Neue Zeitung
- Journal
- Neue Zeitung
- Volume
- 1906
- Issue
- Heft 16 (21.12.1906)
- Date
- 1906-12-21
- Page
- Seite 4 (sequence 4)
- Language
- German
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Neue Zeitung mungen der Regierung, wider die-Prinzipien der bürgerlichen Gleichheit und politischen Freiheit erforderlich ist." Dr. Schemarja Lewiu in Amerika. - Wir berichtete» bereits, daß der bekannte russische Zionistciiführer und Deputat der ersten Duma. Dr. Kew i n iu Anierika eingetroffen ist, um dort' in zionistischem Sinne tätig zu sein. Wie nun aus Amerika gemeldet wird, ist Dr. Lewin vom Präsiden t en' R o o s e v e lt eulpfangen worden. Hebräisches Gyumäsim» in Jaffa. Deni in hebräischer Sprache abgefaßten ausführlichen Prospekte des kürzlich gegründeten hebräischen Gymnasiums in Jaffa entnchmen wir einen gründlichen Einrichtungs- und Lehrplan. Die Schule baut sich pädagogisch vom ersten Leseunterricht bis zur Universitätsreife auf. Sie enthält drei Stufen. Die Vorbereitung (drei Jahre), eine mittlere (zu 5 Jahren) und eine höhere Stufe (3V» Jahre), letztere in zwei Parallelabteilungen, einer mehr literarischen und einer mehr realistischen. Unter den Lehrgegenständen verdienen neben den allgemein eingeführten (ohne Latein und Griechisch) genannt zu werden: ,ein .systematisches Vertiefen in Bibel und die agadistischen Teile des Talmud, gründlichere Aneignung des Hebräischen als Unterrichtssprache, moderner Zeichenunterricht, Französisch, Englisch, Deutsch, eventuell Arabisch, Türkisch und Latein. In der Naturgeschichte ist das zeitliche Vertrautmachen mit dem menschlichen Organismus, in der Geschichte die Hervorhebung des kulturgeschichtlichen Momentes zu betonen. Eröffnet wurde die Vorbereitungsschule und der erste Jahrgang der mittleren Stufe. Drnckfeblerbericktiauna. Bei der Ueberschrist der Skizze .Kabbalisten" in der vorigen Nummer ist der Name des Autors und des Ueber. etzers. weggölagen. Es hat dort zu lauten: „Von 3- L. P e r e z. Aus dem Jüdischen übersetzt von Mathias Acher. Persoualnachrichte». Vor kurzem feierte der Brauereibesitzer und langjährige Tempelvorsteher Herr Julius Lich twiz in Freiwaldau mit seiner Gattin Aurelia die goldene Hochzeit. Am 12. d. M. starb Frau Katharina Glücklich, Witwe des vor 32. Fahren verstorbenen Talmudisten und Philantropeu Jakob H. Glücklich im Alter von 68 Jahren Das Leichenbegängnis gab Zeugnis, welcher Beliebtheit sich die Verblichene erfreute. - . Aus der jüdische?» Oefsentlichkeit. (In dieser R ubrik finden u. a. L e r l a u tbarungen jüdischer Körperschaften — o h?n c Unterschied der Richtung Aufnahme.) Israelische Kultnsgemcinde Wien. Einladung zur ö f f e n t t i ch e i> Plenarsitzung desVorstandes derisraelit i s ch e n K n l n s g e m e i n ö e. Sonntag, den 23. Dezember 1806. präzise I« Uhr vorm., I., Bezirk Seitcustettcngaffe 4, 2. Stock. Tagesordnung: 1. Beschlußfassung über eine gegen die stattgehabten Wahlen emgebrachte Einwendung. die Welt ohne Gott zu verstehen, noch schwerer ist es, sie mit Gott zu verstehen? Und deshalb glauben wir — nicht?" Wer nicht um die Hinfälligkeit darzutun solcher Beweise — die ist wie jede Beweisführung in Glaubenssachen selbverständlich — führte ich diesen „GlauLensgrund" an, sondern um anzumerken, daß hier der Glaube bereits „angekränkelt ist, von der Bläffe" rationalistischen Denkens. Und leider fällt diese Gedankenbläffe an einer entscheidenden Stelle noch viel stärker auf, dort nämlich, wo Montefiore in ausführlicher Weise das „Gesetz" behandelt, dessen Stellung und Bedeutung in: orthodoxen Judentum. Wir müssen es uns versagen, auf diesen Punkt näher einzugehen, wiewohl dieses Beispiel drastisch, wie vielleicht kein Zweites, die Unzulänglichkeit der liberal-rationalistischen Methode in der Bekämpfung der„Gesetzes- Religion" erweisen möchte. Wir müssen es uns schon deshalb versagen, um nicht den Schein zu erwecken, als wären wir — ein umgekehrter Bileam — ausgezogen Montefiore zu segnen, und nun fluchen wir ihm. Denn gerade in der Bettachtung des „Gesetzes" zeigt sich die charaktervolle Natur Montefiore's am klarsten und tapfersten: sein liebevolles Verständnis firr die Eigenart des Gesetzes, die ernste Würdigung, aber auch die entschiedene und grundsätzliche. Abweisung desselben im Namen des. liberalen Judentums. Und sicherlich: das „Gesetz" ist es. welches., den schärfsten Gegensatz, die tteffte Wust bedeutet zwischen -2. Agnoszierung der Mahle« in den Kultusvorstand. 3. Festsetzung der Voranschläge der Einnähmeü und' und Slusgaben der Kultusgemeinde für das' Jahr 1907. Wien.. 19. ®ejiew6er JL90C: - - - . ' . . v" Der Präsident. Russische Ziomstentouferenz in Helfingfors. Ueber die Pglästinaapbeit. referiiert Herr B. G'o l db c r g. Der Grundgedanke', des Referats . war, daß der Zionismus nur dann eiste 'wahrhaft politische Bewegung, werden werde, wenn sich in Palästina genug jüdische Kräfte finden werden. Dies zu erreichen, schlug er' eine Reihe praktischer Mittel vor. In der Debatte wurde ausgeführt, daß die Arbeit , in Palästina Hand iu Hand . mit dem Streben nach , politischen - ' Garantien . gehen müsse,. Die Arbeit in Palästina liegt nicht 1 in Kolonisation, sondern müsse in der Schaffung splchet Bedingungen welche von selbst: die jüdischen Einwanderung anziehen. bestehen. Es müsse also Leben in die ökonomische . Entwicklung, des Landes hineingebracht werden und überall .müsse.die Beteiligung der Juden hervortreten,' Eine in diesem Sinne abgcfaßte Resolution wurde, auch nugeuomme».' Die Hauptfrage-der? Kynfnrenz : bildet die Teilnahme an der-, inneren Polittk. -Das erste Referat hatte Herr Professor G r ü n b ä u mst. der die Stärkung der. nationalen Kräfte im Golus alsdas beste Mittel des Zionismus für den Endzweck hinstellte. Das zweite Referat hätte Herr Dr, I, Luein erstatten sollen, er war aber' gelegentlich einer in Petersburg stattgehabten-Vorberatung mit anderen Teilnehmern verhaftet'worden. An seiner Stelle trat Herr C. Seiden man n, der eine Begründung des national-politischen -Programms . gab. In einem Referate über die zionistische Taktik-machte Herr S ch a b o ti n s kg den Vorschlag, einen Verband der russischen Minderheitsvölker zu begründen. Eine sehr große und lebhafte Debatte rief die Frage hervor,, ob die Zionisten unter eigener Fahne innere Politik treiben oder eine allgemein jüdische Volkspartei schaffen sollen. .-Die erste Ansicht gewann die Mehrheit. In dem Programm finden sich außer den allgemeinen demokratischen und national-autonomistischen, folgende spezifische jüdische Forderungen: Bolle und unbedingte Gleichberechtigung der jüdischen Nationalität und das Recht der Selbstverwaltung in allen Gegenständen' des jüdisch-nationalen Lebens. Einberufung einer allrussischen jüdischen Nationalversammlung, um die Grundsätze der nationalen Organisation auSzuarbeiten. Das Recht' der nationalen und der Muttersprache in Schule, Gericht und öffentlichem' Leben. Das Recht, überall am Sabbath statt am Sonntag zu Zuletzt hat sich die'Äonferenz niit Organisationsfragen beschäftigt. Statt des bisherigen Bureaus wird in Wilna ein mit größeren Äechteu ausgestattetes Zentralkomitee gebildet In.dieses,wurden die Herren B. Goldberg, Dr. I.Lu rie, Dr. Pa s m an ik,. Rosenb a u m und Herr L. Fasse gewählt. Auch eine Palästina-Kommrssion in Odessa und zwar aus den Herren S u.