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Neue Zeitung · 1907-07-17 · Heft 6 (17.7.1907) · p. Seite 5

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Journal
Neue Zeitung
Volume
1907
Issue
Heft 6 (17.7.1907)
Date
1907-07-17
Page
Seite 5 (sequence 5)
Language
German
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Nr. 6 Neue Zeitung Seite 5 noinmen und erfüllt sie mit Erfolg: i. I. 1901 hat es 1830, i. I. 1902 3208, i. I. 1903 3525, i. I. 1904 6023, i. I. 1905 6005, und i. I. 1906 6922 aus New-Dork nach den Städten im Inneren geleitet. Die Abreise derer, denen wir helfen, bestimmt viele Andere, ohne Unterstützung fortzugehen und sich über eine beträchtliche Zahl von Orten zu verbreiten, wo bisher keine Juden wohnten". „Ich kann es mir nicht versagen, Ihre Aufmerksamkeit einige Augenblicke auf einen Punkt zu lenken, nämlich auf den unbestreitbaren Erfolg unseres landwirtschaftlichen Kolonisationswerks, namentlich unseres ältesten Unternehmens, das sein Entstehen dem Begründer unserer Gesellschaft dankt, die Kolonisation in der Republik Argentinien. Sie wissen, wie groß die Schwierigkeiten des Anfangs gewesen sind; Die Kolonisten, welche mit dem Anbau von Getreide begonnen hatten, dem klimatische Zufälle, die Invasion von Heuschrechen Schwierigkeiten bereiteten, haben es verstanden, allmäligzu der Bodenkultur weniger dem Zufall unterworfene Wirtschaftszweige hinzuzufügen: Vieh- und Geflügelzucht, Luzerner-Pftanzungen, Molkerei; außerdem haben sie auf Grund von Erfahrungen die Bebauung ihrer Felder verbessert. So ist heute ihre Situation fest begründet, ihr Leben gesichert. Bei allen Schwankungen und Zufälligkeiten des Ackerbaues ziehen sie, aus ihrer Arbeit Einnahmen, die nicht nur für ihren Unterhalt ausreichen, sondern auch zur Rückzahlung ihrer Schulden an unsere Gelellschast. Die Kolonie Mosesville bietet uns dafür in diesem Augenblick einen ergreifenden Beweis: die letzten beiden Jahre waren für den Getreidebau ungünstig, und die Nachrichten, die wir vor einigen Monaten, zur Zeit der Ernte erhalten haben, lauteten sehr beunruhigend. Indessen dank der Verschiedenartigkeit der Wirtschaftszweige hatten die Kolonisten nicht nur zu leben, sondern sie konnten uns auch eine Jahresrate von ungefähr 110,000 Franks zurückzahlen. Dem materiellen Gedeihen entspricht die Entwicklung des sozialen Lebens; dasselbe ist geordnet genug, um einander zu verstehen. Wir haben gleichgeartete Gruppierungen vorgenommen, was sicherlich unsere Aufgabe schwieriger gestaltete. In den Vereinigten Staaten hat man mit der gleichen Bevölkerung ein anderes System, die Anlegung vereinzelnter Farmer, genauer ausgedrückt: solcher, die mitten unter der benachbarten Bevölkerung liegen, versucht; man sieht allmählich davon ab: die Erfahrung hat gezeigt, daß die Errichtung wirklicher Kolonien vorzuziehen ist." „In Palästina bessert sich die Situation der Kolonien, deren Begründer so viel getan hat, um sie lebensfähig zu machen, ebenfalls. Das Land ist gut, der Boden fruchtbar; die Kolonisten haben genug Boden und ausreichenden Viehstand erhalten, um ohne jegliche Unterstützung bestehen zu können. Wir haben die meisten unserer Beamten beseitigt; die Kolonien verwalten sich selbst, und die Kolonisten arbeiten fleißig. Nur das Verwaltungsregime des Landes, die Art der Steuer-Erhebung halten den Fortschritt der Kolonisation auf." „Unsere Darlehens-Kassen in Galizien gedeihen in gleicher Weise wie in Rußland. Im Jahre 1906 haben sich ihnen 1890 neue Mitglieder -angeschlossen, deren Zahl gegenwärtig