksalen entgegen. Und sie verdienen, daß man ihnen helfe. Nicht umsonst besteht der dringende Verdacht, daß das Feuer von politischen Feinden gelegt wurde. Nicht umsonst hat der dem Brande zusehende Bürgermeister von Sniatyn seine Schadensteude geäußert und die Feuerwehr wiederholt vom Löschen zurückgehalten. Ein Sohn dieser Familie war während der verflossenen Reichsratswahlkampagne einer der aufopferungsvollsten, eifrigsten und fleißigsten Kämpfer für die jüdischnationale Sache. Ein tapferer Kamerad darf aber in Gefahr uno Not von seinen Kameraden nicht in Stich gelassen werden. Wir bitten um Unterstützungsbeiträge für die" unglückliche Familie, die wir dankend in unserem Blatte ausweisen werden. Die Redaktion. Aus der jüd. Aeffentüchkeit. In dieser Rubrik finden u. a. Verlautbarungen jüdischer Körperschaften — ohne Unterschied der Richtung — Aufnahme. Der 8. Zionistenkongreff. r Wir erhalten folgenden offiziellen Bericht Haag, die Stadt der Friedenskonferenz wird im Monate August noch einen zweiten Kongreß beherbergen, der der Friedenskonferenz, was die Vielheit der Herkunft der Delegierten anlangt, nur wenig nachstehen dürfte. Die zionistische Weltorganisation, wird von 14. bis 20. August im Haag ihren achten Kongreß abhalten, nachdem die bisherigen sieben Kongresse in Basel resp. London stattgefunden haben. Es dürfte bekannt sein, daß die zionistische Bewegung, die die Schaffung einer öffentlich rechtlich gesicherten Heimstätte für das jüdische Volk in Palästina erstrebt, in den letzten Jahren außerordentlich an äußerer Verbreitung und innerer Festigung gewonnen hat. Davon wird auch dieser Kongreß Zeugnis ablegen, zu dem bis jetzt schon ca. 40u Delegierte in allen Teilen Welt gewählt sind. Mehr als 30 Delegierte kommen allein aus Amerika, aus Südafrika wird gleichfalls eine starke Delegatton auf dem Kongreß anwesend sein, Sibirien entsendet ebenso seine Vertreter wie daß ferne Neuseeland, China, ebenso wie Argentinien. Außerordentlich bemerkenswert ist die starke Vertretung Rußlands auf dem Kongresse, von wo trotz der herrschenden ganz ungewöhnlich großen Schwierigkeiten mehr als 150 Delegierte zum Kongresse kommen dürften. Unter den bisher gewählten Delegierten befindet, sich eine ganze Anzahl von Persönlichkeiten, die in ihren Ländern eine große Rolle nicht nur in der jüdischen Oeffentlichkeit spielen. So.werden unter Anderem die vier Mitglieder des Jüdis ch en Klubs des österreichischen Reichsrates als Delegierte auf dem Kongresse anwesend sein, des Ferneren eine Reihe von ehemaligen Mitgliedern der ersten russischen Duma. Eine besondere Eigentümlichkeit der Zionistenkongresse ist die lebhafte Anteilnahme der Oeffentlichkeit an ihren Verhandlungen, die sich vor allem in einer starken Gallerie ausdrückt. Auch in diesem Jahre werden viele hunderte von Gästen aus allen Teilen der Erde auf dem Kongresse anwesend sein. in Göding, Hotel Europa anläßlich ihres zehnsemestrigen Bestandes einen Festkommers, zu dem auch auf diesem Wege alle Gesinnungsgenoßen höflich eingeladen werden. Sereth (Volksfest). Am 28 Juli l. I, veranstaltete der Verein „P o a l e - Z i o n" ein Volksfest mit darauffolgendem Tanzkränzchen. Es war ein sehr amüsantes Programm entworfen, das auch vollkommen ausgeführt wurde. Die Beteiligung war eine sehr rege, doch hatten sich die „Großen" unserer .Stadt zurückgezogen. Cs wurde eine Damenschönheitskonkurrenz veranstaltet. Die drei Schönheitspreise erhielten die Damen Frl. Toni Weintraub, Frl. Regina Korn und Frl. Fanny Engler. — Ein rühriges Komitee, an dessen Spitze die Herren Windisch und Effner standen, gab sich um das Gelingen der Veranstaltung redliche Mühe. — Das Reinerträgnis, das einen ansehnlichen Beitrag bildet, ist dem Fonds zur Unterstützung konditionsloser, jüdischer Arbeiter zugefallen. Es war eine sehr nette Veranstaltung, die dem Vereine viele Freunde brachte. Wissenswertes. Talmudisch<.Sprüche. Gerechtigkeit, Wahrheit, Friede sind die Pfeiler der^ Welt. — Dem Armen läuft dis Armut nach, dem Reichen der Reichtum. — Kein Sterbender, dem die Hälfte seiner Wünsche erfüllt wird. — Beim Wein, im Mein und Dein, in zornigem Zwist zeigt sich der Mensch, wie