-ß m a n?n/.S-ä s>p ir'ünd N s s i sich t i n - bestehend/ wurde eingesetzt.. ' Am 11. Dezember wurde die Konferenz mit einer Rede des Vorsitzenden Dr. T s ch l e n o w geschlossen. Jüdisch-nationale Gruppe nennt sich in Rußland eine jüdische, aus dem „Verein zur Erreichung der Vollberechtigung für Juden- (den sogen. „Dergreichern") hervorgegangenen Gruppe, die soeben ihr Programm verbreitet. Dasselbe beginnt mit den Worten: „Die jüdisch-nationale Gruppe setzt sich als Ziel — außer der Forderung demokratischer Volksvertretung und. voller Verwirklichung bürgerlicher und politischer Freiheiten — die Grundlage der nationalen Gleichberechtigung der Juden im Leben zu entwickeln und durchzuführen." Es wird dann hauptsächlich die Forderung der nationalen Autonomie ans Grundlage nationaler Gemeinden und eines Gemeindeverbandes erhoben, und die fakultative Sabbatruhe statt der Sonntagsruhe, sowie der Gebrauch der nationalen Sprachen (Hebräisch und Jüdisch) an den Schulen beansprucht. liberalem und orthodoxem Judentum. Fast scheint es, als wäre hier eine Vermittlung undenkbar. Und dennoch: es wird der Weg zu ihr sich finden lassen... Mit welcher psychologischen Feinheit aber und Schärfe Montefiore in die Natur des „Gesetzes" eingedrungen ist, mag. folgender Ausspruch zeigen: „Die Propheten würden das Gesetz nicht völlig gebilligt haben. Doch würde ohne Gesetz kein heiliges Volk gewesen sein". In die ureigenste Sphäre des Religiösen weisen die Worte: „Diejenigen ..., die von Natur gut sind, ohne Gesetz und ohne Bedürfnis nach Gesetz, sind jene ivunderbaren sttahlenden Seelen, deren bloßes Wesen, und deren bloße Neigungen den Stempel des Göttlichen in sich tragen". Wem solche Aeußerungen — entschlüpfen, der kann nicht allzuweit sein von der Erkenntnis des Grundwesens der Religion, auch wenn er, wie Montefiore bescheidentlich erklärt, .es liege nicht in seiner Aufabe, der er gär nicht gewachsen sei, das Wesen er- Religion erschöpfend zu definieren. Sicherlich ist das religiöse Problem so kompliziert wie kein anderes, und im Rahmen eines bloßen Essays ist die Lösung desselben nicht, leicht zu denken. Mer ein verheißungsvoller Anfang scheint mir darin zu . liegen, daß ein theologischer Gelehrter aus der in. diesen Kreisen, üblichen Reserve heraustritt und .die religiöse Frage in einer Weise zur Diskussion "stellt, die von den jüdischen Theologen nicht ignoriert werden darf.. Es> -gibt kaum einen Punkt -von WchtiMk, der von Montefiore. nicht, erörtert Die- Palästma-Sommifsionteilt mit, daß die Zeitschrift zur wirtschaftlichen Erschließung-Palästinas und der-Nachbarländer,' die " bisher unter dem Namen „Altueuland" heravsgegrbeu wurde, mit dein neuen Jahre beginnend den. Namen,>P a l äst i u q" führen urid zu. ein«» Organ der im Orient tätigen jüdischen Kplonisätionsvereine^ und Jnformationsbüreaus. erweitert werden wird. " V‘ Die Zeitschrift DP a l äst i n a" wird in zwanglose» Heften in. Gesamtstärke von - -ungefähr 20 Druckbogen jährlich'erschUneii. Der Bezugspreis wird auf Mark 1.— jährlich (pränumerando) herabgesetzt. . .? Die Abonnenten der. „Welt" erhalten »'.Palästina"' zum Vorzugspreise von Mk. 2:50 iu Deutschland und Oesterreich undMk-.3.