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Neue Zeitung · 1906-11-23 · Heft 12 (23.11.1906) · p. Seite 5

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Journal
Neue Zeitung
Volume
1906
Issue
Heft 12 (23.11.1906)
Date
1906-11-23
Page
Seite 5 (sequence 5)
Language
German
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Nr. 12 Neue Zeitung Seite 5 urteilen, ob meine früheren Bemerkungen, die zu kurz ausfielen,. der Wahrheit entsprechen oder nicht. In ihrer Berichtigung konstatieren die Herren von der „Hasmonaea" zunächst, daß die Palme des Sieges ihnen gebühre. Sie wollen auch, den Beweis hiefür nicht schuldig bleiben und rücken gleich mit „Belegen" auf. Wiewohl ich dem Studentenleben bereits entrückt bin, habe ich mich ■ der Mühe unterzogen, diese „Belege" aus ihre ■ Nichtigkeit zu prüfen. Ich gebe zu, daß die „Has- - monaea" sich an der ersten Versammlung im ■ Jahre 1903 beteiligte. Die Herren scheinen aber entweder an zeitweiliger Anmesie zu leiden oder, trotzdem sie ja immer nur „wahrheitsgemäß" alles . zu tun behaupten, hier ein wenig „unwahrheits- : gemäß" oder „halbwahrheitsgemäß" berichtet zu - haben. Sie vergaßen nämlich die Genesis „ihrer Beteiligung" anzugeben. Auch ich will mit Belegen die Sache genauer illustrieren. Im Jahre 1903 - wurde an allen österreichischen Universitäten der Kampf um Anerkennung der jüdischen Nationalität ■ ausgenommen. In Czernowitz bestanden damals die beiden Verbindungen „Hasmonaea" und „Zephirah." Die letztere trat nun an die erstere mit der Aufforderung heran, die Sache gemeinsam in die Hand zu nehmen, von der richtigen Erkenntnis ausgehend, daß nur ein solidarisches Vorgehen der jüdischen Studentenschaft zum Ziele führen kann. Die Herren von der „Hasmonaea" weigerten sich aber, trotz mehrfacher Aufforderung von Seiten der „Zephirah" in dieser Sache mitzutun. Die.„Zephirah", die die hohe Bedeutrmg der ganzen Aktion erfaßte, sah sich nun genötigt, sämtlichen jüdischen Verbindungen Oesterreichs das Vorgehen der „Hasmonaea" mitzuteilen und dieselben zugleich zu ersuchen, auf die „Hasmonaea" dahin e i n z u wirk e n, d a ß s i'e m i t g e h e n s o l l. Erst nachdem die „Hasinonaea" von seiten jener Verbindungen mit Briefen bestürmt wurde, gab sie nach. Ich will der Deutlichkeit halber auch einige Briefe smnt ihren Daten, die ich tnir verschafft habe, nennen. Der seinerzcitige Arbeitsausschuß der Wiener jüdischen Vereine: BarGiora, Bar Koc-hba, Erez Israel, Leo Pinsker, Theologin, Vereinigung zionistischer Hochschüler, teilt in einem Briefe vom 14. Jänner 1903 der „Zephirah" mit, daß er ein diesbezügliches Schreiben an die „Hasmonaea" gerichtet habe, worin dieselbe aufgefordert wurde, sich an der Versammlung zu beteiligen. Aehnliche Schreiben besitze ich in meiner Hand von der „Charitas", Graz und „Haschachar", Krakau. So sieht es in Wirklichkeit mit dem „hervorragenden Anteil" an der Versammlung des Jahres 1903 aus. Die Sache, einmal ins Rollen gebracht, ging ihren Weg weiter und eroberte sich die Sympathien der Majorität der jüdischen Studentenschaft, nicht aber die der akademischen Behörden. Zwei Jahre lang wurde der Senat mit Petitionen überschwemmt, einige Seme st er hindurch schrieben die jüdischen Studenten in die „Muttersprache" „deutsch, jüdischer