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Neue Zeitung · 1906-12-14 · Heft 15 (14.12.1906) · p. Seite 4

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Journal
Neue Zeitung
Volume
1906
Issue
Heft 15 (14.12.1906)
Date
1906-12-14
Page
Seite 4 (sequence 4)
Language
German
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Seite 4 Neue Zeitung Nr.,H mit Ausnahme der Volkspartei mit denKlerikälen i zusammenschließen werden. . i Wer die Juden stehen noch ganz unorganifieat da. Wenn die Mischen Abgeordneten, eines jeden Verantwortungsgeftihls bar, die Hände ruihig in den Schoß legen, sollte wenigstens die Letung der neubegründeten nationaljüdischen Partei nicht tatlos dem Treiben zuschauen und endlich den Zusammenschluß sämtlicher Judenparteien und Judenschichten in die Hand nehmen. Das Bewußtsein drohender Gefahr ist bei allen zu groß — als daß sie eine solche Tat nicht mit Begeisterung aufnehmen sollten. E. L-t. An die Adresse des Justizministers. Vor etwa einem halben Jahre wurde vom Rzeszower Geschworenentribunal ein achtzigjähriger Greis, namens Jakob Stern, wegen Meuchelmords zum Tode verurteilt. Dies ohne genügendes Beweismaterial, nur dank dem Umstande, daß es der christlichen Bevölkerung beliebte, aus dem Prozesse eine Judenstage zu - machen. Nur dem Eingreifen einiger gutgesinnter : Bürger ist es zu verdanken, daß die österreichische Justiz vor der Schande eines neuen Justizmordes bewahrt wurde. Auf Grund einer vom Prof. Rosenblatt eingebrachten Nichttgkeitsbeschwerde wurde das erste Urteil — wegen Mangels an genügenden Beweisen— aufgehoben. Bei der neuerlichen Verhandlung, welche sich in Rzeszow vorige Woche abgespielt hat — verneinten die Geschworenen einstimmig die Schuldstage auf Mord, mit acht Stimmen die Frage auf Totschlag. Wer der Jud' soll es nicht zu leicht haben. Zu wenig der Pein, unschuldig ein fast volles Jahr im Gefängnis zu darben, in Angst vor dem Strang für ein nicht begangenes Verbrechen. Das einhellige Urtell christlicher Geschworener — unter dem Vorsitze eines sehr angesehenen, vorzügüchen Juristen, des Herrn Ätotars Machowski — genügte dem Staatsanwalt nicht. Nicht aus gerechtfertigten juristischen Gründen, vielmehr aus kindischem Trotz brachte er die Nichttgkeitsbeschwerde ein und beließ Stern in Hast. Gelaug es nicht, den jüdischen Greis unschuldig zu hängen, so soll er wenigstens sein Läben, das nur nach Tagen zählt, im Gefängnisspital beenden. Der arme Greis, der wegen seiner Frömmigkeit die nichtrituelle Gefängniskost nicht zu sich nehmen will und sich nur mit Gefängnisbrot und Wasser nährt, liegt bereits Wird der Herr Justizminister zulasten, daß auf seiner Amtszeit ein solch unverwischbarer Schandfleck hasten bleibt? Soll einem Juden in Galizien sogar auf dem Gebiete der Justiz Gerechtigkeit versagt werden? Die Zeit ist kurz. X. Das Debaele des „Deutsch-Dentschtnms" in Czernowitz. Czernowitz, im Dezember 1906. Die Politik, die unser Magistratsdirektor, der „deutsche-deutsche" Widmann in der Bukowina inaugurierte, hat den Deutschen die erste Niederlage eingebracht — vor den Wahlen. Der von jüdischem Gelde bezahlte und von jüdischen Stimmen in den Landtag gewählte Magisttatsdirektor wollte sich, offenbar eingedenk der „deutschen Treue", den Juden dadurch dankbar erweisen, daß er sie in Stadt und Land durch Gründung von Raiffeisenkassen, Konsumvereinen, Veröffentlichung