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Neue Zeitung · 1907-07-05 · Heft 4 (5.7.1907) · p. Seite 6

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Journal
Neue Zeitung
Volume
1907
Issue
Heft 4 (5.7.1907)
Date
1907-07-05
Page
Seite 6 (sequence 6)
Language
German
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Nr. 4 fieue Zeitung - Sitzung des zionistischen engeren Aktionskomitees. Sonntag, den 23. Juni fand in Köln eine Sitzung des zionistischen engeren Aktionskomitee statt. An derselben nahmen teil die Herren: David Wolffsohn, LI. Greenberg, g! H. Kann und Dr. A. Marmorek. Die Herren Doktor B ernst ei n-Kohan, Ussischkin und Professor Marburg waren entschuldigt. Die für die Einrichtung des Kongreßbureaus im Haag getrogenen Maßnahmen wurden besprochen und genehmigt, auch wurde die Tagesordnung des Kongresses nunmehr endgiltig festgesetzt. Darnach soll am Vormittage des ersten Verhandlungstages nach der Eröffnungsrede des Präsidenten ein allgemeines Referat über die Lage .der Juden in den verschiedenen Ländern Erstattet werden. Am Nachmtttage werden die verschiedenen Wahlen vorgenommen und hieraus der Bericht d^ Aktionskomitees erstattet werden. Daran schließt sich . die Generaldebatte, für die auch der gesamte zweite Tag reserviert sein wird. Am Freitag wird das Palästinareferat erstattet werden, hierauf folgt die Spezialdebatte. Am Sabbat, finden keine Verhandlungen statt. Sonntag wird das Orgamsationsstatut verhandelt werden. Auf der Tagesordnung für Montag stehen der Nationalsonds, die Anträge und die Vornahme der Wahlen. Da die Generalversammlung der Bank auf Mittwoch festgesetzt ist, bleibt der Dienstag eventuell noch zur Verfilzung des Kongresses. Mü Ausnahme des ersten Tages werden die Verhandlungen alltäglich um 9 oder 9'/z Uhr beginnen und mü einer zweistündigen Mittagspause bis nachmittags 6 oder höchstens 6'/- Uhr dauern. Auf diese Weise sind die Abende durchweg für die Beratungen der Kommissionen, die Sitzungen der Landsmannschaften rc. frei. Es wurde beschlossen, die nächste Sitzung des engeren Wahlkomitees am Sonntag den 11. August im Haag abzuhalten und das große Aktionskomüee auf Montag, den 12. August abends einzuberufen. An diesem Tage soll auch die Sitzung des Aufsichtsrates staüfinden. . Es wurde ferner beschlossen, Herrn Dr. Bernstein-Kohan, der nach Palästina Lbersiedelt ist, sowie die anderen in Paläsüna anwesenden Mitglieder des Aktionskomitees mit der Vertretung des Aktionskomitees bei der Feier des Jubiläums der Kolonie Rischon Lezion zu bettauen. Für die Herausgabe eines hebräischen Wörterbuches von Ben Jehuda würde eme Subvention von Mk. 500 bewilligt. Wissenswertes. Die jüdische Bevölkerung in Rußland. Nach der letzten Zählung bettug die Zahl der Juden in Rußland 5,225.805 Seelen, also 4.15 Prozent der Gesamtbeoölkerung.. Militärpflichtig waren im ganzen 1,241.819, davon Juden 54.277, also 4.37 Prozent, d. h. 0.22 Prozent über das Normalverhältnis. Jüdische Soldaten waren im selben Jahre 53.194 in der Armee, während nach deM Verhältnis der Seelenzahl nur 42.709 hätten sein wollen. Der Lohn des Retters. In einer soeben erschienenen Schrift über den verstorbenen Oberprokurator