Neue Zeitung
- Journal
- Neue Zeitung
- Volume
- 1906
- Issue
- Heft 13 (30.11.1906)
- Date
- 1906-11-30
- Page
- Seite 6 (sequence 6)
- Language
- German
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N c u c Zeitung Nr. 18 HebräischerKlnb des Zionistische» ZentralVereines in Wien. Montag, den 3. Dqenrber, findet um 7-8 Uhr abends im Lokale. DL, Türkenstraße 9, ein hebräischer Vortrag des Herrn Finkelstei» über den hebräischen Dialekt nnd Mittwoch, 5. Dez. «bendort ein hebräischer Bortrag des Herrn Rosenblatt Ser «Nationalismus nnd Sozialismus" statt. Samstag. 8. Dezember, 7 Uhr abends, literarischer Abend. Im Seminar des Vereines „Theodor H e ril" finden in dieser Woche folgende Vorträge statt: Montag, den 26. November: „Leon Kobrin." Mittwoch, den 28. November: „Die sanitären Verhältnisse in Palästina." Donnerstag, den 29. November: „Hebräische Literatur." Samstag/ beul.Dezember: „Diskusfion Lber Zionismus und Ztoismus." Sänttliche Vorträge finden im Vereinslokale, IX , Grüne Torgasse 34 statt und beginnen um 7 Uhr abends. Gäste willkommen!" Lerei» „Zehuda Halevy". Bei der Samstag den 28 L. M. stattgefundenen in den Ausschuß gewählt: -Präsident: Gersop Mack — Vizepräsident: stud.phil. I. Barbag — KassierGustav Birken — I. Schriftführer: Leo Spandorf — II. Schriftführer: stnä. xdil. N. Kristian- »oler — Bibliothekar: stuä. xdil. Samuel Querbach — Knlturreferent: Zsak Groß. Ohne Funktton: Die Herren stuä. mg. Lazar B. nnd stuä. ideal. Meuscher I. Indische Toynbcc-Hallc, XX., Othmarg. 46. Eintritt frei für jeden Erwachsenen. — Beginn der Vorträge an Wochentagen 7,8 Uhr, Samstag, sowie an Soun- »nd Feiertagen 7 Uhr abends. Wochenpro gramm: Freitag, 30. Nov. 1906: Bibelvortrag: Herr Religionslchrcr Leopold Weiß. Gjanftag 1. Dez. 1M6: Konzert. Monntag 2. „ 1906: Literarischer Abend, Schriftsteller Artur Schnitzler. Montag 3. „ 1906: „Oesterreichische Geschichte" 111. Herr Dr. Wmund Jerusalem. Mienstag 4. „ 1906: „Aus der jüdischen Geschichte: „Chaim Luzzato", Herr Rabbiner Dr. Rosenmami. Mittwoch 5. „ 1906: „Bilder aus der Volkswirtfchaft". Herr Leopold Spitzer. Donnerstag 6. „ 1906: „Die Erziehung des Kindes zum Gehorsam", Herr Lehrer Josef Weiß. Freitag 7. „ 1906: Bibelvorttag. " 8. Dez. 1906: Konzert. Das Arbeitsprogramm der „Emunah". Geehrte Redaktion! Der Unterzeichnete akademische Verein „Emunah" beehrt fich um Veröffenüichung seines Arbeitsprogrammes zu bitten: In dieser Woche wurde hier der Distnktstog der zionistischen Partei abgehalten. Im Anfchlnffe an diesen geben wir, eine stattliche Anzahl der inkorporierten jüdisch-nationalen Studentenschaft/ unser diesjähriges Arbettsprogramm der Oeffeutlichkeü bekannt und os soll nicht näher erörtert werden, daß wie hiebei die werktätige Unterstützung aller Berufenen erwarten. Bor Jahren, als,wir Jüdisch-Nationale die begeisterte Arbettslnst in reale Arbeit umsetzen wollten, beschäftigte uns vorerst die Frage, ob wir unfern Mut, Kraft, Zeit und Ausdauer in den Dienst der Real- oder Sozialpolitik stellen sollen. In der Zwischenzeit haben wir erkennen gelernt, daß sie nicht zwei diametrale Arbeitsfelder sind, daß sie vielmehr ineinander fließen und daß die gute Bewirtschaftung des einen Feldrs dem Fruchtertrage deS anderen zugute kommt. Wir wollen hier nicht mitredeu, wie die Männer nuferer Parteileitung ihr Verhalten zur Reichs-, Land- und Lokalpolttik einrichteu sollen. Wir — und hiebei hoffen wir uns eines Sinnes mit dem größten Teile der nationalen Studentenschaft — wollen unsere Betätigung in Ersttebung einer sozialen Gesundung und geistigen Aufklärung für das jüdische Proletariat verlegen. Wem fiele es heute ein gegen die Berechttgmig der prattischeu Sette der.allgemeinen sozialen Frage in die Bresche zu treten? Wir bekennen uns zur. spezifisch jüdisch-sozialen Richtung und wir laden daher die Arbettswillige», die Bemittcllen und Einflußreichen zur Mttarbett an der Schaffung von drei Jnstttuttonen ein: I. Kost enlos er Arbeitsnachweis u ndStellen- » ermittln»g. 2. Die Errichtung eine r Volksbibliothek und endlich 3. die Gründung eines jüdischen Schnlerheims. Wir verschließen uns nicht der Einsicht, daß Institute von so weitreichender Bedeutung nicht von heute-auf morgen geschaffen werden können. Wir kennen die Mühe, um die Skepsis zu besettigen, die die fiele Begleiterin solcher Präpositionen zu sein pflegt. Da wir uns unsere Wege fest vorgezeichnet Haben, wttd uns diese Arbett nicht enttimtigen. Wir bilten-sschon heute um Mithilfe nnd Mitarbeit all diejenigen, denen gleich uns eine solche Betätigung am Herzen liegt und dann hoffen wir bald Lber einen guten Fortschritt dieser Sache berichten zu können. Die Bedeutung der drei genannten Institute, was sie für ims werden und auf welche Art sie organisiert «erben sollen, wollen wir noch erörtern. Im Aufträge des «lad. Vereines „Emuuah": Czernowitz, 24. November 1906. David Taubes, dz. Präses. Jüdischer Kolonisationsverein in Wien. Mittwoch, den 21. d. M. abends fand im Festsaale des Niederösterreichischen Gewerbevereines die; Generalversammlung des Vereines statt, der ein Vvrtrag des Herrn Professor Dr. Otto Wa rburg folgte. In der Generalversammlung brachte der Schristfiihrer, Dr. E. F. W e i s l de» Bericht des ZenttalkomtteeS zur Verlesung, welchem wir besonders entnehmen, daß trotz erst dreimonatlicher Propaganda 13 immerwährende und 469 ordentliche Mitglieder gewonnen sind. Der Sekretär de8 Vereines, Herr Rudolf Hart mann erstattete den Äassabericht. Nach diesem liefen in denletzten Monaten 9594 Kronen ein und wurden zirka 1550 Kronen für Propaganda ausgegeben. Die Wahlen ergaben die Wiederwahl der bisherigen 16 Vorstandsmitglieder sowie des Herrn Ernst Simon. Außerdem wurden über Vorschlag des Vorsitzenden, Bäurates Stiaßny, der Kultnsprästdent Dr. Alfred Stern und der Oberrabbiner Dr. G ü d e- .mann zu Ehrenmitgliedern ernannt. Der Vortragsabend selbst wurde von dem Vorsitzenden mtt einer kurzen Ansprache eröffnet. Er begrüßte die Erschienen, mehrere Persönlichketten namentlich, als Ersten den. Knltnspräsidenten. Dr. Stern. Hiebei ereignete es sich, daß mehrere kräftige Pfuirufe ertönten. Dagegen erregte Proteste, wieder Pfuirufe. Schließlich Ruhe. Der Vorttagende konnte beginnen. Seine mehr als einstündige Ausführungen erregten das lebhafteste Interesse. Er gehört zu jenen Vortragenden, die man durch das Epitheton „Warme Sachlichkeit" am besten charakterisiert. Er wußte alle Zuhörer, ohne Unterschied der Gesinnung, für sein Thema einzunehmen. Zumindest ging niemand fort, der sich nicht sagen mußte, daß das Werk der Kolonisation Palästinas einerseüs durch die gegebenen Verhältniffe des Landes, andererseits durch die gründliche und aller Phrasen abholde Act feiner Pionniere alle Beachtung verdient. Nur daß der Vortragende es für angezeigt hielt, die Terrttorialisten zu widerlegen, wurde von vielen, auch Nichtterritorialisten, als nicht zmn Thema gehörig empfunden. Dafür fand die Anerkennung, die er der argentinischen Kolonisation der „Jca" aussprach, viel Verständnis. Und daß er, der sein Leben der Sache Palästinas gewidmethat, in Argentinien eines der künftigen jüdischen Zentten feierte, zeigte ihn als weitblickenden nnd die ganze Brette der Judenfrage umspannenden Geist.. Als solchen verrieten ihn übrigens auch die Worte, die er der jüdischen Kultur-Individualität widmete.