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Neue Zeitung · 1906-12-21 · Heft 16 (21.12.1906) · p. Seite 6

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Journal
Neue Zeitung
Volume
1906
Issue
Heft 16 (21.12.1906)
Date
1906-12-21
Page
Seite 6 (sequence 6)
Language
German
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Nr. 16 Seite « Ne u e Zeitung Nur zwei Herren, k. Rät Wilhelm Pollal und Herr. Eltb o g en wurden, nicht wieder kandidiert, weil sie — wie die „Oest. Wochenschrift", das Organ des Kultusvorstandes und des Zentralwahlkomitees berichtet — das vom Wahlkomitee der „Union" veröffentlichte ultrareaktionäre Programm nicht akzeptieren wollten. Die Wahl ist vorüber. Wer das Werk, das wir unternommen: Die Ges u n düng der Zustände im Judentum herbeizuführen, hat erst begonnen. Wir Linnen und dürfen vor der überaus peinlichen Arbeit nicht zurückschrecken, in alle faulen Ecken hineinzuleuchten und ohne Anschen der Person rücksichtslos mit allem aufzuräumen, was unserem strengen Maßstab für jüdische Ehre nicht genügt. Wir richten daher die öffentliche Aufforderung an den Vo rftandder ,L) österreichischen I sra elitis ch en Unt o n", zu erklären, ub Siegfried Fleischer in s ei u/e n.Fntentionen und mit seiner Zustimmung das von der „Union" einberufene Z e ntr al w ah l k amitee für die offiziellen. Kandidaten und das von ihm publizierte reaktionäre Gemeindepro gramm engagiert h at. Ist dyn so, dann werden wir einen energischen Kampf gegen die „Union" einleiten und daför sorgen, daß Mchsenaustritte erfolgen. Ut j«r Vorstand nicht einverstanden gewesen — dafür sprechen einige Anzeichen, wie der Austytt des Dr. Alexander Mintz und des Doktor Schreiber aus dem Wahlkomitee — dann hat er ungesäumt die „Union" von Herrn Siegfried Fleischer zu bkfteien, soll er nicht wünschen, sonst mit ihm identifiziert zu werden. Wir erwarten eine umgehende, klare, unzwydeutige Antwort! Für das i. ö. Distriktskomitee: Dr. Isidor Margulies, Emil Stein, .Obmann. Schriftführer. Parteigenossen! Die letzten Wiener Kultuswahlen bedeuten — wie . auch die Gegner anerkennen müssen— «neu glänzenden moralischen Sieg der zionistischen Partei. Gegen 1900 Stimmen fielen bei der Hauptwahl auf unsere Kandidaten, in vielen Bezirken hat die Mehrheit zionistisch gewählt. Diesen überwältigenden Erfolg verdanken wir der begeisterten Aufopferung unserer Parteigenossen. Jeder Einzelne, Bürger, Arbeiter, Student hat seine Pflicht erfüllt. Nur in einer Richtung hat sich die Wahlkampagne als nicht genügend erwiesen: Unsere finanziellen Mittel reichten — namentlich bei der Stichwahl — nicht soweit, um gleich unseren Gegnern durch Aufbietung eines entsprechenden Agitationsapparates auch auf fernstehende Kreise der Wählerschaft zu wirken und diesem Umstand allein ist es zuzuschreiben, daß wir nicht die absolute Mehrheit der in alle». Bezirken abgegebenen Stimmen auf unsere. Kandidaten vereinigten. Dem soll in Zukunft vorgebeugt werden! . Unsere Parteileitung hat einhellig beschlossen, an die Gründung eines Agitatiousfonds U schreiten, welcher als Kriegsschatz, für die Boriereitung