des heiligen Synod Pobjedonoszew von A. W. Amphüeattow wird folgende Episode erzählt: Als Probjedonoszew eines Tages in Sebastopol einen Dampfer bestieg, geschah es, daß er einen Fehltritt tat und an einer tiefen Stelle in die See stürzte. Glücklicherweise sprang ein Zuschauer, der bekannte Hypnotiseur Ossip Feldmann hinzu und zog den hohen Würdenträger aus dem Wasser, worauf sich zwischen diesem und seinem Retter das folgende Gespräch entspann: „Sie waren es, der mich aus dem Wasser zog?" — „Ja l" — „Ich danke Ihnen!" — „D, bitte, ich tat nur meine Schuldigkeit!" —* „Sie heißen?" — „Ossip Feldmann!" — „Ihr Glaubensbekenntnis?" — „Ich bin Jude!" — »Lassen Sie sich taufen!" — Dieser fromme Rat war das einzige Zeichen der Erkenntlichkeit, dessen der Qberprokurator seinen . Retter würdigte. Eingesendet. Protest wider die Hetze gegen Abgeordneten Dr. Mahler. Die Unterzeichnete zionistische Studentenschaft Oesterreichs erhebt energischen Protest gegen die kulturwidrige Hetze, die von Prager Universitätshörern gegen die Dozentur des Reichsrais-Abgeordneten Dr. Archur Mahler inszeniert wird. — Die Protestbewegung, die von jüdischer Seüe ausging und in erster Linie gegen die jüdisch-nationale Gesinnung Dr. Mahlers, nicht gegen seine akademische Stellung gerichtet ist, widerspricht allen Grundsätzen von akademischer Freiheü, von Lehrfteiheit und Achtung vor ehrlicher ftemder Gesinnung. Die Universität ist Kulturttägerin, nicht polittsche Arena. Wenn daher gegen Dr. Mahler aus rein polüischen Gründen Stellung genommen und seine Entfernung aus dem Lehrkörper verlangt wttd, so entspricht dies weder den Kulturaufgaben einer Universität, noch den Bedürfnissen fteier Wissenschaft. Wir weisen darauf hin, daß Andersnatwnale an fast allen deutschen Universitäten lehren und gelehrt haben und weisen mit aller Entschiedenheit den absolut unwahren Vorwurf zurück, daß ein zionistischer Hochschullehrer die freie Wissenschaft und Forschung gefährde und daß im Zionismus klerikale Tendenzen vorwalten. Dies ist im allgemeinen eine Unwahrheit, die eine totale Unkenntnis der zionisüschen Bewegung verrät, gegenüber Dr. Mahler eine bewußte tendenziöse Herabsetzung. Wer für fteie Forschung und Wissenschaft ist, darf eine ehrliche, politische-und nationale Gesinnung eines freiheitlich gesinnten Dozenten nicht zum Gegenstand einer unwürdigen Hetze machen.- Wir erblicken und achten in Dr. Mahler den ehrlichen stolzen Juden, der ohne jede Feindschaft gegen ein anderes Volk nur als das gelten will, was er ist, und mutig die Interessen seiner Nation vettritt. „Bar-Giora", Bar-Kochba", „Esperanza", „Jüdische Kultur",„Joria", „Kadimah", „Makkabaea", „Theodor Herzl", „Unüas", „Zephyra", (Wien), „Barissia", „Bar-Kochba", (Prag), „Lese- und Redehalle jüdischer Hochschüler", „Veritas",. (Brünn), „Hasmonäa", (Krakau), „Emunah", „Judäa", (Lemberg), „Emunah", „Hasmonäa", „Hebronia", „Zephyra", (Czernowitz). Achtung! Folgende Personen haben sich vor, während und nach der verflossenen Reichsratswahl im 32. galizischen Wahlbezirke so benommen, daß ihre Handlungsweise den Tatbestand folgender Delikte ergibt: Bürgermeister Dr. Anton Hovurka in Tlumacz. — Mißbrauch