Neue Zeitung
- Journal
- Neue Zeitung
- Volume
- 1906
- Issue
- Heft 16 (21.12.1906)
- Date
- 1906-12-21
- Page
- Seite 5 (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 89% known words query
- IRI
…/2430890-2430891-2430907--144-2431121- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
Nr. Neue Zeitung Donnerstag. 27. Dez. .1906: Jötlber aus . der BolkSwirt- -i - -' - -- - schüft Herr Leopold Spitzer, svreikag ''U 28-7 '1908: Bibelvortrag. . . . Samstag 29. „ 1008: Konzert: Arrangeur Herr SM. Verein der j.ü d.l s ch e n:.H o ch s ch üI tx. a u S den südslavi s ch e.n. L ä n d e r n. „Lar Giora" ■ Wir berichten hiermit im Folgendem über .däs Ergebnis^-der. Ausschußwahl, bei der ersten, außerordentlichen Generalversammlung mn 14. Dezember. . Präs. :.:stnä: jur. Marko D a u r r . . 7Vizepräft:stt»i. tschn. Arnnii Sp i ugirrn. . . '^1. Schriftführer: otu4 jur. ,.Gua.B n chwa^ld. - II.' Schriftführer: stüä. msfl.. ArnoldWch o!L.. .... . -rKaffier: stüä. jur.'Jakob.L crjo n,"./, . .^Bibliothekar: stnL für. Jsak S o t.öm. . .. ' rknlfüswahleu i« Brünnl In Brünn fanden Kultüswahlen' statt.' Sie hattstk einen ähnlichen!'günstigen ÄNsganh jpi^i'n! Wien. 7Von .739 . .ichgegeheyen Stimmen entfieleN'zirka 2iÖ, bls SÄauf die zionistischen und sonstigen oppositionellen Kandidaten. - -. - G:e m.'e'lftde w.a.h l en 31 e ul it f.ch:e.r^r.'- - ^ÄEdei^sr^tvühl' dds' GeMiMäuMüffes Hr politischen- Jsraelitengemeinde 7-in Neutrischems wiirbch . die Herren^'S. Schlesinger,-Dr7 Joses Mein, Wolf SCblejfc:.©. Fischl,. S. Ko b irr,. I. B eaisch M. Böge - Ä:-R i es e N'f e l d und K. B a t oi zu Ausschußmitgliedern und die Herren Dr.J.Po klack, S. B.a-ch'r a ch. A. S i n e k, F. Schl e s i n g e r, I. K o p p'und I. G r o ß -zu Ersatzmännern gewählt. Einwcihstug derLcichenhaüe auf dem Czernowitzer Friedhofe. Man'.schreibt uns aus Czernowitz: Seit kaum mehr als zwei Jahren hat für die Czernowitzer israelitischen Kultusgemeinde eine neue Aera begonnen. Mit aller Energie ist deren Repräsentanz darauf bedacht, alles Morsche:zu befestigen, neue Institutionen zu schaffen, fototi überhaupt die Kultusgemeinde zum Zentrum des jüdisch-natshnalen Lebeus zu machen. Und da hat auch am 5. Dezembet l. I. die Czernowitzer Kultusgemeinde bewiesen, daßfie der Aufgabe, welche ihr nach dem geltenden Gesetze, sowie dem Kultusgemeindestatute zukommt, vollkommen gewachsen ist.' An dem letztgenannten Tage fand nämlich die'--feierliche Schlußsteinleguug und Eintveihung der auf dem israelitischen Friedhofe pmnkvoll errichteten Leichenhalle statt.' Bei dieser religiösen Feier waren,soivohl. die. Repräsentanz -, der. Czernowitzer-Kultusgemeinde (Kultusrat Md Rabbinat) als auch Vertreter der rm Sprengel dieser Kiiltusgeinciude befindlichen Privatbethäuser zugegen-- - Eröffnet wurde die in Rede stehende Feier durch den Obmann der Baukommisston, HerrnKultusvorsteherTrichter. welcher nach einer kurzen Skizzierung der Entstehungsgeschichte der LeichenhalleHiese dem Präses Herrn Doktor- Strauch er als Vertreter der Czernowitzer Kultusgemeinde durch Ueberreichung der - in einer Blechkapsel gehüllten Schlutzsteinurkunde in symbolischer Weise übergab. Herr Dr. S t r a u ch e r sprach sohin in längerer Rede über die Bedeutung dieser Leichenhalle und dankte schließlich allen bei derselben beschäftigt gewesenen Funktionären. Nach ihm ergriff Herr Ober-Rabbiner Dr. Josef Rosenfeld das Wort zur Vornahme der religiösen Weihe. Nachdem noch Herr Rabbiner Benjamin Weiß in treffender Weise gesprochen, nahm die Feier.unter den klangvollen Gesängen des Czernowitzer Tempelchores einen würdigen Abschluß. Art» Chemiker, und Natiaaaliikoaom sind darüber - .einig,- -daß .