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Neue Zeitung · 1906-12-21 · Heft 16 (21.12.1906) · p. Seite 7

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Journal
Neue Zeitung
Volume
1906
Issue
Heft 16 (21.12.1906)
Date
1906-12-21
Page
Seite 7 (sequence 7)
Language
German
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M. 16 Neue Zeitung Seite 7 Sorgen, man braucht nicht zu denken, wo man Geld aüf Schabbes nehmen wird. Ein wahres Seelenver-- güügen. Alle Töchter verheiratet, einen Buckel vom Rücken gewälzt. Was fehlt mir? . . . Und ich beginne mich in der Stadt umzuschauen. Zu allererst gelobe ich das alte „Besshamidrosch“2) neu decken zu lassen. Soll's doch einmal aufhöreu, auf die Köpfe zu regnen, während man „Schmone Essre" steht. Das Bad baue ich gänzlich um. Denn wenn nicht heute, so kann doch morgen ein Unglück geschehen. Vielleicht fällt's gerade um, während Juden baden. Dann muß ich schon ein Krankenhaus bauen, aber eine Anstalt mit Betten, mit einem Arzte und Arzneien und mit Suppe täglich für die Kranken, so wie es in allen größeren Städten ist. Und auch ein Greisenasyl soll da sein, damit die alten Juden nicht im Bess-liamidroseb beim Ofen sitzen. Auch einen Bekleidungsverein würde ich gründen, damit die armen Kinder nicht nackt und abgerissen herumlaufen. Und einen Unterstützungsverein, damit jeder Jude, ohne Unterschied, ob Melamed oder Handwerker, sogar ein Krämer nicht mehr Zinsen zahlen muß. Auch einen Ausstattungsverein gründe ich, jedes heiratsfähige arme Mädchen auszustatten und dann zu verheiraten. Und noch solche Vereine, rufe ich bei uns in Kaßriliwke ins Leben. Aber nicht nur in Kaßriliwke, sondern überall, wo Juden wohnen, gründe ich solche Vereine und damit Alles planmäßig vor sich geht, und, wie es sein soll, in Ordnung geführt wird, mache ichs folgendermaßen: Ich schasse, über allen Vereinen einen „großen Verein", der die Aufgabe haben soll, auf alle Vereine acht zu geben, auf alle Juden, d. h. auf die ganze Judenheit, damit Juden überall, wo Juden wohnen, zu essen haben und in Einigkeit leben, in den ’Jeschiwoss3) sitzen und Chimusch4) mit Raschi5) lernen und Gemore6) mit Tojssefojss7) un& Morscho7) und alle sieben Wissenschaften und alle siebzig Sprachen. Und über allen Jesehiwoss soll eilte Jeschiwe fein — selbstverständlich in Wilna —und alle größeren Talmudgelehrtcn der Welt sollen ans biefer Jesehiwe hervorgehen. . . Und alles dies soll unentgeltlich sein, aus Rechnung des reichen Spenders und ein Plan muß in Allem sein und jeder, soll nur für die Allgemeinheit Sorge tragen. Natürlich, wenn man sich der Allgemeinheit widmen will, lmtfrniait zuerst sich selbst versorgen. Dian muß also jedem einzelnen Juden seinen Lebensunterhalt verschaffen. Denn das ist die Hauptsache bei Juden, ohne Auskommen gibt es keine Einigkeit, nicht nur bei Juden, sondern auch bei anderen Völkern nicht. Ueberall ist nur Neid und Haß, und daher stammen alle Unglücke der Welt, alle Verfolgungen, Morde und Kriege... Der Krieg das ist ein Weltunglück. Wenn ich Rothschild wäre, ich würde es so einrichten, daß keine Kriege sein sollen, aber gar keine... Wieso macht man das aber? Nur mit Geld. Zum Beispiel: Da ist ein Krieg zwischen Japan und Rußland ausgebrochen. Warum? Weshalb? Des Geldes wegen. Oder zum Beispiel: Was hat man denn mit dem Sultan, daß man sich in seine Länder teilen will. Und spricht man schon vom Teilen, will natürlich jeder das beste Stück. Der Eine