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Neue Zeitung · 1907-07-05 · Heft 4 (5.7.1907) · p. Seite 7

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Journal
Neue Zeitung
Volume
1907
Issue
Heft 4 (5.7.1907)
Date
1907-07-05
Page
Seite 7 (sequence 7)
Language
German
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dir. 4 Neue Zeitung Seite 7 Eine kolossale Schwierigkeit bietet Gesellschaften der Besitzerwerb an Grund und Boden. Das türkische Recht kennt nicht die Einrichtung der juristischen Person. Erwerbungen müssen auf den Namen eines Einzelnen / geschehen und sind dann die Gesellschaften solchen Namengebern, welche im Grundbuch eingetragen werden, auf . Gnade und Ungnade ausgeliefert wobei auch sehr leicht der Boden mit Rücksicht auf das eigentümliche Erbschafsgesetz dem Fiskus zufallen kann. Das Geldgeschäft und Kreditwesen leidet ungemein durch den Mangel eines modernen Hypothekenrechtes. Die Hypothezierung vollzieht -sich nach türkischem Rechte in der Form eines bedingten Verkaufes; außerdem erlischt die Hypothek mit dem Tode des Schuldners. Einen Grund zu Beschwerden gibt auch das „Mahluliet", der Heimfall von Ländereien der Kategorie „Mine" an den Staat, falls sie drei Jahre lang nicht kultiviert werden und nicht minder die türkische Gesetzesbestimmung, nach welcher dem Pächter von „Mirje" durch dreijährige Bebauung derselben Fläche das Recht auf Besitzergreifung des betreffenden Grundstückes erwächst. Es ist klar, daß es unmöglich ist, anläßlich der Beschließung des neuen, vom Handelsministerium eingebrachten Gesetzes die Abschaffung sämtlicher genannter Mängel zu verlangen. Aber aufgrollt müssen sie bei dieser Gelegenheit werden, die Aufmerksamkeit des Ministers soll auf sie gelenkt werden. Einem so geschickten Politiker wie Minister Forscht, wird es leicht gelingen, bei der Türkei Erleichterungen zu erwirken. Mindestens soll für österreichische Gesellschaften das Ausnahmsrecht erworben werden, das übrigens in der Türkei einzelne Assoziationen wie die Tabakregie, die Eisenbahngesellschaften u. a. schon besitzen: das Recht nämlich, als juristische Personen ihr mobiles Vermögen zu verwalten und Immobilien erwerben zu können. Leopold Sternlicht. Briefkasten. „Bahnbeamte." Antwort in nächster Nummer. M. K. in B. Nicht gezogen. „Mögen David/"Neben Geburts- und Heimatsschein ist der Nachweis genügender Bildung zu erbringen. Es muß eine Bildung sein, die der in den unteren vier Klassen einer Mittelschule erworbenen gleichkommt. Außerdem ist auch der^ Befähigungsnachweis erforderlich. Das Gesuch ist an die Statthalterei zu richten, die die Äußerung des Buchhändlergremiums einholt. ' Herrn ...... in I.: Wir machen keine Parteiunterfchiede und anerkennen gerne die Haltung der „nationalistischen und chassidischen Massen" im Wahlkampfe. Im Uebrigen bringen wir das uns von Ihnen mitgeteilte Detail gerne zur-allgemeinen Kenntnis: „Am Samstag nach der Stichwahl in Buczacz usw. hatten wir noch keine Nachricht vom Wahlergebnis. Ein angesehenes Mitglied der chassidischen Partei machte mir, als dem Leiter der Wahlaktion, ernstliche Vorwürfe, daß ich es unterlassen habe, ohne Rücksicht auf den Sabbat einen Mann nach Buczacz zu senden, damit er alles telegrafisch berichte. Das übersteigt meine kühnsten Erwartungen." Humor und Salyre. Starzynski (im Selbstgespräch) Ich weiß eigentlich nicht, was die Leute von mir haben wollen. Bei meiner Wahl zum Vizepräsidenten des Abgeordnetenhauses sind doch sicher keine Wahlschwindeleien vorgekommen. . Nicht ein Stimmzettel wurde gefälscht, nicht ein Wähler wegen Bettelei abgewiesen, nicht ein Wähler fernegehalten. Was will man nur .von mir. ' pumbi. — Ich schlage einen neuen Namen für die