Neue Zeitung
- Journal
- Neue Zeitung
- Volume
- 1907
- Issue
- Heft 7 (26.7.1907)
- Date
- 1907-07-26
- Page
- Seite 7 (sequence 7)
- Language
- German
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Neue Zeitung Seite 7 'heißt das viel, denn die Zuträgerei hat hier einen goldenen Boden. Gedalin Kohn, der bis nun ein armer Schlucker war, lebt jetzt nach der Wahl im Wohlstand (die „Wahlhilfe", die er leistete, scheint ein rentables Geschäft zu sein). Behilflich ist ihm bei seiner „Amtstätigkeit" ein gewisser Josel Kohn aus Stecowa. Obgleich er hier gar keine Stimme hat, ging er im Wahllokale ein und aus und hatte die Taschen mit Legitimationen und Stimmzetteln, natürlich mit der Stampiglie Stefan Moysa voll versehen. Der letzte im Bunde der Wahlkünstler ist der berüchtigte Chaskel Öfterer. Vor nicht langer Zeit ein Kegelbursche, dann Winkelschreiber in den Gastchäusern und dann Konfident, rekte Denunziant beim Bezirkshauptmann Zulauf. Als solcher hat er sich Aemter und einträgliche Würden ergattert. Er ist sogar Mitglied des Orts- und Bezirksschulrates geworden, und auch dieses Amt nützt er in gemeinster Weise aus. Der gewesene Baron Hirsch-Stiftungslehrer Herr Moses Sande! bewarb sich um den Posten eines Religionslehrers in Sniatyn, und wurde ihm diese Stelle nur unter der Bedingung verliehen, daß sich sein Onkel Herr Altheim, der Gutspächter in Poowysoka ist, verpflichtete, bei Chaskel Öfterer, der auch Agent des „Phönix" ist, einen Teil der Ernte zu versichern. Herr Altheim konnte aus wichtigen wirtschaftlichen Gründen seiner Verpflichtung nicht Nachkommen. Chaskel Öfterer hat darauf erklärt, und das vor Zeugen, daß er die Stabilisierung des Herrn Sandek nie zulaffen werde. Im Dezember. 1906 wurde ein Konkurs ausgeschrieben und Chaskel Öfterer wollte wenigstens diesmal sein Wort einhalten, er vereitelte die Stabilsierung des Herr Sandek. Als aber Herr Gutspächter Altheim sich ernst verpflichtete, einen dritten Teil seiner Pachtung bei Chaskel Öfterer zu versichern, wurde Herr Sandek im Jänner dieses Jahres definitiv angestellt. Herr Bezirkshauptmann Lewicki weiß davon, da aber Chaskel für Moysa agitiert hat, wird ihm auch dies nachgesehen und so ist er ein würdiger Kollege — des Herrn Lewicki im Bezirksschulräte. Aus der;üd. Heffentlichkeil. In dieser Rubrik finden u. a. Verlautbarungen jüdischer Körperschaften — ohne Unterschied der Richtung — Aufnahme. Der 8. Zionisten-Kongreß im Haag. - Wir erfahren: Die Wahlen sind nunmehr der Hauptsache nach erledigt. Nur die Liste von Südafrika steht fast gänzlich aus, sonst fehlt nur noch ein Teil der Wahlresultate aus einzelnen Ländern, hauptsächlich Rußland. Wie uns aus Rußland geschrieben wird, ist die kleine Verspätung darauf zurückzuführen, daß abgesehen von den an und für sich großen Wahlschwierigkeiten, an manchen Stellen Nach- und Stichwahlen stattfinden. Trotz der furchtbaren Depression, die wieder im Lande herrscht, und der schwierigen Situation, die durch die Nähe der Dumawahlen geschaffen ist, wird die russische Organisation doch mindestens 150 Delegierte entsenden können. Besonders stark (30 Delegierte) wird diesmal die Delegation aus Amerika sein, das (außer Dr. Sch. Levin) nur amerikanische Zionisten mit Mandaten betraut hat. DasCngere Aktionskomitee ist für Sonntag, den 10. August, nachmittags, 3 Uhr, das Große Aktionskomitee für Montag, den 11. August, vormittags 11 Uhr zu einer Sitzung einberufen. Der Legitimationsausschuß hält Sonntag, den 11., der Permanenzausschuß Dienstag, den,13. August die erste Sitzung ab. Jüd.soz. Arb.-Partei Poale-Zion, Wien. Samstag, den 27. d. M., präz. 8 Uhr abends, findet im Kaffee Stefanie (Stefaniestraße 2) eine Kongreßversammlung der Wiener P.- Z.