— Es ist nach dem Gesagten nur selbstverständlich, daß der Porttag mit jubelndem Beifall ausgenommen wurde. Nach Schluß. des Vorttages fand zu Ehren des Gastes ein Festmahl im'Restaurant Tonrllo statt, an welchem nebst den Vorstandsmitgliedern noch mehrere andere im jüdischen Leben stehende Persönlichkeitenteilnahmen. Die Stimmung war weniger gehoben als gemütlich. Natürlich wurden mehrere Toaste gesprochen, in welchem die verschiedenen Anschauungen in etwas sentimentaler Färbung zum Ansdruck kamen. — Aus iRzesz ow wird uns geschrieben: Durch Galizien reisend, um die Juden dieses Landes und ihr Leben zu studieren, besuchte Herr Dr. Mahler, Dozent an der Prager Universität, auch unsere Stadt und beehrte uns mtt einen Vortrag über das Thema: „Das jüdische Problem". Der Saal des Vereines „Hernionia" war überfüllt. Herr Dr. Mahler hesprach ausführlich die Lage der Juden und stellte den Zionismus als das einzige Mittel Lösung der Judenfrage hin. An der Diskussion beteiligten sich die Herren Sternlicht, Wiesenfeld und K u rz m a n n. Elfterer sprach über die praktische Tätigkeit der Zionisten in Palästina und über die Landespolüik der Zionisten.' Was diese anbelangt, meinte Herr Sternlicht, 'daß die Zionistendamit einen -Fehler begangen haben,, daß sie eine ausschließlich zionistisch-politische Partei gründeten, die Landespolitik sei Sache aller Juden, die das Wohl des Judentums erstreben. HerrWiesenseld sprach über die historische Entwicklung des Judentums und unterzog die zionistische Organisation einer scharfen. Kritik, dahingehend, daß die Zionisten nichts tun, um den jüdischen Geist, die jüdische Kultur zu fördern. Bei-den meisten Zionisten sei das Judentum nur cm Parteiprogramm, sie hätten keinen Begriffvon dem nationalen Charakter des Judentums/ von dem jüdischen Volksgenie. Es sprachen noch einige Herren, die Debatte dauerte bis spät in die Nacht. Wissenswertes. Zahl der Jude« auf der Erde. In der Zettschrist für Demographie und Statistik der Juden" veröffentlicht Dr. Arthur Rupvin eine eingehende Abhandlung über Zahl und Verbreitung der Juden auf Grden. Erst seit wenigen Jahren ist es möglich geworden den früheren sehr wett auseinandergehcnden Schätzungen einigermaßen sichere statistische Angabe«' gegenüberzustellen. Man kann nunmehr mit einiger Sicherheit behaupte», daß auf der ganzen Erde gegenwärttg 11 Millionen Juden', leben. Von diesen entfallen weitaus die meisten auf Europa, wo beinahe 9 Millionen Juden leben. Hievon kommen mehr als 5 Millionen auf das europäische Rußland. An zweiter Stelle erscheint Oesterreich-Ungarn mtt rund 2 Millionen' Juden, von denen l1/* Millionen auf Oesterreich und der Rest auf Ungarn entfallen. Hierauf folgen Deutschland mtt nicht ganz 600.000, Runiänien mtt. etwa 270.000, Großbrttannien mit. etwa 300.000, die europäische Türkei mtt etwa 200.000, die Mederlande und Frantteich mitje 100.000, Italien mit etwa 40.000. In Amerika leben etwa -17, Millionen Juden, von denen die meisten in den Vereinigten Staaten angesiedelt sind. Asien zählt nicht mehr als etwa 7, Millionen Juden, von denen mehr als 100.000 auf das asiatische