Neue Zeitung
- Journal
- Neue Zeitung
- Volume
- 1906
- Issue
- Heft 15 (14.12.1906)
- Date
- 1906-12-14
- Page
- Seite 5 (sequence 5)
- Language
- German
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Nr. 15 Neue Zeitung Seite 5 die Hilfe der auswärtigen Verbindungen ' anzurufen. Das ist allen Leuten bekannt, die jene Ereignisse nüterlebt haben, die bis jetzt auch von deu „Hasmonäa" nicht dementiert. werden. Was in den Sitzungsprotokollen der „Hasmonäa" steht, weiß ich nicht und Sache des Berichterstatters kann es auch nicht sein, interne Vorgänge vor die Oeffentlichkeit zu bringen. Uebrigens trat die „Zephirah" bereits Anfangs Dezember 1902 an die „Hasmonäa" heran und schrieb gleich darauf die Briefe, die der „Hasmonäa" so unangenehm sind. Es ist daher schon möglich, daß die Herren am 1. Jänner 1903 sich dazu emporgeschwungen hatten, ein Memorandum dem Senate zu überreichen. Das ist ja gerade der Vorwurf, den die jüdisch-nationale Gruppe der „Hasmonäa" macht,, daß sie die nationalen Forderungen mit seniler Energielosigkeit vertritt, als ob unser Volk nicht erst alles zu erkämpfen, sondern höchstens in einzelnen kleinen Details seine Stellung zu wahren hätte. Das Vorgehen der Verbindung „Zephirah" war während der Campagne ein vollkommen korrektes und wurde auch nicht nur von der Studentenschaft, sondern auch von allen jüdischen Kreisen gebilligt; der Universität allerdings war das Vorgehen der „Hasmonäa" angenehmer. Hätte sich die Studentenschaft, was glücklicherweise nicht der Fall war, der „Hasmonäa" akkomodiert, dann hätte sich der akademische Senat mit diesem bißchen Anerkennug der jüdischen Rationalität nicht so zu beeilen gehabt. Es ist nicht meine Sache, gegenüber Anwürfen gegen die „Zephirah" Stellung zu nehmen. Es scheint aber die „Hasmonäa" zu vergessen, daß bei den Verhandlungen wegen des gemeinsamen Vorgehens im Dezember 1902 und Jänner 1903 auch nichtinkorporierte Studenten dabei waren und daß gerade die „Hasmonäa" gewisse Vorrechte wegen ihres Alters und des Alters ihrer alten Herren beanspruchte, während die übrigen Anwesenden erklärten, daß ein gemeinsames Vorgehen nur unter der Parität aller Beteiligten möglich sein. Uebrigens soll zum Lobe der „Zephirah" nur soviel gesagt werden, daß sie grundsätzlich auf dem Standpunkte steht, daß keine Verbindungen vor einer andern die Priorität haben dürfe. Es ist. daher tatsächlich unwahr und auch unmöglich, daß die „Zephirah" seinerzeit das Verlangen gestellt hätte, in den Lokalblättern einzuschalten, „daß die Aktion von ihr ausgegangen sei". .Wenn schon Eitelkeiten jemanden vorgeworfen werden, was ich gewiß nicht für meine Aufgabe n halte, so soll darauf hingewiesen sein, daß die „Hasmonäa" damals kraft ihres Alters den Vorsitz Und den ersten Redner forderte. Doch auf die saktiösen Gegensätze, welche zwischen den Czernowitzer Verbindungen bestehen, ist genügend eingegangen worden. Was die weitere Oeffentlichkeit interessiert, ist nur das energische und taktisch kluge Vorgehen der großen Mehrheit der jüdischen Studentenschaft; die „Zephirah" hat dabei eine anerkannt ehrende Rolle gespielt. Zur teilweisen Beruhigung der Studentenschaft, deren Auftreten den akademischen Senat sehr beunruhigte, wurde Den jüdischen Studenten dieses „Nichts" provisorisch zugestanden, was.der maßvollste, sanfteste und zurückhaltendste Teil unter ihr in seinem Memorandum zu fordern sich berechtigt fühlte. Man gestattete, daß die jüdischen Studenten neben der Muttersprache auch ihre Nationalität angebe. Es ist klar, daß dies nicht