-Organisation statt. Ueber „Das Grundproblem des Zionismus und der 8. Kongreß", referiert Gen. Groß. Gäste willkommen! Der Verein junger Juden „Theodor Herzl" in Kimpolung veranstaltete am Sonntag, den 30. Juni l. I. im hierortlichen Tempel eine Trauerandacht für Dr. Theodor Herzl, die einen höchst würdigen Verlauf nahm.. Nachdem die Herren Tr. Zaloscer und Rabbiner Dr. Misch! dem verstorbenen Zionistenführer einen warmen Nachruf hielten, ergriff der bekannte jüdische Agitationsredner Abraham s o h n aus Rußland das Wort und verstand es, das Wirken und Streben Herzl's den Anwesenden klarzulegen und diese zu begeistern. Bei der Feier wurde für den Herzlwald und den Nationalfond gesammelt. * / * . Ferialverein jüdischer Hochschüler „Giskalah" in Proßnitz. Die Chargenwahlen ergaben nachstehendes Resultat: jur., Viktor Altar, Präses; phil. Viktor Stiasny, Vize-Präses; phil. Felix Mayer, Schriftführer. Handel und Verkehr. Prodnkteu-Börse. Wien, den 25. Juli 1907. Zu Beginn der Berichtswoche war die Tendenz am Brodftüchtenmarkt noch sehr fest und Preise haben angezogen. Aber mit dem wechselnden Wetter schlug auch die Tendenz um. Bei dem prachtvollen Ernteweüer das jetzt besteht, ist die Sttmmung am Getteidemärkt nachgiebig. Wenn Weizen und Korn trotzdem nur wenig von ihrem höchsten Stand abbröckelten, so nur darum, weil weder der Handel noch der Konsum zu den jetzigen Preisen größere Anschauungen machen will. Reflektanten warten auf das Andrängen der neuen Ware um dann billiger ankommen zu können. Einstweilen hatten Warenbesitzer mit Offerten noch zurück, um jeden Preisdruck hintanzuhalten. Die Muster der neuen Ware befriedigen qualitativ. Auch von Gerste liegen schon Muster genug vor. Zu Geschäften ist es aber noch nicht gekommen. Es mangelt an einer Preisbasis. Im Hinblick auf die hohen Preise der Futterstoffe werden undiskutable Forderungen gestellt. Von Futterartikeln findet Mais reges Spekulations- Jntereffe und wurde deswegen ttotz äußerst schwachem Konsumbegehr um gut 30 Heller teuerer. Hafer hielt bei lustlosem Geschäft die Vorwochenpreise auftecht. von bis K h Rh Weizen: Theiß. 12.— 12.55 Slovakischer.. . 11.25 11.60 Marchfelder und Niederösterr. . . —.— —.— Roggen: Slovakischer. 8.90 9.10 Pester Boden.—.— —.— Oesterreichischer.—.— —.— Gerste: Bremer, Futter- und Rollgerste . . 7.20 7.60 Mais: Ungarischer. 6.80 7.— Cinquantin. 7.50 7.85 Hasse: Ungar. Ia m. Ausstich. 8.65 9.15 „ geringer Ausstich . . . . 8.50 8.75 Briefkasten. „W^ette in Z." Es gibt derzeit keinen astiven jüdischen General in der österreichisch-ungarischen Armee. Der letzte, Schweizer, wurde 1906 pensioniert. B e n o R. in Suczawa. Konnten wir bisher nicht ermttteln, wird übrigens auf dem Zionistenkongreffe bekannt werden. Bahnbeamte: Sie können klagen. Sie brauchen nur nachzuweisen, daß Sie geliefert haben und daß der dritte stutzen von Ihrer Arbeü gehabt hat. Jakob F. in Cz. Ihr Geschäft unterliegt den allgemeinen Besttmmungen über die Sonntagsmhe. Kunst und Literatur. Novellen und Skizzen aus dem jüdischen Leben von David Rothblum (Kunstverlag Hickl in Brünn). Mn geht es wie ein Raunen durch den jüdischen Dichterwald. An allen Ecken und Enden lebt es. Da blüht die Wunderblume , der Erzählung eines Perez, hier sind die reifenden Kleinigkeiten eines Reisen, die erhabenen Schönheüen eines Dialik und hier lacht Schalem Alejchem sein herzhaftes, fröhliches Lachen. Sie haben „Schule" gemacht. Der große Sttom jüdischer Kunst, der jetzt allenchalben fließt, hat viele kleine Bächlein mitgerissen. Auch David Rochblum ergoß seine klaren, ruhigen Wellen — es sind noch Novellen — in diesen mächtigen Sttom. Da ist ein Feld, wo junge Kraft die Glieder dehnen kann. Hier sind unbekannte Schönheüen, in denen sich eine Künstlerseele noch voll ausleben mag. G o l u s heißen diese anspruchslosen, ftiedlichen Skizzen. Da David Rothblum kein „Entdeckter" ist und für ihn keine große Trommel gerührt wurde, empfindet man diese feinfühligen füllen Arbeiten, die auf