und Durchführung unserer nächsten politischen Aufgaben dienen soll. Schon in den kommenden Wochen wollen wir unsere Aufklärungsarbeit in sämtlichen Bezirken Wiens aufnehmen. ... Zur Förderung dieser Tätigkeit möge sich jeder Parteigenoffe mit einer freiwilligen Steuer belasten, auch kleine Beträge sind willkommen; denn wenn jeder Parteigenoffe nur etwas beiträgt, so werden bei der Stärke unserer Partei genügende Mttel einfließem Kein Zionist aber darf sich ganz aüsschließe«: Einen.mäßigen. Betrag. kann und nmß in diesem für die weitere Gestaltung des zionistischen .Gedankens geradezu entscheidenden Augenblick auch der unbemittDe-Gesinnungsgenosse leisten. Die Beiträge sind mit dem Vermerk „Agitationsfonds" an das I. O. Distriktskomitee, Wien, IX., Türkenstraße 9, zu senden. Mit Zionsgruß für die Ägitaüonsfondsverwaltung desi. ö. Distriktes: Dr. Max Bernhard - Adölf Böhm Dr. Richard Wagner. Kunst und Kleratnr. Eine hebräische Ausgabe der „Welt". „DieWelt" teilt einen Beschluss des zionistischen Aktionskomitees mit, wornach vom f. Jänner 1907 ab eine hebräische Ausgabe.cher, „Welt" .unter, dem Titel „Ha ’olam" allwöchentlich erscheinen wirb. Die Ankündigung weist auf die Fortschritte des Hebräischen in Palästina hin und fährt dann fort: „Umso schmerzlicher aber.haben wir es alle empfinden muffen, daß auf anderer Seite, in Rußland, dem furchtbaren Zerstöruugs- und Perwüstungsprozeß auch das hebräffche Schrifttum zum Opfer gefallen ist, daß die meisten hebräischem ZettungK^ Und Zeitschriften der Ungunst der Zeit weichen'- und ihr Erscheinen einstellen mußten; „Ha lolam", das neu ' -erscheinende Blatt, erhebt nicht den Anspruch, diese große Lücke auszufüllen. Aber es will wenigstens ein Zeichen des Lebens der hebräischen Sprache, der hebräischen Literatur sein, in der schweren Uebergangszeit eine Sammelstätte für alle jetzt zur Untätigkeit verurteilten Talente." Besonders verdient heroorgehoben zu werden, daß die literarische Leitung dieses Blattes, das sich übrigens mit Ausschaltung des Politischen vor allem der Pflege des Literarischen, Künstlerischen und Mffenschastlichen zuwenden wird, N. S o k ö l o w anvertraut ist. . „ Tfchirikoffs „Die Juden" in Jerusalem. Bon einer Dilettantengesellschast wurde in Jerusalem am 2. und 3. d. M. das bekannte Pogrom-Drama „Die Juden" von Tschirikoff in. hebräischer Uebersetzung aufgeführt. Die Uebersetzung war von den Lehrern der Jaffaer Mädchenschule geliefert. Die Rabbiner verboten den Besuch der AuMhrung, die übrigens in den Räumlichaus Furcht von den Judenverfolgungen taufen laffen. Diese schreckliche Botschaft überbringt ein Pope der Mutter. Petruschka erscheint, und der getaufte Jude spricht auf Geheiß des ahnungslosen.Vaters den Segensspruch über die Sabbathbröde. Während der Sabbathtafel stürmen plötzlich Kosaken in die Stube, jagen die Familie Karalik aus dem Hause, weil sie nach dem Gesetze hier nicht wohnen dürfe; nur Petruschka kann bleiben. .. Ahasver greift zum Wanderstabe, und ein Fluch ist sein Abschiedswort.'an seinen abtrünnigen Sohn. Petruschka bricht zusammen, eine schwachsinnige Großmutter, deren Gatte vor Jahren bei'einem Pogrom ermordet worden ist, murmelt leise: „Licht... schön... ich ... ausblasen ... Licht aus... Adonai!... Adonai!..." Das Lichtchen erlischt. Der Borhang fällt.