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Neue Zeitung · 1906-11-09 · Heft 10 (9.11.1906) · p. Seite 3

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Journal
Neue Zeitung
Volume
1906
Issue
Heft 10 (9.11.1906)
Date
1906-11-09
Page
Seite 3 (sequence 3)
Language
German
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Nr. 10 Neue Zeitung Seite 3 Die Wahlen in den Gemeindeausschutz von Sereth fanden in der Zeit vom 8. bis zum 16. Okt. l. I. statt. Unmittelbar vor den Wahlen wandte sich Herr Jsak Beral namens der Juden an mich, dahin zu wirken, daß die Ruthenen mit den Juden vereint iin 3. Wahlkörper Vorgehen. Ich nahm Fühlung mit den Ruthenen und fand dieselben zu einer Einigung mit den Juden bereit und dies umsomehr als die Deutschen sich in 2 Parteien geteilt haben und von denselben eine Unterstützung der Ruthenen nicht zu erwarten war. Hier muß ich hervorheben, daß die Ruthenen in Sereth mit der bäuerlichen Bevölkerung identisch sind und daß es mir darum zu tun gewesen ist, daß Vertreter dieser Klasse in die Gemeindevertretung gewählt werden, weil die Stadt Sereth die ihr gehörigen, im Besitze der Bauern befindlichen Felder zu verkaufen beabsichtigt und es daher eine zwingende Notwendigkeit ist, daß die Vertreter der Bauern direkt an den diesbezüglichen Beschlüssen der Gemeindevertretung teilnehmen, beziehungsweise unmittelbar von diesen Beschlüssen Kenntnis erhalten. Nachdem ich im Vereine mit dem k. k. Gerichtsadjunkten Dr. Kornel Mogilnicki die maßgebenden Bauern für die Einigung mit den Juden gewonnen habe, schloßen wir mit Herrn Jsak Beral den Pakt dahin, daß 3 Bauern und 3 Juden ferner 2 Deutsche, 1 Rumäne und 1 Neutraler in die Gemeindevertretung gewählt werden und zwar von den vereinigten Ruthenen und Juden. Ich nominierte nur die 3 Bauern, die übrigen Kandidaten wurden von Herrn Jsak Beral im Einvernehmen mit seinen übrigen Parteigenossen bestimmt. Die so aufgestellte Liste ging durch und fiel es keinem der Stadt wohlwollenden Menschen ein, dagegen irgendwie zu protestieren. Beim Abschlüsse des Paktes wurde vom Herrn Beral ausdrücklich betont, daß sich derselbe nur auf den dritten Wahlkörper beziehe und hieß es ausdrücklich, als Dr. Mogilnicki vom 1. Wahlkörper Erwähnung tat: „Von dem reden wir nicht." . . Auch j Herr Dr. Jsak Kohn war bei einer Besprechung anwesend und wird es gewiß als wahr bezeichnen, daß nur vom 3 Wahlkörper die Rede gewesen ist. Als nun der 2. und der 3. Wahlkörper wählen sollten, kam abermals Herr Jsak Beral zu mir und stagte mich, wie ich mich zur Wahl in diesen Wahlkörpern verhalte. Obwohl ich wußte, daß die christlichen Wähler sich vereinigt und verpflichtet haben, für eine „judenreine", (um den Ausdruck des Artikels zu gebraucheu) Liste zu sümmen, so glaubte ich doch nicht, daß diese Vereinigung bis zur Wahl bestehen bleiben werde und, indem ich dies Herrn Beral mitteilte, riet ich ihm, sich bei einigen, maßgebenden Wählern des Wahlkörpers zu informiereu und sodann mir das Ergebnis seiner Rücksprache mit den betreffenden Herren mitzuteilen, worauf ich sodann mich entschließen werde. Hiebei machte ich den Herrn Beral darauf aufmerksam, daß, wenn die Juden Mandate im 1. Wahlkörper in Anspruch nehmen wollen, es angezeigt wäre, den Christen im 2. Wahlkörper ein Mandat zuzuerkennen. Auf diese Weise würden sie den Ruthenen ermöglichen, im 1. Wahlkörper für 2 jütische Mandate zu stimmen. Herr Beral sagte mir zu, in höchstens 2 Tagen mir Auskunft zu geben, kam aber nicht wieder und habe ich mit demselben bis heute nicht mehr gesprochen. Im 2. Wahlkörper wurde aber den Christen kein Mandat gewährt und dies brachte die christlichen Wähler in Austegung. Als ich mich bei den Juden erkundigte, warum man mit den Ruthenen keine Rücksprache pflege, wurde mir im Vertrauen mitgeteilt, daß die Deutschen, um keinen Ruthenen im 1. Wahlkörper aufkommen zu lassen, mit den Juden paktieren und erst, wenn dieser Pakt nicht zu Stande kommt, mit den Ruthenen des 1. Wahlkörpers