Mannheim
Compact Memory

Neue Zeitung · 1906-11-16 · Heft 11 (16.11.1906) · p. Seite 5

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Neue Zeitung
Volume
1906
Issue
Heft 11 (16.11.1906)
Date
1906-11-16
Page
Seite 5 (sequence 5)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
93% known words query
IRI
…/2430890-2430891-2430902--097-2431069
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

Mentioned entities

OCR text

1 entity mentions

Nr. 11 N e u t ZcitIIII t) Kampf „G leiches umGleiches" handelt. Alle haben den Kampf, jeder auf scineWeise geführt, alle gewiß non den besten Intentionen geleitet, alle haben daher zu gleichen Teilen z u m Erfolge b e igetragen. Ben Efraim ben Arie Wir wollen uns in d iescm ganzen Streit lein Urteil amnaßen. Und »vir tun dies sicher nicht, »venn wir konstatieren, daß die letzte Zuschrift die ehrliche Absicht hat, Frieden zu stiften. Gerne würden auch wir es sehen, wenn der Hader — es ist Hader, gleichviel ob die eine oder die andere, oder beide Seiten Recht oder Unrecht ' haben — bald aufhörte. Und jetzt könnte er aufhören, da das Erlangte von allen in gleicher Weise begrüßt und angenommen wird. Einen ähnlichen Wunsch hegen »vir auch bezüglich der Czernowitzer Gemeinderatswahlen. Allerdings auch einen weniger leicht erfüllbaren. Hier spielen schon Prinzipienftagen herein. Und wir schwanken auch nicht einen Augenblick zuzugestehcn, daß wir dem Dr. Straucher wegen seiner großen Verdienste u»n die Juden und namentlich auch wegen seiner bisherigen Ruthenenpolitik »veitaus näher stehen, als seinen jüdischen Gegnern. Jntvieweit aber seine Gemeinderatspolitik seiner nationalen Politik nach außen und innen entspricht oder im Widerspruchezu ihr steht, das zu unterscheiden sind wir wohl a,n wenigsten berufen. Wir müssen die Verantwortung unseren Berichterstattern überlassen und ge»viß wäre niemand glücklicher als wir, wenn das Thema endlich mit einigermaßen mehr Ruhe behandelt »vürde, als bis jetzt. Wird unser Wunsch in Erfüllung gehen? Wird man ihn hören? Und tvann? Die jttdenfeindlich e Bewegung in Rumänien. In Rumänien gährt es jetzt wieder. Alle 'Blätter treiben eine heftige Propaganda wider die Juden und »vir stehen vor einer Judenhetze. Die liberalen (?!) Blätter klagen den Herrn Mille, Chefredakteur des „Adeverul", eines unabhängigen judensreundlichcn Blattes, des Verrates an seinem Volke au, weil er zur Zeit der großen Judenauswanderung aus Rumänien von der „Jsr. Allianz" angeblich 100.000 Frs. erhalten hat, um die Judenstage in Rumänien aufzurollen und für deren rasche Lösung zu agitieren. Eigentlich ist Herr Mille nur ein kleines Aushilssinittel, geineint sind die Juden. In Rumänien ist es nämlich Sitte, daß eine Partei, die sich in Opposition befindet, leichter ans Ruder kommt, wenn ste eine kleine Judenhetze inszeniert und von sich hören läßt. Diesmal sind es die Liberalen (besser Antisemiten), die sich durch mehr als zwei Jahre am Oppositionsbrode gesättigt habe, rascher zur Regierung drängen und es deswegen auf die Juden abgesehen haben. In Braila, der größten Hafen- und Handelsstadt Rumäniens wurde Augusto Mendl, Mitchef eines der angesehensten und reichsten Exporthäuser Rumäniens von einem früheren Angestellten uamens Jalba aus offener Straße erschossen. Jalba hatte sich nämlich bei einer Maschine einen Arm derart unglücklich verrenkt, daß er ihm amputiert »verden »nußte. Er wurde mit einer Summe von 2000 Frs. von der Finna - Mendl abgefunden; doch er stellte sich damit nicht zufrieden und, als er eines Tages bei Aug. Mendl wiederuin Geld verlangte