Neue Zeitung
- Journal
- Neue Zeitung
- Volume
- 1907
- Issue
- Heft 6 (17.7.1907)
- Date
- 1907-07-17
- Page
- Seite 6 (sequence 6)
- Language
- German
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Seite 6 NeueZeitung Nr. 6 Resolution in diesem Sinne einstimmig und begeistert angenommen. — Herr Alexander Salomon Schreiber möge aber aufhören, sich Berl Stern zum Muster zu nehmen. Es könnte ihm sonst sehr übel bekommen. Serether Juden. Zionistischer Distriktstag in Stanisla«. In Anwesenheit von 30 Delegierten der Provinzvereine, sowie aller D.-K.-Mitglieder wurde der diesjährige südgalizische Distriktstag Sonntag, am 23. Juni, um 10 Uhr früh, im Lokale des Vereins „Erez Israel" eröffnet. Nach der kurzen Ansprache und Begrüßung seitens des Vizeobmannes des D.-K. Herrn Dr. Sußmann wurde die Wahl des Präsidiums vorgenommen, und zwar: Obmann Dr. Sußmann, Stelloertreter Dr. Malz (Bursztyn) und M. Lachs (Kolomea), Sekretäre Dr. Koch (Tlumacz), Wechsler (Buczacz) und Horowitz (Kossow). Dem Rechenschaftsbericht, erstattet von Frl. Meller, ist zu entnehmen, daß das D.-Kin organisatorischer und agitatorischer Beziehung erfolgreich tätig war. Abgesehen von dem glänzenden Erfolge in Stanislau selbst, (Stanislan lieferte im letzten Jahre K. 1756.63 für den Nationalfond) ist es der N. F.-Kommission des D. K. unter Leitung des Herm Henisch gelungen, die Konzentrierung der N. F.-Tätigkeit für den ganzen Distrikt durchzusühren und die Provinz über die Wege und Ziele des N. F., sowie deffen Institutionen in einer populären, in jüdischer Sprache abgefaßten und in 5000 Exemplaren abgedruckten Flugschrift auszuklären. Ein solcher Aufruf ist auch zugunsten des Schekels veröffentlicht worden. Was die Organisation betrifft, so sind 20 Neugründungen zu verzeichnen. Dieser Distrikt zählt somit 51 Vereine, hievon 39 Männervereine und 12 Frauenvereine, Diesem Berichte folgte eine länger Debatte und sodann die Votierung des Dankes und Vertrauens an das abtretende Komitee. Zum Punkt „Organisation" referierten die Herren Dr. Füllend aum und Dr. Halpern. Ueber die Stellungnahme zum 8. Kongreß referierte Herr Dr. Schur. Für die Lösung der Frage des Verhältnifles des Poale-Zionismus zum Zionismus habe er folgenden moclus vivenäi vorzuschlagen. Der Zionismus macht in sozialer Hinsicht eine Verschiebung nach links, dagegen schiebt sich der Poale-Zionismus in organisatorischer Beziehung nach rechts und bleibt nach 'wie vor in der zionistischen Organi- Die vorgenommene Neuwahl ergab folgendes Resultat: Dr. Markts Braude, Dr. Schur, Dr. Halpern, Meier Henisch, Dr. Sußmann, Dr. Nittermann, Frl. R. Meller, H. Trapp, Markus Pfeffer und H. Hessel. _ Wissenswertes. Jemenitische Juden in Palästina. Der Berliner „Jüdischen Preffe" wird aus Jerusalem geschrieben: „Der durch die Pogrome in Rußland und Rumänien verursachte Einwanderungsstrom aus Europa ist jetzt zum Süllstand gelangt und flutet allmälig zurück, wogegen der aus Asien, namenllich aus Südarabien und Persien, zwar langsam, aber ununterbrochen weitergeht. Die Immigrationen aus diesen Gegenden haben ihren Grund nicht in plötzlich her-. einbrechenden Katastrophen, wie in Europa, sondern in der systematischen Unterdrückung, welche unseren