Neue Zeitung
- Journal
- Neue Zeitung
- Volume
- 1907
- Issue
- Heft 7 (26.7.1907)
- Date
- 1907-07-26
- Page
- Seite 5 (sequence 5)
- Language
- German
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M. 7 Seite 5 Gesetz wegen Aufhebung ....... (wie oben I) Art. I. Das Hofkanzleidekret wird aufgehoben. Art. II. Das Justizhofdekret wird aufgehoben. Art. III. Mit dem Vollzüge dieses Gesetzes wird der Justizminister betraut. In formaler Beziehung wird die Zuweisung an den Justizausschuß beantragt. Außerdem haben Herr Dr. Heinrich Gabel und Genossen eine Interpellation an den Unterrichtsminister in Angelegenheit der Anerkennung der jüdischen Nationalität an der Hochschule gerichtet. * * * Unter dem Titel: „Die jüdische Sprache und ihre „Rechte" übersetzt B. S. Wittels im Lemberger jüdischen „Tagblatt" den Aufsatz, den wir in Nr. 4 unseres'Blattes brachten, ergänzt ihn aber in anerkennenswerter Weise durch einige Details, die wir hier wiedergeben wollen: „Bis vor wenigen Jahren war es in Galizien verboten. Borträge und Referate auf Volksversammlungen in jüdischer Sprache zu halten. Damm waren ja auch die Juden politisch so unreif und ließen sich von jedem eigennützigen und streberischen Moschko aus- . beuten. Jetzt besteht das Verbot nicht mehr. — Ich will noch auf die Wichtigkeit der Anerkennung der jüdischen Sprache im Gericht bei Protokollaufnahmen und Zeugenaussagen aufmerksam machen. Da ist jedes Wort von Bedeutung und oft für das Urteil ausschlaggebend. Der Schreiber dieser Zeilen kennt einen Juden, der drei Jahren in Zloczow gesessen ist, weil seine Aussagen mit einander nicht übereinstimmten. Das war aber nur deshalb der Fall, weil der Richter bei der Protokollaufnahme polnisch mit ihm sprach und der Jude sich schlecht ausdrückte, wodurch er ins Unglück geriet." „Außer der Million Juden versteht doch auch ein beträchtlicher Teil der galizischen nichtjüdischen Bevölkerung, der in häufige Berührung mit Juden kommt, die jüdische Sprache. . . Man braucht nur auf den Brodyer „Platz" zu gehen, wo nicht jüdische 'Höckerinnen jeden Morgen Grünzeug verkaufen, und zu hören, wie sie jedes vorbeigehende jüdische Mädchen anrufen — ohne Rücksicht darauf, wie diese zu ihnen spricht: „Kaienju, wuss will ijr Kosten? Petrisclikelech? Zibelkelech?“ Zum Hilsner-Prozeß. Die „Oesterreichisch-Jsraelitische Union" ' veröffentlicht nachstehenden Aufruf: „Am 1. April 1899 ist im Brezinawalde bei Polna die Agnes Hruza aus Klein-Vesnitz tot aufgefunden "worden. Weiters wurde am 27. Oktober 1898 die Marie Klima aus Ober-Vesnitz im „Herrschaftlichen Walde" bei Polna als Leiche aufgefunden..' In beiden Fällen wurde behördlicherseits ein Mord konstatiert. Wegen.dieser beiden Morde wurde Leopold Hilsn er aus Polna als Mitschuldiger vom Schwurgerichte schuldig erkannt. Er beteuert aber bisher unausgesetzt seine Unschuld. Die „Oesterreichisch-Jsraelitische Union" sichert derjenigen einzelnen oder denjenigen mehreren Personen, welche dem Gerichte oder der „Oesterreichisch-Jsraelitischen Union" oder dem Verteidiger Dr. Zdenko Auredniczek, Hof- und Gerichtsadvokat in Wien, innerhalb zweier Jahre, d. i. bis 10. Juli 1909, solche Angaben machen oder Beweismittel beibringen, die zur Entdeckung der Täter "oder zur Erweisung der Unschuld Leopold Hilsners und somit zur Wiederaufnahme des Strafprozesses führen, eine Prämie von 20.000 Kronen zu. Dieser Betrag erliegt zu obigem Zwecke bei dem k. k. Notar JUDr. Johann Janatka in Polna." Zionistische Vereine in Rußland. Vor kurzem hat der Senat die Entscheidung getroffen, daß zionistische Vereine in Rußland nicht mehr gestattet