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Neue Zeitung · 1906-11-16 · Heft 11 (16.11.1906) · p. Seite 4

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Journal
Neue Zeitung
Volume
1906
Issue
Heft 11 (16.11.1906)
Date
1906-11-16
Page
Seite 4 (sequence 4)
Language
German
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9lcuc Leitung Nr. 11 Wochenschau. In Gliniany (Galizien) wird das erste jüdische Sollshaus feierlich -ingeweihi. Masfeii-Prolestversammlunggalizischer Juden in Wien. Dr. D a_B i b wird wegen der gegen ihn gerichteten Angriffe von der Wiener Kultiisgemeindc eine Satisfaktion zuteil. A«s dem Parlamente. Die Spezialberatung der Wahlreform im Abgeordueteuhause nimmt ihren Fortgang — und man hat im allgemeinen Grund zufrieden zu sein. Natürlich aber nicht speziell hinsichtlich des jüdischen Anteiles an dem neuen Rechte. Da ist leider vom Plenuni nicht viel zu hoffen. Was wir nicht vom Wahlrcformausschuß erlangten, vom Abgeordnetenhause selbst werden wirs kaum crsiegen. Daß man deshalb auch jetzt nicht untätig bleiben darf, ist selbstverständlich. Und Herr Dr. Strauch er hat durch die Rede für die Juden als Nation, die er am Dienstag hielt, wieder einmal bewiesen, daß er auf der Warte siebt. Er kündigte an, daß er ein drittes Mandat für Czernowitz beantragen werde. Hoffentlich verstehen es die Nationaljuden,' dieser Forderung Nachdruck zu verleihen. Im übrigen hat Herr Dr. Straucher von den Schlachzizen eine bessere Meinung, als sie Verdienern Die Leute haben sich sicherlich nicht vom Gefühl der Gerechtigkeit leiten lassen, als sie den Juden die paar Wahlkreise hinwarfen. Daß sich die „Arbeiter-Zeitung" bewogen fühlte, die Ausführungen des Herrn Dr. Straucher mit unzutreffenden Bcnierkungen zu zieren, ist fast nicht mehr zu verwundern. Man ist ja an die Hartnäckigkeit und Harthörigkeit der führenden österreichischen Sozialdemokraten gerade in dieser Frage schon gewöhnt. Sie wollen sich in's Unvermeidliche ihres Judentums noch nicht ergeben . . . Sie Werdens auch lernen müssen. Hoffentlich. Bekanntsich ist die Bezirk-Vertretung der Leopoldstadt infolge der sehr unrühmlichen Passivität der Juden bei den letzten Gemeinderatswahlen einer antisemitischen Majorität in die Hände gespielt worden. Am 25. -Oktober fand nun die erste Sitzung der modifizierten Bezirksvertretung statt. Bei dieser Gelegenheit hielt Herr Bez-'rksrat Ernst Neustadt! eine Ansprache, de er, gegen nationaljüdische Anschauungen polemisierend, mit den Worten schloß: „Wir kannten und kennen keine spezifisch jüdische Interessen, wie Sie auch hoffentlich keine einseiügen christlichen Interessen kennen werden, sondern wir vertreten das Interesse der Mgemeinhcit, das Interesse des Bezirkes, das Interesse der Bürgerschaft ohne Unterschied der Nasionalität und der Konfession. Ich will hoffen, daß Sie einhellig meinen Ausführungen beistimmen und sich in diesem Sinne betätigen werden". — Wir fürchten sehr, daß sich Herr Neustadt! in seinen Hosprungen bald schwer getäuscht sehen wird. Denn die Christlichsozialen sind ja zugestandenermaßen Vertreter einseitiger christlicher Interessen. Mit einer jüdisch-nationalen Majorität im Lcopoldstädter Bezirksrat würde er sicherlich bessere Erfahrungen machen. Das i h in zu erklären ist allerdings nicht leicht, weil er offenbar den Unterschied zwischen exklusiven und nicht exklusiven Interessen nicht begreifen kann. Für ihn gibt es auch keine höhere Einheit, die die Mannigfaltigkeit leben läßt. Er lebt noch in seinem blassen wcltbürgerlichcn Gcdankenidyll, in dem cke facto jüdische und allgemeine Jntercffen gleichmäßig zuschanden wurden. Jüdisches Gymnasium in — Budapest. Der Vorstand der Budapester Israelitischen Knltnsgcmeinde hat am 12. d. M. beschlossen, ein jüdisches Gymnasium zu errichten. Geschehen Zeichen und Wunder? Eine „ncoloae", magyarisch-nationale Gemeinde ein jüdisches Gymnasium? Also eine vcritable konfessionelle Schule? Wenn man ihr zumuten wollte, eine uationale jüdische Schule zu errichten - das wäre dann Rückschritt! Schließung des Krakauer jüdischen Realgymnasiums. Man schreibt uns aus Krakau: Die jüdische Privatrealschule, die Dr. I u n g vor kurzem in Krakau cröffnete, ist behördlich geschlossen worden. Die chassidischen und polnischnationalen Juden