Neue Zeitung
- Journal
- Neue Zeitung
- Volume
- 1906
- Issue
- Heft 8 (25.10.1906)
- Date
- 1906-10-25
- Page
- Seite 7 (sequence 7)
- Language
- German
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Nr. 7 Neue Zeitung Seite 7 auf besonderen Wunsch unserer dichtenden Jungjuden, sitzen und weinen muffen. Max Jungmann greift mit vielem Glück keck in die Ereignisse des Tages, der Politik, und versteht es diesen pointierten Themen neue Pointen zu geben. Gelegenheit zur Kritik hat man ja draußen im Reiche nicht minder als bei uns. — Die wenigen rein lyrischen Gedichte des Buches sind merklich schwächer, und können wegen ihrer grellen Kontraste, (bewußte Führung!) meinem Empfinden nicht zusagen. Aus dem Ganzen aber spricht ein ehrliches, nationales Empfinden und ein starkes Talent, so daß wir ruhig hoffen, Max Jungmann in der jnngjüdifchen Literatur noch oft zu begegnen. MaxSchacberl. Das Storchmärchcn. Von Max Bennesch und E r n st F r i e d m a u n. Verlag: I. Eisenstein u. Co. Wien und Leipzig (1906). Da erschien vor einiger Zeit eine unscheinbare Broschüre über ein gewagtes Problem und mit dem ins Auge fallenden Titel „Storchmärchen". Inhalt: Dem Storchmärchen eine Kriegserklärung und eer gesunden Aufklärung Äas Buch gilt unfern Kleinen, unfern Halbwüchsigen, speziell jenen, die am Kreuzweg der Erziehung stehen. Hie Anstand — hie Aufklärung, hie falsche Scham — hie gesunde Moral. Dieses kleine Merkchen, mit der zielbewußten Moral und den zwei Vätern, hat aber einen wirklich guten und anschaulichen Inhalt. Vor allem haben die Verfaffer etwas, was das Buch äußerst sympathisch macht, ihm den gefürchteten, pädagogischen Prcdigertou nimmt — eine frische, freundliche Sprache, die über das Belehrende, Dogmatische weghilft. Wenn man bedenkt, welch heikles, gefährliches und leicht mißzuverstehendrs Gebiet betreten wird, wie ties oft „die erste Aufklärung" in das ganze, fernere Leben einschueidet und welche Leiden und Schmerzen sie mit sich bringt, kurz gesagt, wenn man beachtet, wie schwer es ist, bei jungen, empfänglichen und empfindsamen Kinderseelen den richtigen Ton zn treffen, so muß man sagen, daß die Verfaffer des „Storchmärchens" ihre Aufgabe erfüllt haben. Und dieses kleine Evangelium der Wahrheit sollte „auf jedem Geburtstagtische prangen", nicht S-.orch- und andere gefllhrlicho Märchen. Thekla Blech. Mir der Kerditschemrr Zaddik) liMert wurde. (Eine chassidische Legende.) Nach dem Jüdischen des Weiß-Lewin von Jwri (Czeruowitz). Aufregung herrschte unter den Himmlischen. Furcht und Kummer ergriff die Engel, denn der „Tag des Gerichtes" war herangekommen. Auf dem „Stuhle des Erbarmens" sitzt der himmlische Vater, der König des Rechtes, mngeben von der Schar seiner Getreuen. Vor ihin liegen geöffnet die Bücher des „Lebens" und des Todes", denn heute wird die ganze Welt gerichtet. Der Satan, dem seine Garde auf dem Fuße folgt, ist heute überaus beschäftigt. Unermüdlich und ohne Unterbrechung schleppt er schwere Säcke, gestillt mit Sünden des abgelaufenen Jahres, herbei. Große, schwere Säcke und drinnen eine Unmasse von Sünden, wer vermag sie zu zählen? Die guten, frommen Engel weinen und betrauern die armen Menschenkinder, die im vergangenen Jahre soviel gesündigt haben, die schlechten aber und schadenfrohen tanzen vor Freude. Fest zusammengebunden und versiegelt sind die jüdischen Sünden. Die großen sowohl wie die kleinen, die schweren wie die leichten. Die Sünden der „Vornehmen", der „Kahalversorger", befinden sich ausschließlich in der Hand des Satans selbst. Die Sünden des gemeinen Volles aber liegen haufenweise im Himmel herum, wer kümmert sich um die Sünden der Armen? Ein Aufseher führt genaue Rechnung über die Anzahl der Säcke, indem er auf jeden das Siegel des Satans