Nationalität." Allein der Senat ignorierte diese Klausel und strich sie einfach weg. Die radikalen jüdischen Studenten nun, pochend auf die Zahl der jüdischen Studenten in Czernowitz, wurden des Spieles, düs man mit ihnen trieb, satt und griffen zu rcdikalen Mitteln. Sie griffen die „deutsche" Universität dort an, wo sie am empfindlichsten zu treffen war. Im politischen Leben, in einem Kampfe um die heiligen nationalen Rechte greift man eben zu Mitteln, die zum Ziele führen. Die Herren von der „Hasmonaea" aber, denen es im allgemeinen nicht an der Erreichung des Zieles lag und die, wie ich früher dargetan, nur gezwungen mittaten, fanden jetzt die Gelegenheit für gekommen, sich zurückzuziehen und alte erfolglos gebliebene Mittel vorzuschlagen. Alles, nur um die „Reinheit der Mittel" nicht zu verfälschen; alles, nur um „wahrheitsgemäß" zu sein. Difficile est, satiram non scribere. Dieser radikale Kampf wurde zwei Semester geführt. Die Majorität der jüdischen Studenten schrieb in ihr Nationale „rumänisch" oder „rnthenisch". Die Majorität — mit Ausnahme der „Hasmonaea". Ob Augenblicksmittel, angewendet zur Erreichung eines hehren Zieles, oder Solidaritätsbruch zu verdammen sei. darüber zu entscheiden überlasse ich Unbeteiligten. Da nun, wie ich in meinem ersten Berichte ausführte, die Sache einen ernsten Charakter angenommen hatte, sah sich, ich wiederhole es nochmals, der Senat genötigt, nicht etwa aus purem Gerechtigkeitsgefühl, nachzugeben. Auch darüber nun, wessen Verdienst der Sieg zuzu-- schreiben sei,, mögen die geehrten Leser selbst ur- Auch nicht ganz „wahrheitsgemäß" ist ferner der Vorwurf, daß die „anderen" „kleinliche Zuschriften an die verschiedenen Blätter" zusenden, „um sich herauszustreichen." Das Gegenteil ist vielmehr wahr. Was nun die Berichte der „Hasmonaea" in der „Nätionalzeitung" (vom 9. d. M.) und ihre verschiedenen Enunziationen im „Ezernowitzer Tagblatt" (Eigentum eines a. H. d. „Hasmonaea") und in der „Bukvwinaer Rundschau" gelesen hat, müßte eher jenen Herren das zurufen, was sie von den anderen verlangten: denket an ernste "Arbeit l Tatsache ist, daß, meines Wissens, von den „anderen" keine Berichte hinausgeschickt wurden; Tatsache ist, daß die „Hasmonaea" jede ernste Arbeit stört. Zur Illustration nur e i n Faktum: die Abhaltung einer Maimonidesfeier wurde von jenen Herren deswegen vereitelt, .weil sie an erster Stelle am Plakate figurieren wollten. Weiterer Kommentar überflüssig. Zum Schlüsse noch ein Wort zur zweiten Korrespondenz des „Ben Efraim ben Arje." Es lag mir ganz ferne, das Verdienst der „Hebronia" und „Emunah" irgendwie herabzudrücken. Ich konstatiere bloß, daß die „Zephirah", da jene zwei Verbindungen damals noch nicht existierten, den Kampf begonnen, dann aber von der „Hebronia" und „Emunah" unterstützt tvurde. Für mich ist die Sache erledigt. Iwri. Nun betrachten aber auch wir die Sache als erledigt. Jüdische Arbeiterbildnngskurse in Czernowitz. Die jüdischen Arbeiterbildungskurse der jüdisch-national-akademischen Verbindung „Z eph irah" sind eine altbewährte Institution auf dem Gebiete der Volksbildung und Volkserziehung. Sie erireuen sich seit ihrem langjährigen Bestände allgemeiner Popularität in den niederen Volksschichten und finden stets die ungeteilte Anerkennung der