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Neue Zeitung · 1907-07-26 · Heft 7 (26.7.1907) · p. Seite 6

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Journal
Neue Zeitung
Volume
1907
Issue
Heft 7 (26.7.1907)
Date
1907-07-26
Page
Seite 6 (sequence 6)
Language
German
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Seite 6 Neue Zeitung Nr. 7 haben, zu den Kurkosten beizusteuem. Wir sind bereit, solche Beträge zu übernehmen, ihrem Zwecke zuzusühren und in unserem Blatte auszuweisen. Die Redaktion der „Neuen Zeitung". Es sind uns weiter zugekommen von: Mendel Steinmetz, Waschkoutz ajCz. Kr. —.50. Mit dem bereits Ausgewiesenen Kr. 94.50. Bitte an Menschenfreunde! Die in Sniatyn bekannte und wohlgelittene Familie Deutsch ist von einem schweren Unglück heimgesucht worden. Ihr Haus ist niedergebrannt und dadurch ist schweres Elend über die Leute gekommen. Wenn ihnen nicht bald Hilfe naht, so gehen sie den schlimmsten Schicksalen entgegen. Und sie verdienen, daß man ihnen helfe. Nicht umsonst besteht der dringende Verdacht, daß das Feuer von politischen Feinden gelegt wurde. Nicht umsonst hat der dem Brande zusehende Bürgermeister von Sniatyn seine Schadenfreude geäußert und die Feuerwehr wiederholt vom Löschen zurückgehalten. Ein Sohn dieser Familie war während der verfloffenen Reichsratswahlkampagne einer der aufopferungsvollsten, eifrigsten und fleißigsten Kämpfer für die jüdischnationale Sache. Eie tapferer Kamerad darf aber in Gefahr und Not von seinen Kameraden nicht in Stich gelassen werden. Wir bitten um Unterstützungsbeiträge für die unglückliche Familie, die wir dankend in unserem Blatte ausweisen werden. Die Redaktion. Nachtrag. Wir erhalten vor Schluß des Blattes folgenden Bericht. Wbg. Dr. Strauch er beim Ministerpräsidenten. Der Obmann des Jüdischen Klubs Doktor Straucher hatte Montag im Ministerzimmer des Abgeoronetenhauses eine längere Konferenz mit dem Ministerpräsidenten, der ihn zu sich geladen hatte, um mit dem Jüdischen Klub — wie er sagte, trotz seiner numerischen Schwäche — in Fühlung zu treten und sich über seine Tendenzen zu orientieren. Dr. Straucher erklärte, daß der Klub auf die rüchhaülose Verwirklichung der vom Kabinetschef programmatisch verkündeten Politik der uneingeschränkten Rechtsgleichheit ohne Unterschied der Nationalität und des politischen oder religiösen Bekenntnisses, besonderes Gewicht lege. Der vom Hlub angestrebten vollkommenen Gleichberechttgung und Anerkennung staatsbürgerlicher Gleichwertigkeit der Juden entspreche es, daß Präterierungen und Zurücksetzungen jüdischer Petenten für Staatsstellungen nicht mehr erfolgen. Der Klub werde gegen jede Verunglimpfung der Juden energisch austreten und müsse die ehrliche Durchführung der bestehenden Gesetze fordern. Die anderen Nationen haben die Juden politisch abgestoßen, so daß diese sich endlich auf ihr eigenes Volkstumzurückziehen. Würden in Galizien freie Wahlen stattfinden, dann würde sich auch die Regierung überzeugen, daß die Juden des Ostens nur jüdisch-nationale Abgeordnete ins Parlament zu entsenden willens sind. Die Juden bleiben Juden trotz aller katholischer und nationaler Vermummung und wenn sie sich der Sprache des Volkes, in dessen Mitte sie leben, bedienen, kann daraus auf ihre Nationalität nicht gefolgert werden. Die Verdächtigungen der Zionisten wegen einer antiösterreichischen Politik beruhen auf Unkenntnis ihres Wesens und sind absolut ungerechtfertigt, denn sie sind wie die