und ihn dieser abwies, erwartete ihn Jalba auf der Straße und streckte ihn mit einem Revolverschuß nieder. Vorige Woche fand nun die Verhandlung gegen Jalba statt. Als Geschworene fungierten intellektuelle Leute, zumeist Lehrer und Advokaten. Der Verteidiger des Jalba, der bekannte Antisemit Polichrvniady führte das Bor- Lehe» Jalbas darauf hin, daß die Juden Mendl das rumänische Volk ausnützen und Tausende von Arbeitern ins Unglück stürzen. Die Geschworenen sprachen Jalba stei. Sie taten dies nicht aus Mitleid für den Mörder, oder etwa aus sozialem Mitempfinden — wäre der Ermordete kein Jude gewesen, der Mörder wäre nicht straffrei ausgegangen — sondern weil der Ermordete ein Jude war. Die Geschtvorenen suchten ihrer Verachtung und der Freude, daß ein Jude vernichtet wurde, Äusdruck zu geben. Die Handelskammer in Botosani gab jüngst eine Statistik der Arbeiter der nördlichen Bezirke 'Rumäniens heraus. In derselben wird sehr heftig darüber Klage geführt, daß die Juden das größte Gewerbekontingent liefern und die Rumänen zurückgcdrängt sind. Ja, wenn sie auch nicht Gewerbetreibende sein dürfen, was sollen sie denn anfangen, nachdem sie zu den Schulen unter sehr schweren Aufnahmsbedingungen Zutritt haben! Die liberale Partei droht den jüdischen Pächtern eine bOperzentige Steuer auf ihre Güter an. Mit andern Worten: Wenn Güter zu verpachten sind, so sollen nur Rumänen die Pächter sein. Aus Anlaß der Köuigsmanöver in Botosani begab sich eine Deputation der israelitischen Kultusgemeinde, an deren Spitze sich Dr. Oliwenb a u in befand, zum rumänischen König, um bei ihm für die Anerkennung der Kultusgeineinde als juristische Person vorzusprechen. Dr. Oliwenbaum, der »vegen seines unerschrockenen und mannhaften Auftretens in jüdischen Fragen in Rumänien und wegen seiner im Vorjahre an den damaligen Minister Lascar gehaltenen Ansprache in Judensachen sich bekannt gemacht hat, hielt eine ^ständige Rede an den König, übergab ihrn ein Memorandum und wies darauf hin, daß die Juden in Rumänien vogelstei sind. Der König machte der Deputation in sehr freundlichen Worten die Zusage, daß er das Memorandum studieren werde und nach Lösung des Konfliktes mit Griechenland den Wünschen entsprechend Nachkommen werde. B o r d u j e n i, November 1906. Josef Kaufinan. Ans der jüdischen Oeffentlrchüeit. (In dieser Rubrik finden n. a. Verlautbarungen jüdischer Körperschaften — ohne Unterschied der Richtung—Ausnahme.) Zn den Kultuswahlen. Das zionistische Wahlkomitec veranstaltet Sonntag den 25. d. präzise 10Uhr Vormittags im H otel „ll n i o n", IX., Niißdorferitraße 23 eine größere Aaitatioilsversammlung Referenten: Inx. R. Stricker, Dr. A. Sofer. Ferner eine Bczirksvcrsammlung im XX. Bezirke, Klosterneuburgerstraßc w. R e sr a n r a t i o n Schwarz, am M i t t w o ch den 2 t. d., 8 Uhr abends. Referenten: L e d e r e r, M a x, M a r k u 4. In Gemäßheit des bei der Protestversammlniig der galizischen Juden vom 1«. d. M. gefaßten Beschlusses begibt sich die gewählte Deputation Sonntag, den 18. November d. I mit IO Uhr vormittags zum K u l t u S v o r st a n d, l., Seitenstettengnffe 4, um ihm die von der Versammlung einstimnüg angenommene R e s o l u t i o n z u ü b e r r e i ch e n. Desselben Tages um 11 Uhr vormittags 1 Volksversammlung im Hotel Continental, II.. Tabor st ratze Nr. 4 statt, bei welcher die Deputation über den Cmpsang berichten wird. Kern G a r d e r o b e z »v a n g. Erscheinet zahlreich! Verein „I e h u d a h H a l e v y„. Samstag, den 17. l, M um ‘/ß ähr abends findet im Vereinslokale. XX.. Brigittenauerlände 22, l/19. ein hebräischer Vortrag des Herrn Gerson M a ck, statt. Thema Vorbehalten. Gäste willkommen. Sonntag, den >8. l. M. um l/a7 Uhr abends findet im Vereinslokale ein Vvrtrag statt. 