Glaubensgenossen das Leben fast zur Unmöglichkeit macht. Alle Juden dieser Länder wären schon längst von dort geflüchtet, wenn sie die Möglichkeit dazu gehabt hätten. Durch die erleichterte Kommunikaüon zur See können sie jetzt, wenn es ihnen nur gelingt, ihrem eigenen Lande zu entkommen, jedes andere leicht erreichen. Aber welches Land? Die in wettftemder Abgeschiedenhett Lebenden wissen, wie ihre Heimatgenossen, von der übrigen Wett nichts. Nur Palästina kennt jeder Jude, und dahin richtet sich sein Gedanke zu allererst, wenn ihm die Ereignisse die Auswanderung nahelegen. Wie man weiß, befindet sich Süd-Arabien, hauptsächlich Jemen, seit einigen Jahren in beständigem Aufruhr. Erft dieser Tage traf die Nachricht hier ein, daß Sannah, die Hauptstadt Jemen's, wieder von den Aufständischen erobert und die türkische Besatzung vertrieben wurde. Das geschah in diesem Jahre zum soundsovielten Male. Die dortige arabische Bevölkerung ist in zwei Parteien gespalten: die eine hält es mit der türkischen Regierung, die andere erstrebt eine arabische Herrschaft. Abwechselnd gewinnt die eine oder die andere Partei die Oberhand und nützt die kurze Zeit ihrer Macht zu Erpressungen und Plünderungen der Gegner, vor Allem der Juden, die sich mmer zwischen Ambos und Hammer befinden, niemals Ruhe haben, von keiner Partei geschont werden, sondern die ständige Beute Aller sind. Das Leben ist für unsere Glaubensgenossen unerträglich geworden, und eben deshalb die seit zwanzig Jahren sich vollziehende Massenflucht, die sich, wie gesagt, fast ausschließlich nach Palästina richtet. Vor dem Jahre 1886 war ein jeminitischer Jude in Jerusalem fast eine gleiche Merkwürdigkeit, wie ein Chinese; heute gibt es hier mehrere jemeniüsche Gemeinden, deren Mitglieder bereits einen so bedeutenden Prozentsatz der jüdischen Bevölkerung bilden, daß sie bei der jüngsten Chacham Baschi-Wahl den Ausschlag gaben. Ihre Anzahl nimmt durch ununterbrochene Einwanderung ständig zu. Fast alle stammen aus den Haupt- und Hafenstädten, von wo eine Flucht leicht möglich ist. Das Innere des Landes und das Los seiner jüdischen Bewohner ist selbst den Jemeniten unbekannt und wird es wahrscheinlich solange bleiben, als der anarchische Zustand dort andauert und das Vordringen von einem Orte zum anderen nur unter Lebensgefahr gestattet. Soviel ist aber bekannt, daß im Inneren Süd-Arabiens noch eine große Anzahl Juden lebt, mit denen wir in gar keiner Kommunikation stehen, und daß diese Unglücklichen noch viel mehr zu leiden haben, als ihre Brüder, die am Saume der großen arabischen Wüste ansässig sind, wo es der türkischen Regiemng leichter ist, ihre Garnisonen zu erhalten. Sollte das Land einmal zur Ruhe kommen und das Bereisen desselben mit weniger Lebensgefahr verbunden sein, dann haben wir eine ganz neue Einwanderung der Juden aus dem Inneren Arabiens zu gewärtigen, die uns vor neue ökonomische Probleme stellen wird. Vorläufig haben wir es nur mit städtischen Jemeniten zu tun, deren Charakterisierung ich hier mit wenigen Worten versuchen will. Gleich den meisten Bewohnern der tropischen Striche sind auch diese unsere Glaubensgenossen von kleinem Körperbau, von bräunlicher Hautfarbe, mager, lebhaft, beweglich, fleißig