werden dürfen. Diese Angelegenheit ist vom Minsker Gouverneur, der gegen die Legalisierung eines zionistischen Vereins in Minsk seitens der „Komission für Vereine" protestierte, dem Senat vorgelegt worden. Der Ukas des Senats, der am 1. Juni unter Nr. 5186 erlassen wurde, lautet: Den Rapport vom Minister des Innern betreffend die Aufhebung der Bestimmung der Minsker Kommission über die Erlaubnis zur Gründung eines zionistischen Vereinsferner die Meinung des Oberprokureurs in Betracht ziehend, hat der Senat. gefunden: 1) Daß aus den Nachrichten, die dem Minister ..des Innern, übermittelt wurden, zu ersehen ist, die / zionistische Vereine geeignet sind, die jüdische Bevölkerung abzusondern, was zur .. Verschärfung des Rassenhasses Anlaß geben kann. 2) Deshalb muß jede Organisation seitens der Zionisten, laut Punkt 6 der zeitweiligen Statuten über Verbände und Vereine, als ungesetzlich betrachtet werden. Die Bestimmung der Minsker Gouvernementskomiffion über Legalisierung des Neue Zeitung Minsker Zionisten-Vereins als ungesetzlich erklärend, beschloß der Senat, diese Bestimmung aufzuheben und darüber einen Ukas an den Minister des Innern zu erlassen. Demonstration in London. In London fand unter den Auspizien der Gesellschaft der „Freunde der russischen Freiheit" auf dem großen Trafalgarplatz eine Demonstration statt, um gegen den Abschluß des Abkommens mit Rußland zu protestieren, sowie die verübten Grausamkeiten und Judenmetzeleien, die Verwüstung des Kaukasus und der Ostseeprovinzen und die Gefängnisgräuel in Riga zu verurteilen. An der Demonstration beteiligten sich an 5000 Personen. Nach der Versammlung zog die Menschenmenge unter Absingung sozialistischer Lieder vor das auswärtige Amt und veranstattete dort eine feindliche Demonstration. Erst nachdem mehrere Verhaftungen vorgenommen worden waren, gelang es einem starken Polizeidetachement, die Ordnung wieder herzustellen. Die rumänische Judeufrage ist nach unserem Dafürhalten von den Juden viel zulange außer acht gelassen worden. Umsomehr Beachtung muß man ihr nun zu schenken beginnen und dämm teilen wir unfern Lesern einen Artikel des Jaffyer Regierungsblattes „Liberalul" mis, der sich „A. C. Cuza, ein Feind des Landes" bettteltt Alle diejenigen, welche sich über die Lage des Landes, über die Interessen des rumänischen Volkes klar sind, begreifen, daß wir den Juden keine Rechte einräumen können. Den Juden jetzt Bürgerrechte zu verleihen, wäre gleichbedeutend mtt der Zertretung des mmänischen Volkes — insbesondere der Bauernschaft und der produktiven städtischen Bevölkerung — durch das jüdische, das unfern Aspirationen und Idealen ftemd gegenübersteht. Den Juden unseres Landes können wir übrigens widerstehen, ihre Agitation kann uns nicht beeinflußen. Was uns aber fatal werden kann, wäre die öffentliche Meinung Europas, die uns zwingen kann, den Juden diese Rechte zu verleihen. Wir waren bereits in Gefahr im Jahre 1879, als uns Europa die Früchte des Krieges, des auf den bulgarischen Schlachtfeldern vergossenen Blutes, nur gegen Verleihung der Bürgerrechte an die Juden zusprechen wollte. Damals konnten wir widerstehen, in dem wir uns die Freiheit, in unserem Lande tun zu dürfen, was uns gefällt, mit Milliarden erkauften, denn wir haben für den Ankauf der Eisenbahnen den dreifachen Preis bezahlt, nur damit wir nicht gezwungen seien, den Juden Rechte zu verleihen. Wir konnten auch deshalb noch loskommen, weil Rußland in dieser Frage interessiert war. Rußland wollte es aber durchaus nicht zugeben, daß auch nur im Prinzip die Gleichberechtigung der Juden ausgesprochen werde, denn es hatte ja seine eigenen Juden. Jetzt aber, da eine Kommission der Duma bereits die Gleichberechtigung der Juden für berechtigt erklärt hat, jetzt, da Rußland wesentlich schwächer ist, ist unsere Situation viel schlechter. Wir sind ein kleines Völkchen von nur 6 Millionen Seelen, und wenn uns Europa jetzt zwingen wollte, den Juden die Bürgerrechte zu verleihen, könnten wir nicht mehr widerstehen. Wir könnten jetzt Europa nicht mehr Milliarden in den Rachen werfen.