von Hetzartikeln „Kauft nicht bei Juden" usw. wirtschaftlich zugrunde zu richten sich anschickte. Er hatte auch anfangs Erfolg. Sein Wiener Freund Seidl konnte ihm sogar in der „Deutschen Zeitung" das Lob ausstellen, daß er (Widmann) es bedeutend bester mache als die Deutschen im Westen und diesen als Muster eines praktischen Antisemiten hingestellt werden könne. Dieses Lob schmeichelte unseren Direktor und eines Tages faßte er den Plan, die Juden auch politisch tot zu machen. Die kommenden Gemeinderatswahlen sollten das Wschlachtungsfeld für die Juden sein. Eine große Koalition von Deutschen, Rumänen, Polen und einigen „Abfalljuden" war geplant, um die Juden und Ruthenen um 10 Köpfe kleiner zu machen. Herr Widmann, der sich plötzlich krank zu fühlen begann, wollte mit voller Gehaltszusicherung in Pension gehen, und in den Gemeinderat sich wählen lasten. Schon sah er sich auf dem kurulischen Smhle der Stadt an Stelle des jüdischen Bürgermeisters; die Rumänen bekamen die erste. die Polen die zweite Vizebürgermeisterstelle: Fürl wahr, ein genialer Kopf dieser Widmann! Man 1 kann nicht leugnen, daß der Plan sehr gut ausi geheckt war. . , - 1 Aber Herr Widmann denkt, und die Juden 1 unter Führung Strauchers lenken. Nachdem i der jüdischen Parteileitung die Kulissenpolitik der! „treuen Deutschen" bekannt wurde, entwickelte sie i eine fieberhafte Tätigkeit, um die geplante Koalii tion zu sprengen. Ihrer umsichtigen und enerj gischen.Täügkeit gelang es auch einen bedeutenden , Faktor, die Polen, die offenbar mehr Vertrauen den Juden als den Deutschen schenkten, zü gei winnen, wodurch die geplante Majorität zur! Minorität wurde. Die Deutschen sahen sich nun 1 genötigt den Gang nach Canossa anzutreten und i die von ihnen geschmähten Juden um ein Bündnis anzugehen. Diese waren auch diesmal, wie früher, loyal genug, die dargebotene Friedenshand nicht von sich zu weisen. Ihr Vergehen! mußten aber die Deutschen mit dem Verluste von l zwei Mandaten an die Polen büßen. Diese Am- I putation wirdzwar die Deutschen kränken. Sie > dürfen aber keinem anderen die Schuld zuschreiben! als sich selbst. Es wird für die Herren Widmann-; scher Couleur, oder, wie man sie hier nennt, die I „Grazer Kolonie" eine Lehre für die Zukunft ‘ sein, nicht in den Radau-Antisemitismus und 1 westlichen ParoxysMus zu verfallen. Die Buko-! wina ist kein Boden für derartige exotische i Pflanzen. Herr Seidel, Sie müssen Ihr Lob des! Herrn Widmann in einen Tadel verwandeln! ' Spektawr. Das Gemeindewahlkompromiß in Czernowitz. Angesichts des jüngsten Kompromisses, das Herr [ Dr. Straucher mit den Führern der Änderen vier Czer-; nowitz bewohnenden Nationalitäten abgeschlossen hat, wonach die Juden 18, die Deutschen 17, die Rumänen 5, die ' Ruthenen 4 und die Polen 7 Gemeinderäte in die Gemeindestube von Czernowitz entsenden sollen, wird es auch für die weitere jüdische Oeffentlichkeit nicht uninteressant sein, die . Zusammensetzung der Grundlagen zu erfahren, auf welchen dieses Einvernehmen fußt, weil es zeigt, wie bescheiden die Juden selbst dort sind, wo die günstigsten und gerechtesten Voraussetzungen für eine jüdische Machtentwicklung vorhanden sind. Aus dem Berichte des Magistrates der Stadt Czernowitz über die vorbereitenden Arbeiten zur Einführung des allgemeinen Wahlrechtes in den Gemeinderat ist zu entnehmen,-daß die innere ©tobt-44.612. Einwohner