paktiert werden wird. Ich und Dr. Mogilnicki enthielten uns jeder Zusage an irgend welche der Parteien, weil wir uns den Juden für verpflichtet hielten, wurden aber von diesen ganz einfach ignoriert. So entschloß sich denn Dr. Mogilnicki erst am 14. Oktober l. I., also einen Tag vor der Wahl, in eine Versammlung der christlichen Wähler zu gehen und sich mit diesen Wählern zu vereinigen, da dortselbst eine genügende Vertretung seiner Gesinnungsgenossen vorgesehen war.; Ich enthielt mich jeder Parteistellung und ging erst zur Wahl als ich hiezu von mehreren christlichen Wählern ersucht wurde. Zuvor erklärte ich jedoch jedermann, daß ich für keine, der beiden Listen in Gänze stimmen werde, sondern mir Vorbehalte, mir die Kandidaten nach Belieben zu wählen. Da auf beiden Listen derartige Personen kandidiert waren, die ich nicht recht auslassen konnte, so stimmte ich nach meinem besten Wissen. Hiezu war ich vollkommen berechtigt, da ja gerade ich von den Juden brüskiert worden bin. Bei der Abstimmung durch mich hat es nicht den Ausschlag gegeben, daß der eine oder der andere der Kandidaten Jude gewesen ist, sondern der Umstand, daß die Personen, denen ich die Stimme gab, mir vertrauenswürdiger schienen, als diejenigen, welche von den Juden kandidiert wurden. Dies ist der wahre Sachverhalt und nimmt es mich überhaupt Wunder, daß sich die Juden, die doch 13 von 30 Mandaten erworben haben, zurückgesetzt und brüskiert fühlen, obwohl ihnen nach der Bevölkerungsziffer eine größere Vertretung nicht gebührt, und obwohl sie diejenigen sind, die die Ruthenen nach Ausfall der Wahl im III. Wahlkörper nach ihrem Willen sofort verließen und mit anderen Parteien zu paktieren begannen. Daß die Juden sich diesmal verrechnet haben, ist dem zuvor gesagten zufolge doch gewiß nicht Schuld der Ruthenen. Es sind nämlich stets im I. Wahlkörper so viele Parteien gewesen, daß eine einheitliche Liste niemals durchdringen konnte. Dies hatte zur Folge, daß die Juden auch im I. Wahlkörper Mandate erhielten, manchmal in einem ihre Zahl weit übertreffenden Maße (im Jahre 1904 18 von 30). Daß dies dieses Mal mißlungen ist, ist einzig und allein der verfehlten Taktik der Juden, die unter sich uneinig und ohne Bundesgenoffen dastanden, zuzuschreiben. Wie da die Ruthenen dazu kommen, dafür zur Verantwortung gezogen zu werden, verstehe ich nicht. Ich glaube, daß die Ruthenen als gleichwertige Bundesgenossen anzunehmen waren und es verfehlt war, von mir anzunehmen, daß ich meine Stimme nach Wunsch abgeben werde, um nur nicht judenfeindlich zu gelten. Gegen diesen Vorwurf glaube ich mich geschützt. Es ist somit klar, daß die Juden diejenigen waren, die den Bund der Ruthenen im II. und I. Wahlkörper nicht wollten und weil die Wahlen ihrer Ansicht nach zu ihren Ungunsten ausgefallen sind, jetzt einen Prügelknaben suchen. Die Berufung in dem Briefe auf die Unterstützung bei den Landtags- und Reichsratswahlen ist gewiß nicht am Platze, da aus diesen in Sereth besonderen Verhältnissen auf die Landes- und Reichspolitik doch gewiß nicht geschlossen werden kann, zum mindesten wäre es kurzsichtig dies UeLrigens erkläre ich offen, daß ich weder um den Preis eines Landtagsnoch eines Reichsratsmandates die Rechte der Ruthenen geschmälert wissen will; von diesem Grundsätze werde ich niemals abweichen. Sollten Sie geehrter Herr Kollege es für gut finden, von diesem Brief Gebrauch zu machen, so bitte ich es in beliebiger Weise Mit dem Ausdruck der ausgezeichnetsten Hochachtung A. Mallek. Nun hat wieder Herr Dr. Isaak Kohu das Wort. Und möchten wir die Hoffnung ausdrücken, daß sich die Sache schließlich in Wohlgefallen auflöse. Die Redaktion. Wochenschau. Hetze gegen die galizischen Juden in der Synagoge. Wien, 6. November 1906. An den Herausgeber und Chestedakteur der „Neuen Zeitung", Herrn Dr. Nathan Birnbaum in Wien. In der Nr. 9, der von Ihnen herausgegebenen „Neuen Zeitung", Seite 4, machen Sie unter der Ueberschrift „Hetze gegen die galizischen Juden in der Synagoge" Mitteilungen über eine von mir angeblich gegen die galizischen Juden gehaltene Predigt. Unter Berufung auf § 19 des Paßgesetzes ersuche ich Sie, folgende Berichtigung in )ie nächste Nummer Ihrer Zeitung auszunehmen; 1) Es ist unwahr, daß ich Ztuchem Schapira zum Leitmotiv meiner Predigt gemacht habe. 2) Es ist unwahr, daß meine Predigt gegen die galizischen Juden gerichtet war. 3) Es ist unwahr, daß ich die Wiener jüdischen Kaufleute aufgefordert habe, mit den galizischen Juden alle Handelsbeziehungen abzubrechen. 