Jüdische Nationalpartei gutösterreichisch, staatstreu. Wenn die Juden von Land zu Land gejagt werden und nirgends ein Heim finden, wenn das eine Land sie vertreibt, das andere sie nicht qufnimmt, so ist es natürlich, daß sie auf Schaffung einer gesicherten Heimstätte bedacht sind. Die Judenverfolgungen in Rußland und Rumänien habeu die Notwendigkeit solcher Bestrebungen dargetan und hervorragende nichtjüdische Staatsmänner anerkennen die Berechttgung und Zweckmäßigkett der zionistischen Bewegung. Der Jüdische Klub wird stets alle Interessen des jüdischen Volkes wahren und erwartet Abhilfe von der Regierung dort, wo Juden in ihren" Rechten verkürzt und in ihren Interessen wieder gesetzlich bedroht werden. Wenn die Regierung die vom Ministerpräsidenten in seiner Rede verkündeten Grundsätze verwirklicht, haben die Juden keinen Anlaß, regierungsfeindlich aufzutteten. Der Ministerpräsident betonte wiederholt die Gleichberechttgung der Juden unbedingt anzuerkennen und warnte, daß während seines Regimes Verletzungen der den Juden gewährleisteten staatsbürgerlichen Gleichheü nicht Vorkommen. Er sei selbst konservativ, gut christlich und schon deswegen allein könne er kein Gegner sein. Der Ministerpräsident erklärte zum Schlüsse, daß er auch fernerhin Beziehungen mtt den Jüdischen Klub unterhallen werde um über seine Wünsche stets reformiert zu sein. Aon da und dort. Jüdisch-nationaler Kultus-Wahlsieg. Man schreibt uns aus Tarnopol: Am 16. d. M. fanden hier Kultuswahlen statt, die mit einem großen Siege der jüdisch-naüonalen schloffen. Trotz des erbittertsten Widerstandes von Seite der Gegner gelang es, den Präsidenten des jüdisch-nationalen Wahlkomitees während der Reichsratswahlen, Herrn Dr. Jsak Blemer und noch andere Jüdisch-nationale in den Kultusrat zu bringen. Ein Bezirkpascha als Witzling. So ist die Ueberschrist eines Artikels, den Dr. Bloch in seiner Wochenschrift veröffentlicht und wieder den Bezirkshauptmann von Sokal, Smolen, zum Gegenstand hat.. Wir erfahren da, daß Herr Dr. Bloch endlich die ersehnte Vorladung „als Beschuldigter über Verlangen der Bezirkshauptmannschast in Sokal" erhielt,' aber als er zur Wiener Polizei- Direktion«-kam, nur mächtige Enttäuschung erlebte. Es war gar nicht die erwartete Strafanzeige des Smolen, der Dutzendmale des Mißbrauches der Amtsgewalt und der Erpressung beschuldigt worden war, sondern die Anzeige eines angeblich von Dr. Bloch beleidigten Sokaler Polizeikommissärs beim Bezirkshauptmann Smolen, über welche nun dieser die Amtshandlung nach den sogenannten „Prügelpatente" eingeleüet hatte. Es kommt also noch nicht dazu, daß die Verbrechen des Smolen in einem Wiener Gerichtssaale zur Sprache gelangen. Und gar so bald werden wir's wohl nicht erleben. Denn Herr Smolen wird sich wohl auch durch den zitierten Artikel der Bloch'schen Wochenschrift nicht aus seiner „Reserve" herausjagen lassen, wiewohl dieser Aussatz mü den Wotten schließt: „Sie Erpresser haben die Amtsgewatt mißbraucht. Sie sind ein Verbrecher en das Gesetz, gehen Sie erst zu Gettcht und en Sie das selbst in Oesterreich unerhörte Unterfangen, als Verbrecher einen Richter spielen zu wollen". (Das „Prügelpatent" nennt man das Gesetz vom 20. Februar 1854, auf Grund dessen die Verwaltungsbehörden, in politischen Dingen eine gewisse richterliche Gewalt beanspruchen. Die Abschaffung dieses für die Bevölkerung gefährlichen Gesetzes hat jüngst der Sozialdemokrat. Forstner im Parlamente beantragt- Korytowskis