Neue Zeitung
- Journal
- Neue Zeitung
- Volume
- 1906
- Issue
- Heft 12 (23.11.1906)
- Date
- 1906-11-23
- Page
- Seite 6 (sequence 6)
- Language
- German
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Ncue Zeitung Nr. 12 Samstag, den 24., 8 Uhr abends im großen Saale des „Goldenen Widder", ll., Tabörstraßc. Die Herren Ing. RobcrtStricker und Natan Groß. (P o a 1 e - Z i o n - Versammlung.) Sonntag, den 25. d. M, 10 Uhr vormittags, im Hotel Hotel „Union", IX., Nußdorferstraße. Vorstellung der oppositionellen Kandidaten. Montag, den 26. d. M. an einem noch zu bestimmenden Orte. Vorstellung der oppositionellen Kandidaten. Mittwoch, den 28. d. M. im großen Saale des H o t e l G u t h, II. Stephaniestraße. Vorstellung der oppositionellen Kandidaten. Jugend für den nationalen Gedanken werden. — Wir fordern daher die Kollegen aus allen Städten Oesterreichs auf. umgehend ihre Adresse an die Redaktion von „Unsere Hoffnung" (Wien, VL, Estterhazyg. 33) mit dem Vermerk „Abituriententag in Wien" einzusenden. Mit der zuversichtlichen Erwartung, daß unsere Brüder aus allen Städten Oesterreichs unsere»! Rufe folgen werde», begrüßt sie aufs herzlichste das vorbereitende Komitee. Zu der am 10. d. M. stattgehabten Protestversammlung galizischcr Juden liefen verspätet noch Telegranime und Zuschriften ein: Von den Kultusgemeinden Budzanow, Gliniany, Jaroslou, Kimpolung, Tysmienica und Zolkiew, sowie vom Verein „Schomer Israel" in Lemberg. Achtung! Montag den 26. d. M., abends 6 Uhr findet im Hotel Post (I., Fleischmarkt) die offizielle Wählerversammlung Oppositionelle Wähler dürfen nicht «u «bleiben! Erster Wiener jüdischer Turnverciu, Wien, I., Mölkerbastei 5. Die bei der Generalverfammlnng am 11. November 1906 vorgenommenen Neuwahlen des Turnrates ftir das Vereinsjahr 1906/07 haben folgendes Resultat ergeben: Obnmnn: Herr Dr. Ludivig Werner. Obmann-Stellvertreter: Herr Dr. Emil Kraßny. I. Schriftführer: Herr Moriz Lamberg. ll. Schriftführer: Herr Robert Reich. I. Turnwart: Herr Rudolf Pollak., ll. Turnwart: Herr Artur Felsenburg. l. Kassier: Herr Hugo Spitzer. II. Kassier: Herr Leopold Wessely. Zeugwart: Herr Ing. Otto Stiaßnh. Ersatzmänner: die Herren Karl Plowitz, Alfred Möller und Fräulein Thilda Frankfurter als Vertreterin der Damenabteilung. Jüdische Toynbec-Hallc, XX., Othmarg. 46. Eintritt frei für jeden Erwachsenen. — Beginn der Vorträge an Wochentagen YjS Uhr, Samstag, sowie an Sonn- und Feiertagen 7 Uhr abends. Wochenprogramm: Freitag, 23. Nov. 1906: Bibelvortrag: Religionslehrer Isidor Oehler. Samstag 24. 1906: Konzert. Sonntag 25. „ 1906: Literarischer Abend, Schriftsteller Heinrich Glücksmann. Montag 26. 1906: „Oesterreichische Geschichte" lll. Herr Dr. Edmund Jerusalem. Dienstag 27. „ 1906: /,Die Phantasie des Kindes", Fachlehrer Georg Schniiedl. Mittwoch 28. „ 1906: „Chemie des tägl. Lebens." II. chem. Georg Jerusalem. Donnerstag 29. „ 1906: „lieber Darwinismus": Univ. Prof. Dr. Josef Pollak. Freitag 30. „ 1906: Bibelvortrag. Samstag 1. Dez. 1906: Konzert. ' Das am Samstag den 17. d. M. in der Toynbeehalle abgchaltene Konzert nahm einen glänzenden Verlauf. Die jugendliche Pianistin Frl. Hilda Stern brachte Schütts „Prelude", Liszts »Spinnlied" aus Wagners „Fliegenden Holländer" und Sindings „Frühlingsrausche" ganz vorzüglich zum Vortrage. — Das mächtige, tlangvolle Organ des Bassisten Herr Elieser Kirs ch »er erzielte mit den Arien aus „Ernani", „Jüdin" und dem „Waffenschmied" schönste Wirkung, so daß der Sänger noch Schuberts „Wanderer" und ein russisches Volkslied zngeben mußte. Stürmischen