^Künerol't eiste Wohllüt - fiirdie moderne: Küche ist. „Kuqerol" ist.'ein reines Naturpskanzen--, fett aus Kokosnüsse«; ist, sehr , nahrhaft und. leicht verdaulich. ist . free" von Wasser und Fettsäuren, enthält nahezu 100 Prozent reines Fett und ist daher - ausgiebiger und im Gebrauche billiger als jedes andere Fett. In de« Kunerolwerken wird ausschließlich reines.Pflanzenfett aus Kokosnüssen erzeugt ünh keinerlei. ändere Produkte;, dadörch bietei>,Kuneröll'! eiüW-und allein dis luUbediugks Gewähr fiir.vollkomistene: Reinheit.und llnverfälfchthrit:- ... Mitteilungen des i. 8. Distriktskomitee», (Ziqnist.ikche.PärÄleikung. M Wiest jrnb .die Alpest- und . --- •.Karstprovinzen.) . .'- DI(■: Mtltußw^ahl en^ und .unse 1 m.i rn^ep.r ogr ä m m.? ' ... .’' . Dreiundvierzig Prozent aller abgegebenen Stimmen (1800—1900 gegen 2200—2400) vereinigten sich' bei der'Hauptwahl anr 2. Dezember auf unsere Liste, und bei der Stichwahl sümmte in,', den. BÄrlen Laüdstraße,' . Mariahilf, Nestbau, Jpsesstadh Alsergrund, Meidling, .Hietzing, Rudolfs-, heimj' Füstshäus.VDhblittg «nd Währkttg. die Majorität-siir hie''zimiistischen Kandidaten M.Schalit und, Bankier, Mchtt.Dr. Alfted Stern, der Präsident der Kuikusgememde, der Hauptrepräsendant des alten autokratischeN Systems erhielt nur 68 Stimmen über die absolute Majorität: Ein Resultat das alle Erwartungen übertrifft. Ein Memento rnori fi'ir das bisherige Regierungssystem l Der Verlauf der Wahl wird hoffentlich erziehlich auf die Herren vom Kultusvorstand gewirkt haben. Wenn aber nicht, so war dies ihr letzter Erfolg. Noch einmal wollen wir ihnen daher ganz deutlich sagen, - was wir von .'ihnen verlangen, woran wir gekämpft haben ' und weiter Kämpfen werden. Wir verlangen: ' Ein mannhaftes, offenes, mutiges Eintreten für alle jüdischen Interessen, kein feiges sich Verkriechen, keine Angst! 'vor antisemitischen Gegenströmungen, kein Verbergen in jenen Ghettowinkel der. Seitenstettengasse. (Der Kultusvorstand hat.. . seine Teilnahme an der großen Protestversammlung gegen-die russischen Massakres am 28. November 1804 abgelehnt und dem Ober-Rabbiner Güdemann, der trotzdem in der Versammlung sprach einen Verweis etteilt.) - Eine Heranziehung aller Juden znm' jüdischen Gemeindeleben durch allgemeines Wahlrecht und maßvollen Besteuenmg allerdie einen Beitrag leisten können. (Das Programm des Zentral-Wahlkomitees bekämpfte, um das plutokratische System auftechtzuerhalten, sogar die Herabsetzung, des unerhört hohen Kultussteuerminimyms von 20 Kronen auf 10 Kronen.) Eine großzügige jüdische Sozialpolitik, um. die schwere Benachteiligung, wettzumachen, welche die Juden im öffentlichen und privaten Leben durch die politischen und sozialen Strömungen erleiden. Eine intensive Pflege der neujüdischen 5kultur und der hebräischen Sprache. Eine durchgreifende Reform der schleppenden btireaukrütischen Verwaltung. Einen völligen Bruch Mir der ProLektioNswirtschast und dem persönlichen RegiMeNte itt alle« Refforts. ';; Eine Modernisierung der Armen- und'; ' BEe ^Berücksichtigung