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Neue Zeitung · 1907-08-02 · Heft 8 (2.8.1907) · p. Seite 5

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Journal
Neue Zeitung
Volume
1907
Issue
Heft 8 (2.8.1907)
Date
1907-08-02
Page
Seite 5 (sequence 5)
Language
German
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Nr. 8 NeueZeitung Seite 5 mittags 3 Uhr. — Konferenz der deutschen Landsmannschaft: Dienstag, 13. August, vormittags, 10 Uhr. — Engeres Aktionskomitee: Sonntag, 11. August, nachmittags, 3 Uhr. — Großes Aktionskomitee: Montag, 12. August, vormittags, 11 Uhr. — Legitimationsausschuß: Sonntag, 11. August. 'Permanenzausschuß: Dienstag, 13. August. Aufsichtsrat der Bank: Montag, 11. August, vormittags, 10 Uhr. — Foundershares: Montag, 12. August, vormittags, halb 11 Uhr. Die Organisation „H a p o el H asai r" wird in Gemeinschaft mit den „Zeire Zion" und der „Hatechija" einige Tage vor dem Kongreß eine Konferenz der Delegierten dieser Gruppen veranstalten mit folgendem Programm: 1. Fragen des 8. Kongresses. 2. Schaffung eines einheitlichen Programms und einer interterritorialen Organisation der Jugend. 3. Komitee für Palästina. 4. Arbeiten dieses Komitees. 5. Parteiorgan für Palästina. Jüdischer Akademikerverein „Techyah" in Brody. Resultat der Ausschußwahlen: I. Balaban, Techniker, Vorsitzender, M. Stromwasser, Mediziner, dessen Vertreter, K. Horn, Jurist, Schriftführer R a d a u tz (Jüdisch-akademische Ferialvereinigung „C h e r m o n i a"). — Die am 27. Juli 1907 vorgenommenen Charaenwahlen ergaben folgendes Resultat: Präses Stud. jur. Jakob Lapajowker. Vizepräses Stud. med. Hersch Weinlös, Schriftführer Stud. jur. Meschulem Jahr, Außerdem wurden gewählt Stud. jur. Chaim Harth als Kassier und Cand. jur. Chaim Axelrad als Bibliothekar. Jüdisch-akademische Ferialverbindung Massada, Prerau. Die Chargenwahlen ergaben folgendes Resultat: Cand. ing. Moritz Himmler X. Med. Hugo Adler XX. jur. H einrich MandlXXX. Die Verbindung feiert am 25. August zu Prerau ihr 20semestriges Stiftungsfest. Wissenswertes. „Gerim" in Palästina. In der „Welt" berichtet Felix Theilhaber aus München über Gerim (Proselyten) aus Rußland in Palästina. Es sind dies russische Bauern, die aus religiöser Ueberzeugung zum Judentum übertraten und dann, um den jüdischen Satzungen am besten Nachkommen zu können, nach Palästina auswanderten. Der Berichterstatter der „Welt" konstatiert nun, daß, diese Bauern trotz ihrer landwirtschaftlichen Voraussetzungen in kolonisatorischer Beziehung Fiasko erlitten. Sie konnten sich nicht akklimitasieren, erwiesen sich gegenüber der Malaria weit weniger widerstandskrästig und zähe, als die stammesjüdischen Kolonisten aus Rußland, sind deshalb meist nach Rußland zurückgewandert, und befinden sich jetzt nur noch Abgebrauchten ziemlich gleichbedeutend ist, und irgend ein Bild oder ein Wort, das in der alten deutschen Literatur abgeschmackt und abgetragen ist, in der neuen echtjüdischen noch Dust und Frische hat. Also nicht diese kleinen wirklichen oder vermeintlichen Sünden sind gemeint, sondern die großen poetischen Sünden, der Tendenz. Und Rosenfeld hat das Unglück, daß mit wenigen Ausnahmen gerade seine Tendenz-Gedichte am meisten bekannt und verbreitet sind, was hauptsächlich daher kommen mag, daß sich zwei politische Parteien, die Zionisten und die Sozialisten, natürlich jüdischer Zunge, ihrer bemächtigt haben. Die Sünde der Tendenz! Wahrlich mancher Modepoet, der in Kaffeehausnächten seine Seele zergliedert, könnte sich glücklich schätzen, wenn er solche Sünden beginge, wenn selbst in der Sünde sein Dichterherz so titanische Kraft, so wilde heiße Energie bewiese. . Ja, es ist wahr. In zwei sozialistischen Gedichten Rosenfelds kommt das trockene polttische Wort „System" vor. Aber, ich möchte den sehen, der dabei lacht, dem nicht eine Ahnung aufdämmerte von der schwarzen Schicksalswolke, in die für den Dichter dieses Wort gehüllt ist. Ich möchte den sehen, der sich darüber wundert, daß den Dichter in manchen Augenblicken die heiße Promotheus-Empörung übermannte, weil er sich, auch sich, den Dichter, an dieses „System" gein kleinerer Zahl in Palästina. Sie leben für sich, wenn auch