— iyl Ausland.' ., '" ' Die Redfiftion von »Palästina" wird? gleichzeitig He Funktionen einer'Anskunftsstelle . für den'-Orient erfüllen. Der Zionistische Zentralvereiu in Wien veranstaltet im. Frühjahr-1907. (voraussichtlich Mitte April) seine; ZtveitePalästiuareise ' Anfragen sind an ben-Vörstand des Vereines, Wien-! IX.. Türkenjtraße. 9, zu .richten.: '::i::- Hebräischer Klub. * Sonntag,? den 23, l. I. präzisehalb 8 . Uhr abends, findet im. Restaurant Äondi, I., Schottenring 29 ein hebräisch-literarischer Äbeud mit folgendem Programme statt: - 1. Ansprache des .Vorsitzenden.? 2. Frau B orödnizkajä: Vorlesung eigener Schriften. ' - '' 3. Konzertsänger D. R e i s e n m ä nn: Vorträ hebräischer Lieder mit Klavierbegleitung des Fräule 4. Fräulein Loubezkaj a : Vorlesung . keLril» z-cknnlo^ von Fleischma Nil.' 5. Frau Dr. W a l d m a n n: Deklamation.- 6. Herr Rosen bl att: Vortrag eigener Dichtungen.. - '7. Fräulein Schlesinger: Deklamation. ' 8. Herr 'P. L o u b e z k t,: Vortrag hebräischer . Regiebeitrag Kronen- 2 —, L—, für Studenten 40 h.. r Jüdische Toynbee-Halle, XX., Othmar g. 46. Eintritt frei für jeden Erwachsenen. — Beginn der Bor- - träge an Wochentagen ühr, Samstag, sowie an Sonn- und Feiertagen 7 Uhr abends. — Anmeldungen von Vorträgen und Mitwirkniigen bei Konzerten wolle man an den - Obmann Herrn-,-Dr. I Sam ne lg, I., Fischerstiege 6 adressieren! Sonntag den 16. d. M. fand in der Toynbeehalle eine Chanuka-Festjäuse statt, bei welcher 288 arme Schulkinder der.Brigittenau,-durch Sang und Spiel erheitert,-: bewirtet---«ndr:-'mitNSschereien-.--uud-Spielsachen-l"-beschertwurden. "— Vor'-der Jause' erläuterte der Lehrer des Knabenhortes, Herr Rosenheck, die Bedeutung des Chanukafestes, worauf in feierlicher Weise das Airzünden..der Lichter erfolgte. Glückstrahlend verließen nach dreistündiger Unter- - Haltung die kleinen Gäste den Festraui». Wochenprogramm: Samstag 22. Dez. 1906: Konzert. Arrangeur Herr Prof. Mellion. Sonntag 23. „ 1906: „Eindrücke einer Palästina- , reise. (Mit Skioptikon). Herr W. Reich aus Baden. Montag 24. „ 1906: „Die Tatsachen und Gesetze . des sittlichen Lebens". Herr Prof. Dr. W. Jemsalent. Dienstag 25. „ 1906: „Anonyme Briefe" mit (Skioptikon) Grapholdgin. Fräulein Dolphine Poppö- Mittmoch 26. „ 1906: Konzert. Arrangeur Herr Birnbaum. oder nicht wenigstens berührt würde. Aus der Fülle des Inhalts habe ich nur weniges hervorgehoben, wobei ich zwei allerwichtigste Punkte mit Absicht unbesprochen ließ: die Beziehung des religiösen Moments zum nationale», und die Stellung des Judenttims zur Gesamtkultur der Gegenwart. Diese Fragen verlangen eine ausführlichere Behandlung^ als sie der Nahmen dieses Blattes gewähren kann. Banich Malisdorf. Hrijerumns, der Ghetto schilderer. Bon Samuel Weisels (Charlottenburg.) (Schluß.) Der arme Rafael verstößt seine Geliebte Rose, weil er sich überzeugt hat, daß sie sich von ihren Vorurteilen nicht stei machen kann. Dieses armen Mädchens Unglück ist's, daß es die „Höhe" nicht erreichen kann, auf der Rafael steht. Rafael will durch seine Ehe mit Rose vor allem reformatorisch wirken; sie sollen Vorbilder sein> sie sollen Jud und Christ von den Schlacken des ^Vorurteils befreien helfen. Nun erklärt sich Rose bereit, dem alten, blinden Sachel zuliebe zum. -Irrtum überzutteten. Da^ soll wieder einmal ibie Jüdin den Juden heiraten^ das geht Rafael durch, den Strich. Der Bäu. seiner Ideale ist-, iw Trümmergeschlagen ... So. lautet' Her Schluß des- Dramas: „Ghetto" in der deutschen-