Mannheim
Compact Memory

Neue Zeitung · 1906-10-25 · Heft 8 (25.10.1906) · p. Seite 6

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Neue Zeitung
Volume
1906
Issue
Heft 8 (25.10.1906)
Date
1906-10-25
Page
Seite 6 (sequence 6)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
94% known words query
IRI
…/2430890-2430891-2430899--071-2431040
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

Seite 6 Neue Zeitung Nr. 8 Sprache und Volk näher zu bringen, fehle niemand, der für beide Herz hat, bei unserem Werke! Wir wollen erwachen, um diese Idee zu stärken, damit wir ein Beispiel werden, wie dereinst. Programm des hebräischen Klubs: t. Täglich im Lesesaal des Vereins, IX., Türkenstraße 9 Konversation; Lektüre hebr. Zeitungen. 2. Einmal wöchentlichliterarischer Abend, respektive Konzert. 3. Aufführung hebräischer Schauspiele. 4. Vorträge über Literatur, Kunst, Geschichte, Zionismus. 5. Kurs fiir Anfänger. 6. Kurs für hebr. Gesang unter Leitung eines jüdischen Komponisten. 7. Herausgabe hebräischer Schriften. Anmeldungen nimmt der zionistische Zentralvercin in Wien schriftlich und mündlich in seinem Lokale IX., Türkenstraßc 9 entgegen. Stifter ist, wer einmal X 100 — Gründer, wer durch 3 Jahre X 20.— Mitglied, wer jährlich K 4.— zahlt. Förderer (nur für Mitglieder anderer zionistischer Vereine) X 2.—. Der Vorstand des Zionistischen Zentralvereins in Wien: Dr. I. Margulies Adolf Böhm Präsident. Schriftführer. P alästinabend. Montag, den 29. d. M. verananstaltet der Zionistische Zentralverein in Wien zu Ehren der hier weilende» Teilnehmer an der diesjährigen Palästinareisc im Hotel G n t h, II., Stephaniestraße 16, einen Palästinaabend. Programm: Begrüßung der Teilnehmer. Adolf Böhm: Unsere Ziele in Palästina. Dr. Leopold Weisel: Unsere Arbeit in Palästina. A. G r a j e w s k i aus Jerusalem: Der neue Kurs in Palästina. Beginn präzise 8 Uhr abends. Gäste willkommen. Die studentischen Korporationen und Einzelpersonen, welche Sammelbogen für das Herzldenkmal in P a l ä st i n a erhalten haben, werden hiemit dringend ersucht, die Bogen und die gesammelten Beträge an die Adresse tech. Otto Krasuy, Wien I., Johanncsgasse 3, einzusenden. Studentenkomitee zur Errichtung eines Hcrzldenlmals in Moza bei Jerusalem. Czechische Kurse. Auf dem von der jüdisch-akademischen Verbindung „Jvria" für den 8. September nach Mähr.-Ostrau einberusenen Studententage der jüdischen Hochschüler Mährens und Schlesiens wurde eine Resolution gesaßt, durch welche die jüdischen Akademiker in ihrem eigen wirtschaftlichen und nationalen Interesse aufgefordert werden, sich die genaueste Kenntnis der czechischeu Sprache anzueignen. Das Präsidium des obgenannten Studententages veranstaltet nun in Wien unentgeltlich czechische Kurse unter Leitung von Hochschülern, die an czechische» Mittelschulen maturiert haben. Spezielle Kurse für Anfänger und Vorgeschrittene. Anmeldungen sind zu richten an J. D. C. Hermann L ö w, IX., Müllnergasse 22 oder cand. ing. Bernhard Gleitsmaun, IV., Heumühlgasse 14 H ebräische Fortbildungskurse für Mittelschüler in Wien-Floridsdorf. Man schreibt uns aus Floridsdorf: Behufs Erweiterung des Wissens unserer Mittelschüler in dem heiligen Schrifttum, sowie in der hebräischen Sprache, hat unser ehrwürdiger Herr Bezirksrabbiner Dr. M. R os e n m a n n an der hierorts bestehenden Talmud- Thora-Schnle eine eigene Abteilung für Mittelschüler eröffnet. Diese Einrichtung crfteut sich der Sympathien der Gemeindemitglieder. Poale Zion. Samstag, den 27. d. M. findet im Vereinslokale der „Poale Zion". Wien, 11., Obere Donaustraße 57 eine Versammlung statt, in welcher der Bericht des III. Poale Zionistischen Parteitages in Lemberg von Herrn Kaplanski- Kaplan erstattet