Beifall fanden die heiteren Rezitationen des Herrn Alfred Brecher, die den Abschürß des gelungenen Abends bildeten. „Der Verein zionistischer Hochschüler „Theodo Herzl" hat sein Vereinslokal nach IX., Grüne Thor g a ss e 33. verlegt, wo, ivie bisher die Semmarabende am Montag, Mittwoch, Donnerstag und Samstag stattfiuden. Gäste stets willkommen. Die Ausschußwahlen hatten folgendes Ergebnis: Präses: JUC. Leo Goldhammer. Vizepräses: Phil. Siegfried Schmitz. Kassier: exp. Sieg fr. Lsiwinger. Schriftfiihrer: phil. Alex. Neuer. Bibliothekar: phil. Josef G r e h e r." Sonntag, den 18. d.. M. vormittags fand im Hotel Continental eine jüdische Volksversammlung statt, die den Bericht der in Sachen der Predigt des Dr. David zu Dr. Stern entsendeten Deputation entgegennahm. Der Sprecher der Deputation, Herr Dr. Birnbaum referierte ganz kurz.*) Die gut besuchte Versammlung nahm die Mitteilung, daß es der Kultuspräsident ablehne, dem Vorstände die Resolution, ja sogar den Besuch der Abordnung offiziell zur Kenntnis zu bringen, mit Entrüstung aus. Der Redner, beteuerte gegenüber der Verdächtigung des Herrn Dr..Stern, als handle es sich bei der ganzen Aktion nur um ein Wahlmanöver, daß es ihm und den übrigen Herrn, die sich mit der Sache befaßten, nicht darum zu tun gewesen sei. Allerdings jetzt, nach diesen Empfange. sei er selbst für unerbittlichen Kampf. Hierauf sprach Herr Plaschkes, der ebenfalls Mitglied der Deputation, schon nach deren Abschied von Dr. Stern mit diesem über die Affaire Fink gesprochen hatte. Herr Dr. W e i f e » g r ü n forderte in kräftigen Worten zum Kampfe auf und erzählte auch davon, daß Herr Dr. Stern den Name» Dr. Str auch ers wegen dessen Unterfertigung der ' Breiterschen Interpellation mit den Worten „Schmach des Judentums" in Verbindung gebracht habe. Pfuirufe im Saale. Herr Hammer spricht in großer Erregtheit und mit großer Wirkung, und verlangt einen Zusammenschluß der ostjüdischen Elemente, um sich gegen Angriffe zu schützen. Herr Torczyner hält nun eine sehr beifällig aufgeuommene, humorvolle mit ostjüdischen Sprichworten gewürzte Rede gegen den Kultuspräsidenten. Er macht diesen, nicht Dr. Bloch, den mau oft ungerechtfertigt angreife, für den Antisemitismns in Wien verantwortlich. Herr Morgenstern spricht in heftiger Weise gegen Dr. Stern. Herr Dr. L i f c z i s hat wie immer die Lacher auf seiner Seite. Er findet aber auch sehr kräftige Worte der Entrüstung, Herr R o t h st e i n und, Herr W a l d m a n n sprechen jüdisch. Elfterer gegen die. jüdische Plutokratie, welche im Osten wie im Westen die Kultusgcmemden beherrsche». Letzterer in seiner humorbollen Weise über die galizischen Juden. Herr Dr. Ny baczewsky spricht zur Resolution, zu der er, einen Zusatz becuftragt, der auch wie. die Resolution selbst angenommen wird. Diese lautet: „Der Herr Präsident der Kultusgenieindc hat der von der jüdischen Volksversammlung am 10. d. M. entsendeten Deputation erklärt, daß er die von ihr überreichte Resolution in Sachen des Dr. David dem Kultusvorstande nicht vorlegen werde; ja diesen nicht einmal von dem Erscheinen der Deputation verständigen werde und die Angelegenheit für vollkommen erledigt betrachte. Die heute im Hotel Continental tagende jüdische Volksversammlung spricht über diese Ignorierung des größten Teiles der Wiener. Judenschaft ihre Entrüstung aus und erblickt in der Antwort des Herrn Kultuspräsidenten eine Herausforderung zum Kampfe gegen das bestehende System." (Zusatzantrag): Die Versammlnng spricht die Ileberzeuguug aus, daß der derzeitige Kultusprästdent