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Neue Zeitung · 1907-08-02 · Heft 8 (2.8.1907) · p. Seite 4

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Journal
Neue Zeitung
Volume
1907
Issue
Heft 8 (2.8.1907)
Date
1907-08-02
Page
Seite 4 (sequence 4)
Language
German
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Seite 4 Neue Zeitung Nr: 8 gim-Gärten, Orangerien, Geraniumanlagen, und Eukalyptus-Pflanzungen. Außerdem wird ein immer wachsendes Areal für Gemüsebau, und — seit dem Zukauf geeigneten Landes — auch für Getreidebau verwendet. Heute ist Rischon eine recht stattliche Kolonie. Die Häuser machen einen ziemlich städüschen Eindruck, die Hauptstraßen sind breit und sauber gehalten. Auch das innere Leben der Kolonie läßt jedenfalls an Vielgestaltigkeit der Jntereffen nicht viel zu wünschen übrig. Ueber 30 Komitees verwalten die verschiedenen Angelegenheiten. Die Beziehungen zur Außenwelt sind zahlreich und mannigfach. Zwei Postämter (ein deutsches und ein österreichisches — Filialen der Jaffaer Postanstalten) haben ganz gut zu tun. Es werden in Rischon mehr als 10 Sprachen gesprochen und von 48 verschiedenen Zeitungen (in 7 Sprachen) wurden 1905 die hübsche Anzahl von 135 Exemplaren gehalten. Die letzten Jahre haben große Umwälzungen in Rischon hervorgebracht, darunter solche, deren Ende noch nicht abzusehen ist. Speziell bezieht sich dies auf den bisherigen Haupterwerbszweig der Kolonie, auf den Weinbau mnd die Weinfabrikation. Die hohen Preise — fast Prämien — die ursprünglich von der Administratton für die Trauben gezahlt wurden, hatten den Anbau einen größeren Sttmulus gegeben als dem Verkauf, der immer mehr und mehr hinter der Produttion zurückblieb. Als das Mßverhältnis gar zu groß wurde, begann man die Traubenpreise stark zu reduzieren, und als auch das nicht hinreichte, wurde der teilweise Uebergang zu anderen Kulturen beschlossen, d. h. man stellte den Kolonisten, die darauf eingingen, einen Teil ihrer Weingärten auszuhacken, Gelder für Neupflanzung von Mandeln, Oliven und andern Kulturen zur Verfügung. Auch die Uebergabe der großartigen Rothschildschen Kellereien an ein aus den Weinbauern von Rischon und den andern Kolonien gebildetes Syndikat ist eine der tiefgreifenden Aenderungen in der Entwicklung Rischons und der gesamten jüdischen Kolonisation in diesem Teile des Landes ' Von der Initiative und Selbstständigkeit der Kolonisten wird es abhängen, inwieweit Mischon sich zu einem immer gesunderen Gemeinwesen fortentwickeln und inwieweit es die guten Wünsche wahrmachen wird, die heute von allen Seiten für Rischon zu einem fünfundzwanzigjährigen Jubiläum geäußert werden. Aufruf! Ein junger Mann in einer der Städte des 32. galizischen Wahlkeises hat im Wahlkampfe bis zur Erschöpfung seiner Kräfte gearbeitet. Am Stichwahltage versetzte ihn das MiterlÄen aller " der namenlosen Wahlschuftereien in einen solchen Erregungszustand, daß sein geschwächter Körper dies nicht mehr ertragen konnte. Er bekam einen Blutsturz. Nun braucht er eine Kur zur Wiederherstellung seiner Gesundheit, speziell eine Badereise, verfügt aber nicht über die erforderlichen Mittel. Wir bitten nun alle Volksgenossen, die Sinn für die Heldenhaftigkeit dieses jungen Mannes und Mitleid mit seinen jungen Jahren haben, zu den Kurkosten