wird. Gäste he^lich willkommen. Akademische Verbindung „Hasmonaea" Czernowitz. Die am 14. d. M. stattgefuudene Chargenwahl für das XXXI. (Winter-) Semester ergab folgendes Resultat: cand. jnr. Esriel 93 üum er, X (Senior) stud. jur. Moses Fischer XX (Consenior), cand. jur. Alexander Schapire XX X (Schriftführer). Wir erhalten vom Ausschuß des Vereines „A h aw a s s 3 i o n" in Gliniany folgende Zuschrift: Löbliche Redaktion! . „In Ihrer Wochenschrift Nr. 7 ist unter anderem mitgeteilt, „daß auch in Gliniany ein jüdisches Volkshaus gebaut wird". Wir bitten Sie, richttg zu stellen, daß das jüdische Volkshaus in Gliniany beretts fertig ist und daß die Einweihung bereits am 4 November d. I. mit folgendem Programm gefeiert werden wird: Begrüßung der Gäste: Präsident des Vereines. Absingen des Cap. dliswor scbijr cbanukass habajiss: Herr Kantor Israel Deutsch. Tendenzrede: Herr Professor M. Balabon, Lemberg. Einweihungsrede: Herr Rabbiner Dr. Brande, Stanislau. Festtcde: Herr Adolf Stand, Lemberg. Schlußrede: Herr Dr. Zipper, Lemberg, Hochachtungsvoll: Für den Ausschuß: Chaim Barall. „Die politische und wirtschaftliche Lage der Juden in Oesterreich" stand aus der Tagesordnung einer sehr gut besuchten und von Herrn B ojko präsidietten Versammlung die die „Jüdische Vereinigung" inWren am 18.d. veranstaltete. Referent war Herr Luzian Brunner, der, in seiner gewohnten, nüchternen und doch humorvollen Art den Gegenstand dehandelte. Es spraäien aber nach ihni noch eine ganze Reihe von Rednern. Besonderen Eindruck machte die Rede des Herrn Löhner, eines Kadimahners, der sich in entschiedenen und fteimütigen Worten nnd mit der wohltuenden Lebhaftigkeit der Jugend für eine volle Aktivität der Zionisten in den Tagesftagen aussprach. Mit Herrn Dr. Weisen grün kam die zionistische ' Offizialität zum Worte, und die Versammelten hatten Gei legenheit, auch aus dem Munde dieses Redners das Bekenntnis zur „Gegcnwartsarbeit" zu hören. Zwischen ihm und Herrn Dr. L i f c z i s, einem Vertreter der alten „Jüdischen Volkspartei" kam es übrigens' zu einem lebhaften Gefecht, das von beiden Seiten mit vieler Geschicklichkeit geführt wurde, für die Versammelten aber das angenehme Ergebnis hatte,' daß eigentlich eine Uebereinstimmung der beiden Gegner zutage kam. Skeptischer gegenüber der nationaljüdischen Gegenwartsarbeit klangen die Ausführungen des Poalczionisten Herrn Herz und des Territorialisten Herrn Schacher!. Doch gaben auch sie die Nottvendigkeit einer solchen Tätigkeit zii.sHerrSchnller erinnerte angesichts des Zusammenstoßes zwischen dem Zionismus und Tcrritorialismus an die Tagesordnung und an den Zweck der „Jüdischen Vereinigung", die er in knappen Worten auseinandersetzte, Herr Dr. Birnbaum sprach seine Freude über die Rede des Herrn Löhner aus,. wies auf die zu unheimlicher Stärke gediehene Zersplitterung im nationaljüdischen Lager als eine Frucht des Fanatismus und auf die einigende Kraft der aktuellen nationalen Arbeit hin. Schließlich hob Herr Dr. Kadi sch ganz richtig hervor, daß der Abend, trotzdem stellenweise die Gegensätze mit großer Wucht aufeinanderplatzten, eine sieghafte Uebereinstimmung der Ueberzeugungen bezüglich der Notwendigkeit einer vollen national- und sozialpolitischen Tätigkeit der österreichischen Jüdisch-Nationalen ergeben habe. - — „P. P S." Aus Lemberg wird uns geschrieben: Nichts drückt vielleichl die liefe Zerfahrenheit des jüdischen Volkes in diesen Zeitläuften mehr aus, als diese hunderte von Parteinamen, die nachgerade soviel werden, wie der Sand am Meere. Und nichts paßt mehr zu dieser Dcgenerationserscheinung als die garstigen Anfangsbuchstaben-Namen, die jetzt so in Schwung gekommen sind. Das kleinste russische oder galizische