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Neue Zeitung · 1906-11-23 · Heft 12 (23.11.1906) · p. Seite 3

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Journal
Neue Zeitung
Volume
1906
Issue
Heft 12 (23.11.1906)
Date
1906-11-23
Page
Seite 3 (sequence 3)
Language
German
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Nr. 12 'Jieue Z c itu n g Druck abzumehren besser in der Lage sein, als einzeln. Die Mandatszahl der Ruthenen ist aus etwa 19 herabgedrückt morden. Doch gilt dies nur unter der Voraussetzung, daß die Minoritäten in Ostgalizien polnisch wählen. Ein unansehnlicher Teil dieser Minoritäten rekrutiert sich aber aus Juden, Daher haben die Rutheneu ein Interesse daran, die Juden für sich zn gewinnen. Juden und Ruthenen haben ferner ein gemeinsames Interesse darau, die Zentralgewalt des Staates zu stärken und ganz besonders die Verwaltung im Lande wenigstens auf das Niveau einer europäische» zu bringen. Durch die jüdischen Abgeordneten aus Galizien, denen sich die Bukowinaer in diesem Punkt anschließen werden (vorausgesetzt, -daß es zu einem Judenklub kommt) erlangt der Rutheitenklub eine nennenswerte Verstärkung. Für die Ersprießlichkeit des Bundes spricht endlich auch die Erwägung, daß Juden und Ruthenen als bisher unterdrückte Rassen noch lange nicht in der Lage sein werden, auf Eroberungen auszugehen. Ihr Bund kann der Sache nach nur ein Defensivbund sein; sie wollen den Polen nichts nehmen. Ihr Streben geht lediglich dahin, ihre eigene nationale, kulturelle und wirtschaftliche Entwicklung mit allen Kräften zu fördern. Hieran sind sie bisher von den Polen gehindert worden, der Bund erstrebt in diesem Belauge eine Besse- Möge der Bund geschlossen werden, er wird zum Heile beider Völker ausschlagen! S e r e t h, 10. November 1906. Dr. Isaak Koh». Das erste jüdische Kredilmsti- Inl in Wien. Ein Rückblick, Von Oberbuchhalter Emanuel P o l l a k. In unserer raschlebigen Zeit sind Jubiläen, also Rückblicke auf eine längere Reihe von Jahren, so recht zur vollen Entwicklung gelangt. Man ivartet nicht erst die eheinals üblichen 100 oder 50 Jahre ab, sondern feiert Feste zur freudigen Erinnerung-an mehr oder weniger wichtige Ereignisse schon nach Ablauf von 25, 'ja sogar schon nach 10 Jahren. Und das nicht mit Unrecht. Was kann sich in 10 Jahren ereignen? Gewiß eine Frage die sich auch nur halbwegs erschöpfend fast gar nicht beantworten läßt.. Und würde man auch Undenkbares anführen wollen, so ist es iminer nicht ausgeschlossen, daß es heutzutage von der Wirklichkeit noch weit überholt wird. Hätte zum Beispiel vor zehn Jahren jemand die Kühnheit besessen, Rußland so zu schildern wie es heute Doch Kriegsjahre zählen doppelt, und in dieser Berücksichtigung mag unter schwierigen Verhältnissen ein Rückblick schon auf glücklich überstandene fünf Jahre in Jubiläumsstimmung zulässig erscheinen, wenngleich bis zur eigentlichen kürzesten Jubiläumszeit vorerst nur der halbe Weg zurückgelegt ist. Und diesen halben Weg hat die „Wiener Spar- und Kredit-Gesellschaft" zum größten Teile unter der ehemaligen Bezeichnung: „Creditinstitut für jüdische Gewerbetreibende und Beamte" reg. Gen. m. b. H. in stetem Kampfe mit vorher kaum geahnten schwierigen Verhältnissen zurückgelegt. Im großen und ganzen unverstanden von denjenigen, deren Wohl das Institut dient, deren Weh' es abhelfen sollte; fast ganz ohne jede materielle Unterstützung der reichen jüdischen Kreise; ja sogar, aus rein persönlichen Motiven, selbst dort ungehört, wo man sonst bei jüdischen Wohltätigkeits- oder Wohlfahrtsunternehmen noch niemals an erster Stelle gefehlt hat — überdies auch noch wegen des ominösen Wörtchens „jüdisch" bei allen Banken in Geldoperationen auch bei solchen, sicherster Art, zurückgewiesen, hat das Institut mit zähester Ausdauer fünf Jahre überstanden, ohne bei seinen beschränkten Mitteln auch nur für einen Moment das Gleichgewicht zu verlieren. Heute, wo es sich durch solides, vorsichtiges, nach jeder Richtung hin einwandfreies Vorgehen bereits hinlängliches Vertrauen in Bankkreisen errungen hat, darf es umsomehr auf die abgelaufenen fünf Jahre mit Stolz zurückblicken, nachdem ein vor mehreren Monaten mit hinlänglichem Anfangskapital und ziemlich bedeutendem Sicherstellungsfonde gegründetes Wiener jüdisches