drückt. Wie in jedem Post¬ oder Bahnmagazin stehen Wächter und bewachen die Säcke, damit nicht einer abhanden komme. In der Mitte des Himmels, im luftleeren Raume, hängen schwere und starke Wagschalen, auf die alljährlich, am „Rosch - Haschono", die „guten" und „bösen" Taten gelegt werden. Die Schale der „bösen" Taten ist groß, stark und massiv, die der „guten" klein und dünn. Engel stehen da und wägen die Säcke. Die Schale der Sünden wird von der auf ihr ruhenden Last nach unten gedrückt, während die andere, die der „guten" Taten immer mehr in die Höhe schnellt. Ihre Last ist ein winziges, kaum sichtbares Säckchen. Der Satan ist voll Freude und Jubel. Seine Begleiter übersprudeln von Lust und Fröhlichkeit. Die guten Engel aber weinen. Ihnen gesellen sich bald die Urväter zu .... Abraham, Jsak und Jakob knien hin vor den Thron des Allmächtigen und beten für ihre Kinder. „Herr der Welt, ge- ') Der Berditschewcr Zaddik, Rabbi Lcwi Jsak. galt als einer der größten „Wunderrabbis" seiner Zeit. Noch heute leben die Erzählungen seiner Wundertaten im Munde der Chassidim fort. denke des Bundes, den Du mit inir geschloffen", betet Abraham. „Sei eingedenk meiner Opferung", agt Jsak. „Vater, König, rette meine Kinder aus )er Hand des Satans", betet Jakob und vergießt Tränen. Plötzlich langt eine dünne Hand nach den Säcken, nimmt einen nach dem anderen und 'chleppt sie fort. Schon brennt ein Sack. Ihm ölgt ein zweiter und dritter. . . Nun kommt der vierte an die Reihe. So. oft der Satan sein wachames Auge von den Säcken wegwendet, macht ich jene Hand an die Säcke heran und wirft einen nach dem anderen in die Höllenflamme. Wer ist diese wunderliche Hand, die die armen Juden aus der Not retten will? Wer wagt es sein Leben in die Schanze zu schlagen? Wer erkühnt sich, im Himmel, vor den Augen der Himmlischen, vor den Augen des Allmächtigen zu stehlen? Es ist der Berditschewer Zaddik, der sich in den Himmel schlich, um die Juden zu beschützen und sie aus der Hand des Satans zu befreien. Mer Plötzlich erblickt ihn ein Auffeher, wie er im Begriffe ist, einen Sack ins Feuer zu werfen. In raschem Sprunge ereilt er ihn und führt ihn mit sich. Das Gesicht des Aufsehers strahlt vor Freude, ein solch „fettes" Opfer hatte er noch nie. Schon lange lauerte er dem Berditschewer auf, schon lange strebte er darnach, ihn auf frischer Tat zu ertappen. Aber all sein Lauern und Warten war vergeblich. Der heilige Berditschewer hatte nie sein Beß-Hamidrosch verlassen, nie zu lernen und zu lehren ausgehört, sondern immer bei der „Thora" gesessen. Nun hat er ihn erwischt. Und bei keinem geringen Verbrechen, bei einem gemeinen Diebstahl. . . . Der Satan und seine Garde jubeln. Ihre Freude ist unbezahlbar, denn sie haben den Berditschewer in ihren Händen. „Rabbi, richte selber", spricht hohnlächelnd der Satan, „du weißt ja, daß ein Dieb das doppelte des Gestohlenen zahlen muß: Wirst du nun imstande sein, die doppelte Zahl der gestohlenen Sünden zu leisten? Da du aber ein Zaddik, ein Gerechter und rein von Sünden bist, so werden wir dich zur Strafe ftir den Diebstahl verkaufen, wie es in der Lehre heißt: „Und wenn er (der Dieb) nichts besitzt, so soll er wegen des Diebstahls verkauft werden". Stuf einen Wink des Satans hin wird der Berditschewer von einigen Wächtern ergriffen und auf einen Altar gestellt. Im Himmel entsteht eine förmliche Lizitation, wie auf der Börse.... Der Satan will seine Konkurrenten überbieten.... Samil (die rechte Hand des Satans) gibt 1000 Rubel, der Satan 1500, der „stlalocb doime" 2000 Rubel u. s. f. ... Die heiligen Väter stehen und vergießen bittere Tränen über den Berditschewer, der in die' Hände des Satans gefallen. . . . „Zweitausend Rubel, zum erstenmal...." Der Berditschewer selbst