beizusteuern. Wir sind bereit. Und nun erst, wollen wir uns von den biographischen Daten über Rosenfeld zu ihm selbst, zu seinen Dichtungen wenden. Rosenfeld ist durchaus Lyriker, auch in den wenigen Fällen, wo er in ungebundener Rede spricht. Jenen, die Lyrik als primitivste und ärmste Dichtungsart geringschätzen, wird er schon deshalb. nicht imponieren, und vielleicht werden sie ihn als wetteren Beweis zu den vielen Beweisen der künstlerischen Inferiorität der Juden legen. Nun, das Kriterium, nach welchem die Rangordnung der Dichtungsarten unwiderleglich und mit absoluter Gilligkett festgestellt werden könnte, ist noch lange nicht gefunden. Man kann nach dem Grade der Intensität rangieren, mtt welchen der Sinn des Lebens gesucht wird, oder nach dem Grade der Reinheit, in welcher die Glut des Dichters über den Wellen schwebt — dann wird die Lyrik obenan stehen, und gerade jene Lyrik, die rein von Gedanken und Prüfung ist. Oder man rangiert nach dem Grade des Durchdrungenseins der künstlerischen Gestaltung vom Geiste, von der deckenden, forschenden Seele — dann allerdings wird die reine Lyrik hinten zu stehen kommen und nur die sogenannte Gedankenlyrik könnte ihren Platz ersten Ranges behaupten, — es sei denn, daß es den Verächtern des Lyriker solche Beträge zu übernehmen, ihrem Zwecke zuzuführen und in unserem Blatte auszuweisen. Die Redaktion der „Neuen Zeitung". Bisheriges Ergebnis K. 94.80. Bitte <m Menschenfreunde! Die in Sniatyn bekannte und wohlgelittene Familie Deutsch ist von einem schweren Unglück heimgesucht worden. Ihr Haus ist niedergebrannt und dadurch ist schweres Elend über die Leute ge-' kommen. Wenn ihnen nicht bald Hilfe naht, so gehen sie den schlimmsten Schicksalen entgegen. Und sie verdienen, daß man ihnen helfe. Nicht umsonst besteht der dringende Verdacht, daß das Feuer von politischen Feinden gelegt wurde. Nicht umsonst hat der dem Brande zusehende Bürgermeister von Sniatyn seine Schadenfteude geäußert und die Feuerwehr wiederholl vom Löschen zurückgehalten. Ein Sohn dieser Familie war während der verflossenen Reichsratswahlkampagne einer der aufopferungsvollsten, eifrigsten und fleißigsten Kämpfer für die jüdischnationale Sache. Eie tapferer Kamerad darf aber in Gefahr und Not vonseinen Kameraden nicht in Sttch gelassen werden. Wir bitten um Unterstützungsbeiträge für die unglückliche Familie, die wir dankend in unserem Blatte ausweisen werden. Die Redallion. - Es sind uns zugekommen von Tobias Schütz recte Fielbaum und David Schüssel in Czernowitz K. 5.10. Ion da und dort. Die Gerechtigkeit auf dem Wege. Aus Tlumacz wird uns geschrieben: In unserer Stadt-scheint sich nun endlich auch die Gerechtigkeit regen zu wollen und eine Erwiederung auf jene noch unbeantwortete Fragen vorzubereiten, die wir während der Wahlen, - an' manche hochstehende Herren gestellt haben. Der ungeheuere Terror, die unerhörten Schwindeleien und Schustereien, wodurch sich Tlumacz in Galizien ja selbst im 32. Wahlkreise auszeichnete, beginnen jetzt mehr und mehr in die Oeffentlichkeü zu dringen. Gute und ehrliche Männer waren es, die alle die Gemeinheiten zu Papier brachten, und der Staatsanwaltschaft in Stanislau überlieferten. Und wenn dies in Galizien überhaupt möglich ist, werden die Verbrechen bald gesühnt werden. Es ist eine, dem Anschein