der BedürfniM, der religiösen Kreise des JudentüM im Sinne eines richtig verstandenen Freisinns, i/' Eine AllsgestaktuNg der Bezirkskommissionm zst autonomen' Beschlußkörpern. ' 7' IlNsteiken 8är Vorstandsmandate nach Bezirken, dcintit'/dke WÄhkek den Känditaten, dem sie ihre SüNnne geben sollest auch kennen und damit eine Opposition auch iüM zur Geltung komme« 'fort#, wenn sie auch noch nicht die Majorität 8er ganzen Wählerschaft für sich gewonnen hat. Einleitung .eitler Aktivst zur 'Schaffung eines öffentlich rechtlichen Verband der Kultusgemeinden Oesterreichs behufs' wirksamer Vertretung der jüdischen Interessen 'und Lösung größerer Kultasaufgabeü.' . 7 Wir werden in diesen zwei Jahren auf der Wacht stehen, ob die' Herrest auch weiterhin die ^israelitische Kulkusgemeinde" zum Gespött der Wekt Mache«/oder ob sie endlich ist energischer, mutig« Weise ünd modernen'Formest fiir' die Interessen des jüdischen Volkes eintreteN werden! Die Haltung.der. ^Union". In der Generalversammlung der Oeft.-Jsr, Union (28. April 1906) beantragte deren Sekretär Siegfried Flei scher nach einer leidenschaftlichen Rede gegen R. v.T a u s s r g namens des Vorstandes eine Resolution, jn der es unter anderem heißt: ... ,. ' Die Veremsleitung erklärt es des weitern als' die Pflicht des Vorstandes der Wiener israelitischen Kultnsgemeinde. als der berufenen Repräsentanz dir Juden Wiens, daß auch er seinerseits durch: eine klare Manifestation die Solidarität..mit dem gekennzeichneten, die Ehre der österreichischen' Judenschaft schädigenden Vorgehen öffentlich ab- Die Antwort des Kultusvorstandes wurde sofort gegeben, sein Vizepräsident Dr. Gustav K o h n hielt Tauffig eine Verteidigungsrede, aus die Fleischer scharf replizierte. Jn der Abstimmung' wurde die Resolution gegen die Stimmen der anwesenden Kultusvorstandsmitglieder angenommen. Herr Dr. Alexander M i n tz, Vizepräsident der „Union" äußerte sich: „Wer die Hände gegen diese Resolution erhoben, hat, der hat sie gegen das Judentum erhoben.„ Nach dieser an Schärfe nicht zu überbietenden Verurteilung der Haltung des Kultusvorstandes ging die „Union" endlich zu Taten über, und etablierte ein Kultuswohlkimitee. Dieses arbeitete nun unter der Leitung des Herrn Siegfried Fleischer mit aller Energie und dem Aufgebote .raffiniertester Wahltechnik — — — für die Wiederwahl der abtretenden Kultusvorstände, jener Männer also, die nach dem Äusspruch der „Union" ihre Hände gegen das Judesttum erhoben hatten. Ausgabe vom Jahre 1905. Im Vorwort zu dieser Ausgabe bemerkt der Verfasser, daß er sich trotz seiner Abneigung gegen Uinarbeitungen dennoch entschlossen habe, den Schluß des Dramas für die deutsche Ausgabe zu ändern, 7. in der vollen Ueberzeugung, das; es der Arbeit zum Vorteil gereicht. Jn der Tat war die : ursprüngliche Fassung des letzten Aktes,. wo..der blinde Sache! bei der Mesuso einen Meineid schwört und Rose sich in die Gracht stürzt, eine, tendenziöse Uebertreibung, die die bis dahin konsequent durchgeführte Handlung des Stückes geradezu auf den Kopf stellte. Dieser Schluß verschob die Grenzen des Naturalismus, indem er den bis zum dritten Akte derb realistisch gezeichneten Charakteren mit einem Schlag alle Realität raubte. Die gutmütige Esther ward zur Hyäne, die überkluge Rose, entpuppte sich als dumme Gans, . und; der blinde Sache! wurde zum Mörder... Auch in der Umarbeitung ist es Hejennans nicht geglückt, seine Helden, Rafael und Rose, lebenswahr zu gestalten. Der Phrasenheld Rafael, der. Reformator, und Weltverbesserer, der von ein« , neuen Gemeinschaft, von der Gemeinschaft ohne Götter, ohne Schlechtigkeit, faselt und nichts tut, als: auf Gräbern , sitzt und leeren Träumereien nachhängt, ist g«adezu eine psychologisch unmögliche Figur.. Die:Art und. Weise,, .wie er seinem blinden- Vater. seine Betrüg«eien vorwirft, dev taktlose Empfang, den.