und arbeitsam — bei Bewohnern der heißen Klimate eine seltene Ausnahme. In ihren denkbar primitivsten Lebensansprüchen sind sie im Vergleich mit jüdischen Einwanderern anderer Länder fast bedürfnislos zu nennen. Einige „Pites," d. h. Fladen aus Gersten- oder Durra-Mehl, mit wenigen in Wasser gekochten Brocken Gemüse bilden beinahe ihre einzige Nahrung. Weizenbrod gehört zu den Delikatessen. Nur an Sabbarhen und Feiertagen gönnt sich der Jemenite Fleisch. Als Brennmaterial begnügen sie sich mit getrocknetem Esel- und Kameelmist, den die Frauen und Kinder in den Straßen sammeln. Ihre Kleidung unterscheidet sich nicht wesentlich von der des hiesigen Fellahen mit Ausnahme der Beinkleider, die der letztere nur als Tracht der Herrenheute (Chuwaga) kennt. Möbel, wie Tisch, Schrank, Bett, Stuhl u. s. w., sind den Jemeniten Luxusartikel, mit denen sie kaum etwas anzufangen wissen. Erst hier lernten sie die Benutzung gedruckter Bücher, die in ihrer Heimat eine so große Seltenheit bilden, daß man noch, wie anderwärts vor vielen Jahrhunderten, ehe die Buchdruckerkunst allgemeine Verbreitung fand, auf Handschriften angewiesen ist. Daher kommt es auch, daß mit ihrer Einwanderung sehr viele, zum Teil unbekannte und von den Bibliotheken gesuchte Manuskripte hierher kamen. Diese Handschriften sind noch heute ihre einzige Habe, deren Rettung ihnen nur deshalb gelingt, weil ihre Peiniger und Plünderer für solche Beute keine Käufer finden. Sonst treffen sie von allen Mitteln entblößt hier ein. Dennoch aber gelang es ihnen in ganz kurzer Zeit, festen Fuß zu fassen und unter dem Sephardim die zweitzahlreichste Gemeinde zu bilden." A. B e n z u r. Kunst und Literatur. Gordin in Lemberg. Lemberg beherbergte unlängst einen berühmten Gast — den Reorganisator der jüdischen Bühne und Dramatiker Jakob Gordin, der den Gegenstand lebhafter Ovationen sowohl während der Vorstellung seines Dramas „Metiref" am 6. Juli im Lemberger jüdischen Theater, als auch bei dem ihm zu Ehren am 8. Juli im Hotel Bristol veranstalteten Kommers bildete. Jakob Gordin zählt jetzt 54 Jahre und ist in einen kleinen Städtchen Rußlands geboren. Sein Werdegang ist der aller russisch-jüdischen Maskilim. Zuerst die Chederjahre, viel Talmud, wenig Hebäisch und „Dikdik" und dabei eine bunte Phhntasie, eine Sehnsucht nach innerlicher und äußerer Freiheit. Und als Hindernisse Aberglauben, kleinliche Verhältnisse, Despotismus — ttrrz jene Masse von Leid und Qual, wie man sie nur. in Ikußland und nur als Jude erleben kann. Dann kommt das Extrem. .Aus dem gedrückten Juden wird ein revolutionärer Allerweltsversorger. Gordin ist diesen Weg gegangen. In jungen Jahren wurde er verheiratet, sollte Kaufmann werden, wurde aber Lehrer, wirkte an Gemeindeschulen und reformierte Talmud-Thora, Anwälten, schließlich begann er Zeitungsartikel zu schreiben und wurde Redakteur eines russischenBlattes in Odessa. Als solcher trat er für eine Agrarreform ein; an sein Volk aber dachte er wenig. Um polizeilichen Schikanen zu entgehen, emigrierte er nach Amerika, wo er eine Zeitung in russischer Sprache gründete. Diese zog aber nicht und Gordin begann Skizzen in jüdischer Sprache zu schreiben, die in einer jüdischen Arbeiterzeitung. Aufnahme