gebildeten Kreise. Das Zeichen unserer Zeit, in der die Volksmaffen aus ihrem sterilen Unverstand und allgemeiner Passivität ihrer Umgebung gegenüber gehoben und befreit und auf der Stufenleiter der gesellschaftlichen Schichtung vorwärts gerückt werden sollen, ist der Kamps gegen das Analphabetentum. Dieses Prinzip hat die „Zephirah" in ihr demokratisches Programm ausgenommen und dementsprechend Arbeiterbildungskurse geschaffen, die nebst anderein den Erfolg haben, daß jährlich 50 bis 60 Schüler, die als Analphabeten in den ]. Kurs eingetreten, denselben des Lesens und Schreibens vollkommen kundig absolvieren. Für die Fortgeschrittenen, das heißt die Besucher des II. und III. Kurses, enthält der Unterrichtsplan die Elemcntargegenstände des Lesens, Schreibens und Rechnens in dem Maße, wie sie in der In., IV., und V. Klaffe der Volksschule gepflegt werden. Im III. Kurs wird außerdem mit Rücksicht auf die starke Frequenz der Handelsangestellten und Gewerbetreibenden die Buchhaltung und das kaufmännische Rechnen von einem Fachlehrer unterrichtet. Außer diesen feststehenden Disziplinen ist in den Unterrichtsplan die Abhaltung von in schlichter und gemeinverständlicher Weise gefaßten Vorträgen über die interessantesten Kapitel derjüdischenGeschichte ausgenommen. Weiters hat der Unterricht eine Ergänzung nach der Richtung hin erfahren, daß für die Fortgeschrittenen gewisse zur allgemeinen Bildung gehörende Gebiete, so aus der Naturlehre, Geographie, Naturgeschichte :c. in populärer Weise behandelt werden, so daß der Unterrichtsplan nach allen «seiten hin ein vollkommen abgeschlossenes Ganze bildet. Einem langempfundenen Bedürfnis Rechnung tragend, beabsichtigt die Verbindung Frühjahr einen nur für Meister bestimmten Kurs einzurichten. Bezüglich der Unterrichtszeit ist die Neuerung getroffen werden, wonach die Anzahl der Lehrstunden eine Vermehrung von 4 auf 6 Stunden wöchentlich für jeden der 3 Kurse erfahren soll. Der Unterricht, der in den Räumen der jüdischen Volksschule abgehalten wird, beginnt am 15. November und dauert bis 15. März 1907. Palästina-Jndustrie-Syndikat. Wir veröffentlichen an anderer Stelle der heutigen Nummer die Beitrittseinladung des genannten Syndikates. Das Gründungskomitee desselben geht von dem Gedanken aus, durch Ein» fiihrung reingeschästlicher Unternehmungen im nahen Orient den fast überall boykottierten jüdischen Arbeitermassen lohnende Arbeitsgelegenheit zu verschaffen. Im nahen Oriente bieten sich, trotzdem er von seinem tausendjährigen Schlaf erst jetzt wieder zu erwachen beginnt, schon heute für kapitalkräftige, unternehmungslustige Kaufleute zahlreiche Gelegenheiten zur gewinnbringenden Anlegung ihres Kapitals durch Beteiligung an industriellen und landwirtschaftlichen Unternehmungen dar. Eine gute Illustration des wirtschaftlichen Voranschreitcns des vorderen Orients bietet die Palästina benachbarte Hafenstadt Beirut. Deren Bevölkerung im Jahre 1885 100.000 Seelen zählte und im Jahre 1896 schon 140.000 Seelen betrug, deren Export sich im Jahre 1901 auf 540,915 Pfund Sterling belief und im Jahre 1905die Höhevon 924.600 Pfund Sterling erreichte. Dies ist im wesentlichen eine Folge der Verbesserung der Verkehrsinittel durch den Bau von Eisenbahnen und Fahrstraßen, welche Entwicklung im