bewilligt wurde, weil, sondern obwohl die „Hasmonäa" es forderte. Aus diesen für ihre lauen Bedürfnisse gestellten Forderungen zieht die „Hasmonäa" mit großem Eifer bei allen Gelegenbeiten in allen Blättern den ungerechtfertigten Schluß, daß es ihr Verdienst sei, dem akademischen Senat etwas abgerungen .zu haben. Sie, die bei jedem Anlasse die Solidarität der jüdischen Studenten durchbrochen hat, ist es, welche sogar im letzten Stadium des .Kampfes es unternoinmen hat, die anderen Verbindungen in den Zeitungsnotizen anzugreifen, nur, um dem akademischen Senat gegenüber loyal zu erscheinen. Hoffentlich wird das Wespennest, in das ich unabsichtlich gestochen habe, wieder zur Ruhe kommen und die geehrten Leser der „Neuen Zeitung" mit weiteren Berechtigungen verschonen. Möchte doch die Hoffnung, . die hier unser geehrter .Korrespondent ausspricht, in Erfüllung gehen! Der Worte find nun genug gewechselt, noch dazu über einen Gegenstand, der alleu Unbeteiligten von allem Anfang klar war: Wir wollen der „Hasmonäa" nicht absprechen, daß sie das Beste gewollt hat. Doch wie sie die Konzession der Unive>ffität ihrer Arbeit und dieser einzig und allein zuschreiben kann, war uns vom Anfang an unverständlich. Aus der Uebereinstimmung ihrer Fordemng mit dem. was der Senat bewilligte, kann doch in dein einen Falle nichts, aber auch schon gar nichts gefolgert werden. Waren sich denn die anderen Korporationen, als sie die Losung, „rumänisch" und „ruthenisch" ins Nationale zu setzen, ausgaben, darüber im Unklaren, daß die Erledigung deutsche Muttersprache und jüdisch: Nationalität läuten muffen. Konnte denn die Losung den Sinn haben, die Zugestehung des „Rumänischm" und „Ruthenischen" zu erzwingen? Oder bezweckte sie vielmehr nicht offensichtlich das gleiche Ergebnis wie die „Hasmonäische" Methode, nur mit brauchbareren Mitteln? Im Uebrigen noch Eines: „Rumänisch" und „Ruthenisch" schreiben wurde von der „Hasmonäa" als unreines Mittel charakterisiert. Ohne uns in eine Prüfung dieses Borwurfes einzulassen, wollen, wir nur konstatieren, daß speziell in der Bukowina auch die Ausgabe von d e u t s ch als Muttersprache für 4/s aller Studenten ejne Unwahrheit ist. Denn für Muttersprache ist bekanntlich die Die Redaktion. | Eintritt nach Bulgarien, verbietet. Die rumänische Regierung. rächte sich nun für diese Maßregel damit, daß sieden aus Bulgarien stammenden Juden/ ebenfalls ohne Rücksicht auf den Besitz eines' Reisepasses, die rumänischen Grenzen verschließt. Wenn das keine Reziprozität ist. ... . . Sozialistischer Antisemitismus. Wir meldeten, daß der amerikanische Schriftsteller inclair, der sich durch sein Buch gegen den Fleischtrust berühmt gemacht hat, einem Juden die Aufnahme in die von ihm gegründete sozialistischeKolonie verweigert habe. Sinclair bestreitet nun, daß der Abgclehnte, ein gewisser Server, wegen seines Judentums zurückgewiesen worden sei. Es seien gleichzeitig mit Serber und dessen Schwager noch andere zurückgewiesen worden. Diese anderen seien Christen gewesen und übrigens seien Juden in die Kolonie ausgenommen worden. — Nun hat wieder der Ankläger Jüdische Mittelschule» in Rußland. In den Schulverhältnissen der russischen Juden ist durch eine Verordnung der Regierung in den letzten Tagen eine erhebliche Verbesserung eingetteten. Während es bisher den Juden verboten war, eigene Mittelschulen zu gründen — ein Verbot, das umso lästiger war, als der Besuch der öffentlichen Schulen auf Prozentsätze beschränkt war — ist dieses Verbot jetzt aufgehoben worden. Damit tritt die