Neue Zeitung
- Journal
- Neue Zeitung
- Volume
- 1906
- Issue
- Heft 13 (30.11.1906)
- Date
- 1906-11-30
- Page
- Seite 5 (sequence 5)
- Language
- German
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Nr. 13 Neue Zeitung lassen suchen, auch hat man sich gleichzeitig mit einer Beschwerde an das Ministerium gewendet. Es muß mit Nachdruck hervorgehoben werden, daß wir von derlei Versuchen uns einzuschüchtern und in die klägliche Rolle politischer Helotendienste den Herren Polen zu leisten, nicht zurück versetzen lassen werden.- Der chauvinistische Terrorismus, -der von den polnischen Machthabern geübt wird, wird einzig undallein zu Folge haben, uns Juden, im unserem prinzipiellen Gegnertum gegen, die polnischen Sonderstellungs-Bestrebungen zu stärken. . L. D.' Ein sozialistischer Antisemit. . O. Sinclair, der sich durch seine Enthüllungen über die Schändlichkeiten des amerikanischen Fleischtrusts verdient machte, hat den Plan einer sozialistischen Kolonie entworfen. Aber er »erlangt, daß kein Jude ausgenommen werde. Vielleicht zum Danke dafür, weil ein jüdischer ' Schwärmer viel Geld und Mühe für die Sache opferte. Oder sind alle Fleischbarone Amerikas Juden? Wir haben 'das Gegenteil gehört . . . Wahrscheinlich etioas Chamberlain genascht — der gute Herr Sinclair. Scholem Alejchem in Amerika. Mai: schreibt uns aus New-Aork : Mit Mühe aus den Pogromen gerettet, nach einem Jahr wandernden Aufenthaltes in Oesterreich und England, ist der größte jüdische Humorist Scholem Alejchem (TRabbinowitz), hieher gekommen — hieher, wo sich das jüdisch sprechende Judentum ein neues großes Kulturzentrum geschaffen hat. Er ist wohl schon an schöne Empfänge gewöhnt, aber so wie hier dürfte er denn doch noch nie empfangen worden Das Grand-Theater war bis auf das letzte Winkelchen von einem jüdischen Publikum besetzt, das den verschiedensten Schichten der 700.000 New- Aorker Juden angehörte. Um 8 Uhr eröffneteder Leiter des Abends, Herr Dr. Blaustem, Präsident der „Edueational Alliance“,. öen Abend mit einer kurzen Rede und kündigte den Gast an. Derselbe trat, von einheimischen Schriftstellern geführt, ein. - Stürmischer Jubel begrüßte ihn. Dann folgten die offiziellen Begrüßungen. Es sprachen I. Pa lei a im Namen der jüdischen Presse, Rev. Dr. I. L. Magnus namens der \ amerikanischen Zionisten, P. Wiernik für die hehräischen Schriftsteller, ,Rev. R. Schulmann / namens der amerikanischen Jüdenheit, Josef Barn nd es für die jüdischen Massen und Rev. Z. H. Mäßliansky im Namen des jüdischen Nationalismus. Alle Reden waren voll Enthusiasmus. Nach den Reden sang die Chorist- Union einige Nummern aus dem Repertoire des jüdischen Theaters. Dann erhielt der Dichter prachtvolle Buketts, so von der jüdischen Schriftsetzer- und von der jüdischen Schauspieler-Union. Schließlich überreichte ihm der Obmann des Empfangskomitees Lubarsky mit kurzer aber gelungener Ansprache eine goldene Feder, Den Glanzpunkt des Abends bildete eine Vorlesung Scholem Alejchemscher Stücke durch den Dichter selbst. Er las 3 Skizzen. Die -Begeisterung kannte keine Grenzen. . Zum Schluffe der Feier stellte der Nestor der -jüdischen Bühne, Goldfaden, dem berühmten Dichter die bedeutendsten Repräsentanten der jüdischen Bühne vor. Dem eigentlichen Festabend folgte ein Bankett, bei dem für den gefeierten Gast wieder viele Ehren abfielen.. So feiert das amerikanische Ostjudentum einen seiner bedeutendsten Kulturträger. Es war ein herrlicher Abend für Scholem Alejchem, aber auch ein Sieg der jungen jüdischen Sprache und ihrer Literatur. wurde, ist diese ein Selbswerwaliungskörper nach Art der politischen