- In diesem Schauspiel führt uns Heijermans zum Ästen Mal Juden vor, die nicht feilschen'und betrügen, die nicht faul von innen Und nicht schmutzig von außen sind. Zum exstenmal zeigt er uns den Juden als Märtyrer.^seines Glaubens (Karalik), die Jüdin, in der der Heldenmut des aMdischen Weibes ftedft, die einem Popen, man bedenke, eurem rnffischenPopen Wahrheiten zu sagen wagt, dgß' er vor Zorn gelb und. blau wird. (Die J^drittenAuftritt dieses Schauspiels fand ich «ux.Mriosität, die ich hier erwähnen möchte: HÄjermans schreibt der Regie vor: „Der gedeckte Sabbathüsch soll folgendermaßen aussehen: Buntes Tischtuch, sauberes Gerät usw". Das Wort „Sauberkeit kommt ' in Heijermans Ghettoschilderungen fast nie vor. Die Bibel gebrauchte, wie die jüdischen Weisen hervorheben, acht Buchstaben mehr, um das Wort „Schmutz" zu umschreiben. Erstes Buch Moses, achter Bers im siebenten Kapitel! Heijermans gebraucht in der Regel achtmal acht Worte mehr, um den Schmutz in allen möglichen Nuancen darzustellen. Maxim Gorki hat einmal richtig bemerkt, daß Schriftsteller, die Gedächtnis und Aufmerksamkeit der Leser mit Photographien von belanglosem Kleinkram aus einem ereignislosen Leben anfüllen, schädliche Gesellen seien, weil sie nicht fähig sind, das Leben so darzustellen. Laß seine Wirklichkeitsschilderungen rächende Scham und brennendes Verlangen erwecken, neue Daseinsformen für das Leben zu schaffen. Heijermans. Ghettoschilderungen wecken in uns weder rächende Scham, noch sittliche Entrüstung, noch jenes- Gefühl'von Furcht und-Miflew, das die Tragik eräugt.. Was sie in uns erwecken, ist: Ekel.und b scheu .. „Aus. Dreck macht man keine Götter", läßt Hebbel den Holofernes sagen. Aus einem Misthaufen schafft man keine Kunstwerke! keiten der „Allianz" stattfand. Doch war daß Haus ' beidemale stark besetzt und fanden Stück- und Darsteller eine sehr beifällige Ausnahme. - Eingelaufene Druckschriften. (Besprechung Vorbehalten.) V Ssefer schimuss lijediass erez jlssroel. M’ess Dovid Trietsch. Me’ubod um’turgom al-jedej J. Grösöwsky. Jozo le’our ol jedej M. Scheinkin. Jeruscholem, (Bearbeitet nach der 'von der Berliner Palästina-Kommission herausgegebenen - deutschen Aüsffabe. Anhang: Kmzes hebräisch-arabisches Vokabularium.) Die Geschichte des Rabbi. Nachmän. Ihm nacherzählt von Martin Buber. Literarische. Anstalt Rütten und Loninss. Frankfurt a. M. 1906. Das Wirkuuaspriuzip der Reklame. Eine psychologische Studie. Bon -Bernhard Wittes. Sonderäbdruck aus der Zeitschrift für Philosophie und philosophische Kritik. R. Poigtläuders Verlag in Leipzig. ... Zeitschrift für Demographie und Statistik der Juden. Herausgegeb'en vom Bureau für Statistik der Juden. Berlin. Redaktion: Dr. Arthur Ruppig. Dezember 1906. Mitteilungen zur jüdischen Volkskunde. Organ der Gesellschaft für jüdische Volkskunde in Hamburg und der Gesellschaft für Sammlung und Konservierung von Kunst- und.historischen