jetzt ihre Jugend die jüdischen Dorfschulen besucht, hebräisch lernt und jüdisch sprechen kann. Die erwachsenen Töchter werden meist Dienstmädchen. Alle sind gläubig und leben nach jüdischen Satzungen. Kunst und Literatur. Morris Roseufeld. Die Tageszeitungen melden nach einem ungarischen Blatte den Tod Rosenfelds. Wir haben bisher eine Bestätigung dieser Nachricht nicht erhalten. Sollte sie sich bestätigen, .so hätte wieder einer der Edelsten unseres Volkes in Not und Elends ausgerungen. Wir würdigen Rosenfelds Schassen im Feuilletonteil unseres Blattes. Hriöüne. Eine jüdische Reichskonferenz nötig. Die Reichsratswahlen sind vorüber, die Debatten im Parlamente über die galizischen Wahlen und Wahlmißbräuche zur Zufriedenheit der Schlachta erledigt. Die Regierung hat die krassesten Schwindeleien und Mißbräuche der k. k. beamteten Schlachzizenklique für recht und billig gefunden, nicht einmal der Ordenssegen für diese Herren fehlte. Galizien bleibt fernerhin der moralisch herabgekommenen polnischen Oligarchie geopfert. Für die Juden Galiziens ersteht jetzt die Frage was nun? Die jüdisch-nationale Idee hat' im Laufe der Wahlbewegung gezeigt, daß die Massen des jüdischen Volkes in Galizien geradezu darnach lechzten, aus ihrer Finsternis aufgerüttelt zu werden. Wer die begeistert lauschenden Massen in den zahlreichen jüdischen Versammlungen sah, mußte sich sagen, das jüdische Volk in Galizien ist im Zeichen der jüdischnationalen Idee politisch reif geworden. Wohl wird von gegnerischer Seite behauptet, es wäre nur ein plötzlicher Enthusiasmus gewesen, dem keine feste Dauer zuzuschreiben ist. Nein! Es war kein zufälliges Aufflackern, es war ein Hervorbrechen lange zurückgehaltener Erkenntnis. Das jüdische Volk weiß jetzt, daß es nicht im Schlepptau anderer Völker seine Rettung zu suchen hat, sondern nur im nationalen Bewußtsein und der nationalen Kraft. Was fehlt, ist nur eine große einheitliche Organisation. Es ist im vitalsten Interesse der jüdisch-nationalen Bewegung gelegen, sich mit der Organisationsfrage eingehend zu befassen. Zu dem Zwecke wäre es dringende Notwendigkeit und politische Taktik, ehestens eine jüdische Reichskonferenz in eine galizische Stadt einzuberufen, an welcher Vertreter aller auf dem jüdischen Volkstum beruhenden Richtungen teilzunehmen haben. Diese Konferenz hat ein Komitee einzusetzen, welchem die Ausarbeitung des Statuts zu obliegen hat. In dieser bettet sah, weil er sehen mußte, wie der Raubvogel Elend an seinem Herzen staß, auch an seinem Herzen, das da nicht für ihn allein schlug, sondern für das ganze Volk und für die ganze Menschheit. Wer will es ihm verdenken, daß er, der geheime Kaiser, im Ansturm von Hunger und Arbeit, Kälte und Krankheü, und wenn er die geheimen Bettler in Sattheit und Muße, in Wärme und Gesundheit blühen sah, für Augenblicke die poetische Besinnung verlor? Wer, der seine furchtbare Explosivkraft in seinen besten Gedichten kennt, möchte ihm die wüttge Tendenz in anderen verargen. Will man wirklich mü poetischen Moralpredigten an diesen Menschen mtt der Feuerseele heran? Und die nattonalisttschen und zionistischen Tendenzgedichte dürfen nicht anders betrachtet werden als die sozialistischen. Das Unheil seines Volkes schreit in ihm, dem wilden unzuftiedenen unglücklichen Mann und da hascht er mit der ganzen Zier seiner heißen Seele wie nach den Tröstungen des Zukunstsstaates, so auch nach den Tröstuugen der wiedererworbenen Judenheimat. Die Angst vor ewiger Wanderschaft und Knechtschaft nistet sich in seiner Feder ein, ebenso wie die soziale Wut. Und wer möchte ihn nicht auch da die Tendenzsünde verzeihen? Wer soll denn sich die Sünde erlauben dürfen, wenn nicht derjenige, der groß ist in der Kraft der Guttat und Schönhett? (Fortsetzung folgt.) Konferenz sind auch Fragen ökonomischer Natur, sowie die immerwährenden Schikanen der galizischen Behörden zu besprechen. Es mnß ein jüdischer Reichsverein gegründet werden, welcher wieder Provinzial- und Bezirksvereine, letztere wieder Lokalvereine u. s. w. zu gründen hat. Ferner wird es Aufgabe dieser Konferenz sein, zur Schaffung eines Gesamtorganes der österreichisch-jüdischen Nationalpartei zu schreiten. Auf diese