nicht jüdisch empfindet und hält eine Entfaltung der .Wiener Zudenheit für ausgeschlossen, solange Herr DrftStern an ihrer Spitze steht." Zu erwähnen ist noch eine mit großem Interesse angehörte Rede in eigener Angelegeicheit des Dr. Fink, der an die Mitteilungen des Herrn Plaschkes anknüpft. Sie deckt sich so ziemlich mit der berichtigenden Zuschrift, die er uns zukommen läßt, und die rvir an anderer Stelle veröffentlichen. „Verein Jehudah Halcvy". Samstag, den 24. l. M. um '/»8 Uhr abends findet im Vereinslokale, XX. Bez., Brigittenauerlände 22, ei» hebräischer Vortrog des Herrn Israel K e st e n b a u m über das Thema „Ost und West" statt. Gäste willkommen. Sonntag, den 25. l. M. um '/.? Uhr abends findet in, Vereinslokale, XX., Brigittenauerlände 22, die II. ordentliche General-Versammlung mit folgender Tagesordnung statt: 1. Rechenschaftsbericht; 2. Erteilung des Absolutoriums; 3. Neuwahl. 4. Eventualia. — Die P. T. Mitglieder werden höfi. ersucht, pünktlich zu erscheinen. Jüdischer Ve ..Sonntag, den 25. November 1906 um ‘/o5 Uhr nachmittags findet im Vereinslokal, ll.. Obere Donaustraße 57 eine öffentliche Vereinsversammlung mit folgender Tagesordnung stall: Die Notwendigkeit einer Organisation der jüd. jugendl. Arbeiter. Referat Vorbehalten. In Anbetracht der Wichtigkeit dieser Tagesordnung werden die Genossen ersucht, pünlllich und zahlreich zu erscheinen. An die jüdischen Abiturienten Oester- Zu Ende der Sommerfericn (1907) soll in Wien ein Äbituriententag der zionistischen Abiturienten Oesterreichs mll anschließendem Kommers stattfinden. Diese Veranstaltung soll eine imposante Kundgebung der jüdische». Ein junger Mami, Herr. G o l d s ch m i d t, gewesener Obergynmasiast, sprach über die Mißstände im Neligionsnnterricht und fand vielen Beifall. Die Versamniluug ging in großer Erregung ans- .einander, der kommenden Ereignisse gewärtig. Mittwoch, den 21. d. M. veranstaltete der Jüdische Kolonisationsv erein in Wien im Festsaale des Niedcrösterreichischeu Gcwerbevereines einen Vortragsabend, bei dem Herr Professor Dr. O. Marburg aus Berlin über „die Zukunft Palästinas und unsere Aufgaben daselbst" sprach. Nach dem Vortrag fand ein gemeinsames Nachtmahl des Vorstandes und geladener Gäste zu Ehren Professors Marburg statt. Wir komnien auf den glänzenden Vortrag und das Mahl i» nächster Nummer zurück. Beitritts-Einladung. Berlin, im November 1906. \V. 15, Uhlandstraße 175. Ew. Hochwohlgeboren erlauben wir uns hierdurch die Mitteilung zu machen, daß das Unterzeichnete Komitee die Gründung eines Industrie- Syndikats ftir Palästina und die Nachbarländer vorbereitet unter der Firma: Palästina - Industrie - Syndikat, .G.m.b.H. *) Bericht über den Besuchs der Deputation in^der „ Wochenschau". Zweck. Das Syndikat bezweckt die Vorbereitung, Einführung und Finanzierung von industriellen und anderen wirtschaftlichen Unternehmungen in Palästina und den Nachbarländern Arbeitsplan. Es wird sowohl aus eigener Initiative versuchen, jüdische Kapitalisten zu chancenreich erscheinenden Unternehmungen heranzuziehen, als auch im Aufträge und für Rechnung Dritter die nötigen Vorarbeiten zur Gründung von Unternehmungen leisten. Seine Tättgkeit wird demnach bestehen in: 1. ) Feststellung der ivirlschastlichcn Verhältnisse und geschäftlichen Chancen durch Einholung von fachmännische» Gutachten. 2. ) Erwerbung von Konzessionen und Terrains- sowie Abschluß von Oplionsoerträgen. 3. ) Ausarbeitung von Projekten, Kosten und Rentabilitätsanschlägen. 