sägt: Nehmt Euch Stambul und gebt mir den Bosporus. Der Zweite: Nehmt Euch Stambul. und gebt mir den Bosporus. Und ein Dritter kommt und sagt : Nehmt Euch Stambul und den Bosporus und gebt mir die. Dardanellen. Da geht's los! Dardanellen! Wie, wir sollen die Dardanellen nehmen lassen? Die Dardanellen gehören allen. Die Dardanellen hin, die Dardanellen her. Man dardanellt so lange, bis man mit Kanonen zu schießen anfängt und Menschenblut wie Wasser fließt. Da habt ihr die Dardanellen! Wenn ich aber zu ihnen komme und sage: Still Brüder! Sagt mir doch, warum kämpft ihr eigentlich? Wozu wird so viel Menschenblut vergossen? Ihr meint doch gar nicht die Dardanellen, ihr meint ja das Geld. Da habt ihr eine Milliarde und ihr eine Milliarde, zwei Milliarden. Gott wird Euch helfen, ihr . werdet sie mir zurückzahlen. Ihr versteht doch! Ich habe ein Geschäft gemacht, und dabei hören die Menschen auf, einer den zweiten umzubringen, wie. Ochsen, — ohne allen Grund. Die ganze Armee und alle Wcfffen sind dann überflüssig. Und wenn keine Kriege mehr sein werden, so -) Beth--und Vortragshaus. h Jüdisches Seminar, *) Pentateuch,.5) Ein Kommentar zur Bibel, °) Talmud, ') Kommentare zum Talmud. gibts doch keinen Haß, keinen Neid mehr, keine Türken, , keine Russen, keine Japaner, keine Franzosen, keine Zigeuner und keine Juden ... Die ganze Welt bekommt dann ein ganz anderes Aussehen. Es wird sein, wie der Prophet sagt: „Am Tage, an dem der Messias kommen Oder vielleicht, ja? ... Wenn ich Rothschild wäre, ich würde es so einrichten, daß es überhaupt kein Geld gebe, aber gar keines ... Denn was ist Geld? Geld ist eine Art böser Geist ein Gelüste. Jeder will es besitzen. Gäbe es aber kein Geld auf der Welt, so gäbe es keinen bösen Geist und kein Gelüste mehr. Doch d i e Frage bleibt: Wenn es kein Geld mehr gibt, wo werde ich auf Schabbes haben? Aber, jetzt, wo es noch Geld gibt, habe ich denn auf- Schabbes? . .. Humor nnd Snlyre. Eine Minute. Arm er (vor der Bundeslahe): Oh Gott! Bei dir sind doch unsere hundert Jahre eine Minute. So leih' mir einige tausend Rubel auf eine Minute. Gott: Sollst' sie haben. Mein Lieber. Aber sei so gut und warte ein Minutcheu. /. Sic kennt sich ans. Dwosche: Kannst Du mir nicht sage»,' Sprinzele, was das eigentlich sind die Zizelisten? (Sozialisten:) Sprinzc: Nun, die nach Jeruscholajim wollen. Schriften von Mathias Achrr. (Dr. Nathan Birnbaum). Aettere Schriften. „Die jüdische Moderne", 1896. Erhältlich in der Redaktion der „Jüdischen Rundschau", Berlin, NW. Melanchthonstaße Nr. 4. Preis, 50 Pfennig. Zwei Borträge 1898. Erhältlich in der Redaktion der „Neuen Zeitung". Preis 40 Heller. Neuere Schriften. Henrik Ibsens „Drittes Reich", 1999. Erhältlich in der Redaktion der „Neuen Zeitung". Preis 50 Heller. - Achad Haam. Ei« Denker «nd Kämpfer der jüdischen Renaissance. Erhältlich im „Indischen Verlag", Köln, Ubierring 23, Preis 1 Mark. S. L- Perez. „Erzählungen", in deutscher U e b e r s e tz u n g. Erhältlich im „Jüdischen Verlag" Köln, Ubierring, 23. Preis: Broschiert ' Mk. 3.— Gebunden „ 4.— Illustriert .. 7.