fanden. Mit der Zeit trat er mit größeren Erzählungen auf den Plan und eines- Tages schrieb er ein jüdisches Drama, das aber keine allzu günstige Aufnahme fand, da um jene Zeit „Trauerspiele mit Gesang und Tanz", Settenstücke zu den deutschen Hanswurstiaden, beliebt waren. Gordin ließ sich aber seine Mühe nicht verdrießen, er suchte und fand Unterstützuug bei jüdischen Schauspielern und bald fand das jüdische Publikum Geschmack an ernsteren Stücken. Auf solche Weise hat er sich um die jüdische Bühne unvergängliche Verdienste erworben und die ihm bereiteten Ovationen sind schwache Belohnungen für unvergängliche Leistungen. Handel und Verkehr. Produkteu-Börse. Wien, den 17. Juli 1907. Die Berichte über den Ernteausfall wechseln am Getreidemarkt mit dem Wetter. Von einer, stabilen Tendenz ist deswegen derzeit keine Spur. Der heute publizierte österreichische Saatentstandsbericht lautet im allgemeinen günstig. Die maßgebendsten Distrifte Ungarns haben aber nicht nur einen' bedeutenden Minderertrag zu gewärtigen, sondern es scheint, daß die vielen Niederschläge auch die Qualität schädigen. Anders wäre nicht zu verstehen, daß z. B. heute New-Iork flaue Tendenz und starke Kursrückgänge meldet, in Budapest aber sowohl effettive Ware wie auch Termine eine weitere Befestigung durchsetzen. Hier ist bei schwachem Verkehr selbst für neue Ware wenig Interesse im Markt. Immerhin schließt Weizen die .Berichtswoche mit einer Avance von 15^Heller ab. Roggen ist besser . offeriert und hat deswegen nur 5 Heller ange- Für die Futterartikel u. zw. sowohl für, Mais als Hafer wird der Witterungsverlauf als günstig erachtet. Mais hat schwachen Absatz und notiert gegen die Vorwoche 5 Heller billiger. Die Eigner von Hafer beobachten zuwartende Haltung. Preise sind gegen die Vorwoche unver- . ändert. bis K h K h Weizen: Theiß.. . 11.95 12.55 Slovakischer. . 11.10 11.45 Marchfelder und Niederösterr. . . 10.55 10.85 Roggen: Slovakischer.. . 8.75 8.95 Pester Boden ... - 8.70 8.90. Oesterreichischer. . 8.55 - 8.80' Gerste: Bremer, Futter- und Rollgerste . Mais: Ungarischer.. . . . 6.45 6.70 Ginquantin.- . 7.35 7.70 Hafer: Ungar. Ia m.' Ausstich .... . 8.65 9.15 „ geringer Ausstich . . - . 8.50 8.75 Marktbericht vom 18. Juli. Zeutraloiehmai cf t. Dem heutigen Markte wurden zugeführt: 3739 gestochene Kälber, 3387 lebende Schweine, 998 Weidner-Schweine, 129 Weidner-Schafe, 103 Lämmer. — Bei ziemlich gleich hohem Auftrieb wie in der Vorwoche verkehrte der Kälbermarkt mit Rücksicht auf den äußerst schwachen Stadtbedarf in flauer Haltung und waren schon im Vormittagsverkehre Prima Kälber um 4, leichtere Sorten um 4 bis 6- Heller billiger. Alan verkaufte: Weidner-Kälber von K. —.80 bis 0.98, Prima von K. 1.— bis 1.30, Hochprima von K. 1.32 bis 1.40, Lebende Kälber von K. —.60 . bis 1.08, Lebende Fettschweine von K. 1.— bis 1.20, lebende Fleischschweine von 80 Heller bis K. 1.08, Weidner Fleischschweine von K. 1.08 bis 1.28, Frischlinge von K. 1.04 bis 1.28, untergewichtige von K. 0.— bis 0.—, Weidner Schafe von 92 H. bis K. 1.12 per Kilo, Lämmer von K. 18.— bis 36.— per Paar, Primaschafe von — bis — Heller, Brackschafe von — bis — Heller per Kilo, alles. exklusive Verzehrungssteuer.