Moschkos vor. ’ -? — Skiläufer. .??? ' — Weil sie fortwährend den diversen — ski's nachlaufen. — Au! Menachem. Vier ungarische Juden, die im Eisenbahnkoupes bekannt werden, stellen sich vor: Kemenyi — Kedoesi — Koranyi... . . Ich heiße auch Kohn, sagt der Vierte. : Plg. * Galizische Wahlgedanken. Die neue Wahlordnung bedeutet die alte Unordnung in den Wahlen. Dem'Srygjer Bezirkshäuptmann war der national-jüdische Kandidat Salz in den Augen. Es ist nicht alles Gold, was glänzt und im Polenklub steckt. Für uns ist der Polenklub Fabel c Sprachen die Ruthenen und wählten Trotz Schwindel, Fluch und Sabel Den jüdischen Doktor Gabel. Der „gemäßigte" Jude Gall ist nur deshalb in den Polenklub eingetreten, um die Tarnopoler Moral zu heben. So was kann man sich denken, aber sagen darf man's nicht — meinte der Bezirkskommiffär in Lemberg und klagte den Abgeordneten Breiter wegen — Ehrenbeleidigung. S. Mch. Iurchgeseht. Von David Pinski, aus dem Jüdischen übersetzt von Ben Ach er. Mojsche Leib, der Schlosser, ist zum Künstler geboren, zum „Makazior," wie die Leute sagen, indem sie das Wort „Aktior"*) verdrehen. Er hat etwas in sich, sagen sie, daß man vor Lachen ohne Bauch bleiben kann. Wo Leib ist, dort ist es ftöhlich, und doch ist sein Gesicht immer wie von Wolken überzogen.- Wo er sich hinstellt, da bildet sich ein Kreis um ihn, alles glotzt ihn an, spitzt die Ohren, zum Lachen bereit. Am besten gelingt's ihm, einer alten Frau nachzumachen. Er braucht nur die Unterlippe auf die Oberlippe, die rechte Hand auf die Wange zu legen und einen säuern, quitschenden Ton, ohne die Zähne zu bewegen, auszustoßen, und die Leute wälzen sich schon vor Lachen. Deshalb ist es kein Wunder, daß sein Chef, die Arbeiter, am Purim bei Tag entlassend, ihn zu sich zum Festmahl bat, damit er die Gesellschaft ein bißchen unterhafte. Mojsche Leib war von der Einladung nicht sehr erbaut und sagte mit Widerstreben zu. Der „Herr" warf unter den Brauen hervor einen Blick auf ihn. „Sollst kommen, hörst du?" wiederholte er und blickte seinen „Menschen" an, um zu sehen, was für Miene er machen würde. „Gut," sagte Mojsche Leib leise, die Türschnalle ergreifend. „Daß man nicht nach dir zu schicken braucht I" rief ihm der Fabrikant nach. Mojsche Leib ging hinaus. Der Fabrikant bewegte seinen Kopf, als wenn er sagen wollte: „Was soll man nur zu den Menschen von heute sagen. Was sie sich nicht erlauben . . ." Auf der Gasse, traten drei Arbeiter aus der Fabrik auf Mojsche Leib zu: Salmen Lamme, Mendel Kossoj und Chaim, der Grüne. „Hör' nicht auf ihn!" fingen sie an, einer den andern überschreiend, „bleib lieber zu Hause. Wir werden zu dir kommen, werden die Zeit verbringen. Und wenn er will, gehorch ihm nicht!" „Und was liegt daran, wenn ich gehe?" antwortete er. „Was daran liegt, Esel!" schrie Salmen erbost. Hast du keine Familie? Bei dir braucht kein Festmahl zu sein?" Mojsche Leib schwieg. Das hatte er ja selbst auch schon gedacht, deswegen hatte er doch dem Chef mit Widerstreben zugesagt. „Sei nicht dumm und bleib zuhause," setzte Mendel Kossoj hinzu. „Wir werden zu dir kommen, ein bißchen die Nacht verbringen. Bei ihm wird?es 'auch ohne dich lustig zugehen. Vielleicht „Weil er sichs lustig machen will, sollen die Deinigen einen gestörten Purim haben?" rief Chaim der Grüne dazwischen. „Wir werden sehen," erwiderte Mojsche Leib mit verdrießlicher Miene. „Nein," riefen die Arbeiter, da ist nichts zu sehen! Du sollst wirklich zuhause bleiben!" „Stojb, Drojb, Mojsche Leib ..," sagte Mojsche Leib so vor sich hin, — tief aufseufzend und niemanden anblickend. Die Kameraden nahmen das für ein gutes Zeichen „Sollen wir also am Abend zu dir kommen?" ftagte Salmen und blickte Mojsche Leib