Denkmälern des Judentums in Wien. Heräusgegeben von Dr. M. Grnnwalh. Neue Folge. Jahrg. II, Heft IV. (Der ganzen Reihe 20. Heft.) Berlin. Verlag von S. Caloary n. Co. 1906. -. Ost und' West. Illustrierte -Monatsschrift für modernes Judentum. Organ der deutschen Konferenz- Gemeinschaft der Alliance Israelite Universelle.' Oktober? November 1906. II Corrlere Israelitico. Rivista mensifi per la Storia, lo Spirito e il Progresso del Giudaismo. Direttori Rabb Dante A. Lattes c Riccardp Cnriel. Nr. 7. Trieste. Jüdische Tnrnerzeitnng. Monatsschrift für die körperliche Hebung der Juden. Herausgegeben von der jüdischen Turnerschaft. Berlin, November 1908. Unsere Hoffnung. Monatsschrift für die reifere jüdische Jugend. Wien, November 1906. - Hame’orer. Jau”l paam bachaudesch a”j agudass „Massado“, London, weagudass M»phizej ssfass ewer w’ ssafrusso, New-York. London. Kuntraasim. 10 w’ 11. Moriah. Miesiecznik mlodziezy zydowskiej. Lwow. Listopod. 1906. Ukrainische Rundschau. Bormals: „Ruthenische Revue." Monatsschrift. Wien, Novemberheft. Oremtus! Aus dem Ziklus „Intermezzo" des Jerzi Zulawstt. Unter geht die Sonne — beten will ich! Laut beten. Kein Geheimnis habe ich vor Gott! Und die Menschen veracht' ich! Singend will ich beten; stimmt mit ei»! Stimmet mit ein, Sonne, Erde, Winde! Schaut empor! Ein Regenbyg'n gespannt! Ihre Strahlen festigt dran die Sonne, Als Saiten meiner Laute! An den Metschersirnen knüpft sie manche Fertig ist die Laute! Heb' ich meine Hand — hin, alle Winde eilet! .Meiner Stimme auf den Saiten sie harren .... Ich beginne — spielet Winde! Adonaj! Sabaoth! Adonaj! Kräftiger! Mächtiger! Spielet stark! Adonaj! Sabaoth! Adonaj!! Mächtiger! Kräftiger! Mächtiger! Adonaj! Sabaoth! Adonaj!!!... Es bebt die Erde — ich bete! . Adonaj!!! Aus dem Polnischen übertragen von Esther Rapaport-Mieses. Anmerkung der Uebcrsctzerin: Zulawski ist ein begabter polnischer Poet, ein Dichter-. Denker, der mit der alt-hebräischen Literatur sympathisiert. Viele Partien aus „Koheleth"hat er meisterhaft— in gebundener Sprache — ins Polnische übertragen. — Ein Hauch biblischer Poesie umweht mehrere Gedichte seiner lyrischen Sammlung „Poezye" („Poesien"), „Oremus" ist deren eines. — j Wenn ich Rothschild wäre. Philosophie eines Kaßriliwker Melamed'). Aus dem Jüdischen des Schalem Al eichen, übersetzt von Sigmund Wenn ich Rothschild wäre! Ach, wenn ich Rothschild wäre! Erratet was ich tun würde! Erstens führe ich ein, daß jede Frau einen Dreier bei sich hat, damit sie einen nicht quäle, wenn so der Donnerstag kommt. Zweitens löse ich meinen Sabbatrock, oder nein, den Mantel meiner Frau aus. Sie soll nicht schreien, daß ihr kalt ist. Dann kaufe ich das ganze Häuschen mit allen drei Zimmern,' der Kammer, dem Keller, dem Dachboden und allem Zugehör.' Sie soll nicht sagen, daß sie sich nicht rühren kann, in dem einen Zimmer. Da hast du zwei Zimmer. Da koch'dir, back dir, wasch' dir und lass'mich in Ruh'. Ich will mit freiem Kopf die Kinder unterrichten. Es gibt keine ') Melamed — jüdischer Elementarlehrer.

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