Libanongebiet schon vor zwanzig Jahren begann und die jetzt auch in Palästina kräftig fortzuschreiten anfängt. Auch muß man gerechterweise hervorheben, daß, während die gewerbetreibenden Juden in den großen Ghetto-Ländern, wie Rußland (selbst im Ansiedlungsrayon, und Rumänien, noch immer mit verschiedenen hemmenden gesetzlichen Schwierigkeiten zu kämpfen haben, in dem sonst noch mancher Reform bedürftigen Orient die jüdischen Kaufleute, Fabrikanten, Handwerker, Arbeiter rc., selbst wenn sie keine türkischen Untertanen sind, ihrem Berufe ruhig nachgehen können, ohne irgend welchen gesetzlichen Verfolgungen oder Ausnahmsgesetzen ausgesetzt zu sein. Das Komitee glaubt daher mit Recht behaupten zudürfen, daß unter den gegebenen Umständen es die Pflicht der kapitalkräftigen Juden aller Länder ist, sich am Palästina-Jndustrie-Syndikat sowie seinen Gründungen mit ihrem Kapital zu beteiligen. Amerika,risch-jüdisches Komitee. In New Jork bildete sich ein amerikanischjüdisches Komitee, das es sich zur Ausgabe setzt, die bürgerlichen und religiösen Rechte der Juden zu erhalten und auszudehnen. Es will einen Ueberschußfonds von einer Million Dollars bereit halten, der in Notfällen, wie sie in Kischinew und San Franzisko eintraten, zur Verwendung kommen soll. Dem Komitee gehören angesehene Männer aus dem ganzen Lande an, so in New- Jork Oscar L. Strauße der Chef des Departements fiir Handel und Arbeiten und Bankier Schiff. Neue Schule. Herr Lehrer Julius Muschel eröffnet am 2. Dezember 1908 die ihm vom hohen k. k. niederösterreichischen Landesschulrate bewilligte „Privatanstalt für "Nachhilfe und Wiederholungsunterricht" für schulbesuchende Knaben und Mädchen und in einer besondere» Abteilung eine „Lehranstalt für Erwachsen". Wer Herr Julius Muschel kennt, wird sein Unternehmen nur mit Freuden begrüßen. Er ist ein sehr tätiger, tüchtiger, allbeliebter Lehrer im zweiten Bezirke und hat sich auch durch eine Reihe von pädagogischen Aufsätzen, welche die bedeutendsten Tagesblättcr Wiens („9t. F. P.", „Nr. Wr. Tgbl.". „Die Zeit") veröffentlichten. in 'weiten Kreisen bekannt gemacht. Man kann mit Bestimmtheit behaupten, daß alle seiner Schule anvertrauten Schüler und Schülerinnen die besten Erfolge erzielen werden. Ebenso empfehlenswert ist seine „Lehranstalt für Erwachsene". Es ist dem sehr erfahrenen Schulmaune das beste Gelingen zu wünschen. Moderne Kochrezepte. Die Kochkunst befindet sich heute in einer stürmischen Entwicklung, hervorgerufen durch das Eindringen von Ceres-Speisefett in die Küche. Jede Hausfrau hat dabei ihre eigenen Erfahrungen gemacht. Damit diese allgemein bekannt weroen, haben die Nährmittelwerke „Ceres" eine Preiskonkurrenz für moderne Kochrezepte ausgeschrieben. Jede Hausfrau kann die ihr geläufigen Speisen mit C e r e s - S p e i s c f e t t bereiten und dann ihre Rezepte einschicken. Es find Preise bis zu 15.' 00 Kronen ausgesetzt. Adresse: Ceres Preiskonkurrenz. Wien, XVII., Hauptstraße 67. Ans der jüdischen GeffentlidfJmt (In dieser Rubrik finden u. a. Verlautbarungen jüdischer Körperschaften — ohne Unterschied der Richtung —Aufnahme.) Vor den Kultuswahren. Das zionistische Wahlkomitee veranstaltet nebst vielen kleineren, folgende größere Versammlungen:

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