Musterbeamte. - Wir haben schon in der vorigen Nummer über eine Beamtenleistung aus Ulaszkowce, einem Marktflecken im Wahlbezirke des Abg. Dr. Mahler, berichtet. Heute geht uns von dort wieder'ein solcher Bericht zu: Hier ist jährlich am 6. Juli ein bedeutender Markt, der aus ganz Galizien und aus der Bukowina besucht wird. Während der Marktwoche ist ein k. k. Kommissär von der Czottkower Bezirkshauptmannschast herdelegiert. Ein jüdischer Pferdehändler erschien nun vor dem Kommissär mü der Klage, er habe soeben von einem Bauer zwei Pferde gekauft, die stützig seien; der Kommissär möge veranlassen, daß ihm der Bauer das Geld zurückgebe. Die Antwort des Kommissärs war: „GehenSie zum Abgeordneten Mahler! Marsch!" Der Pferdehändler fand, nun einen Käufer auf die Pferde und zwar einen polnischen Gutspächter. Nun kam der Pole mü der gleichen Klage zum Kommissär und dieser war wirklich so unverschämt, dem Juden zu sagen: „Geben Sie sofort das Geld zurück!" Der Jude zeigte aber gar keine Lust, diesem Befehle zu folgen, sondern antwortete schlagfertig: „Entschuldigen Sie, Herr Kommissär, als ich kurz vorher bei Ihnen Klage führte, schickten Sie mich zum Abgeordneten Mahler. Ich habe aber keine Zeit dazu. -Der Herr hat Geld und Zeit — er soll zum Mahler' fahren!" Dem würdigen Kommissär half alle Aufregung nichts, der Pole blieb bei den zwei stützigen Pferden. — Ob's nur nicht den Herrn Machthabem von Galizien auch in der Politik so gehen wird. Zuletzt werden sie bei den stützigen Pferden bleiben. Ei» galizischer Bezirkshauptmann als — Sozialist. Wir erfahren aus Mielec: Herr Grabowski ist Bezirkshauptmann in Mielec und hat sich in dieser seiner Eigenschaft bei den letzten Wahlen besonders ausgezeichnet, er hat sehr lebhaft an der Niederlegung des. jüdisch-nationalen Kandidaten Schmelkes mitgewirkt. Als Korytowsky's Musterbeamter will er aber natürlich auch nach den Wahlen seine Musterhaftigkeit beweisen und hat nun, abgesehen von einer ganzen Reihe kleiner Taten, eine große Tat nnternommen. Mielec ist nämlich der Sitz eines ganz bettächtlichen Schmuckfedernhandels nach Deutschland. und Frankreich. Die Jedem kommen aus Galizien und Ungam, werden in Mielec nach Sorten und Farben sortiert und dann exportiert. Dieser Handel besteht, schon nahezu sechzig Jahre, bringt aus dem Auslände über 4 Millionen Kronen jährlich ins Land. 800 jüdische und nichtjüdische Familien leben vom Sortieren der Federn und den anderen nötigen Ar-- - beiten. Der Verdienst ist ein verhältnismäßigansehnlicher. Und nun untemimmt es Herr Grabowski, um an den Juden ihr Verhalten bei der Wahl zu rächen, diese Lebensquelle für tausende Menschen zu verstopfen. Am 17. Juni . schickte er einen Gensdarm in das Federnlageo des Nastali Goldberg, der die Arbeiter davonjagte und das Lager versiegelte. Angeblicher Grund: Goldberg hat keine Konzession. Wirklicher- Gmnd: Herr Goldberg hatte den jüdisch-nationalen Kandidaten, der sein Verwandter ist, bei. sich beherbergt. Herr Goldberg verlangte einen ' Bescheid, konnte ihn aber bis heute nicht bekommen, — ein bei uns in Galizien leider ein-- gebürgertes Mittel, die Parteien um das Rekursrecht zu bringen. —. Herr Grabowski vollendeteübrigens bald sein Werk. Dasselbe Schicksal wie Goldbergs Lager erfuhren die Lager von Josef Padawer, Elieser Herz, Jonas Geschwind, Rafael Tänzer und Ricke! Zucker. Wieder fehlende Konzession I Nun liefen aber alle brotlos gemachten. Arbeiter zum Bezirkshauptmann, um ihm