« unverdienterweise:Rebekka bereitet, die Antworten, die er dem Rabbi Haeser gibt, zeugen von seinem Unv«stand. Dafür entschädigen uns die Nebenfiguren des Stückes Sache!, Rabbi Haeser, Esther und Aarost in vollem Maße. Der alte blinde Sachel, der mit seinen Ohren, mit seinen Händen, mit seinem ganzen Körp« mehr sieht, als zwei gesunde Augen, der der erste ist, welcher von dem Verhältnis seines Sohnes zu dem christlichen Dienstmädchen erfährt, ist eine vortrefflich gezeichnete Figur. Leuten, denen das Augenlicht erloschen ist, vermag Hejermans ist. die verborgensten Falten ihr« Seele zu schauen. Das hat er durch mehrere Typen von Btind.en in seinen Skizzen bewiesen: in der wirkungsvollen Skizze „Das Kind" verfolgt er mit psychologischem Kenn«blick den Entwicklungsgang eines^.blindgeborenen Kindes; in „Ämieke" schildert er/.die seelischen Qualen einer jungen, durch Krankheit, pöllig erblindeten Frau, die von der Eifersucht 'hehngesucht wird; in „Diamantstadt" ist die alte hlinde'Tante Reggie die einzige Figur, der wir mit Gefühlen der Sympathie und des Mitleids gegenüberstehen. Und in der Person des blinden Sache! hat sich Hejermans Meisterschaft in der Blinden-Psychölogie bewährt. Dagegen ist für ihn in vielen Fällen ein gesundes Augenpaarein- Schlei«, der ihm den Einblick in das Innenleben v«wehrt. . „Man kann sich beim Lesen von. „Ghetto" des Eindrucks nicht «wehren — so schreibt Paul Rache, ein Verehr« HejermanS -und Ueb«setz« seiner Werke — daß Hejermans etwas ganz anderes hat darstellen wollen, als er tatsächlich dargestellt hat. Das Stück sollte eine Apotheose des neuen Menschenglaubens werden gegenüb« der alten, engherzigen, unzeitgemäßen, orthodoxen jüdischen Glaubenswelt, und das Experiment ist nicht geglückt." Durch die Einführung des Rabbi Haeser im zweiten Mte, wo er bei Sachel erscheint. um seinen ehemaligen Lieblingsschüler - Rafael „zur Vernunft zu bringen", hat Hejermansseinem Helden sowie der Tendenz seines Dramas' den Todesstoß versetzt. Der Rabbi besitzt soviel Esprit und Humor, er spricht so klug und überzeugend, daß „die alte, engherzige, unzeitgemäße jüdische Glaubenswelt" üb« den neuen Menschenglauben einen vollkommenen Sieg davonträgt. Mich wundetts, daß es Heijermans selbst nicht empfunden hat. Heijermans kommt in seinen Ghettoschilderungen aus dem Amsterdamer Ghetto nicht heraus. Nstr einmal hat er den Sprung vom Amsterdam« Judenvi«tel zu den sttenggläubigen Juden in Innern Rußlands gewagt, und zwar in dem einaktigen Schauspiel „Ahasver". Das Stück spielt in ein« Bauernhütte — ist ein« schmutzigen Bauernhütte natürlich — in der Zeit d« schrecklichest Judenverfolgungen itt Rußland. Es ist Freitag abend, draußen wütet ein Schneesturm, das Ehepaar Käralik erwartet P'etruschka, den einzigen Sohn, d«' den ganzen Tag. vom Hause ferngeblie^st ist. An demselben Tage hat sich Pettuschkst