der Amtsgewalt und Erpressung. Finanz-Kouzeptspraktikant Nikolaus Stupnicki in Tlumacz. — Mißbrauch der Amtsgewalt und Erpressung. . Bürgermeister Dr. Isidor Blutreich in Zaleszczyki. — Mißbrauch der Amtsgewalt und Erpressung. , , Bürgermeister Bernhard Stern in. Buczacz. — Mißbrauch der Amtsgewalt ' , und Erpressung.!Bürgermeister Johann Arthur Ni e mc zewski :in Borszczow — Mißbrauch der Amtsgewalt und Erpressung. Gerichtsadjunkt Anton Jankowski in Borszczow. — Mißbrauch der Amtsgewalt und Erpressung. Staatsanwaltschafts-Funktionär , Stanislaus' Gryglasz ewski, Borszezow — Mißbrauch der Amtsgewalt. Sämtliche auch Verletzung des Wahlgesetzes, vis Kitts wird korigslstzt. Dr. Nathan Birnbaum. Handel und Verkehr. Wien, Produktenbörse. 4- 3ult 1907. Die abnormale Hitze welche in der Berichtswoche herrschte, hot in ollen Ländern Mitteleuropas neuerlich die Erntehossnungen herabgedrückt. Auch aus Amerika, wo der Schnitt zum Teile schon begonnen hat, lauten die Meldungen nicht befriedigend. Speziell in Oesterreich-Ungarn werden jetzt auch Klagen aus, Gegenden laut, die bisher auf bessere und gute Erträge rechneten.. Unter dem Drucke der verminderten Ernteaussichten zog Weizen in den letzten Tagen 25 Heller per 50 Kg. an. Roggen, der besser steht und, weil er schon unter die Sense kommt, weniger bedroht ist, verteuerte sich bloß um 10 Heller. In beiden Artikeln bleibt aber das Geschäft schwach, da Konsum und Handel mit dem Ankäufe insolange zurückhalten, als die Sachlage nicht ganz klar zu überblicken ist. Von Futterartikeln tendiert Mais ruhig und zur Nachgiebigkeit neigend, da der Witterungsverlauf dieser Frucht sehr entspricht. Hafer liegt knapp und 5 Heller teurer als vor acht Tagen, da die neue Saat schütter steht. Weizen: Theiß.10.65 11.15 Slovakischer .. . . . . . . . 9.75 10.20 Marchfelder und Niederösterr. , . . 9.60 9.90 Roggen: Slovakischer.. . 8.25 8.50 Pester Boden.. . 8.30 8.50 Oesterreichischer. 8.20 8.45 Bremer, Futter- und Rollgerste . . —.— —.— Ungarischer . ... ... . 6.15 6.40 Cinguantin ........ 7.10 7.50 Hafer: Ungar. Ia nt. -Ausstich ..... 8.30 8.80 „ geringer Ausstich .... 8.15 8.40 Marktbericht vom 47 Juli. Zentralviehmarkt. Dem heutigen Markte wurden zugeführt: 3766 gestochene Kälber, 2868 lebende Schweine, 1153 Weidner-Schweine, 165 Weidner-Schafe, 146 Lämmer. — Die Zufuhr weist eine Abnahme gegen die vorige Woche auf. Es sind um 500 Kälber weniger zugekommen, trotzdem haben sich die letzten Preise voll behauptet, doch besteht bei Weidner Kälbern eine Neigung zur Abschwächung. Man verkaufte: Weidner-Kälber von K. -^-.88 bis 1.10, Prima von K. 1.12 bis 1.36, Hochprima von K. 1.38 bis 1.48, Lebende Kälber von K. —.72 bis 1.30, Lebende Fettschweine von K. 0.— bis 0.—, lebende Fleischschweine von — Heller bis K. 0.—, Weidner Fleischschweine von K. 0.— bis 0.—, Frischlinge von K. 0.— bis 0.—, untergewichtige von K. 0.— bis 0.—,; Weidner Schafe von 96 H. bis^-K. 1.20 per Kilo, Lämmer von K. 18.— bis 36.