ihre. Lage darzustellen. Und was glaubt man, ant-- wortete der edle Sohn Schlachziziens: „Geht zu. den Chers! Sollen sie euch aushalten! Habt schon langegenug für sie gearbeitet und sie reich gemacht!" So kommt ein königlichpotockischeo Storosta zum Sozialismus, den er allerdingsrecht seltsam auffaßt- Denn, als die Arbeiter auf seinen zweiten . Rat, sie mögen sich eine Anleihe aufnehmen, mit. dem Hinweise antworteten,, daß ihnen ja niemand was leihen werde, sagte: er gemütlich: „Das ift eure Sache! Uebrigens was geht ihr mich an?" Einige der Kaufleute sind nach Wien zergangen, — zu den jüdischen Abgeordneten. Dr. Groß hat die Sache übernommen. Dr. L ö- - wenstein, der von der Geschichte hörte, erbot sich, den Kaufleuten einen Brief an den Bezirks^ hauptmann mitzugeben, rvas diese entschieden ablehnten. Sie wollen zu ihrem Rechte kommen^ sagten sie, Gnade verlangen sie nicht. Brav von den Leuten und eine tröstliche Garantie dafür, -daß'wir zuletzt der Potocki-Bande werden Herr werden. Diese Storostas u. s. w. glauben in ihrer Missetäter-Einfalt, daß sie mit allen ihren Stückchen die Juden wieder zur altert Frohnde zurückbringen werden, und wissen nichts daß sie die Kluft bis zur absoluten Unüberbrückbarkeit erweitern. Kalwechojmer. Ans einer gepeinigten Stadt. Man schreibt uns aus Sniatyn: - Die hiesigen Wahlmacher und Patteigänger des Moysa wollen den Schmutz, der ihnen anhastet, von sich auf andere wälzen. Unlängst haben der Kultusvorsteher Moses Wechsler und dessen Anhängsel Gedalie Kohn, der „Grager" genannt, Nuchim Herzig wegen Verbreitung falscher Gerüchte geklagt. Der Klage nach soll Herzig den Wechsler und Kohn irr Czernowüz vor Zeugen interpelliett haben, ob sie es waren, die den jüdischen Schneidergesellen Jacob Mezobowski aus Rußland als Anarchisten denunziert haben. Bekanntlich hat der Bezirkshauptmann- Lewicki, um die Juden, insbesondere aber die Anhänger des Dr. Birnbaum einzuschüchtern, diesen russischen Flüchtling ohne jeden Anlaß auf Grund einer bestellten Anzeige an Rußland äusgeliefett, wo auch der arme Deserteur erschossen wurde. Die. „braven" Leutchen erhielten von Herzig eine Ehrenerklärung und glauben sich schon vor aller Welt rehabilitiett. Aber die Welt erlaubt sich ein Haar in der Suppe zu finden, soviel ist nämlich mtt aller: Bestimmtheit konstatiert, daß einer der Denunzianten: Wechsler's Kousin ist und Azriel Maßler heißt. Derarme Schneidergeselle hat bei Maßler's Vater gearbeitet, der ihm auch für einige Wochen Arbeitslohn schuttng blieb. Es heißt daher allgemein, daß Maßler: nicht nur aus Gefälligkeit für den Bezirkshauptmann, denunzier! hat. . Die Affaire Mezobowski bildet noch immer den. Gesprächsstoff in der Stadt und dieser unerhörte Akt. unseres Bezirkshauptmannes kennzeichnet die Rechtszustände, die hier unter der Gewaltherrschaft eines' Lewicki platzgegriffen haben. Einen Menschen ins- Elend, ja in den sicheren Tod stürzen ift bei unserem. Bezirkshauptmanne eine Kleinigkeit, sogar ein Kunststückel, für das er wahrscheinlich ein Avancement: erhofft. Er hat vielleicht gar kein Gewissen, das ihm . zuriefe: Wo ist Jacob Mezoborski? Die Wahlkampagne hat hier außer dem Stim- - menranb noch andere Früchte gezeigt. So ein. Früchte!, wie der ftüher erwähnte Gedalie Kohn ist.: für die bei der Wahl geleisteten Dienste zum Faktotum des Bezirkshauptmannes geworden. Und in: Galizien, dem klassischen Lande der Denunziation.-

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