Gemeinde. Zur Bekräftigung dieser Anschauung könnte unter anderem noch hinzugefügt werden, daß auch die Kultusgemeinde eine Zwangsgenossenschast ist, so daß die Zugehörigkeit zu derselben nicht etwa im Ermeffen des Einzelnen gelegen ist. Was aber die Stellung der Kultusgemeinde zum staatlichen Organismus betrifft so ist diese eine wesentlich andere, als die der staatlichen Selbstverwaltungskörper. Damit will nicht etwa gesagt sein, daß die politische Gemeinde eine bevorzugtere Stellung einnimmt; es wird vielmehr im folgenden nachgewiesen werden, daß die Kultusgemeinde nach dem Stande, des geltenden Rechtes viel günstiger daran ist, als die staatlichen Selbstverwaltungskörper, was aber in der Natur der Sache gelegen ist. Es wird die irrige Anschauung vertreten, als ob die Kultusgemeinde eine Unterinstanz der politischen Bezirksbehörde wäre. In der Praxis nimmt sich die Staatsbehörde heraus, die Kultuszemeine wie eine ihr' direkt unterstellte Körperschaft zu betrachten, der sie nach Gutdünken Verwaltungsaufträge zu erteilen und solche mit Zwangsgewalt dnrchzusetzen imstande wäre. Dieser unhaltbaren Anschauung gegenüber wolle nachstehendes erwogen werden: Wenn auch von den Gegnern der jüdischnationalen Bestrebungen in Frage gestellt wird, ob wir eine Nation sind, so wird gerade von diesen Gegnern zur Siderlegung unserer Anschauung, daß die Juden eine vollberechtigte Natron sind, die Tatsache zugegeben, daß wir nach österreichischem Rechte eine Konfession sind. Was das bedeutet, sagt uns das StaatSqrundgesetz vom 21. Dezember 1867 R. G. Bl. Ikr. 147 und zwar zunächst Art. XV dieses Gesetzes, demzufolge jede gesetzlich anerkannte Kirche und Religionsgesellschaft das Recht der öffentlichen Religionsübung und vollständigen Vermögensautonomie besitzt. Weiters steht nach Artikel XVII desselben Staatsgrundgesetzes und des Gesetzes vom 25. Mai 1868, R. G. Bl. Nr. 48 jeder Kirche und -gesetzlich anerkannten Religionsgesellschast das Recht der Besorgung, Leitung und unmittelbaren Beaufsichtigung des Religionsunterrichtes an - Volks- und Mittelschulen zu. Wenn auch staatlicherseits betont wird, daß sich die Autonomie der erwähnten Genossenschaften im Rahmen der Staatsgesetze zu bewegen hat, wenn auch beziehungsweise diejenige Macht ist, welche die äußeren Rechtsverhältnisse der gesetzlich anerkannten Kirchen uod Religionsgsellschasten festsetzt,'so will damit doch nur gesagt sein, daß die Religionsgenossenschast zwar ihren Wirkungskreis nichtt überschreiten, sich aber im Rahmen der ihr staatsgrundgesetzlich zugestandenen Autonomie vollkommen frei bewegen darf. Wenn nun daran festgehalten wird, so gelangt man zu dem Ergebnis, daß die Kultusgemeinde als Organ einer gesetzlich anerkannten Religionsgesellschaft keineswegs eine Unterinstanr irgend einer Staatsbehörde, sondern vielmehr frei von jedem staatlichen Verwaltungsbefehle ist, solange sie die Grenzen der ihr durch die Staatsgesetze gewährten Autonomie nicht überschreitet. Czernowitz, 26. November 1906. Dr. Gronich. Bor den Wiener Kultuswahle« In der allgemeinen Kurie kommen 12 Mandate zur Besetzung, und' zwar 8 mit sechsjähriger, 1 mit vierjähriger und 3 mit ziveijähriger Funktionsdauer. Die Kurie der Höherbesteuerten wählt erst am 11. Dezember, und zwar für 4 Mandate. Die Stärkung des Magens ohne Medizin. Der moderne Mensch verdaut infolge der stärkeren Nervenreizungeu viel schlechter als unsere Vorfohren. Darum psiehlt es sich, schwerverdauliche Fette zn meiden und der Küche nur das reine Ceres-Speisefett zu verwenden. Ceres-Speisefett ist kein Surrogat, sondern das-reine und unverfälschte Fett der Kokosnuß