'Referent und Thema Vorbehalten. Gäste willkommen. Jüdische ToynbceHalle, XX., Qthmarg. 46. Eintritt frei für jeden Erwachsenen. — Beginn der Vorträge an Wochentagen ‘/ß Uhr, Samstag, sowie an Sonn- und Feiertagen 7 llhr abends. Sampag Sonntag W o ch enpro g ramm: 16. Nov. 1906: Bileloortrag: Herr Nel.- Lehrer Leopold Weiß. 17. ,. 1906: Konzert. 18. 1906: Bilder aus dem Nechtsleben: Herr Redakteur Siegfried Fleischer. 19. ,. 1806: „Oesterreichische Geschichte" II. Herr Dr. Edmund Jerusalem. enstag 20. „ 1906: Ratnrwissenschastl. Cyklus (1.) Herr Dr. H. Müller. ittwoch 21. „ 1906: „Die Aufgaben der Frau in der Volkswirtschaft": Herr Leop. Spitzer. mnerstag 22. „ 1906: „Sport und Judentum": Herr Direktor Ernst Leinberger) eitag 2'. „ 1906: Bibelvortrag. „ nnjiag 24. „ 1906: Konzert. Die diesjährige Vortragssaison wurde am 4. Nov. t den höchst interessanten Ausführungen des Herrn Nabb. Dr. Fcnchtwang über Rabbi Mv r von Rottenbnrg eröffnet. Um das Gelingen des I. Konzettes, das am 10. d. M. stattfand, machten sich Frau Schmitz (Klavier) und Frau Raja Barber Waldberg (Gesang) sehr verdient und ernteten stürmischen Beifall für ihre meisterhaften Darbietungen. VereinsürunentgeltlichenArbeitsn a ch w e i s a n j ü d i s ch e H o ck, s ch ü l e r. Mit dem Anwachsen der jüdischen Bewegung sind auch die Bestrebungen, die materielle Lage der jüdischen Studenten zu bessern, allgemeiner geworden. Die, maßgebenden Kreise haben erkannt, welche Bedeutung es für die jüdische Sache hat, wenn unsere Akademiker von den drückendsten materiellen Sorgen befreit, die Möglichkeit haben, sich intensiver mit ihrem Studium und mit der jüdischen Frage zu beschäftigen. Als damaliger Obmann des L. K. hat schon Dr. S. Krenberger, der den jüdischen Studenten immer feiue_ besondere Aufmerksamkeit widmete, ein Bureau geschaffen, welches den jüdischen Studenten unentgeltich geistige Arbeit, insbesonders Lektionen vermitteln sollte. Das Bureau, dessen Instandhaltung mit großen Opfern verbunden war, ^nußte aber trotz verhältnismäßig guten Erfolges aufgelaffe» werden. Indessen ruhte die Arbeit nicht und cs gelang Dr. Krenberger, durch das edle Mitwirken hervorragender Männer des Judentums diese gute Sache auf eine breitere, sichere Basis zu stellen. Jnsbesonders hat sich der jüdische Philanthrop Dozent Dr. Josef Grünseld der Angelegenheit mit besonderer Wärme angenommen. Die endgiltige Eröffnung des Bureaus, die Mitte Mai stattfand, war das Werk des Vorstandes, dem folgende Herren beitraten: Dozent Dr. I. G r ün fekd, Dr. H. Wolf. Notar Dr. I. B e r m a n n, Dr. S. K r e nb e r g e r, F. Singer, Hofrat W. T a u ß i g, Hofrat E. Z u cke r ka n d l, I. Langer, Professor Dr. H. P o l l a k, Redakteur S. D r u t s ch, xkil. I. T h i eb e r g e r, Ml. I. C a r n i o l, med. M. Berliner, techn Flach, zur. L ö w. Unser gegenwärtiges Lokal- IX., Licchtensteinstratze 11, hat uns in dankenswertester Weise Herr Lucian Brunner, vollständig eingerichtet, gratis zur Verfügung gestellt. Trotz der vorgerückten Saison konnten wir im Vorjahre mehr a l s 20°/, der v o r g emerkten Studenten mit Stunden versorgen. Dabei mußten wir auch wiederholt konstatieren, welcher Aiisbcutimg der jüdische Hochschüler als Hauslehrer ausgeliefert ist. obwohl er an Tüchtigkeit den anderen gewiß nicht nachsteht. Unser Verein hat es sich zum Grundsätze gemacht, aus einem allerdings sehr mäßig