nach, sehr energische Untersuchung gegen die Hauptverbrecher , eingelettet-worden, unter ihnen selbstverständlich gegen den Bürgermeister Dr. Hovurka. Hunderte '-von Zeugen wurden schon verhört. Als Hauptzeugen fungieren die Bäckereibesitzer Silber, Spund, deren Bäckereien gesperrt wurden, sowie die Witwe Kreindel Epstein, der ein fast völlig neues Haus baufällig erklärt und geschlossen wurde, und ihre Söhne Markus, Jsak und Benjamin, die eifrig für den jüdischnationalen Kandidaten agitiert hatten. Femer der Sodawasserfabrikant Hersch Abend, dem die Fabrik, und die Witwe Zirie Streit, der drei Geschäftsläden geschlossen wurden. Die Söhne der letzteren Schaje und Schulim waren ebenfalls Anhänger Dr. Birnbaums. Außer Hovurka befinden sich Stupnicki, Seidmann (natürlich! Die Red.) Forn, Hübschmann und viele andere wegen Verletzung des Wahlgesetzes in Untersuchung, die vom hiesigen Untersuchungsrichter Lindner und von einem Stanislauer Untersuchungsrat geführt wird. Was uns die Folge bringen wird, ist eine Frage, der wir mit Spannung entgegen sehen. Vielbeisiele — und es fällt ihnen bei — zu sagen: Nein, das geht nicht. Bleib bei deinen gedankenlosen Fühlen, Lyriker! Bleib in deinem eigenen Grenzen. Ueberschreitest du sie, so erweiterst du nicht das Reich der Kunst, sondern verläßt du es ganz. Und damit ist -Morris Rosenfeld wieder angegriffen. Denn sowohl die Verehrer, reiner als die Verächter aller Lyrik rufen ihm drohend zu: Hinweg, Gedankenlyriker! Nun, den Vorwurf schlechthin kann er ebenso ruhig einstecken, wie die großen Gedankenlyriker anderer Völker. Denn, solange es Kritiker geben wird, werden immer solche da sein, die die Kunst des Denkens nicht ordentlich verstehen, die das feine verästelte und wurzelnbloslegende Denken nicht kennen, sondern immer nur einen Begriffsklotz mit allerlei Verrenkungen umkreisen. Und für diese wird es immer unverständlich sein, daß die Gedanken im selben Hirnherde geboren werden, wie die dichterischen Gluten, daß sie in diesem Herde unfehlbar in die Gluten hineingelangen müssen, daß sie an. dieser Glut zu Glut werden und die Glut an ihnen zu neuen Farben und neuen Formen kommen muß. Es wird diesen Leuten immer unverständlich sein, daß sich in der Gedankenlyrik die Urkraft des lyrischen Dichtens mtt dem spätgeborenen Menschheitsleicht ist es den Tlumaczer Wählern doch gegönnt der Well zu zeigen, daß es selbst in Galizien noch ein Wahlrecht gibt, und daß selbst dort Verbrechen ihre Sühne finden. „Jiddisch Kind." Ein Korytowski'scher Musterarzt. Wir veröffentlichen seit einiger Zeit einen Aufruf für einen jungen Mann, dessen Gesundheit in den Auflegungen und Empörungen des letzten galizischen Wahlkampfes Schaden litt. Wir sind nun in der Lage, zu dieser Sache ein Detail nachzutragen, das alles bisher Erzählte in den Schatten stellt — vielleicht selbst die Geschichte von dem Bürgermeister, der die Feuerwehr abhält, den Brand, des Hauses eines nationaljüdischen Parteigängers zu löschen. Al; nämlich der Bezirksarzt zu dem jungen Manne, der eben einen Blutsturz überstanden hatte, geholt wurde und ihn als Patienten erblickte, rief er aus: „Nun lassen Sie sich den Dr. Birnbaum holen. Ich, habe hier nichts mehr zu tun." Sprachs und wandte sich zum gehen. Nur mit Mühe gelang es, ihn zu, bewegen, daß er bleibe