und nach . den Untersuchungen des Herrn Professors Schattenfroh der Universität Wien äußerst leicht verdaulich und wohl- schmeckend. Verdauungsbeschwerden sind bei Genuß von Ceres-Speisefett gänzlich ausgeschlossen. Ans der indischen Oeffent jichkeit. Stellung der israelitischen Kultusgemeinde zu de« Staatsbehörde«. Me bereits in Nr. 8 dieses Blattes bei Handlung der Frage über die öffentlich-rechtliche Natur der Kultusgememeinde hervorgehoben Die zionistische Wahlleitung hat folgende Bezirkswahlleiter bestellt. Für den I. Bezirk: Herr Dr. Egon Zweig, VIII/1., Schlösselgasse 19; ,. II. „ Sektion rechts der Taborstt.: Herr Isidor G e w i t s ch, III., HörneS- „ II. „ Sektion links der Taborstr.: Herr Moses Hammer, II., Taborstraße 8; „ III. Herr Max Markus, III., Distlergassej8; „ IV. u. V. Bezirk: Herr Julian Oszery. V.. Reinprechtstorfferstr. 16; . VI. u. VTL Bezirk: Herr Dr.Max B e r nh a r d, VII., Neubaug. 14; VIII. u. IX. Bezirk: Herr Dr. Richard Wagner, ll. Rembrandtstr. 34; X. Bezirk: Herr Dr. Philipp Schwarz, X. Gudrunstraße 160; „ XU.—XV. Bezirk: Herr M. H ö n i g s b e r g. - XV., Kranzgaffe 20- Für den.XTIII. u. XIX. Bezirk: Herr Hermann Müller XVIII., Hauptstr. 97 a; „ .. XX. Bezirk: Herr Dr. David Rothblum, VI., Magdalenenstraße 26. Die zionistische Parteileitung hatte, damit nicht stürmische Szenen den Gegnern der Opposition Vorwände liefern, die Losung ausgegeben, daß Zionisten au der offiziellen Wähleroersammlung nicht teilnehmen sollen. Natürlich wurde diese Parole ausnahmslos befolgt. Diesem Beispiele folgend hielten sich auch die anderen oppositionellen Gruppen ferne, ließen sich jedoch durch einzelne Wortführer vertreten. So das galizisch-jüdische Kulttrswahlkomitee durch Herrn Dr. Josef Z ips er. Montag abend, zn ungewohnt früher Stunde, begann die offizielle Wähler»ersa mmlnng der israelitischen Kultusgemeinde. Der Kültuspräsidenr. Herr Dr. Stern eröffnete und begrüßte die Versammlung. Herr Dr. Z ips er beantragte zur Geschäftsordnung, daß zunächst der Rechenschaftsbericht zur Besprechung gelange. Der Präsident anttvortet, daß die Versammlung als Wählerversammlung einberufen sei imd es wird bei der Abstimmung, Anhörung der Kandidaten angenommen. Interessant ist, was Herr Dr. Stern als Kandidat sagt. Er erzählt von der in nächster Zeit zu eröffnenden Reliaionslehrerblldungsanstalt, spricht über die Notwendigkeit der Gründung eines jüdischen Krankenpflegerinnenheims und teilt mit» daß dafür schon Kr. 125.000 vorhanden find. Weiters spricht er von dem Bau eines großen Repräsentationstempels, den er einen Herzenswunsch der Bevölkerung nennt. Zum Schluffe mahnt er zur Eintracht und bittet, über gewisse Dinge, die jedoch nicht seine Person betreffen, den Schleier der Vergessenheit zu ziehen. Herr Josef K o h n spricht für den abwesenden Herrn Eltbogen und greift das Zeutralwahlkomiter in heftiger Weise an, weil es diesen nicht aufgestellt hat. Herr Dr. F i a l a spricht gegen das allgemeine Wahlrecht und von den Schnorrer»!, die zur Herrschaft kommen würden, wenn das allgemeine Wahlrecht durchdränge. Diese Ausführungen rufen stürmische Protestkuudgebilngen hervor. Kaiserlicher Rat Pollak, den das Zenttalwahlkomitee bekanntlich auch fallen ließ, nimmt von der Wählerschaft Abschied. Hervorzuheben wäre noch die Kandidatenrede des Herrn Professor S)r; Josef Pollak, der gemütlich meint, er reiße sich nicht so sehr um das Mandat und es liege ihm auch nichts daran, wenn er nicht gewählt wird. Auch Herr Adolf Schramek ist zu erwähnen. Er weist auf seine 31jährige Tätigkeit als Obmann des Tempelvereins Volkert hin und glaubt, daß er lange