Frage der jüdischen Schule und ihres Lehrplans an die russischen Juden heran und ihre Beantwortung wird für das ganze russischeBolk von großer Bedeutung sein. Eine Stadt iu der Gewalt der Hooligans. Unter diesem Titel berichtet der „Hajom" über die Zustände in Odessa. Dort hat der Pöbel die gesamte Gewalt an sich gerissen. Der Stadttat beschließt, Vorbereitungen zur Dumawahl zu treffen und setzt hiezu eine Kommission ein, aber ihre Mitglieder sind den echt russischen Spitzen uicht genehm und sie verhindern eine Zusammenkunft. Die Zeitungen fordern eine Zeit lang auf, dor Kommission des Stadttates die Vollmachten zu übergeben — durch den Terrorismus der „Schwarzen Hundert" werden die Zeitungen gezwungen, die Drucklegung aufzugeben. Bald kommt auch ein Ukas, der verbietet. Berichte über die Dumawahlvorbereitungeu aus den Städttn zu bringen. Natürlich erstreckt sich das Verbot nicht ans „Ruski Rjetsch". das Organ der Hooligans . . . Und ihre Wahlaufrufe fliegen durch die Gaffen . . . Preußentum. Man schreibt uns aus Berlin: Wie ich vor einigen Wochen berichtete, wurde an den preußischen Universitäten ein Ministerialerlaß zur Verschärfung der Aufnahmsbedingungen für die mißliebigen russischen Studenten erwartet. Er ist noch erschienen, bevor die Jmmattikulation zu Ende ging, um unter den neu angekommenen, auf solche Schikane unvorbereiteten Studenten gründlich aufzuräumen. Die Härte der Bestimmungen traf auch etliche christliche Russen, die wahrscheinlich im Gerüche sozialistischer Gesinnung standen und natürlich -willkommen den Schein von Gerechtigkeit wahren halfen. Drei Bedingungen waren gestellt: Absolvierung eines humanistischen Gymnasiums, was bisher nicht unbedingt nötig war, Nachweis politischer Zuverlässigkeit und genügender Subsistenzmittel, sehr dehnbare Vorschriften. Diese Maßregeln wurden mit echt preußischer Schneidigkeit eingeleitet und durchgeführt, wobei die Polizei der Universität dankbar einen kleinen Gegendienst erwies. Wie weit der Zweck erreicht ist, wird die Statistik des laufenden Studienjahres weisen. Die neue Art von Ausweisungen wird eine Frequenzsteigerung der schweizer Universitäten zur Folge haben, die über kurz oder lang doch auch zu ähnlichen Mitteln greifen werden. Der Anfang ist ohnedies schon längst gemacht. 1a' an Ostjuden in England. Man schreibt uns aus London: Das Parlament beschäftigt sich jetzt mit zwei, für die östlichen Juden sehr wichtigen Angelegenheiten, mit der Sonntagsruhe und der Fremdenbill. Hoffentlich gelingt es in ersterer Beziehung Ausnahmebestimmungen für jene Juden durchzusetzen, die am Sabbat feiern. . In bezug auf die Einwanderungsgesetze müssen die Juden des Ostends vor Allem auf Entlassung der antisemitischen Kommissäre und Anstellung tüchtiger Dolmetsche bestehen. Die Klagen wegen schlechter Verdolmetschung hören nicht auf. So wurden jüngst zwei Einwanderer fast nicht eingelassen, weil'sie erklärten, sie seien gekommen, um „ohriunemeu a jerusche“ und der Dolmetsch das Wort „jerusche“ (Erbschaft) nicht verstand. Erst als der Agent den Dolmetsch aufilärte, konnten He England betteten. Biele Fälle verlaufen aber weniger glimpflich. Auch eine Rezivrozität. Jüngst erschien ein Erlaß der bulgarischen Regierung, der russischen, und rumänischenJuden, selbst wenn sie mit Pässen versehen sind, den Die Gleichberechttguug der persischeu Jude«. ist nun wenigstens auf dem Papier zur Wahrheit geworden. Dies geht aus folgenden Artikeln der neuen Verfassung hervor: Attiktl 8. Alles die Landessprache redenden persischen Unterthannen. sie