Rußland, etwa 80.000 auf Syrien und Palästina und ebensoviel in Kleinasien, ferner etwa 60.000 auf Mesopotamien, ungefähr 50.000 auf Persien und 35.000 auf Arabien kommen. In Afrika werden etwa 350.000 Juden gezähtt, von denen beinahe ein Drittel auf Marokko, 70.000 auf Algier, etwas über 60.000 auf Tunis kommen. In Südafrika, namentlich im Kapland und in Johannesburg, leben etwa 50.000 Juden, in Austtalien dagegen nicht ganz 20.000 Juden. Die Juden iu Sibirien. In Sibirien leben etwa 40.000 Juden, meist wegen politischer Vergehen Deporüerte, die unter polizeilicher Aufsicht stehen, .oder ehemalige Gefangene, die nach Beendigung ihrer Kerkerhaft die Erlaubnis erhielten, im Lande zu bleiben und sich in den Städten niederzulassen. Die stärksten Gemeinden sind die in Chttä und Omsk mit etwa 200 Familien, in Charbin mtt 4000 Seelen, und in KaiyenSk, Dakutsk mtt 1500 Familien. Die Mehrzahl der auf fteiem Fuß befindlichen Juden erfteut sich guter materieller Verhältniffe. Sie betreiben alle Arten von Geschäften, befaffen sich mit , Regierungslieferungen, mit dem Export von Butter. Pelzen, usw. Sie würden in diesem reichen Land über nichts zu klagen haben, wenn die Regierung ihnen, nicht auf Schritt und Tritt Beschränkungen auferlegte. Für die Entwicklung des Bütterhandels haben die wohlhabenden nnd unter« " nehmenden. sibirischen Juden ,besondere Anstrengungen gemacht. Die Koscherbuttcr wird unter Aufsicht des Rabbiners Leoine in Charbin hergestellt nnd, mit seinem Zeugnis versehen, nach dem Ausland ausgeführt. Große Menge« dieser Ware werden alljährlich nach dem Westen versandt. Dieselbe stellt sich viel billiger als in Deutschland produzierte Butter. Intellektuell stehen die sibirischen Jnded hinter ihren - westlichen ruffischen Brüdern zurück. ES ist ihnen nämlich verboten, Lehrer anzustellen und so wächst denn die Jugend in tief bedauerlicher Unkenntnis der jüdischen Lehre auf. Groß jedoch ist die Anhänglichkeit der sibirischen Juden an das heilige Land, und viele von ihnen beabsichtigen, dorthin ausznwandern. Rabbiner Levine wurde von 65 wohlhabenden jüdischen Familien beauftragt, einen geeigneten Landstrich zur Ansiedelung zu erwerben. Die Leute besitzen zusammen 160.000 Rubel, sind also auf. fremde Hilfe bei ihrem Unternehmen nicht angewiesen. Wenn dieses Unternehmen sich-als erfolgreich erweist, s» wird es seitens vieler anderer Juden Sibiriens baldigst Nachfrage finden. . ' Interessante Einzelheiten über die Jude» an der Malabarküste erzählt ein Jude aus Cahin im Londoner JewisV Chronicle. Wir erfahren daraus, daß unsere Glaubensgenossen in jenem Teile Britisch-Jndiens scharf gesondert sind in weiße-Juden, schwarze Juden und sogenannte „Meschuschararim". Während die ersterett nur eine einzige Gemeinde bilden und eine Synagoge besitzen, bestehen die schwärzen Juden , aus sieben'Gemeinden, davon je zwei in Cochin und .in Ernäcolam, je eine in Mola, Paroov und in Chinomanqualam. Die Meschuschararini, das sind die Abkömmlinge derer, welche in letzter Zeit von den weißen Juden zugelaffen wurden, wohnen zumeist in Bombay und Calcutta, nnr wenige innerhalb der schwarzen Juden in Cochin. Die weißen Juden halten sich von den schwarzen völlig abgesondert und besuchen nur selten ihre Versammlungen. Die europäischen und anderen fremdländischen Juden gehen nur mit elfteren Ehen ein, selten mtt letzteren. Die Meschuschararim, welche keine eigene Synagoge besitzen, sind auf die.Mitbenutzung der weißen Judenangewiesen, dürfen