Konkurrenzinstitut, welches sich überdies der besonderen Unterstützung hervorragender Finanzkapazitäten und Wohltäter zu erfreuen hat, nach den ersten fiinf M o n a t e n seines Bestandes auch schon sein erstes —Fiasko zu verzeichnen hat. Es soll übrigens gerne zugetanden werden, daß dieser zweite Vorschußverein oeben seine Tätigkeit wieder ausgenommen hat. Strenge genommen, ging die Msicht der Gründer des erstgenannten Institutes ursprünglich dahin, ein solches behufs Unterstützung und Förderung des jüdischen Handwerkerstandes zu etablieren. Bei den Beratungen über diese Angelegenheit hat sich jedoch die gefaßte Idee nach und nach verschoben. Es wurde vorerst vielfach betont, daß gerade der Handwerkerstand antisemitischen Verfolgungen weniger ausgesetzt ist, daß dagegen der kleinere jüdische Kaufmann materielle Unterstützung in Form leicht rückzahlbarer Darlehen umsomehr nötig hat, weil er weder seine offenen Buchforderungen noch sein spärliches Wechselmateriale bei irgend einer Bank anzubringen imstande ist. Ganz besonders im Sommer, wo sich die Geldeingänge infolge der Abwesenheit vieler Familien von Wen, monatelang knapp gestalten, ist die Beschaffung von barem Gelde für den kleineren Kaufmann von höchster Wichtigkeit und kann unter Umständen eine Existenzfrage bedeuten. Als nicht minder wichtig wurde sodann auch die Kreditgewährung an jüdische Beamte angeregt. Es wurde hervorgehoben, daß der Beamte, wenn er nicht den unliebsamen Weg um Gehaltsvorschuß betreten will, überhaupt nur auf den Personalkredit angewiesen ist. Speziell die jüdischen Beamten sind im Bedarfsfälle schlecht daran, weil sie sich da zunächst an die ihnen feindlich gesinnten Beamtenvereinigungen, reote Assekurranzagenturen wenden müssen, wenn sie nicht in die Hände von Wucherern geraten wollen. Die seither abgehaltene „Enquete über Personalkredit und Wucher" hat die Richtigkeit der angeführten Tatsachen hinlänglich erwiesen und dabei wohl auch verschiedene Hilfsmittel vorgebracht, die aber samt und sonders "von dem besprochenenJnstitute der „Wiener Spar- und Kredit-Gesellschaft" an praktischem Werte weit übertoffen werden. Allerdings, die in der Enquete von juristischer Seite vertretene Ansicht: Der Beamte möge in der Wahl seiner Schwiegereltern vorsichtig sein, kann gerade nicht als unpraktisch bezeichnet werden — leider sind die präsumtiven Schwiegereltern in der Wahl ihrer Schwiegersöhne noch weit vorsichtiger, und so gibt es gegen die Notlage, in welche ein Beamter ganz ohne eigenes Verschulden oft geraten kann, vorläufig wenigstens, keine bessere Aushilfe, als die Beschaffung leicht rückzahlbarer Darlehen, wie sie das besprochene Institut auch gerne gewährt. So entstand denn vor fünf Jahren das „Creditinstitut für jüdische Gewerbetreibende und Beamte", r. G. in. b. H. — Durchdrungen von dem festen Vorsatze, dem schwächer situierten jüdischen Mittelstände hilfbereit unter die Arme zu greifen, erwirkte der Gründer des Institutes, Herr Richard Rappaport, in seiner Eigenschaft als Präsident des damals bestandenen „Jüdischen Volksverein" die unentgeltliche Ueberlassung eines Teiles der Vereinslokalitäten an das neugeschaffene Creditinstitut, und somit begann dasselbe seine Tätigkeit in den Lokalitäten dieses Vereines, welcher überdies auch noch Beleuchtung, Beheizung k. aus Vereinsmitteln bestritt. Für das junge Institut war dies von großem Werte, denn ohne diese Verminderung der Regieauslagen hätte es bei seinen bescheidenen Mitteln und dem geringfügigen Nutzen, welchen es daraus ziehen konnte, immerhin einen sehr schwierigen Anfang zu verzeichnen gehabt. Wie aber alles seine Licht- und Schattenseiten hat, so war es auch hier der Fall. So wertvoll einerseits das Entgegenkommen des Jüdischen Volksvereins dem Creditinstitute gegenüber auch war — seiner weiteren Entwicklung war es infolge der politischen Strömung, welche im Jüdischen Volksvereine herrschte, nichts weniger als förderlich. Kreditwerber hatte das Institut wohl mehr als genug, aber die wohlhabenderen jüdischen Kreise, deren Unterstützung dasselbe in Anbetracht des humanitären Zweckes, den es verfolgte, wohl erwarten durfte, verhielten sich, infolge eben dieser Strömung, ostentativ ablehnend. Nachdem endlich eingetretener Verhältnisse wegen ein Personenwechsel in der Stellung des