aber steht ruhig da, als ob die Sache ihn nichts anginge. Ihn beschäftigt jetzt ein schwerer Rechtsfall im Talmud. Der Preis steigt in die Höhe.... Und die „Engel des Erbarmens" weinen über das Los des Rabbi von Israel. Tausende Seelen von Rindern und Schafen kommen herbeigeeilt und zeugen für den Berditschewer. „Koscher, koscher, koscher, war stets sein Urteil über uns. Juden aßen dann unser Fleisch, sprachen den Segen darüber und schöpften so Kraft, Gott zu dienen.... Wieviele Thorarollen wurden auf unsere Felle geschrieben.... wieviele Welten hat er geschaffen... . wieviele Engel. . .. Da erhob sich der „Richter der ganzen Erde" von seinem Throne und seine Stimme erscholl durch alle sieben Himmel: „Lekaune awudow badin, der sich wieder seine Diener aneignet beim Gericht. ..." Ein Ende hat die Lizitation. Der Schöpfer der Welt kaufte sich den Berditschewer Zaddok, Rabbi Lewi Jsak, zum ewigen Diener.... Hrmror nnd Satyrr. Neue Religion. In einer Wiener Mittelschule wird der einzige jüdische Schüler einer Klasse vom Direktor auf dem Gange gesehen. — Warum sind Sie nicht in der Klaffe? Bitte schön, Herr Direktor, die Antisemiten haben Religionsstunde. Sein Wunsch. Erster „K l a u s" h o ck e r. Was würdest du gern sein wollen? ZweiterKlaushocker: Ich möchte gerne reich sein nnd mir ein Haus bauen können. Dann würde ich mir sieben Parteien hereinnehmen nnd bei jeder einen „Tag" essen. Ein Prophet. — Wie glaubst du, werden wir eine Konstitution in Rußland bekommen? — Also eine Revolution? — Also die Reaktion? — Was also denn, zum Teufel? Ein Manifest. Korrespondenz der Redaktion. St. in Czernowitz. Besten Dank I M. K. Wir danken bestens, können aber die Witze nicht abdrucke». weil uns dieses Genre nicht paßt. Wir würden Ihnen das Manuskript zuriickschicken. Sie gaben aber Ihren Wohnort nicht an. Herrn K.-K. in Wien. Kam für diese Nummer doch zu spät. Wird in nächster Nummer abgedruckt. >ATENTE erwirkt und verwertet P ■ Ingenieur- und Patentanwalt ■ J. Knöpfelmacher Telephon 22132. Wien, II,. Praterstrasse 37. Oberkantor JOSEF BASSER XX., Wintergasse 29 empfiehlt sieh dem P. T. Publikum auf Grund seiner erworbenen Autorisationen Von anerkannten Herzten als sehr praktischer Mohel, ^mo-Operateur. Bei Unbemittelten ohne Honorierung. Die Zeitschrift ftir Demographie und Statistik der Pfaden BerlMalensee, «eorg millKlmsttasse 22 erscheint monatlich und unterrichtet durch größere Einzeldarstellungen und durch Sammlung aller über die Juden neu erscheinenden zuverlässigen statistischen und demographischen Daten in einer von aller Parteitendenz freien, rein wissenschaftlichen, dabei aber allgemein verständlichen Weise über alle Veränderungen im sozialen Leben der Judenheit. Die Zeitschrift ist damit das Zentralorgan für alle diejenigen, welche sich Tür die Auflielluno der Verhältnisse der Juden auf physiologischem, kulturellem, wirtschaftlichem, moralischem usw. Seblete auf der Grundlage exakter Forschung interessieren. Das von der Zeitschrift gebrachte Material bildet die alleinige feste Grundlage für ein wissenschaftlich begründetes Urteil über Judentum und wichtige Erscheinungen Im gegenwärtigen Leben der Juden. Die Zeitschrift brachte bis jetzt auiführllcha Angaben über: Zahl, Wohnsitze und Verteilung; Geburten, Eheschliesaungen und Sterbefälle; Berufs-, Bildungs- und Unterrlchtsverbältnlsse; Beiohlechtsverhältnis, Altersgliederung; Kriminalstatistik, Krankheits- und Todesursachen; Gottesdienst und Kultus, Uebertritte und Austritte aus dam Judentum; _id StaatsangenörlgkeL-- —.. Länder, ferner über Oie wichtigsten jüdischen Organisationen für politische, wirtschaftliche und soziale Zwecke; sowie Abhandlungen anthropologische» Inhalts. 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