4) Es ist unwahr, daß ich den Ausspruch Jeremias: „Von Norden kommt alles Unheil", überhaupt zittert habe, also auch unwahr, daß ich denselben auf die galizischen Juden angewendet Wahr ist vielmehr, daß ich in meiner Predigt über das wahre Wesen der Religion gesprochen und dargetan habe, daß die Art von Frömmigkeit, die sich in der Beobachtung gewisser äußerlicher Formen und Observanzen betätigt, dabei aber gegen die Grundsätze des Rechts und der Moral sich vergeht, vom Standpunkte der jüdischen Lehre in höchstem Grade verwerflich und verabscheuungswürdig ist. Unter Hinweis aus den Prozeß Nuchem Schapira, dessen Namen ich übrigens ebensowenig wie etwa einen seiner Mitschuldigen nannte, führte ich des Weiteren aus, daß die in demselben zu Tage tretenden häßlichen Erscheinungen hauptsächlich in den traurigen wirtschaftlichen und kulturellen Verhältnissen der armen jüdischen Bevölkerung in Galizien ihren Grund haben. Ich schloß darum meine Rede mit einem warmen Appell an alle edelgesinnten Glaubensgenossen, alle auf die kulturelle und wirtschaftliche Hebung der ärmeren Klassen der galizischen Judenheit gerichteten Bestrebungen aufs eifrigste zu fördern und insbesondere auch die in manchen Schichten derselben verbreiteten Vorurteile gegen die moderne Schulbildung womöglich durch persönliche Einwirkung zu bekämpsen. Hochachtungsvoll Dr. E. D a v i d Rabbiner der israel. Kultusgemeiride. Zu vorstehender Berichttgung haben wir zu bemerken: Der Bericht in der vorigen Nummer unseres Blattes beruhte auf den übereinstimmenden Mitteilungen mehrerer Berichterstatter. Diese waren wohl hinsichtlich der Aeußerungen über die abzubrechenden Handelsbeziehungen und das Unheil, das aus dem Norden kommt, von irgend einer Seite irregeführt. Denn wir konstatteren gerne, daß viele Zeugen der Predigt, die später zu uns kamen, speziell diese Aeußerungen nicht bestätigten. Aber wir müssen auch hervorheben, daß sämtliche Einvernommenen, und es ist eine stattliche Anzahl, erklärten, daß die Predigt, abgesehen davon, daß sie eine ganz seichte Beobachtung der einschlägigen Verhältnisse verriet, auf den Gedanken hinauslief: So was kann man nur von galizischen Juden erleben. So empfanden es die Zuhörer und so empfand es ein bedeutender nichtgalizischer Gemeindefunktionär, der sich äußerte, er wundere sich, daß die Galizianer Ruhe bewahrt hätten. Und das geht sogar aus der vorstehenden Berichttgung des Herrn Dr. David selbst hervor. Wir sind der Ansicht, daß schon das Anschneiden des galizischen Themas mit Hinweis auf den Schapira-Prozeß eine beleidigende Unzulässigkeit war. Und wir machen hiefür vielmehr als den Herrn Dr. David, der vielleicht in seiner Individualität gelegene Milderungsgründe für sich hat, das System verantwortlich, dessen führende Träger seit jeher der Frage „Ost und West" mit idyllischer Anmaßung und nicht zu überbietender Unreife gegenüberstehen. Wie sehr wir mit unserer Entrüstung gegen die vielbesprochene Predigt Recht haben, beweist übrigens am besten folgende Stelle aus dem Protokoll der letzten Plenarsitzung des Kultusvorstandes, die unter dem Vorsitze des Präsidenten, Herrn Dr. Alfted Stern am 1. November stattfänd. Es heißt in diesem Protokolle: Tie Herren Salo Landau und Baurat Marmorek stellen folgende Interpellation: „Im jüdischen Publikum wird allgemein die Behauptung aufgestellt, daß der Rabbiner! Herr Dr. David bei einer Predigt, welche er

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