in die Augen. „Kommt .... Ma, ja .... wir werden sehen," stotterte Mojsche Leib. „So wahr ich ein Jude bin, du bist ein großer Narr, ein Roß und ein Dummkopf dazu!" erhitzte sich Salmen, und sprang, die Hände aus - einanderspreizend, von Mojsche Leib weg. „Pfui, wirklich ein sonderbarer Narr l" sagte Mendel. „Ein Roß, ein Vieh!" ergänzte Chaim *) Schauspieler. „Was, hast du etwa kein Heim?" wandte Bendel ein. „Wenn ich bestimmt wüßte, daß er mir morgen kündigt, ich würde trotzdem nicht gehen. Ich habe auch Feiertag," half Chaim. „Wie denn anders? So ist's recht," bekräftigt Salmen. „Gewiß!" bestätigte Mendel. Und — man ging damit auseinander, daß Mojsche Leib erst „sehen wird." „Der Chef hat mich zu sich zum Festmahl geladen", sagte er zu Chane, seiner Frau, als er nach Hause kam. Er sprach mit einer Miene, als fiele es ihm schwer, eine Sünde zu bekennen. „Na, und was denkst du?" ftagte sie ihu und warf ihm einen stechenden Blick zu. „Weiß ich?" „Was soll das heißen: „Weiß ich?" Was bedeutet das: „Weiß ich?" rief sie lauter. „Man muß gehen," sagte er leise. „Was heißt das: „Man muß gehen?" und ich soll mit den Kindern im Finstern fitzen?" sagte sie mit verhaltener Stimme und begann bleich zu werden. Er schwieg und klopfte mit dem Finger auf den Tisch. „Wie kommt dir das nur in den Sinn?" fing sie nun mit lauter Stimme an, „Wie kann dir das richtig scheinen? Bist sein Sklave, was?" „Er zwingt mich ja nicht, er bat mich doch," versuchte Mojsche Leib seinen Dienstgeber zu entschuldigen. „Wie darf er dämm bitten?" schrie das Weib. „Weiß er denn nicht, daß du selbst Familie hast! Doch, dich kümmert ja deine Familie viel. Wenn'sauf dich ankäme, brauchten wir alle nicht auf der Welt zu sein. Bist du denn auch ein Mensch?" In ihrer Stimme hörte man schon Tränen. „Still! ich geh' ja noch nicht!" schrie nun Mojsche Leib böse. „Nein, wie kannst du nur davon sprechen?" schrie sie mit Tränen in den Augen: „Der Herr lädt dich ein, dank' ihm und sag' ihm, daß du nicht kommen kannst, weil du selbst eine Familie hast, und genug — Schluß! Was gibt's da noch zu überlegen?" Mojsche Leib ließ den Kopf hängen. „Du hast ihm sicherlich zu kommen versprochen?" forschte Chane, ihre bösen Blicke in ihn einbohrend. Mojsche Leib stellte sich an's Fenster,^ schrieb mit dem Finger auf die Scheibe und schwieg. „Ha! Versprochen hast du ihm? Versprochen?" zischte Chane giftig hemor. „Das werden wir sehen, ob du gehen wirst, oder nicht? Das werden wir sehen! Oder willst du der Leute Gespött werden?" Sie schüttelte sich schon, warf ihrem Manne wütende Blicke zu und schlug mit der Kanne, die sie in Händen hatte, auf den Tisch. „Wie, tut das ein Mensch mit Verstand . und begann mit den Händen zu ftchteln. (Schluß folgt) Schriften von Mathias Acher (Dr. Nathan Bimbaum). Aeltere Schriften. Die jüdische Moderne, 1896. Erhältlich in der Redaktion der „Jüdischen Rundschau", Berlin, HW. Melanchthonstraße Nr. 4. Preis 50 Pfennig. Zwei Vorträge 1898. Erhältlich in der Redaktion der „Neuen Zeitung". Preis 40 Heller. Neuere Schriften. Henrik Ibsens „Drittes Reich", 1900. Erhältlich in der Redaktion der „Neuen Zeitung". Preis 50 Heller. Achad Haam. Ein Denker und Kämpfer der jüdischen Renaissance, 1903. Erhältlich im „Jüdischen Verlag", Köln, Ubierring 23, Preis 1 Mark. Das Stieskind der Sozialdemokratie, 1905. Erhältlich bei E. W. Stern, Wien. Preis 50 Heller. Ostjndische Ausgaben, 1905. ErhMich in der Redaktion der „Neuen Zeitung" Preis 10 Heller. Außerdem: I. L. Perez. „Erzählungen", in deutscher Uebersetzung. ErhMich im „Jüdischen Verlag" Köln, Ubierring, 23. Preis: Broschiert Mk. 3.—, Gebunden Mk. 4.—, Illustriert Mk. 7. —.

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