und dem jungen Manne seine Hilfe angedeihen lasse. Jedenfalls mußte dann ein Arzt aus einer benachbarten Stadt geholt werden. . Was sagt Herr Korytowski dazu? Etwas für den Jnstizminister. Wir lesen - in einer Interpellation des Abgeordneten Dr. Gabel und Genossen an den Minister des Innern: Gegen den k. k. Bezirkskommissär Smolen in Beiz findet wegen der durch denselben anläßlich der Reichsratswahlen begangenen Gesetzwidrigkeiten die Strafuntersuchung statt. Genannter ist nun bemüht, die in Betracht kommenden Zeugen durch alle möglichen Mittel zu beeinflußen resp. einzuschüchtern. So wurde beispielsweise dem Abraham Eisenberg ohne jeden Grund die Konzession weggenommen und seine Schänke gesperrt. Als Grund gab Herr Smolen an, daß im Lokale Eisenbergs von den Untersuchüngsterminen gesprochen wurde. In unglaublicher Weise wird der praktische Arzt Dr. Frostig von Smolen belästigt und und schikaniert. Bald aus einem, bald aus anderem nichtigen Grunde wird er zum Bezirkshauptmann nach Sokal vorgeladen; zu diesem Zwecke schon um sechs Uhr morgens geweckt und schließlich vom Magistrat längere Zeit aufgehalten, damit er nur nach Möglichkeit geschädigt wird. Aus der jüd. Heffentlichkeit. In dieser Rubrik finden u. a. Verlautbarungen jüd i sch er Körperschaften — ohne Unterschied der Richtung — Aufnahme. Der achte Zionisten-Kongreff. Die auf dem Kongreß zu haltenden Referate dürften sich, abgesehen von den Eröffnungsreden und den Berichten der Palästinakommiffion und des Nationalfondsdirektoriums, auf folgende Materien erstrecken: Organisation, Gegenwartsarbeit: 1. Nationale Erziehung a) in Palästina, b) in der Diaspora; 2. Emigration; 3. JnnerpolitischeTätigkeit— ferner Agitation und Propaganda. Die näheren Details und die Namen der Referenten werden noch bekanntgegeben werden. Versammlungs- und Sitzungstafel. Konferenz der russischen Landsmannschaft: 9.—13. August. — Sitzung des deutschen Zentralkomitees: Montag, 12. August nachgenius des Denkens zu einer unscheinbaren Einheit durchdringen. ' Allerdings muß man verlangen, daß diese Durchdringung, diese Vereinheitlichung wirklich vor sich gehe, daß in dem Gedichte nicht Geist' und Glut als zwei verschiedene Welten, als Tendenz und Seele auseinanderhalten, doch soll man auch da nachsichtig sein. Man darf es einem Dichter nicht verdenken, wenn er nicht immer auf -der Höhe seiner Tendenz steht, und einem Gedankendichter nicht, wenn es ihm in schwächerer Stunde nicht gelingt, das Amalgam so rein, und lauter herzustellen, wie er es in seinen heiligsten und ~ schönsten Stunden zusammenbringt. Wenn nur solche heiligste und schönste Stunden Vorkommen! Es läßt sich nicht leugnen, daß der Gedanke Rosenfeld oft genug unerwünschte Streiche spielt, ohne daß er es mertt. Damit ist nicht auf die Banalitäten hingewiesen, die man - oft mitten in seinen herrlichsten Gedichten, mitten in den dichterischesten Aufschwüngen findet- oder zu finden glaubt. Diese sind, da man ja noch nicht lange in der Sprache Rosenfelds dichtet, Reste der gemütlichen Reimerperiode, sind Schlacken im Golde. Meist aber nicht einmal das, sondern bloß Täuschungen, denen wir uns hingeben, weil wir auf die Relativität des Banalen vergessen, weil wir vergessen, daß das Banale mtt dem

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