Städtchen widerhallt von den wechselseitigen und und abwechslungsweisen Kämpfen zwischen P. P. S„ Z. P. S., S. S. u. s. w. Die „P. P. S," (Polnische Sözialdemokratenpartei) ist ja allerdings keine jüdische. Aber sie hat eine jüdische Sektion, Natürlich gibt sich die jüdische Sektion der „P. P. S." alle Mühe, ihren proletarischen Gegnern, die „Z. P. S." (Jüdische Sozialdemokraten, „Separatisten")»»!, den Poale Zion den Rang abzulaufen. Viel Glück haben sie dabei nicht. Freitag veranstalteten sie einen Vorttag über den letzten poale zionistischen Kongreß. Die Poale Zion kamen nicht, dagegen die Separatisten und der Schlußeffekte waren Handgreiflichkeiten. Für den 13. hatte die Sektion eine Volksversammlung einberufen. Aber die Mehrheit der Erschienenen waren „separattsttsch", so daß Separatisten, die Herren Katz und Necker zu Vorsitzenden gewählt wurden. Es ist aber nichts zu machen. Die jüdischen Arbeiter sind für polnische Organisationen das heißt für den Gedanken der Assimilation, in nennenswerter Zahl nicht mehr zu haben. Wissenswertes. Die Juden in der russischen Armee. Angesichts der Beschuldigung, daß sich die russischen Juden in größerem Prozentsätze als die Christen dem Militärdienste entziehen — was übrigens bei den augenblicklichen Verhältnissen nur sehr vernünftige Notwehr wäre — und angesichts des „echt russischen" Antrages, die Inden vom Militärdienste auszuschließen, ist folgende statistische Zusammenstellung interessant: Nach den offiziellen Daten der Volkszählung von 1897 (einstweilen die einzige) beträgt die Zahl der russischen Juden 5,215.805, also 4-15% der ganzen Bevölkerung Rußlands. Die Zahl der Militärpflichtigen beträgt 1,241.819 Mann, darunter 54.277 Juden, d. h. 4-37% oder 0-22% über das normale Verhältnis. Aber auch diese Daten sind noch nicht richtig. Wenn wir die Zahl derjenigen Kriegsgruppen abziehen, zu welchen Juden aus Grund des Gesetzes nicht zugelaffcn werden, nämlich Generalität und Offiziere 97 165, Marinemannschaften 24,374, Grenzwache 25.258, Offiziere der Marine und Grenzwache, Kanzleibeamte, Topographen usw. 41.919, und den Anteil der Juden nur im Verhältnis zu den Genieinen der Armee (1,052.094) berechnen, so ergibt sich ein Prozentsatz von 5-19. Es betmg also die Zahl der jüdischen Soldaten im Jahre 1897 53.194. Da aber nach dem Prozentsatz der Bevölkerung die Zahl der jüdischen Soldaten nur 42.709 ausmacht, so ergibt sich ein Mehrbettag von 2500 bis 3000 jüdischer Soldaten, Inden in Paris. In Paris leben etwa 20.000 ftanzösische und 50.000 Ostjuden. Die ftanzöflschen Juden gehören meist dem wohlhabenden Bürgerstande an, die Ostjuden sind meist „kleine Leute" und Proletarier. Die französischen Juden haben zwei, die östlichen Juden zwölf Synagogen. Ostjuden in Amerika. Wir möchten auf folgende Stelle in einem S o k o l o w'schen Artikel in Nr. 42 der „Welt" aufmerksam machen: . Politisch ist es unbedingt besser, daß die Juden in großen Massen Zusammenleben. Sie gewinnen ein Sicherheitsgefühl, sie kriegen Selbstachtung, und man muß mit ihnen rechnen. Man ■ muß ihre Interessen schonen, man muß auch manchmal um ihre Gunst werben. Die Umgebung kann sie nicht verschlingen; die Portton ist zu groß. Sie bilden ein gewisses Milieu. Dieses ist in Amerika nicht besonders sympathisch; es ist ein Jargon in höchster Potenz, nicht nur in bezug auf Sprache, sondern auch auf die Sitten der zusammengewürfelten Elemente, ein heilloser Mischmasch, eine Auflösung der alten Traditionen, eine Zerstörung des Blütenschmelzes, der intellektuellen und seelischen Ghettoromantik, ein Niedergang des Hebraismus, ein parvenüartiger, sich spreizenderund lärmender Humbuggeist, ein hohles, am harez'sches aufgebauschtes Wesen; aber es ist doch