- Wir können auch nicht mehr auf Rußlands Unterstützung rechnen, da es selbst den Juden Gleichberechtigung zu gewähren im Begriffe ist. Da wir das einzige Volk in Europa sind, das den Juden keine Rechte zuspricht, könnten wir also dem Wunsche . Europas nicht mehr Widerstand entgegensetzen, besonders da es sich durch die Bauernrevolten gezeigt hat, daß wir 40 Jahre nach Gewähmng der Konstitution noch ein so schwaches Land sind. Wo liegt nun unser Interesse? In unserem Interesse ist es, daß noch 20—30 Jahre die jüdische Frage nicht vor Europa gebracht wird. Diese Frage soll solange nicht zur Diskussion kommen, als wir nicht ein starkes Volk sind, bis nicht aus' der rumänischen Bauemschaft eine aufgeklärte, bewußte und wohlhabende Bevölkerung geworden ist. Wenn es so wett sein wird, dann werden wir auf unsere eigene Kraft vertrauen und nach Maßgabe unseres eignen Interesses beschließen, was wir zu tun haben. Und nun sehen wir, daß ein Erzreaktionär, A. C. Cuza, um ein Mandat fürs Parlament zu erlangen, auf dem Antisemüismus herumreitet, indem er an der Universität hetzt, den jüdischen Jargon imttiert, alle Leidenschaften aufwühlt, indem er die Leiden der von den Juden im Kampf ums Dasein Besiegten ausbeutet, die Jugend verdirbt, indem er sie von ihren Studien ablenkt. Kurz, um einer erbärmlichem Gloriole willen agitiert er in einer Frage, die im Interesse der Rumänen unberührt im Dunkeln schlummern müßte. Man kann den Juden keinen bessern Dienst leisten, als wenn man für die Auftollung dieser Frage arbeitet. Wenn die -öffentliche Meinung Europas, die nicht begreift, weshalb wir den Juden die Gleichberechtigung nicht gewähren können, die nicht versteht, daß dies einem Selbstmord gleichkäme, sehen wird, daß ein Univerfitätprofeffor die Universitätsjugend gegen die Juden aufwiegelt, und daß das geduldet wird, ja, daß man ihn sogar ins Parlament schickt (wo er das Verbrechen begehen wird, daß er als Patriot die Judenftage aufs Tapet bringt), dann wird dieses Land zweifellos den ersten Schritt zum Selbstmord getan haben. Dieser infame Reaktionär, der im Trüben fischen will, der sich mit Tarabutu liiert hat, mit demselben Tarabutu, mtt dem zusammen er vor einigen Jahren die Fensterscheiben der Juden eingeschlagen und das Land gezwungen hat, sich vor dem Auslande zu demütigen und mit großer Mühe das Wideraufrollen der Judenfrage zu unterdrücken, — was will er jetzt noch? Wenn er einen Tropfen patriotisches Empfinden hätte, jetzt, da er nicht mehr 20 Jahre alt ist, würde er einsehen, daß er diesem Lande keinen größeren Schaden zufügen kann, als wenn er einen Brand anfacht, der das ganze Land in Flammen hüllen kann. Alle diejenigen, die nicht dazu verhelfen wollen, daß das Vaterland zugrunde geht, müssen also diesem gewissenlosen Menschen den Rücken kehren. Diesem Volksverräter, — ja Verräter, denn wir glauben nicht, daß er unzurechnungsfähig ist, daß er nicht begreifen kann, was jeder halbwegs Gebildete begreifen muß, daß nämlich die Aufrollung der Judenfrage im Interesse der Juden und zum Schaden des rumänischen Vaterlandes wäre. Wir, die wir uns alle Mühe geben, der Welt zu beweisen, daß die „Judenftage" eine (sau-) jüdische Erfindung ist, daß wir das toleranteste Volk sind (und wir find es auch), — wir dürfen uns keine Blöße geben, wir dürfen nicht zeigen, daß wir die Bestialität ermuttgen. Mtt welcher Wonne erwarten die Juden des In- und Auslandes Cuzas Wahl! Mtt welcher höllischen Freude erwarten sie seine wilden Reden, damü sie sie vor den Augen des zivilisierten Europa ausbeuten können durch ihre europäische Presse, die sie fast durchwegs beherrschen. Jede Stimme, die Cuza gegeben wird, ist gegen die Demokratie abgegeben, denn er ist ein Reaktionär, der nur den Demokraten spielt. Jede dieser Stimmen ist ein Verrat am Volke, denn es ist die Ermutigung einer Haltung, die eine Frage ins Rollen bringt, die verschwiegen und versteckt werden muß. Auch so Einer. Wir erhalten folgende Berichtigung: In Ihrem gesch. Blatte Nr. 6 vom 19. Juli 1907, bringen Sie unter der Spttzmarke „Auch so Einer" eine Spalte welche meine Person in jeder Beziehung herabwürdigt. Zur Aufklärung über die einzelne Fakten bitte ich höfl. im Sinne Z 19 des Preßgeseßes um die Veröffentlichung der nachstehenden Berichtigung in der. nächst erscheinenden Nummer: Es ist unwahr und vollständig aus der Lust gegriffen, als wäre ich der, der alle Anzeigen der hiesigen politischen Behörde überbringen sollte, ebenso ist es unwahr, als wäre Herr Moses Horowitz durch mich zu 14 Tagen Arrest verurteilt, und daß die Herren Dr. Kinsbrunner, S. Weunkert und M. Zwick durch mich verhaftet worden wären. — Ich erkläre ausdrücklich, daß diese Mitteilungen von zweifellos mir feindlich gesinnten Personen entstammen, welche diese alle schändlichen Recherchen hervorheben, um meine Person herabzuwürdigen und daß ich derartigen Machinationen ganz ferne stehe, zumal ich nie in meinem Leben mit diesen oben erwähnten Herren in gar keiner Verbindung, sei es in fteundschaftlicher noch in geschäftlicher Beziehung gestanden bin, und infolgedessen nicht den mindesten Grund hatte, ihnen Leides zuzufügen. Ferner diene Ihnen zur Berichtigung daß es unwahr ist, daß ich den Leiter der Baron Hirsch'schen Stiftungs-Schule Herrn M. Epstein bei der hiesigen Bezirkshauptmannschaft denunzierte, ebenso ist es unwahr, daß ich diese Denunziatton protokollarisch abgerufen habe, wahr ist vielmehr. . . (folgt ein Satz, der keine Berichtigung enthält und den ww daher abzudrucken uns nicht bemüssigt fühlen. Die Redaktion). Daß ich den hiesigen Bewohnern als Zensor der hiesigen Sparkasse den Kredit störe, überlasse ich die Beurteilung denen, die über mein korrektes Vorgehen Kenntnis haben und nicht solchen Individuen die nur Gehässigkeiten meiner Person vis-ä-vis inspirieren wollen. Für die Aufnahme dieser Zeilen verbindlichst dankend, zeichne ich hochachtungsvoll Bernhard Meller. Wir haben zu dieser „Berichtigung" vorläufig nur soviel zu bemerken, daß die Meinungen über die Zensortätigkett des Herrn Meller im Allgemeinen sehr unfteundlich sind. Im Uebrigen wollen wir unserem Korrespondenten nicht vorgreifen. Die Redaktion. Aufruf! Ein junger Mann in einer der Städte des 32. galizischen Wahlkeises hat im Wahlkampfe bis zur Erschöpfung seiner Kräfte gearbeitet. Am Stichwahltaae versetzte ihn das Miterleben aller der namenlosen Wahlschuftereien in einen solchen Erregungszustand, daß sein geschwächter Körper dies nicht mehr ertragen konnte. Er bekam einen Blutsturz. Nun braucht er eine Kur zur Wiederherstellung seiner Gesundhett, speziell eine Badereise, verfügt aber nicht über die erforderlichen Mittel. Wir bitten nun alle Volksgenossen, die Sinn für die Heldenhaftigkeit dieses jungen Mannes und Mitleid mtt seinen jungen Jahren