mögen welcher Religion oder Abstammung immer sein, sind vor dem Gesetze gleich. Artikel 3. Jedem persischen Untettan ist volle Freiheit der Person gewährleistet. Artikel 10. Die offizielle Staatsreligion ist der Islam schiitischen Ritus. Die übrigen Religionen sollen aber in der Ausübung der Vorschriften und in der Verwaltung ihrer Angelegenheiten in keiner Wise beeinttächtigt werden. Artikel 19. : Jeder persische Unterau, der dazu befähigt ist, kann öffentliche Aemter bekleiden. Artikel 64. Alle die Landessprache beherrschenden Untertanen sind zu Mitgliedern des Parlaments wählbar. Drnckfehler-Berichtungen. In dem Feuilleton „Heijermans, derGhettoschilderer" in der Nummer vom 30. November Seite 3, Spalte 1. Zeile 19 von unten, ist ein ganzer Zwischensatz weggelassen, wodurch der Satz gar keinen Sinn hat. Es soll heißen: „Eben dieses scharfe allzüscharfe Sehen, dieses Beobachten der bloß äußerlichen Konturen eines Gegenstandes in seinen subtilsten Lichtnuancen, die fanatisch naturalistische Einseitigkeit, verhindern ihn, das sich ihm darstellende Bild in seiner Ganzheit zu erfassen." Am Schluffe des Artikels „Schlußbetrachtungen" in der letzten Nummer ist die Fertigung weggelassen: Sie hat zu lauten: „Sereth, Anfang Dezember 1908. Doktor Isaak Kohn." 10.000 Kronen widmen die bekannten Kunerolwerke einem Preisausschreiben, das wohl besonders in Hausfrauenkreisen großen Anklaug finden wird. Die Detail« hierüber finden sich im Ankündiaungsteil des Blattes. — Die Kunerolwerke, bekanntlich die Pioniere auf dem Gebiete der Pflanzenfettfabrikatton, sind die ersten und größten Pflanzenfettfabriken der Monarchie und haben erst kürzlich zwei Zweigfabriken im Auslande errichtet. In deu Kunerolwerken wird seit zehn Jahren ausschließlich reines Pflanzenfett aus Kokosnüssen erzeugt. Seit einiger Zeit betteiben auch Seifen- und Kerzenfabriken die Erzeugung von Pflanzenfett: vor minderwertigen Nachahmungen muß daher dringeud gewarnt werden- Aus der jüdischen Oeffentlichkeit. (In dieser Nubrikfinden u. a. Verlautbarungen jüdischer Körperschaften — ohne Unterschiedet» er Richtung Anf- Die Wiener Kultuswahlen. Die am 9. d. M. stattgehabten Stichwahlen ergaben folgendes Resultat: Zahl der abgegebenen giltigen Stimmen: 3681. Gewählt Herr AdolfSchramekmit 2210 und Herr KommerzialratLeopold Simon mit 2113 Stimmen. In Minderheit blieben Herr Dr. I s i d o r S ch a l i t mit 1493 und Herr Adolf Brecher mit 1475 Stimmen. Das Ergebnis ist also so ziemlich das gleiche wie bei der Hauptwahl, der moralische Sieg der Opposition ist nicht gemindert. Die Oppositionellen haben einen Protest gegen die Wahlen vom 2. Dezember überreicht. Die Hauptbeschwerdepunkte sinh: Beeinflußung der Bezirkskommisfion durch den Kultusprästdenten, Beeinflußung der subventionierten Vereine, der Kultusbeamten und Diener, Streichung und Eintragung von Wählern nach-Ablauf der Reklamationsfrist, Verletzung des Wahlgeheimnisses durch Sonderung der Stimmzettel, Nichteinbeziehung der Wähler des mit Wien vereinigten Floridsdorf, Bestechungen undBestechnugsversuche, Schluß der Wahlhandlung in einer Sektion vor der anberaumten Zeit, Verweigerung von Agnoszierungen, Sektionseinteiümg nach dem Alphabete, statt nach dem Wohnorte, Herausgabe tausender Stimmzettel-Blankette an die „Union" und Verweigerung einer solchen Herausgabe an die Opposition. Bei den am 11. Dezember d. I. durch die h ö h erbesteuerten Gemeindemitglieder vorgenommenen Wahlen in den Kultusvorstand wurden für eine sechsjährige Mandatsdauer die Herren: M o r i z B.