ein Etwas, aus dem sich die jüdische Eigenart mit der Zeit herausarbeiten wird." Wir können uns mit vielem, was da in jedenfalls geistvoller Weise gesagt ist, nicht identifizieren, gerne aber mit den ersten Sätzen und mit dem Ausblick auf die Zukunft am Schlüsse. Im selben Artikel macht Sokolow auch folgende humorvollen, aber nichtsdestoweniger sehrlehrreichen Bemerkungen: „Mr. Cyrus Sulzberger sagte mir, daß so viele Leute mit Jargonblättern in der Hand in New Jork lesend herumgehen und in den Eisenbahn- und Tramwagen herumsitzen, daß es den Anschein hat, daß jeder dritte Mensch in New Uork eine Jargonzeitung liest. Und es liest sie auch Mr. Cyrus Sulzberger, und es liest sie auch Professor Loeb, der Schwager des Mr. Jacob Schiff, und wer weiß, ob nicht Mr. Jacob Schiff in höchsteigener Person diese Blätter liest. Das ist die Kraft der Tatsachen." Moderne Kochrezepte. Die Kochkunst befindet sich heute in einer stürmischen Entwicklung, hervorgernfen durch das Eindringen von Ceres-Speisefett in die Küche. Jede Hausfrau hat . dabei ihre eigenen Erfahrungen gemacht. Damit diese allgemein bekannt werden, haben die Nährmittelwerke - „C e r e s" eine Preiskonkurrenz für moderne Kochrezepte ausgeschrieben. Jede Hausfrau kann die ihr geläufigen Speisen mit Ceres-Speisefett bereiten und dann ihre Rezepte cinschicke». Es sind Preise bis zu 15.000 Kronen ausgcsetzt. Adresse:. Ceres Preiskonkurrenz, Wien, XVII., Hauptstraße 67. Kunst und Kiterntnr. Jüdischer Knnstverein in Warschau. Man schreibt uns aus Warschau: Hier ist ein Verein in Gründung - begriffen, dessen Entstehen und erste Schritte von der nationalen Kraft und Frische Zeugniß ablegt, die trotz aller Pogroms und pogromarttger Revisionen im östlichen Judenttim wohnen. Ich meine den jüdischen Kunstverein „II a s o m i r“. Jüngst fand eine Sitzung des vorbereitenden Komitees statt, um das Arbeitsprogramm des Vereines festzustellen. — Nach längerer Debatte wurde folgende Resolution angenommen: „Der Verein „Hasomir“ hat den Zweck, die jüdische Kunst zu fördern und zu entwickeln, und die Kunst überhaupt zwischen den Juden zn verbreiten. In der ersten Zeit wird er sich nur mit Musik und Literatur befassen, und später seine Tätigkeit erweitern." Eine lebhafte Diskussion entwickelte sich auch über die Frage, in welcher Sprache auf der demnächst einzuberufenden allgemeinen Versammlung referiert werden solle. Schließlich einigte man sich in folgendem Sinne: Eröffnung der Versammlung in jüdischer Sprache. Erstes, kurzes Referat hebräisch. Zweites, ausführliches Referat jüdisch. Wenn sich die Notwendigkeit Herausstellen sollte, noch ein drittes Referat polnisch. Der Verein hat, wiewohl er eigentlich noch gar nicht in die große Oeffentlichkeit getreten ist, schon 150 Mtglieder. Neues hebräisches Wochenblatt. Vom Januar 1907 ab erscheint in Berlin ein hebräisches Wochenblatt unter der Redaktion des bewährten Schriftstellers Dr. S. B c rn f c l d. Herausgeberin ist die Gesellschaft „Ssinai". Neue hebräische Tageszeitung. Der Redakteur des „Hazophe" L. Frie d m a n n erhielt die Erlaubnis, in Kiew ein Blatt.„Hazopbs Wfhamabit" herauszugeben. Max Jungman, „Dornen". Gedichte. Verlag Simonis Berlin >906. Das ist einmal ein Band jungjüdischer Poesie, der mit ungetrübter Freude begrüßt werden kann. Max Jungmaun ist uns kein Fremder. In dem leider eingegangenen „Schlemiehl" haben wir oft Proben seiner starken, satyrischcn Begabung gesehen, und es ist gut, daß er diese verstreuten und zerpflückten Blätter zu einem Ganzen vereinte.. . Was ich als besonderen Vorzug dieses Bändchens rühmen möchte, das ist die gänzliche Ignorierung der Gewässer Babels, an deren Ufer wir

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.