4. ) Finanzierung der zu gründenden Unternehmungen. Das Syndikat wird sich seine Auslagen und Spesen unter Aufschlag eines, entsprechenden Gewinnes teils in bar teils in Anteilen der neuen Unternehmungen zurückerstatten lassen. Eine weitere finanzielle Unterstützung der neu gegründeteil Unternehmungen soll nur ausnahmsweise und dann nur gegen genügende Sicherheiten gewahrt werden. Projekte. Das Syndikat wird zunächst nur solche Projekte bearbeiten, deren schnelle Verwirklichung wahrscheinlich ist. ES liege» uns schon Angebote verschiedener Fachleute vor, die in den betreffenden Unternehmungen Mitarbeiten und sich an ihnen auch mit eigenem Kapital beteiligen wollen. Kapital. Das Grundkapital des Syndikats ist vorläufig aus Mark 100.000 (hunderttausend) in Stammanteileil von mindestens Mark 1000 (Tausend) festgesetzt. Zirka fünfzigtausend Mark sind bisher schon gezeichnet, auch hat die Anglo Palästine Co. durch ihre Filialen in Palästina und Syrien uns ihre bereitwillige Unterstützung zugesagt. Der Sitz der Gesellschaft wird Berlin sein: als ehrenamtliche Geschäftsführer sind zwei erfahrene Kausleute in angesehener sozialer Stellung in Aussicht genommen, ivährend als Vertreter des Syndikats in Palästina ein mit langjähriger kauft,,ännischer Praxis ausgerüsteter Nationalökonom, der gleichzeitig Jurist ist, ansersehen ist. Als Bankstellen notieren wir die Jüdische Kolonialbank, London die Bankfinna A. H. Heymann & Co., Berlin NW. 7 Unter den Linden 59. Beitritts-Anmeldungen In der Stadt Irkutsk in Sibirien sind zirka 10 Anteile gezeichnet worden. Beitritts-Anmeldungen wolle man an den Endesunterzeichneten senden. Wir haben wiederholt Gelegenheit gehabt, das Reuffiereil derartiger Syndikate in überseeischen Ländern zu verfolgen. Im Orient 'haben besonders belgische und französische Syndikate sehr bedeutende Unternehmungen (Hafenbauten, Eisenbahnen, Versorgung von Städten mit Licht und Wasser. Fabriken :c.) auf diese Weise in die Wege geleitet. Wir sind überzeugt, daß ähnliche Bestrebungen in unserer Interessensphäre Palästina bei vorsichtiger Geschäftsführung gleichfalls Erfolg haben werden. Wir hoffen, das Ew. Hochivohlgeboren die Gelegenheit nicht versäumen werden, sich an einem Unternehmen zu beteiligen, das geeignet erscheint, jüdische Interessen in Palästina aufs wesentlichste zu fördern und daneben nicht unerhebliche geschäftliche Chancen bietet. Zu weiteren Auskünften sowie zur Uebcrsendung der Programme des Syndikats ist die Kommission zur Erforschung Palästinas, Berlin W. 15, Uhlandstraße 175, gern Mit ausgezeichneter Hochachtung - Im Aufträge des vorbercitenden Komitees des Palästina-Jiidustrie-Syndikats, G.nnb.H. gez. Prof. Dr. O. Marburg Vorsitzender der Palästina-Kommission Berlin W. 15, Uhlandstraße 175. Der Tranttl. Aus dem Jüdischen von I. L. Perez. In meiner Jugend, im Alter von drei bis zwölf Jahren, bin ich beinahe nie aus der Stube gekommen. Ich bin etliche Male krank gewesen und der Doktor verbot das Lernen. Ganz heiinlich lehrte man mich beten, da der böse Doktor zu schreien und mit dem Fuße zu stampfen pflegte, wenn man nicht Folge leistete. Ich saß im Sommer ganze Tage beim Fenster und im Winter im Bette aufrecht und hörte die Lieder, die meines kleinen Bruders Amme sang, um ihn einzuschläfern... Erst mit dem 12. Jahre hat man mich aus einen halben Tag in den Cheder geschickt und man trug dem Rebben streng auf, inich nicht zu quälen und — Gott verhüt' es — mich nicht anzurühren. Da ich einige Wochen im Cheder gewesen, schwankte ich wie ein Irrlicht hin unv her, der Amme Liedchen und die Märchen des Rebben verwirrten sich mir wunderlich im Kopfe.