nicht mehr Anspruch erheben, als sie sind, doppett angenehm. Es sind da einige Skizzen, die anmuten wie Dämmerstunden nach einem schweren Tagewerk. Friedlich, abgetönte Stimmungen, von keiner. Leidenschaft durchwühtt, von keinen Gewatten erschüttert, mit gedämpften Schmerzen und Freuden. Nichts Lautes, nichts Schreiendes. Empfindsame Skizzen. Die Düsterheit und Unfreiheil des Golus erhellt ein leichter Schimmer wie ein matter Sonnensttahl. Man sieht, hier hat eine milde, verständnisvolle Hand gewaltet, die die kleinen, bezeichnenden Züge erfaßte und die charakteristischen Details der östlichen Volksseele mit viel Liebe uud Verständnis zeichnete. Von den Arbeüen selbst möchte ich auf die Mvelle „Schuld und Sühne" Hinweisen, die einen tieferen Anklang hat, währenddem der „Indian" in der Handlung etwas flacher aber flotter entwickett ist. Einige der Novellen, die einen hübschen Ansatz haben, verfallen aber häufig in einen Ton manirierter Schwermut, der ein wenig störend wirst. Es sind aber diese Unebenheüen und einige Schwächen im Stil, bei einer Erstlingsarbeit nicht verwunderlich. Aber dieses kleine Merkchen, dessen literarischen Wert ich hier nicht abschätzen will, hat für uns ein viel bedeutsameres Interesse. Es ist ein Merkstein auf der Landsttaße unserer Kuttur. Ein kleines Stückchen Weg auf der großen Fahrt nach dem Ziel. Mü einem Worte — Heimatkunst. Und deshalb soll es fteundlich willkommen sein. Thekla Blech. Das hebräische Wörterbuch Ben Jehrrdas. Zur Herausgabe des von jüdischen und christlichen Gelehrten gleich sehr anempfohlenen neuhebräischen Wörterbuches von Herrn Ben Jehuda in Jerusalem haben mehrere Vereine, wie die Gesellschaft zur Förderung der Wiffenschaft des Judentums, der Hilfsverein der deutschen Juden und das zionisttsche Aktionskomitee, regelmäßige Beittäge bewilligt. Aus den Verttetem dieser Gesellschaften, Dr. Paul Nathan, Prof. Dr. O. Marburg, Prof. Dr. M. Philippsohn und Privatdozent Dr. Mittwoch, hat sich ein Hilfskomitee für die Herausgabe des verdienstlichen Werkes gebildet mit der Befugnis der Kooptation. Das Komitee fordert Glaubensgenoßen und jüdische Vereine, die sich für üas hochwichtige wissenschaftliche Unternehmen interessieren, das eine so schmerzliche Lücke in unserem Schrifttum auszufüllen bestimmt ist, hiermit herzlich und dringend auf, Beittäge an den Obmann des gedachten Komitees, Herrn Prof. Dr. M. Philippsohn, Berlin W 15, Kurfürstendamm 211 gefälligst einzusenden. Schriften von Mathias Acher (Dr. Nathan Birnbaum). Aeltere Schriften. Die jüdische Moderne, 1896. Erhältlich in der Redastion der „Jüdischen Rundschau", Berlin, NW. Melanchthonsttaße Nr. 4. Preis 50 Pfennig. Zwei Borträge 1898. Erhältlich in der Redaktion der „Neuen Zeüung". Preis 40 Heller. Neuere Schriften. Henrik Ibsens „Drittes Reich", 1900. Erhälttich in der Redastion der „Neuen Zeitung". Preis 50 Heller. Achad Haam. Ein Denker und Kämpfer der jüdischen Renaissance, 1903. Erhättlich im „Jüdischen Verlag", Köln, . Ubierring 23, Preis 1 Mark. Das Stielkind der Sozialdemokratie, 1905. Erhältlich bei E. W. Stern, Wien. Preis 50 Heller. Ostjüdische Aufgaben, 1905. Erhättlich in der Redastion der „Neuen Zeitung" Preis 10 Heller. I. L. Perez. „Erzählungen", in deutscher Uebersetzung. Erhältlich im „Jüdischen Verlag" Köln, Ubierring, 23. Preis: Broschiert Mk. 3.—, Gebunden Mk. 4.—, Illustriert Mk. 7. —. PATENTE 7™r Ingenieur und Patentanwalt J. Knöpfelmacher Telephon 22.132,_Wien, II., Praterstrasse 37. P Lebenayrosse Porträts in anerkannt künstlarhcher _ Ausführung zum Preise von ü. 4.50. — Photographische Aufnahmen in vollendeter Ausführung zu konkurrenzlosen Preisen ausgeführt. ~ 6 Vislt ... fl. 1.50 8 Kabinett ... fl. 3.50 Photograph E. Preiss, nur II. Taborstrasse Hr. 11a. ■oron i-dib raeh Jüdische'jieujahrsHarteti. 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