jedoch keine Sitzplätze einnehnien und werden nur ein einziges Mal im Jahre, am Simchath Thora aufgerufen. Diese kränkende Zurücksetzung veranlaßtc die Meschurararim in Calcutta zu Ende des Jahres 1881, sich beschwerdeführend an den Chacham Baschi in Jerusalem, Rabbi Meir Pamizel zu wenden, der sie -für eine Mischlingsraffe hielt und abwies, aber, nachdem er den wahren Sachverhalt erfahren hatte, eine andere Entscheidung traf,, ohne daß dieselbe ansgeführt wurde. In Calmtta dauern diese Drangsalierungen bis auf den heutigen Tag fort, namentlich seitens der schwarzen Juden. Die letzteren beschlossen, nachdem die Korrespondenz der Meschuschararim mit dem Chacham Baschi. im Jahre 1881 in dem Calcuttaer Journal Lnpsrävb veröffentlicht worden war, sich in,.Mejuchaffim" und „Nicht-Mejuchassim" zu spotten. Die schwarzen Juden führten früher keine. Zunamen, außer zwei oder drei Fämilien, die „Madaai" hießen. Während der letzten Jährzente haben sich Bezeichnungen, wie „Melamed", „Gabi" :c. eingebürgert. Es gibt unter ihnen keine Kohanim. Neuerdings werden sie,' besonders Angehörige der Gemeinde in Cochim, von den weißen Juden in Bombay als Chasanim, Lehrer u. s. w. beschäftigt. 'Aber sonst bleiben sie von einander stteng geschieden. Daß die weißen Juden mit den schwarzen Juden keine ehelichen Verbindungen schließen, hat seinen Grund vorwiegend in den Kastenverhältniffen der Hindus, unter denen die ersteren lange Zeit gelebt und deren Sitten und Vorurteile sie angenommen haben. ‘ Nach dem Tode des Jerusalemer Chacham- Bascha (Oberrabbiner für Palästina), ist nunmehr ein neuer gewählt worden. Kürzlich, fand die traditionelle „Bekleidung" des neuen „Rischon l'Zion" (des. Ersten, in Zion) statt. Die Einweihung ist seit Jahren mit einer imposanten Zeremonie verbunden die wir hier kurz schildern. An dem Tage der Feier lassen alle Konsulate und.sonstige öffentliche Gebäude ihre Nationalflaggen aufhissen. Ilm 12 Uhr, wenn die Sonne ihren Zenit erreicht, versammelt sich die ganze Gemeinde mit verschiedenen Deputationen an der Spitze in der größten Synagoge Jerusalems, wo der Neuerwählte sein: „Ich glaube" vor dem Volke eröffnet. Nachher „bekleiden" die Nettesten der Gemeinde den Chacham mit einem Mantel,, worauf er laut .das Gebet „Schehechianu" spricht. Nach verschiedenen darauf folgenden Gebeten, begleitet das ganze Volk mit -großer Parade, unter Mnsikklängen den „Ersten in Zion"- in sein Haus. Hiermit endet die Zeremonie. Der Chacham übernimmt nun die Herrschaft über alle Rabbmen nnd jüdische Anstalten von ganz Palästina. Ihm wird der offizielle Titel „Kaimakam" beigelegt nnd gleich den Vertretern anderer Mächte wttd auch der geistliche' Vertreter der Palästinischen Judenheit stets von zwei Chanassen 'mit silbernen Stöcken in den Händen begleitet. Meine alte Feenndm. Bon Thekla Blech. . Sie wohnte am Ende der Stadt, ganz versteckt in einem kleinen Gassenwinkel im Gettho, im sogenannten „Judenviertel". Ueber 80 Jahre alt, in wunderbarer geistiger und körperlicher Frische hauste sie dort mit einer Tochter, die, selbst schon eine ältere Frau, den Kramladen, der sie beide ernährte, besorgte. Ich erinnere mich noch deutlich ihres kleinen/ faltenreichen Gefichtchens, ihrer beweglichen Gestalt und der sonderbaren Armbewegungen und - mit sehnsüchtigem Vergnügen der kleinen Ueberraschungen, die sie für mich in Bereitschaft hielt. Manchmal Süßigkeiten, die den fremdländischen Namen „Lekech" führten, und die ich als Jnrport mit besonderem