insgesamt 8639 beträgt; andere Darlehens-Kassen werden in diesem Jahre entstehen." Jüdische Kolorrisation in Mazedonien. Ali Kemali, Sekretär der türkischen Vertretung im Haag, gibt bekannt, daß der Konferenz ein vom englischen auswärtigen Amte befürworteter türkischer Vorschlag zugehen werde, . große Gebietsteile Mazedoniens der Kolonisierung durch jüdische Familien zu überlassen. (Ob gerade der von Rassenkämpfen so sehr durchwühlte Boden Mazedoniens für eine jüdische Kolonisation besonders geeignet ist, erscheint uns fraglich.) Bon territorialistischer Seite wird uns berichtet: Die „Jewish Gazette", das führende Jüdische Organ Amerika's, welches dem Plane der „I. T. O." — die Emigration über G a l v e st o n zu leiten — etwas skeptisch gegenüberständ, veranstaltete inbezug auf die Frage, ob Texas für Jüdische Niederlassungen geeignet ist, unter seinen Lesem in diesem Staate'eine Enquete, betitelt: „Wird der wandernde Jude seine Habe nach Texas führen-?" In der Nummer vom 21. Juni erscheint nun das Erstlingsergebnis dieser Umftage in der Form von drei Briefen - von Korrespondenten arw verschiedenen Städten Texas'. I Der erste derselben besagt, daß der Plan, die jüdischen Emigranten nach Teras zu schicken — ein sehr guter ist. Denn hier sind Handwerker gesucht. Texas ist durchaus kein wildes Land, wie viele glauben. Es leben dortselbst bereits viele Handwerker, denen es allen sehr gut geht. Auch Schreiber dieses Briefes begann als Handwerker und sei heute Besitzer eines prosperierenden Geschäftes. Der zweite Korrespondent, der sich als ein Wohltäter vorstellt, sagt, daß alle jene, die nach Teras kommen, glücklich sind. Das Leben ist dort riel ruhiger und demokratischer, als in den östlichen Städten. Wenn die Emigranten zu farmern wünschen, kann es keinen besseren Flecken geben. Derselbe Korrespondent führt ein Beispiel eines japanischen Ehepaares an, welches im vergangenen Jahre einwanderte und Land zu 3 Dollar per Acre angekauft hat, dasselbe mit Reiß bebaute, und das heute einen Wert von 25 Dollar per Acre repräsentiert. Der dritte Korrespondent sagt, wenn die Emigranten irgend ein Handwerk in der Hand haben, dann bietet ihnen der Staat ausgezeichnete Gelegenheiten, ohne daß Sie gezwungen wären, Hausierer zu werden. Schreiber lebe in Texas seit lö98 und durchquerte, den ganzen Staat. Nach seiner Meinung sei Texas "der Staat für jüdische Einwanderung. London: In New-Court fand am27. Juni ein Meeting des „Emigrations-Departements" der Jto statt. Mit Rücksicht auf die Erfolge, welche die Tätigkeit gleich zu Anfang brachte, wurde der Plan erwogen, in sämtlichen Orten Rußlands Zweigbureaux zu errichten. Gegenwärtig bestehen in folgenden Städten Emigrationsbureauxder „I. T. O.": Kiew, Warschau (2), Eletz, Ekaterinoslaw, Bielostok, Kowno, Wilna, Grodno, Zitomir, Berditschew und Odessa. — Am 11. Juli wird der dritte Transport von Jüdischen Emigranten von Bremen in See stechen, für welchen Tag eine neuerliche Zusammenkunft des Komitees beschlossen wurde. Wilna: Die hiesigen Territorialisten haben hier eine Massenversammlung veranstaltet, in welcher einer der Führer der Sozialisten-Territorialisten Rußlands, Herr Dr. Syrkin eine großangelegte Rede über „Zionismus und Territorialismus" hielt. Die vortresslichen Ausführungen des Referenten wurden von einer vieltausendköpfigen Zuhörerschaft mit großem Beifall ausgenommen und haben dem territorialistischen Verein in Wilna eine stattliche Anzahl neuer Mitglieder zugeführt. Ekaterinoslaw. Hier haben -die Territorialisten ihre erste