hab.m es gewünscht, der Landesschulrat hat es gefordert und die Statthalterei hat es ausgeführt. Formeller Grund: Formasitäte.n. Den wahren Grund kennt man ja Im klebrigen ist das Vorkommnis eine neue Mahnung für unsere Stammesgenvssen, die Gründung von Schulen als öffentliche Sache zu betrachten. Wahl des Knltuspräsidenten in Lemberg. Durch den Tod des Rcichsratsadgeordnetcn Dr. Emil Byk wnr du Kultuspräüdenteustelle von Lemberg erledigt worden. Ain 8. d. M fand nun die Neuwahl statt. Sie fiel auf den bisherigen Vizepräsidenten Dr. Simon Schafs. Zum Vizepräsidenten wurde Dr. Josef C z es z o r getvählt. Zur Anerkennung her jüdischen Nationalität. Wir erhalten eine ans Czernowitz datierte Darstellung, welche die letzten Korrespondenzen der „Neuen Zeitung" über die Anerkenmmgssache richtigstellen will. In dieser Zuschrift heißt rs: „Die Sache wird so dargestcllt, als ob die akademische Verbindung „Hasmonaea" der Aktion in Frage der Anerkennung der jüdischen Nationalität an der Czernowitzer Universität hindernd im Wege gestanden wäre. Für Eingeweihte, die die Sachlage kennen, mag diese Entstellung kurios erscheinen, da doch hier bekannt ist, daß gerade der Standpunkt, den die akademische Verbindung „Hasmonaea" vertreten, durch den Beschlitß des akademischen Senates den Erfolg davongetragcn hat. Seit dem Beginn der Aktion war die akadeinische Verbindung „Hasmonaea" für die Anerkennung der jüdischen Nationalität tätig. Dies geht aus folgenden Belegen hervor: Als im Jahre 1903 die erste Studentenversammlung in dieser Frage stattfand, nahm die „Hasmonaea" hervorragenden Anteil an derselben und die Antwort auf die unterm 10. Februar 1903 (Zl. 376) dem akadeinischen Senate vorgelcgteu Resolutionen ist an sämtliche jüdischnationale akademische Verbindungen und der Finkenschast zu Händen des Senior der „Hasmonaea" erfolgt. Das diesbezügliche Schriftstück befindet sich in unseren Händen. An sämtlichen übrigen Studentenversaminlungen beteiligtesich die „Hasmonaea". Am 11. Februar 1906, a l s o n o ch i n d i e s e m Jahre referierte ein Mitglied der „Hasmonaea", canä. zur. Buchsbaum, in einer Studenchnversammlung mit der Tagesordnung „Anerkennung der jütischen Nationalität au der Universität" im Namen aller Verbindungen. In letzter Zeit machten sich allerdings verschiedene Anschauungen geltend. Herr Professor Dr. Leon Kellner hatte, da eine eigene Nationalitätsrubrik nicht vorhanden ist, die Hinzufügung einer Klausel „jüdische Nationallrät" in die Rubrik „Muttersprache" airgeregt. Im Sinne dieser Anregung propagierte nun die akademische Verbindung „Hasinonaea" die wahrheitsgemäße Ausstillung der „Muttersprache" unter Hinzufügungder Klausel „jüdische Nationalität", während die anderen Korporationen die demonstrative Ausfüllung der Rubrik Muttersprache mit „rumänisch" oder „ruthenisch" anrieten. Dieselben Herren, die den Kellner'schen Vorschlag und den Standpunkt der „Hasmonaea" bekämpften, nehmen nun den Erfolg, der doch im Sinne der Kellner'schen Anregung erzielt wurde, für sich in Anspruch, begnügen sich aber damit nicht, sondern versuchen das Bemühen der „Hasmonaea" herab z nfe tz e n. Wir haben die Ausfüllung mit „rumänisch" oder „ruthenisch" mißbilligt, weil wir überzeugt waren, daß zur Lauterkeit des angestrebten Zweckes sich auch die Reinheit der angewandten Mittel hinzugesellen muß. Am 21. Oktober 1906 ist aus der Feder des A.H. der „Hasmonaea" Dr.Marco Covler an leitender Stelle im „Czernowitzer Tagblatt" dieser Standpunkt vertreten worden und die Zucrkennung der 3t a tionalitätskkausel bereits an gekündigt worden. 8 Tage später ist der angckündigte Erfolg wirklich eingetreten. Noch im vorigen Semester soll übrigens im akademischen Senat das Zugeständnis der Berücksichtigung der Nationalikätsklausel in den statistischen Ausweisen der Universität in Aussicht genommen worden sein. Keineswegs aber als Folge der Demonstration durch Ausfüllung der Rubrik Muttersprache mit „rumänisch" oder „ruthenisch". Nach einer uns zugekommcnen Mitteiümg ist es nicht in letzter Linie den Bemühungen des vorjährigen Rektors Dr. H erzberg -F renk et zu verdanken, daß der Erfolg erzielt wurde. Durch allerhand kleinliche Zuschriften an die verschiedenen Blärter wird nun über alle diese Tatsachen zur Tagesordnung gegangen