— per Paar, Primaschafe von 66 bis 68 Heller, Brackschafe von 54 bis 62 Heller per Kilo, alles exklusive Verzehrungssteuer. Handelsnnb Kerkehrskeziehimgen zum türkischen Reiche. In der Sitzung des Abgeordnetenhauses vom 27. Juni, hat der Handelsminister einen Gesetz- . entwurf eingebracht, betreffend die Abänderung des geltenden modus vivendi für die Handels¬ und Verkehcsbeziehungen zum osmanischen Reiche. In dem Entwurf wird die Zustimmung zur Erhöhung des türkischen Zolls ausgedrückt, diese nur an die Bedingung geknüpft, daß der zu erwartende Mehrertrag der Zölle ausschließlich dem oon der internationalen Finanzkommission zu Saloniki kontrollierten Budget der drei makedonischen Vilajets zugute komme und daß eine Verbesserung im türkischen Zollwesen durchgeführt werde. Dieser Gesetzentwurf sollte dem jüdischen. Klub im Parlament Anlaß geben, eine Reihe von Schwierigkeiten, die im osmanischen Reiche die Operationen des österreichischen Kapitals in ,der Türkei ernstlich behindern, anzuführen. Es ^Bietet sich hier eine seltene Gelegenheit auch den Palästina-Bestrebungen indirekt einen immensen. Dienst zu erweisen. Der Schlendrian in der türkischen Gesetzgebung ist für die Handelswelt eine wahre Last. Am heftigsten wenden sich die Handelskreise gegen das türkische Handelsgesetz und um dessen gründliche Verbesserung herbeizuführen, sahen sich sogar die Botschafter der Mächte veranlaßt, eine Aktion bei der Pforte einzuleiten. Das Handelsgesetzbuch, das eine oberflächliche, oft irrtümliche Uebersetzung des französischen Handelsgesetzbuches ist, besitzt so viele Mängel sowohl in redaktioneller, als in juristischer Beziehung, entspricht so wenig den modernen Erfordernissen der Gesetzgebung, daß der Handel auf Schritt und Tritt einer Schädigung ausgesetzt ist. Ueber ein besonderes und rasches Verfahren bei Wechselprozessen enthält es keine Bestimmungen. In einem dem französichen Handels-. gesetze entlehnten Teile wird oon einem Hypothekarrechte und einem Pfandrechte auf Immobilien gesprochen, obwohl das tückische Gesetz Hypotheken und, Pfandrechte im eigentlichen Sinne des Wortes nicht kennt! Die'Botschafter protestierten bei der Pforte auch gegen das neue Gesetz betreffend die auswärtigen Aktiengesellschaften und Versicherungsgesellschaften in der Türkei. Diese neuen Vorschriften bieten neben nicht zu leugnenden Vorteilen für die Sicherheit des Publikums, Schwierigkeiten für die auswärtigen Gesellschaften in der Türkei, insbesondere für Filialen der auswärtigen - Banken, die dem Handel große Erleichterungen verschaffen. Eine Reihe von Verpflichtungen, Formalitäten, zu entrichtenden Gebühren erschwert allen -solchen Gesellschaften, insbesondere aber denjenigen, die sich dem Versicherungswesen widmen, das freie Atmen und unterbindet ihre wirksame. . Betätigung. " Das Recht der Ausländer auf Erwerbung von Immobilien in der Türkei, das ihnen durch das Gesetz vom 16. Juni 1867 verbürgt ist, wird durch die Behörden in gewissen Gebieten oft verletzt. Zur Ueberttagung von unbeweglichen Gütern aus den Namen von Ausländern wird nämlich die- Erwirkung eines besonderen Jcads in Konstantinopel verlangt. Diese Formalität, die gegen das Gesetz verstößt, wird ebenso gesetzwidrig, bei Abtretung von Immobilien, die sich, im Besitz von Ausländern befinden, an Ausländer anderer Nationalität verlangt.

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