er wirklich ist. — Wer ist weise? Wer von jedermann lernen will. — Recht arm ist nur der Unwipende. — Wer mit einer Hand stiehlt und mit der anderen Almosen gibt, ist trotzdem ein Schuft. — Ausschweifung macht vor der Zeit altem. — Je bedeutender ein Mensch, um so heftiger seine Leidenschaften. — Einen gebesserten Verbrecher erinnert man nicht an seine Vergangenheit. Den Edlen erhebt der Wein, den Gemeinen erniedrigt er. Das Grab Esther's.imd Mordechai's. Ueber dieses schreibt Prof. A. V. Williams Jackson von der Columbia-Universität, dessen indoiranische Sprach- und Geschichtsforschungen auch in deutschen Gelehrtenkreisen warme Anerkennung gefunden haben, in seinem kürzlich erschienen Werke „Persia past and present“ (Persien einst und jetzt). „Es ist auf einem alten jüdischen Friedhof gelegen, südlich vom Zentrum der Stadt, und es soll denselben Platz einnehmen, wie das ursprüngliche Grabmal, das bei der Erstürmung von Hamadan durch Tamerlan zerstört würde. Das Gebäude ist ein niedriger Backsteinbau mü einer hohen, spitz zulaufenden Kuppel, die ihre Stuck- und Ziegelbekleidung zum größten Teil verloren hat. Der Eingang besteht aus einem anspmchslosen Spitzbogen durchbrochen von einer ganz niedrigen Tür, die aus einem einzigen Steinblock gefertigt ist. Sie dreht sich schwerfällig in den roh behauenen Angeln, die aus. demselben Stein gemeißelt und in tiefe Zapfenlager eingesetzt find. Man muß kriechen, um durch die enge Pfotte hindurchzukommen, und gelangt dann in einen niedrigen, gewundenen Gang, der in die Krypta führt. Die schmutzigen Mauern dieses gewölbten Raumes sind vom Rauch der Kerzen und von den Lampen der Hunderte von Pilgern — Muhammedanern und Juden — die das Heiligtum besuchen, so verqualmt, daß die in verschiedenen Sprachen gehaltenen Inschriften kaum zu erkennen sind. Dicht neben einander liegen in der Mitte der Kammern die beiden Grabstätten, jede bedeckt mit einem kastenförmigen Sarkophag aus Ebenholz, der eine ein wenig kleiner als der andere, und beschrieben mü Schriftlichen. Diese Inschriften und die Texte an den Wänden enthalten Stellen aus dem Buche Esther» Lobgesänge auf die jüdische Heldin und auf Mordechai und verschiedene andere Ueberlieferungen. Fragmente von Pergamentrollen der Heiligen Schrift, aber doch zu heilig, um'vernichtet zu werden, liegen umhergestreut. Betreffs der Glaubwürdigkeit der Grabstätten geht die Schulmeinung dahin, daß die Juden von Hamadan die Opfer eines frommen Wahns sind, und daß die Ueberlieferung, das Grabmal umfasse tatsächlich die Ruhestätten Esther's und Mordechai's, deren Namen auf den Kenotaphien stehen, sich historisch nicht begründen läßt. Gleichwohl Hallen die Juden Hamadan die Authentizität der Gräber für untrüglich. Sie glauben fest daran, daß noch heute Wunder an dem Grabmal geschehen, namentlich zur Zeü des Purimfestes." Die jüd.-akad. Verbindung „Kadimah" in Wien veranstaltete Sonntag, den 4. August, einen Ausflug nach Purkersdorf, wo sie eine Agitationsversammlung unter dem Vorsitze des Herrn cand. ing. Löwen stein abhiell. Das Referat hatte Herr Advokaturskonzipient Löhner, dessen Ausführungen von dem zahlreich erschienen Auditorium vollster Beifall gezollt wurde. Die jüdisch-akademische Ferialverbindung „G am a l a" in Göding veranstaltet am 15. August l. I. Kunst und Literatur. Morris Rosenfeld. Die Nachricht vom Tode Morris Rosenfelds, deren Authentizität wir schon in unserer vorigen Nummer anzweifelten, hat sich glücklicherweise nicht bestätigt. Wir sagen: glücklicherweise. Der Dichter ist, wie aus einem Briefe vom 26. Juli an die bundistische Wilnaer „Volks-Zeitung" hervorgeht, anderer Meinung. Das Schreiben hat folgenden Wortlaut: „3n der letzten Zeit hat die auswärttge Presse über mich viele unwahre Nachrichten in die Well gesetzt. Ist es des Elends und der Leiden nicht genug, die ich wegen meiner Blindheit ertragen mu|? Verursacht mir die Armut, wegen der meine sechs Kinder so viel leiden müssen, nicht genügend Pein? Ich hatte Wohlläter und Gesinnungsgenossen, die mich pflegten. Hie und da unterstützen sie mich, chren bescheidenen Verhältnissen gemäß, auch materiell. Ich kann Rechnung darüber legen, daß ich mich in meinen Ausgaben immer auf das notwendigste beschränkte. Meine Krankheil verhinderte mich jedoch daran, 800 Dollars, die ich noch auf mein Häuschen schuldete, zu bezahlen. Ich geriet in die Hände von Wucherern, die mir mein Häuschen Wegnahmen und mich samt meiner Famllie auf die Straße setzten. Mit meiner Frau und meinen Kindern liefen wir Gefahr, des Hungertodes zu sterben. Des Elends war aber immer noch nicht genug. Böswillige Falschheü setzte die Nachricht meines Todes in die Well, damit mir auch meine u.e.