und unser .ehrliches Bestreben um die Erlangung der An-i erkennung der jüdischen 9?ationr.Iität in ein schiefes Licht gesetzt, um sich selbst herausstrcichen, da können. Das Eine vergessen aber die Herren, daß sie der Sache, die noch nicht endgiltig geregelt ist, keinen guten Dienst erweisen. Wenn die Universität sehen wird, daß es der Majorität der jüdischen Studentenschaft nicht so sehr um die Anerkennung der jüdischen Nationalität, als um die Inanspruchnahme des Sieges fiir die eine oder die andere Verbindung handelt so wird das gewiß nicht geeignet sein, die Aktion zu fördern und cs könnte leicht geschehen, daß die publizierte Kundmachung, die erst ministeriellen Genehmigung bedarf, den erwarteten Erfolg, den man jetzt schon in alle Welt hinausposaunt, nicht bringen wird. Wir hoffen deshalb, daß diesem unnützen Geplänkel ein Ende gesetzt wird und ernste Arbeit Platz Für die akad. Verb. „Hasmonaea" c'and. jur. E. Bäu m er, Von anderer Seite wieder wird uns über dieses Thema geschrieben: Czernowitz, im November 1906. Es raunt und rauscht im Blätterwalde! Sieg und Heil! Die Czernowitzer alma water hat die Nationalität der jüdischen S'.ndenten anzuerkcmien versucht. Jedenfalls ist die Sache bis z u m S o m m e r s e m c st e r 1907 e rl c d i g t. (Siehe Kundmachung des Rektorates!) Ob aber das Ministcriuin für Kultus und Unterricht die Verfügung der Czernowitzer Universität bestätigen, respektive eine andere treffen wird, b'.cibt dahingestellt. Es ist eher anzunehmen, daß man im Ministerium eine derartig heikle Frage der Zeit zur Erledigung anheiinstellcn wird. Sollte daher das Ministerium wider diese Verfügung aufheben, noch irgend eine andere treffen, so bleibt die des Senates in Kraft und wir werden uns damit zusticden geben müssen, unsere Nationalität „a n m e r k u n g s w e i s e" inr Jahresberichte der Universität ausgewiesen zu haben. Für einen mehr als vierjährigen Kampf jedenfalls ein minimaler Erfolg, aber immerhin der Ausdruck alles dessen, was im Rahmen, der Universitätsautouomie gelegen ist. — Und nun zur Nebensache! Ich meine den Kampf um die Palme. Hier wäre die bekannte Fabel von den Ringen sehr angebracht. Jede Gruppe der am Kampfe-beteiligten jüdischen Studenten glaubt im Besitze des echten Ringes zu sein und könnte der weiseste Richter nicht sagen, wessen Ring die Kraft des Erfolges hatte. „Der von Professor Kellner und (von ihm auf die „HaSmonaca" überkommene) der „Hasmonaea" vertretene Standpunkt — heißt in der einen Enunziation („National-Zeitung" vom 9. d.) — ist nun wirklich vorn akad. Senat gebilligt worden und auf Basis des Kellnerschen Vorschlages der volle Erfolg, wie angekündigt, eingctceten." „Ein bleibendes Verdienst der „Zephira" ist es, den Kampf ausgenommen und ihn, unterstützt von der „Hebronia" und „Einunah" auch zu Ende geführt zu haben" — heißt es in einer zweiten Enunziation („Neue Zeitung" vom 9. d.). Tatsache aber ist, daß es sich in diesem Punkte um die Vorschläge gar nicht gehandelt hat, sondern nur um den Kampf an und für sich. Die Vorschläge die gemacht wurden, wechselten ja. Der Vorschlag, den Herr Professor Kellner in der letzten Studentenversammlung gemacht hat, ist ja im Grunde genomme i, nicht nur von der „Hasmonaea", sondern auch von allen anderen Verbindungen gebilligt worden und wenn die sogenannte radikale Gruppe im letzten Semester andere Mittel gebrauchte, so war dies bloß eben eine Kampfcsart, von der sich die genannte Gruppe, die nebenbei bemerkt, die Majorität der jüdischen Studentenschaft ausmacht, den sicheren Erfolg verhieß. Inwieweit diese ihre Veraussetzung richtig war oder nicht, bleibt dahingestellt Mit derselben Berechtigung jedoch, mit die einen ihre Kampfesweise als zum Siege führend bezeichnen, mit ebensoviel Berechtigung können die anderen das für sich in Anspruch nehmen. Diese „Anderen" es sind dies die Korporationen „Emunah", „Hebronia", . „Zephirah" untereinander alle in durchaus gleicher Weise. Wenn es also in der oben genannten zweiten Enunziation heißt, es sei ein bleibendes Verdienst dev „Zephirah", die in dem Kampfe von der „Emunah" und „Hebronia" bloß unterstützt wurde, so wäre mir zu bedenken, ob es eine exzeptionelle Stellung gibt, wo es sich um einen

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