— Dwosche: Aber, die heißen doch Zionisten. S prinze! In einer anderen Stadt heißen sie vielleicht Zionisten, bei uns heißen sie Zizelisten. Jede Stadt gibt andere Namen. Korrespondenz der Redaktion. X. 3). Wir wissen vorläufig selbst nichts Näheres, glauben aber jedenfalls nicht, daß das Werk schon im Buchhandel erschienen ist. Herrn ft. I. in B —. -Größere -Aussätze - von. ntii über jüdisch-politische upd iiidischfkulturelle Probleme finden sich in verschiedenen Zeitschriften ^zerstreut,,. hauptsächlich, aber-nicht-durchgehendS-, rn-„Ost^rmd, West'': Die Vorträge, die ich vor zwei Jahren inder Wiener „Kadimah" hielt, bild en ein Buch, das meine gesamten Ansichten über die Judenfrage enthält. Ich lasse '/dieses /Buch, dessen Ge< dankengänge sich in vielem mit ,den Ansichten des leider noch unbekannten Dübnomdeckensollen, aus __ stimmten Gründen ungedruckt liegen. Meine im Buchhandel erschienenen und noch erhältlichen kleinen Schriften inseriere ich heute über Ihren dankenswerten Rat in d „Neuen Zeitung". Dr. 35. PATENTE erwirkt und verwertet P ■ Ingenieur- und Patentanwalt ■* J. Knöpfelmacher Telephon 22132. Wien. II.. Praterstrasse 37. r= LiESEfii 150 Prozent verdienen Händler, Hausierer, Vertreter und jeder Geschäftsmann sowie alle Privatpersonen durch den Vertrieb des neuerfundenen, leicht verkäuflichen Massenartikels, welcher in jedem Haushalte gebraucht wird. .Muäter versende' i'ch überallhin franko gegen Voreinsendung von 80 h, auch Marken. Das Muster hat einen doppelten Wert. Ganzjährige Beschäftigung täglich K 5.10 zu verdienen garantiert. - Man schreibe sc.tort an: ftdolf V\?eb«p, Budweis (Böhmen) Schmeykalgasse Nr. 19 n. Vom 1. Januar 1907 erscheint im Verlage der „Welt* eine neue hebräische Wochenschrift unter dem Namen □ □ Ha' Olam“ □ □ Ha’ Olam wird lediglich selbständigeOrU ginalartikel und beHetrisch-liteiaiische Aufsätze der ersten hebräischen Schriftstell er der G-ege n w a r.t enthalten undwird von allen Freunden der hebrischen Sprache als eine dankenswerte Bereicherung der modernen hebräischen Literatur begiüßt .werden. Die /Zeitschrift für Demographie und der Anden BtrlMalensee, Georg a»ih<imsrrasse n Juden neu erscheinenden zuverlässigen statistischen und demographischen Daten in einer von aller Parteitendenz freien, rein wissenschaftlichen, dabei aber allgemein verständlichen Weise Über alle Veränderungen im sozialen Leben der Judenheit. Die Zeitschrift ist damit das Zentralergaa für alle diejenigen, welche sich für die Aufhellung J“ der Juden auf phyilolcglaohent, kulturellem, morallachem uaw. k""—■"- if dar Srundlaga exakter Feraokunf wSrtigan Laben der Juden. Die Zeitschrift brachte bis jetzt auifilhrllehe / gaben Uber: Zahl, Wohnsitze und Verteilung; Beburten, Eheschliesaungen und Sterbnfällc; Beruft-, Bildungs- und UnterrloMsvarbältnlnse; Beeobleebtsverhaitnle, AI*-—- und Staatsangehörigkeit der Juden der meisten , ferner über die wiobtlastdn jüdischen Organ!- in für politische, wirtsohaflTiolie und soziale Zweeke: Abhandlungen anthropologischen Inhalts. Die literarische Leitung bat N. Sokolow über. □ □ . nommen.- ' □□ Der Bezugspreis der acht Seiten stark erscheinenden Wochenschrift beträgt a c h’t Mark järlich. Abonnenten der „Welt“ erbalten Ha’ Olam zum □ □ ermäßigten Preise von vier Mark järlich. □□ Bestellungen auf Ha’ Olam nehmen alle Buchhandhandlungen des In- und Auslandes entgegen, sowie die! Expedition'-der „Welt“ na Köln a. Rh. an a Uibering Nr. 23. □ ( WIENER VERLAG 1 Verlagsbuchhandlung und Buchdruckerei WIEN, V. Wienstrasse 89a empfiehlt sich zur Herstellung sämtlicher Druck- Sorten in Buchdruck und Lithographie. Preiskurante, Zeitschriften,Werke, Broschüren sowie sämtlicher merkantilen Drucksorten in modernster Ausstattung bei mässiger Berechnung. (>- -Z)

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