Ü7-n Wohltäter ihre Hilfe entziehen. Ich bin gezlvun"en. zu erklären, daß ich lebe, obwohl der Tod für mich wünschenswerter 'r äre, als mein jetziger Zustand. Ich lebe in ewiger Finsternis, denn ich bin blind. Das Licht des Tages hat mich verlassen, geblieben ist mir nur das Elend. Die Bourgeoisie wollte in ihren glänzenden Palästen nichts von den Liedern des Proletariers hören, nur meine Gesinnungsgenossen, zu denen das Echo meines Liedes drang, suchten mich auf, um ihren blinden Sänger zu unterstützen. Wie es scheint, neiden mir die Herren auch diesen Trost. Mit der Zeü haben die Herausgeber meine Gedichte in alle Sprachen übersetzen lassen, obwohl sie mü nie einen Heller dafür bezahlten. Jetzt, als sie die Nachricht meines Todes hörten, senden sie Kränze, um am Grabe des blinden Sängers zu opfem, damit sie, die Wohlhabenden, sagen können, den Tribut chrer Wertschätzung entrichtet zu haben. Ich und meine Kindei werden aber auch hinfort nur jenen danken, die sich chre armseligen Bissen vom Munde entzogen, um mich zu unterstützen." Wir kommen auf diesen Brief, der ein wahres „Denkmal von unserer Zeiten Schande" ist, noch ausführlich zurück. Wiener jüdisches Woskop. I. Sitzung des Sozial-freiheitlich-unabhängig-fortschnttllch-reformatorischen Vereines der Leopoldstadt. Chambre separee bei Hauswirth. Obmann Neustadtl begrüßt augenrollend die Anwesenden. Es sind sieben. Vier Damen und der Vorstand. Zeitweilig macht jemand die Tür auf, zieht sich aber beim Anblick des begrüßenden Obmannes entsetzt zurück. Herr Neustadtl hat das Wort ergriffen und läßt es nicht los. Er beklagt pch über die Indolenz. Vize-Obmann Beer über den Rembraten. „Es ist hart", ruft der Redner. Herr Beer nickt. Eine Dame ftagt: „Wann geht die letzte Tramway?" Eine andere schläft ein. Neustadtl spricht Herr Dr. Schwarz-Hiller verliest eine Resolution. Der erste Satz beginnt um halb 11 und endet um viertel 12. Herr Beer bestellt einen Schwarzenberger Käs. Er ist überhaupt sehr gefaßt. Dreiviertel 12. Der zweite Satz seiner Resolution geht seinem Ende entgegen. Die zweüe Dame ist eingeschlafen. Herr Neustadtl verfaßt mit verstörtem Angesicht ein Huldigungstelegramm an Dr. Ofner. Halb 2. Das Lokal ist leer. Am Boden liegt mn: der Standpunkt, auf dem Dr. Schwarz-Hiller gestanden ist, ein Anüag, der fallen gelassen wurde, em Vorgehen, das man niedriger gehängt hat, und die Ueberreste von Beers Nachtmahl. Halb 3. Dr. Ofner wälzt sich verzweifelt im Bett. Er hat das Telegramm des Bezirksrates Neustadtl gelesen. . Halb 6 früh. Die „Neue Freie Presse" erscheint nn Morgenrot. Sie bringt einen langen Artikel über die „glänzend verlaufene" Versammlung. II. Promenade. Dame in Grün-Rot-Heliotrop. Vergnügungszüge unter dem Hinterleib eines Straußes. Blumen am Busen: hängende Gärten der Semüamis. Herr mit Dollortüel und Walk-ower-Lackschuh. Seü gestern 11 Uhr, 15» katholisch. Karambolage. Sttmme aus dem Publikum: „Saujud!" Der Herr versucht krampfhaft zu ignorieren. Die Dame mü Amazonenblick: „Bitte, der Herr ist ein ebenso guter Christ wie Sie!" Stimmen aus dem Publikum: „Na, i' dank' schön! Dös koschere Gered'!" Der Herr mit den Lackschuhen verbietet sich den Ton; « sei es nicht gewöhnt, auf diese unqualifizierbare Eine Menschenansammlung. Bärttge Männerstimmen: „Wos wüll der Jud?!? Mos wüll er? Haut'seahm!" Der Schlußvers wüd im Chore mitgesungen. Die Dame muß in eine Bedürfnisanstalt. Der Herr erwähnt unzusammenhängend einen Wachmann. Vier Exemplare desselben erscheinen. Prozession zum Kommissariat. Dem Herrn wüd anbei der Hut — L. Sc C. Habig — an mehreren

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