leitenden Direktors notwendig geworden, fand zugleich auch die räumliche Scheidung der beiden Vereinigungen statt. Das Creditinstitut übersiedelte in die Große Mohrengaffe und mußte hier sofort die größten Anstrengungen machen, um die von der vorigen Leitung eingegangenen Verpflichtungen erfüllen und auch sonstige unvorhergesehene Eventualitäten abwenden zu können, welche iinmerhin geeignet waren, das Institut ungünstig zu beeinflussen. Für die tatkräftige Unterstützung in diesem heikeln Momente gebührt voller Dank den Herren Hermann Eltbogen und Josef Pollak und das umsomehr, als beide Herren damals nicht mehr dem Vorstande des Institutes angehörten. Diesen Umstand wird das Institut in seiner weiteren Entwicklung niemals vergessen dürfen; denn es bleibt immerhin fraglich, ob das Creditinstittlt für jüdische Gewerbetreibende und Beamte die damalige Situation auch dann so spielend leicht überstanden hätte, wenn die genannten Herren zu einer entsprechenden Mitwirkung nicht zu bewegen gewesen wären. In der sicheren Voraussetzung, daß es dem Institute denn doch gelingen werde, durch solides vorsichtiges Gebühren die Anerkennung weiterer Kreise zu erringen, wurde mit zäher Ausdauer und unter Einhaltung der größten Sparsamkeit in den Regieauslagen unausgesetzt weiter gearbeitet, bis es endlich den rastlosen Bemühungen des Vorstandes gelang, den ersehnten Reescompte zu verschaffen. Es ist erfreulich konstatieren zu können, daß es unser Glaubensgenosse, Herr Lucian Brunner, war, welcher als erster dem Creditinstitute in generösester Weise die Mobilisierung des Wechselportefeuillcs ermöglichte, und die zweifellos guten Rimessen des jüdischen Institutes den diversen Kellerwechseln protokollierter Zukunstskridatare vorzog. Von da ab begann auch das Kreditinstitut seinen Weg nach auswärts, wohl nicht in raschem Fluge, doch ruhig und sicher. Es änderte über Beschluß seiner Generalversammlung vom 6. Juni 1905, seine Firma in: „Wiener Spar- und Kredit- Gesellschaft", r. G. m. b. H. ab, unterzog sich dann freiwillig der staatlichen Revision und nachdem sich das Institut mit dem nach jeder Richtung hin günstig lautenden Berichte des staatlich bestellten Revisors ausweisen konnte, war es nicht mehr schwer, eine weitere Bankverbindung zu erreichen. Bald erwies sich auch das Lokal als nicht mehr hinreichend, weshalb die „Wiener Spar- und Kredit-Gesellschaft" ihre Bureaus in die neu hergerichteten Lokalitäten I., Franz Josefs-Quai Nr. 43 verlegte, was für den Geschäfts- und besonders für den Spareinlageverkehr nur von großem Vorteile sein kann. Aber auch unter der neuen Firmazeichnung hat das Institut seine humane Tendenz durchaus nicht geändert, wenngleich es nach der Zusammensetzung seiner Direktion und seines Aufsichtsrates unmöglich anders, als nach kaufmännischen Prinzipien geleitet werden kann. Das Vertrauen der Banken, welche heute die Rimessen der Wiener Spar- und Kredit-Gesellschaft bereitwillig und anstandslos in] Reeskompte nehmen, hat dieses Institut in erster Linie dem streng soliden und umsichtigen Gebaren seines derzeitigen Gesamtvorstandes zu verdanken; hoffentlich wird es — insolange die richtigen Männer an der Spitze stehen werden — auch weiterhin den Beweis erbringen, daß es das ihm entgegengebrachte Vertrauen in vollem Maße verdient. Wochenschau. Bei Herr» Dr. Stern. Sonntag vormittag, Schlag 10 Uhr erschien die bei der Volksversammlung vom 10. d. M. gewählte Deputation bei dem Kultuspräsidenten Herrn Dr. & te rn. Als Führer und Sprecher fungierte Herr Dr. Birnbaum. Mit-einer kurzen Ansprache, in der er hervorhob, daß sich die Protestaktion einzig und allein auf den offiziellen Text des Sitzungsprotokolles des Kultusvorstandes stütze und nicht als planmäßige Agitation zu außenliegenden Zwecken betrachtet werden dürfe, überreichte er die Resolution.*) Nachdem der Kultuspräsident auch diese gehört hatte, erklärte er, sie dem Kultnsvorstand' uicht offiziell zur KennMis bringen zu können. Ja, nicht einmal vom Empfang der Deputation, wie das Mitglied der Deputatton, Herr Dr. Rothblum vorschlug, wollte er dem Kultusvorstande Meldung erstatten. Die Sache sei erledigt. Er habe in seiner ersten Enunziatton *) Deren Wortlaut in der vorigen Nummer der „Neuen Zeitung".

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