angesetzten Minimum des Honorars unbedingt zu bestehen, um nicht die Position und Selbstachtung unserer Studenten zu untergraben. Wenn sich unser Verein durch allseitige Förderung entsprechend entwickelt, dann könnten von hier aus die Bedingungen, unter denen der jüdische Hochschüler seine kostbare Zeit opfert, im Jntereffe der Studentenschaft gebessert werden. Wenn auch ein Studentenkomitee sämtliche Arbeiten unentgeltlich leistet, so ist doch die Tätigkeit des Vereines mit großen Geldopfern verbunden. Bereits ist eine Reihe bedeutender Männer unserem Vereine beigetreten; bei dem edlen Zwecke, den unser Verein verfolgt, und bei dem geringen Mitgliedsbeitrag (3 K r o n e n jährlich) hoffen wir, daß alle, die für die Sache des Judentums und für die Entwicklung der jüdischen Studentenschaft Interesse haben, unsdrem Vereine beitreten werden. Beitrittserklärungen sind zu senden an den Verein für unentgeltlichen Arbeitsnachweis für jüdische Hochschüler IX., Liechtensteinstraße II. D e r j ü d i s ch e K o l o n i j a t i o n s - V e r e i n i n theilt niit. daß er vom Odessaer Komitee zur Förderung des Ackerbaues und des Handwerkes unter den Juden in Sprien und Palästina folgendes Schreiben erhielt: Ödes s a, den I5./28. Oktober 1906. An das Zentralkomitee des jüdischen.Kolonisations-Vereines Wien, ll,8, oircdlcrsirake Nr.!>. Sehrg e e h r t e H e r r e u! „Die Welt", Ar. 41 brachte uns Ihren Ausruf zur Gründung Ihres Palästina-Kolonisationtzvereines. Alls Komiiee einer der ersten Palästina-KolonisationSgesellschaften, gegründet vom unvergeßlichen 'Autor der „Autoemanzipation", Dr. Pinsler, beehren wir uns, Si» zu begrüßen und Ihnen erfolgreiches Wirken zu wünschen. Unsererseits werden wir immer bereit sein, Ihrem jungen Vereine mit unserer auf dem Gebiete der Kolonisation Palästinas lanjährig erlvorbenen Erfahrung zu dienen, und wir sprechen hicmit unseren innigen Wunsch aus, daß jede für Palästinakolonisation bestehende Institution ihre 'Arbeit mit den Arbeiten der anderen für denselben Zweck tvirkenden Institutionen koordinieren soll. Mögen aus allen Ecken der Erde Energieströme ausgehen, im Lande unserer Väter sich verbindend zum Wohl und Segen unseres Volkes. Mit vorzüglicher Hochachtung Präsident: M. Ussisch k in, Ingenieur. Palästinarcisc des zioni Zentralvereines, Wien. Wie aus Jerusalem depeschiert wird, ist die Reisegesellschaft daselbst am >2. d. M. wohlbehalien eingelangt. Seitens der jüdischen Bevölkerung wurde den Reis-te-lnehinern ein warmer Empfang bereitet. Auch der österr.-ung. Konsul hatte sich zur Begrüßung am Bahnhöfe eingcsunden. Aus d e r P l e n a r s i tz u n g ü e s K u l r u svorstandes vom 1l. R o o e m b e r 1906. Vorsitzender : Präsident Dr. Alfred Stern. Trauerkundgebung für den verstorbenen Erzherzog Affaire Dr. David (Siehe Artikel „Satisfaktion für — Dr. David). Spcnden-Einlanf. Dem Tempelvereine in Döbling wird behufs Errichtung eines ständigen Bethauses im XIX. Bezirke ein einmaliger Beitrug von K. 40.000 bewilligt, wogegen der Verein die Realität XlX., Dollingergaffe 3 erworben hat und sich weiters verpflichtet, dieselbe als Bethaus vollständig einzurichten und mit dem täglichen Gottesdienst ehemöglichst zu beginnen. Heber Anregung des Herrn Dr. Maximilian Steiner wird die Ettichtniig eines Ambulatoriums für Augenkranke im Spitale der Kultusgemeinde unter Leitung des Herrn Prof. Dr. S Klein mit je einstündiger Ordination an drei Tagen der Woche genehmigt. Erledigung diverser Stiftungs-Angelegenheiten und Snbventionsgesnche.

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.