kurz präzisierte Weise wird es ermöglicht, eine einheitliche Organisation zu bilden, durch welche die jüdisch-nationale Bewegung zu einer mächtigen Partei anwachsen wird. Lassen wir die Zeit nicht unnütz vergehen, große Gefahren drohen uns von der antisemitischen, christlichsozialen, klerikalen Schlachta und ihrer Hausjuden. In unserer eigenen Kraft liegt unser Heil und unsere Zukunft! Moses Horowitz (Zaleszczyki). Nationale Erziehung. Es ist eine traurige Tatsache, daß die nationale Erziehung bei uns sehr stiefmütterlich behändest, ja fast ganz ignoriert wird. Es ist wunoerlich, daß gerade jetzt, wo bei den Juden das nationale Gefühl bereits zu erwachen beginnt und wo das jüdische Volk auch in ökonomischer Hinsicht seiner nationalen Wiedergeburt entgegen geht, in kultureller Beziehung ein Rückgang verzeichnet werden muß. Fürs Erste wird vielleicht ein solches Urteil beftemden, bei näherer Betrachtung aber wird man sich leider leicht von diesem traurigen Faktum überzeugen können. Was wird denn für die Erhastung unserer geistigen Güter getan, wie für die Entwicklung der jüdischen Kunst und Lüeratur gearbeitet, was nennenswertes für die nattonale Erziehung unserer Jugend geleistet? Man wird erwidern, daß wir ja darum für die nationale Autonomie kämpfen. Wohl richtig, diese tut uns not, aber wir wissen doch recht gut, daß sie nicht von heute auf morgen zu erreichen ist, und inzwischen geht uns unsere Jugend, die ja unsere Zukunft ist, verloren, wird in fremdem Geist erzogen, Haß und Verachtung für das Judentum wird ihr eingeimpst. Und dann können wir ja, wenn wir jüdische Privatschulen haben, von der Regierung mit west mehr Aussicht auf Erfolg deren Verstaatlichung als die direste Errichtung durch den Staat verlangen. Wir müssen, — wollen wir nicht, daß unsere Jugend uns entftemdet wird, — sofort mit ihrer nationalen Erziehung beginnen. Was leisten doch andere Völker in dieser Hinsicht, wie z. B. Czechen und Polen! Und wir —Nichts! Denn die jüdischen Chedorim und Jeschiboth kann man doch nicht als Erziehungsanstalten betrachten, da man dort wohl jüdisch lernt, aber keine Erziehung erhält, die uns zuf^edenstellen könnte. Auch der Versuch, der in Rußland und in einigen galizischen Städten mit hebräischen Schulen unternommen wurde, kann hier nicht in Betracht kommen, denn diese sind vielleicht mehr national als die asten Chedorim aber eben so unmodern. Und wir müssen eine moderne, dem Zeitgeist entsprechende, jüdische Schule haben, die nicht einzig und allein darauf hinzielt, den Schülern die Kenntnis der hebräischen Sprache und höchstens noch ein bißchen jüdisches Wissen zu vermitteln, wir müssen eine Schule haben, in der der Jugend neben der fürs Leben nötigen Bildung eine nationale Erziehung gegeben wird. Es ist wohl eine schwere Arbeit, die uns da bevorsteht, denn bis jetzt wurde ja in dieser Hinsicht noch so gut wie gar nichts getan, aber es muß etwas geschehen, und zwar balv. So könnte die jüdische Nationalpartei eine Kommission ins Leben rufen, die sich eingehend mit dieser Frage befassen und auch ein Zusammenwirken aller derartigen Institutionen erörtern soll. Zweck dieser Zeilen aber war, wettere Kreise für diese Frage zu interessieren, und eine Erörterung derselben in der jüdischen Presse einzuletten. ' Rzeszow, den 24. Juli 1907. Moses Wiesenfeld. Jnformatiousbureau für Auswanderer. Wien. Der Verein „Machsike hadath" veröffentlicht nachstehenden Anfrnf: Am 21. d. M. hat die offizielle Eröffnung eines Emigrationsbureaus unter dem Namen: „Hilfskomitee für jüdische Auswanderer, Jnformationsbureau des Vereines „Machsike hadath" stattgefunden. Die Notwendigkeit und Wichtigkeit der Gründung eines solchen Bureaus ist evident. In Wien allein war bisher keine solche Institution vorhanden, wiewohl der größte Teil der jüdischen Auswanderer, infolge der in Deutschland jetzt herrschenden strengen Gesetze gegen Emigranten, ihre Reiseroute über Wien nimmt. Hunderte dieser heimatlosen und halbverhungerten Armen sehen wir in den Straßen Wiens rat- und hilflos umherirren; ein erschütterndes Bild menschlichen Elends. Es ist statistisch bewiesen, daß der größte Teil

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