Generalversammlung abgehalten. Nach dem geschäftlichen Teil hat sich die Versammlung .mit Programmftagen-anläßlich der bevorstehenden allrussischen Jto-Konferenz befaßt. Der Rechenschaftsbericht konstatiert ein stetiges Anwachsen der hiesigen Gruppe. Odessa. Am 2. d. M. haben die hiesigen Territorialisten im neuen Tempel eine Gedächtnisfeier zum Andenken Theodor Herzls veranstaltet. Der Tempel war überfüllt. Auch in allen anderen Städten Rußlands haben die Territorialisten Gedächtnisfeiern für Dr. H e r z l Veranstalter. Eine sensationelle Enthüllung. Ein amerikanisch-jüdisches Blatt, „Die Wahrheit", veröffentlicht eine sensationelle Enthüllung, die auf russische Regierungsweisheit ein grelles Licht wirft. Vor Kurzem gelang es einem revolutionären Sozialisten, namens Zankel Tscherniak, aus Schweden, das ihn schon an Rußland ausliefern wollte, zu entfliehen. Aber auf dem Wege nach England starb er plötzlich, zusammen mit drei anderen Fremden, auf dem Dampfer, und zwar au dess Folgen einer Vergiftung. Man beschuldigte damals zarische Spione der Tat, die rustische Regierung leugnete aber energisch. Nun veröffentlicht „Die Wahrheit" Dokumente, aus welchen hervorgeht, daß Tscherniaks-Vergistung eine bestellte Tat war und daß die Minister Stolypin, Jswolski und Schtscheglewitow (Justiz) dabei beteiligt waren. Eines der Dokumente ist ein Schreiben Schtscheglewitows an Stolypin, in welchem er ihn ersucht, den Mörder Viktorow mit 1500 Rubel und mit dem Ehrenbürgerrecht zu belohnen. Ein zweites Dokument ist die Antwort Stolypins, in welcher es heißt, daß 1500 Rubel für eine so patriotische Tat zu wenig seien, er werde Viktorow 3000 Rubel geben, und das Ehrenbürgerrecht dazu!... Preisfrage: Wenn das alles wahr ist, wer ist mehr Tugendmensch, Viktorow oder Stolypin? Aufruf! Ein junger Mann in einer der Städte des 32. .galizischen Wahlkeises. hat im Wahlkampfe bis zur Erschöpfung seiner Kräfte gearbeitet. Am Stichwahltage versetzte ihn das Müerleben aller der namenlosen Wahlschuftereien in einen solchen Erregungszustand, daß sein geschwächter Körper dies nicht mehr ertragen konnte. Er bekam einen Blutsturz. Nun braucht er eine Kur zur Wiederherstellung seiner Gesundheit, speziell eine Badereife, verfügt aber nicht über die erforderlichen Mittel. Wir bitten nun alle Volksgenossen, die Sinn für die Heldenhaftigkeit dieses jungen Mannes und Müleid mit seinen jungen Jahren haben, zu den Kurkoften beizusteuern. Wir sind bereü, solche Beträge zu übemehmen, ihrem Zwecke zuzuführen und in unserem Blatte auszuweisen. Die Redaktion der „Neuen Zeitung". Es sind uns weiter zugekommen: Sammlung Buczacz Kr. 6.—, Anonym Kr. 13.—, Sammlung durch jur. L-al. Menkes in Suczawa Kr. 23.20 (u. zw. Kr. 2.— Schaje Langer, je Kr. 1.— : B.Frenkl, E. Steinholz, pharm. A. Pilpel, jur. W. Rorlich. gymn. S. Wagner, Jac. Fleischer, med. Dr. B. Salamowicz, Chaim Smotricz senior. Adv. Dr. K. Rachmuth. Schm. Wagner; K —.60: N. Herzberg; je Kr. —.50: gymn. A. H. jur. M. Frenkl, K. Kupferberg, I. Tulpan, Sig. Salmanovicz, gymn. I. Körner, M. Tarier,- L. Körner, N. Hopmeier, Jac. Heitel, Abr. Tennenbaum, Ch. Smotricz junior, je Kr. —.40: gymn. H. Frenkl, gymn. I. Wagner, N. Oberweger, Ist. Tennenhaus, A. Hopmeier, phil. Ist. Klüger; je Kr. —.30: M. Feller, gymn. E. Lupul- Abr. Winter, Leo Freier, Max Winter, Wr. Tennen, Haus; je Kr. —.20: S. Menkes, gymn., S. Eisenthal, Schulem Beffler; ab Porto Kr. —.20). Mit dem bereits Ausgewiesenen Kr. 94.