hat, wovon 18.215 Juden/ 7528 Deutsche, 2298- Rumänen,' 8349 Ruthenen und .7881 Polen sind. Die Gesamtsteuerleistung beträgt 1,110.205 X, wovon auf die Inden 681.370 K, auf die Deutschen 189.919 X, die Rumänen 80.710 K, die Ruthenen 57.801 K und die Polen 100.402 K entfallen. Die Vorstädte, die bei einer Gesamtbevölkerung von 19.847 Einwohnern eine Steuerleistung von 45.491 K aufweisen, vermögen auf den Eindruck der obigen Ziffern keinen beeinträchtigenden Einfluß zu üben, zumal wir derzei ein Jntereffenwahlsystem haben. Zu den Czernowitzer Gemeinderatswahlcn. Auf der Straße, im Salon, im Kaffeehause, in allen öffentlichen und geheimen Zirkeln bilden die Gemeinderatswahlen das Gesprächsthema. Der interessantere Teil des Kampfes ist nunmehr durch Abschluß eines-Paktes zwischen den einzelnen Parteien beendet. Nun beginnt der zweite Akt: Die Festsetzung der Kandidaturen. Da herrscht ein wahrhaftes Chaos. Wir haben natürlich nur die jüdischen Wähler im Auge. Da treten die Kaufleute auf und verlangen eine größere Zahl von Gemeinderäten aus ihrer Mitte, die Gewerbetreibenden nehmen dieses Recht für sich in Anspruch, die Beamten beanspruchen eine stärkere Verttetung, kurz auf 8—8 Plätze gibt es dreimal so viele Bewerber. Es dürfte unter diese» Umständen der Parteileitung schwer fallen, den Ausweg aus diesem Dilemma zu finden und allen Anforderungen gerecht zu werden. Doch ist zu erwarten, daß die Leitung wirklich arbeitsfähige und arbeitswillige Männer herausfiuden-wird. Diese müssen aber vor allem die Gewähr bieten, daß sie partettreu sein, d. h. echt jüdisch denken, fühlen und handeln werden. Eine solche Gewähr bietet unstreittg der von den Jüdisch-Nationalen kandidierte Apotheker Füllenbaum, auf den wir die Parteileitung besonders aufmerksam machen. Hoffenllich wird der Fordernng der Jüdisch- Nationalen Rechnung getragen werden. X. Czeruowiß, im Dezember 1906. Zur Anerkennung der jüdischen Nationalität. Mit Berufung auf §19 des Preßgesetzes ersuchen wir um Aufnahme nachfolgender Berichtigung : In der Nummer vom 23. November l. I. ist in der „Neuen Zeitung" in einem mit „Jwri" gezeichneten Artikel abermals der Versuch gemacht worden, die anerkannt erfolgreichen Bemühungen der „Hasmonaea" um Erlangung der Anerkennung der jüdischen Nationalität in ein schiefes Licht zu setzen. Ursprünglich wurde unser Standpunkt, die Nattonalitätsklausel zu propagieren, mißbilligt und in der Ausfüllung der Rubrik „Muttersprache" mit „Rumänisch" oder „Ruthenisch" das alleinige Universalheilmittel gefunden. Nun aber gerade die Nationalitätsklausel anerkannt wurde, war derselben Seite kein Mittel zu schlecht,, um die „Hasmonaea" überhaupt als Gegnerin,! der Aktion erscheinen zu lasten. Als auchdietz/ keinen Glauben fand, wurde aus der Tatsache^ daß wir im Jahre 1903 ungerechtfertigt seitens der „Zephirah" in Briefen an die auswärtigen - Verbindungen an ge schwärzt wurden — was, nebenbei gesagt, öfters geschieht, weil Papier ge-- duldig ist — ein schlagender Beweis zur Rechtfertigung der maßlosen Auslastungen jenes „Jwri" gefunden. Nun verhält sich aber die Sache ganz anders! Es ist wohl richtig, daß die „Zephirah" im Jahre 1903 Briefe an die auswärtigen Komniilitonen gesandt,, worin sie sich in rührenden Tönest über die schlimme „Hasmonaea" beklagt, daß diese bei der Erlangung der Anerkennung der irdischen Nationalität nicht mittun will, und e§ ist auch richtig, daß die angerufenen Verbindungen bereitwilligst zu intervenieren gesucht haben. Daß aber jene Berichte an die auswärtigen Verbindungen vollstrotzender Unwahrheiten waren, das verschweigt „Jwri" wohlweislich/ In unseren Sitzungsprotokollen vom 1. und 16. Jänner 1903, die zu jedermanns Einsicht bereitstehen sind die Tatsachen, genau zu ersehen! Die akad. Verbindung >,Hasmonaea" hatte beschlossen, in Frage der Anerkennung der jüdischen Nationalität ein Memorandum , an den akad: Senat zu überreichen, weil die „Zephirah" es ihr damals anfangs unmöglich machte^ eine gemeinsame Aktton einzuleiten. Zuerst, sprach die - „Zephirah" ohne jedwede vorherige Fühlungnahme beim Rektor vor und bat um einen Saal für eine Studentenversammlung, was erst durch eine Zeitungsnotiz der „Hamonäea" bekannt wurde. Erst als der Rektor der „Zephirah" bedeutete, daß in einer so wichtigen Sache die Mehrheit der jüdischen Studenten gehört werden müsse, sahen sie die Folgen ihres übereilten Schrittes ein und ließen durch Finken mit der „Hasmonaea" Verhandlungen einleiten. Bei der nachfolgenden gemeinsamen Besprechung stellte die „Zephirah", in der damals noch durchwegs junge Mitglieder waren, das kuriose Verlangen, zuvor in den Lokalblättern eine No tiz (!) einschalten zu lasten, daß - die Aktion von i.hr ausgegangen s,eft.'Angesichts dieses und ähnlichen Verlangens sah sich die „Hasmonaea" als älteste Verbindung m Czernowitz, in der viele „alte Herren" sind und jede Mtton reiflichst erwogen wird, genötigt, die Verhandlungen, abzubrechen und die selbständig^ Ueberreichung eines Memorandums in Angriff zu nehmen, weil ihr die Anttäge der „Zephirah" mit dem Ernste der Mion nicht vereinbarlich schienen. Rasch sandte hierauf die „Zephirah" Briefe an die auswärttgen Verbindungen, in denen sie unter völliger Entstellung der Tatsachen ihr Vorgehen zu bemänteln suchte. Als dies Mittelchen trotz der Antwortschreiben der irregeführten Verbindungen nicht verfing, und von verschiedener Seite der „Zephirah" ernstliche Vorstellungen gemacht wurden, zog sie ihre kuriosen Anttäge zurück und es kam nun eine Einigung zustande, gemäß welcher unter Vorsitz eines Finken eine gemeinsame Studentenversammlung am 27. Februar 1903 stattfand. Das war der Beginn der Aküon. Aus jenem Manöver der „Zephirah" durch unwahre und völlig aus der Luft gegriffene Mitteilungen an die auswärttgen Verbindungen Tatsachen zu verschleiern, jetzt uns einen Vorwurf schmieden zu wollen, ist bezeichnend für die ganze Kampfesart. Für die akad. Verbindung „Hasmonaea" Esriel Bäumer. dzt. X Wir teilten vorstehende Berichttgung — die übrigens an einigen Stellen über die gesetzlichen Bedingungen einer solchen hinausgeht — unseren Korrespondenten mit, worauf uns dieser nachstehende Berichttgung übermittelte: Mft Bezug auf die § 19-Berichtigung der Verbindungen „Hasmonäa", welche mich zwingt, in dieser zum Ueberdruß erörterten Sache noch einmal die Feder zu ergreifen, bitte ich um die Aufnahme folgender Zeilen: Als die „Zephira" die Sache wegen Aner- : kennung unserer Nationalität in die Hände nahm - — was schließlich nur ihre Pflicht war — knüpfte sie Verhandlungen mit der „Hasmonäa" an, um : ein'gemeinsames Vorgehen der Verbindungen zu - erzielen. Die' „Hasmonäa" lehnte jedoch jedes : Zusammenarbeiten ab und zwang so die „Zephira"

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