genug gewartet habe. Herr Dr. Z i p s e r bespricht die Taussig-Affäre und beantragt, de« auf diese bezüglichen bedauerlichen Passus im Rechenschaftsbericht nicht zur Kenntnis zu nehmen, was wieder Unruhe verursacht. Sttirmisch geht es auch bei der Rede de« Herrn Komet zu, der die Frage der Koscherfleischbänke besprechen will, sich aber wegen starken Widerspruchs kein Gehör verschaffen kann. Herr Wolf Pappenheim setzt sich lebhaft sür die orthodoxen Juden ein und wirst dem Vorstand vor, auf diese, — die 30 Prozent der gesamten Wiener Judenschast ausmachen — bisher leine Rücksicht genommen zn haben. Zum Schluffe iuterpelliert Herr Plaschkes den Präsidenten in suchen Dr. Fink. Ter Präsident antwortet in längerer Rede und ist zu genauerer Jnfonnation an eine Kommission bereit. Als nach der Versammlung manche Teilnehmer mit den Besuchern der benachbarten opposittonellen Wählerversmnmlung zusammentrafen, machte einer aus der ersten Gruppe, die scherzhafte Bemerkung: Die verkehrte Welt. Heute habt Ihr Ruhe gehabt und bei uns gab es Lärnr..; Ziemlich gleichzeitig mit der offiziellen Wählerversammluug im Hotel Post tagte Montag abends im Hotel Central diezionistischeHauptwählervers a m m l u n g. Sie war sehr gut besucht, die Stimmung eine frische und hopnungsvolle. Herr Dr. Margulies eröffnete die Versammlung mit einer Ansprache, in der er hauptsächlich den Gerüchten entgegentrat, als planten die Zionisten ein Kompromiß mit der Kultusgemeinde, wie yu solches leider vor zwei Jahren in einer Zeit der Parteizerfahrenheit und mit schlimmen Wirkungen geschloffen worden sei. Die Worte männlicher Festigkeit machten großen Eindruck. Ebenso stark wirtte die Rede des Herrn Dr. Paul W e i s e n g r ü n, die eine wuchtige Anklage war und in einer Verdammung jener Stelle des Jahresberichtes des Kultusvorstandes auslief, an der der Austritt des. Ruffen-Taufflg bedauert wird. Run kamen die Kandidaten zu Wort: Herr Dr. Gew lisch sprach für den zur Zeit in Palästina weilenden Kandidaten Fabrikanten Adolf Böhm mit großer Wärme. Herr Bankier Brecher gedachte seiner Arbeit für die Kolonialbank und versprach in der Kultusstube bem Progranun getteu zu wirken. Herr Dr. Karl Pollak geißelle in humorvoller Weise das jüdische Pfaffentum. Herr Dr. Schallt, stürmisch begrüßt, führte aus, daß die Opposition nicht gegen Personen, sondern gegen ein System kämpfe, während die Offiziellen eigentlich auch nicht die Personen, noch weniger aber ein System bekämpfen, da sie ja soeben in ihrer Versammlung verkündet hätten, daß die Zionisten eigentlich dem Judenttim viel genützt hätten. Herr Ingenieur Fried grin den Kultusvorstand in markiger, pointenreicher Weise an. Hr. Cafetter Stern geißette in kräftigen volkstümlichen Worten die Protektionswirtschast in der Gemeinde. Herr Hammer legte besonderes Gewicht auf die Autonomie des orthodoxen Kultus und auf nationale und religiöse Jugenderziehung mit besonderer Berücksichtigung des Hebräischen. Herr Dr. Josef Z i p s e r*), den der Vorsitzende als Kandidaten einer verbündeten oppositionellen Gruppe vorstellte, bekannte sich in wannen Worten zu dem gemeinsamen Kultusprogramm. Nach Anhörung der Kandidaten sprachen noch die Herren Komet, Plaschkes und Dr. H a h n. Zu bemerken wäre noch, daß sich alle Redner für das allgemeine Wahlrecht aussprachen. *) Zu unserem grötzleu Bedauern blieb aus unserem oorwöchentlicheu R-fcrar über die Versammlung, die den Bericht der zu Dr. Ster» enisaudreu Deputation eutgegeunahm, die Stelle über die Rede des Dr. Zipser weg. Diese mach» durch die starke jüdische Gestuaung, Sie iu ihr zutage trat, großer, Siadrrut.