— Bitte an Menschenfreunde! Die in Sniatyn bekannte und wohlgelütene Familie Deutsch ist von einem schweren Unglück heimgesucht worden. Ihr Haus ist niedergebrannt und dadurch ist schweres Elend über die Leute gekommen. Wenn ihnen nicht bald Hilfe naht, so gehen sie den schlimmsten Schicksalen entgegen. Und sie verdienen, daß man ihnen helfe. Nicht umsonst besteht der dringende Verdacht, daß das Feuer von politischen Feinden gelegt wurde. Nicht umsonst hat der dem Brande zusehende Bürgermeister von Sniatyn seine Schadensteude geäußert und die Feuerwehr wiederholt vom Löschen zurückgehalten. Ein Sohn dieser Famllie war während der verflossenen Reichsratswahlkampagne einer der aufopferungsvollsten, eifrigsten und fleißigsten Kämpfer für die jüdischnationale Sache. Eie tapferer Kamerad darf aber in Gefahr und Not von seinen Kameraden nicht in Stich gelassen werden. Wir bitten um Unterstützungsbeiträge für die unglückliche Familie, die wir dankend in unserem Blatte ausweisen werden. Die Redaktton. Ins der;üd. Aeffentlichkeit. In dieser Rubrik finden u. a. Verlautbarungen jüdischer Körperschaften — ohne Unterschied der Richtung — Aufnahme. Allgemeines Wahlrecht für dir Kultusgemeinde». Aus Sereth wird uns geschrieben: Für Samstag, den 13. d. M. war von einem hiezu gewählten Komitee eine Versammlung mit der Tagesordnung: „Einführung des allgemeinen, gleichen, geheimen Wahlrechtes in der Kuttusgemeinde." einberufen. Referent war Dr. Chaim Kinsbrunner (Czernowitz). Wie wichtig die Einführung dieser Reform ist, das haben die letzten Wahlen in Galizien gezeigt, wo die einzelnen Machthaber der Kultusgemeinden das jüdische Volk geradezu verrieten. Unter der Knute eines solchen Machthabers zu stehen, hat auch die Serether Judenschast das Glück. Es ist dies Herr Alexander Salomon Schreiber, Kulluspräsident von Sereth. Was das allgemeine Wahlrecht betrifft, hatte er die Kvmiteemitglieder versichert, daß er ganz auf ihrer Seite stehe und gab ihnen die Erlaubnis in einem Bethause, in dem er selbst Vorsteher ist. die Versammlung abzuhalten. Samstag 5 Uhr nachmittags sollte die Versammlung stattfinden. Das Volk strömte in Massen herbei. Herr Schreiber war natürlich nicht darunter; aber dennoch fühlten alle seine unsichtbare Hand: Das von chm selbst zur Verfügung gestellte Lokal war gesperrt. Es wäre zu furchtbaren Skandalszenen gekommen, wenn sich nicht Herr Goldschläger, Obmann des „Poale Zion" Vereines, ins Mittel gelegt und zum Kultespräsidenten begeben hätte, um ihn auf die Folgen aufmerksam zu machen. Erst dann, nach 1'/, Stunden, als er die große Masse erblickte, gab er den Schlüssel des Bethauses. Jetzt konnte die massenhaft besuchte Versammlung abgehalten werden. Sie wurde von Dr. Isaak Kohn eröffnet. Das Wort erhiett der Referent Dr. Chaim die fast 2 Stunden währten, geißelte er in einigen markanten Worten das Vorgehen des Kultuspräsidenten. Dieser, zu „tapfer," um selbst in die Versammlung zu kommen, hatte seinen Sohn, den Protektor eines deutschen Schülerheimes, zu seiner Verteidigung geschickt. Dieser suchte die Versammlung zu stören, aber das Volk wußte ihn zum Schweigen zu bringen. Dr. Kinsbrunner ging zum eigentlichen Punkt der Tagesordnung über. Er setzte auseinander, wie notwendig eine Reform im Sinne des allgemeinen Wahlrechtes gerade für die Kuttusgemeinden ist, wies auf die Mißstände in der Serether Kultusgemeinde, besonders in der Verwaltung der Achner'schen Masse hin. Redner schloß mit dem Appell an das Volk, im Kampfe gegen die Kahalsklique auszuharren und nicht vom Kampfe abzulassen. Hierauf wmde eine

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