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Neue Zeitung · 1906-10-19 · Heft 7 (19.10.1906) · p. Seite 5

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Journal
Neue Zeitung
Volume
1906
Issue
Heft 7 (19.10.1906)
Date
1906-10-19
Page
Seite 5 (sequence 5)
Language
German
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Neue Zeitung Seite 5 Nach derart unverdächtigen Nachrichten! bleibt kein Vorwand mehr bestehen, i nach anderen Ländern zu suchen. Denn diese Gebiete liegen in dem jetzigen Landbereiche der Zionisten und innerhalb der englischen Einflußsphäre, die Zangwills-Organisation bevorzugt. . Diese Gebiete sind im hohen Maße entwicklungsfähig, eine nichtjüdische Einwanderung ist — mindestens vorerst — nicht zu befürchten, und die Selbstverwaltung der jüdischen Kolonien oder städtischen Siedelungen ist von vornherein so sicher, wie eine jüdische Majorität in beiden Gebieten nach verhältnismäßig kurzer Zeit! Was fehlt noch? Es fehlt noch, daß Zangwill die Situation versteht, oder daß seine Freunde ihm das Verständnis dafür öffnen.') Es fehlt noch, daß die Zionisten sich nicht begnügen, die Nachbarländer in ihrem Programm zu haben. Es fehlt noch die öffentliche Einigung aller maßgebenden jüdischen Faktoren auf dieses einzig mögliche Einigungsprogramm in der Landfrage, das da heißt: Palästina und seine Nachbarländer. Eine gewaltige Werbekraft wohnt diesem Programm inne, denn es ist schön und ausführbar. Die Vergangenheit zeigt uns diese Länder als einstigen jüdischen Besitz. Die Gegenwart bietet sie uns als nahes, leicht erreichbares, entwicklungsfähiges, zukunftsreiches Gebiet. Schon jetzt bringt jeder Monat Hunderte jüdischer Flüchtlinge nach Palästina und das Land entwickelt sich zusehends wie nie zuvor! Schon jetzt arbeitet die Jca mit erneutem Eifer in Cypern. Schon jetzt wird die Auffassung der Palästina-Vereine immer weitherziger-) und das Interesse an der Landftage ergreift immer weitere Kreise. Wie wäre nun vorzugehen? Ich habe im Oktober 1905 eine allgemein-jüdische Konferenz als den besten Weg empfohlen. Im Jänner darauf (1906) fand dann auf Einladung des zionistischen Aktionskomitees die sogenannte Brüsseler Konferenz statt. Diese Konferenz hatte als bisher einziges Ergebnis ' die An nähme-von zwei Resolutionen zur Folge. Man setzte ein vorbereitendes 'Komitee ein zur Herbeiführung einer ständigen Ko op eration aller jüdischen Organisationen. Man drückte den Wunsch aus, die verschiedenen Organisationen mögen sich an der Bildung meiner Kommission beteiligen, welche verschiedene Länderund insbesondere den Orient in bezug auf Immigration und Kolonisationsmüglichkeit für die russischen Juden studieren soll". Und schließlich wurde eine Erklärung der Hilfsorganisationen „zur Kenntnis genommen", wonach eine „Emigration Mittelloser gegenwärtig von ihnen nicht gefördert werden kann, weil 1. die erforderlichen materiellen Mttel fehlen, 2. zur Zeit für diese Kategorien von Auswanderern Emigrationsländer nicht zu Gebote stehen, "h Das war das Resultat der Brüsseler Konferenz. Daneben verlautete freilich, daß neben diesem offiziellen Ergebnis noch eines erzielt worden sei: Die Inangriffnahme der Kolonisation Cyperns durch eine Anzahl von Konserenzlern — aber es wurde schließlich einstweilen nichts mehr davon gehört. Jedenfalls steht zu hoffen, daß die Brüsseler .Konferenz das Zustandekommen einer zweiten, schon besser beschickten, erleichtert Laben dürfte, und es ist jetzt an der Zeit, eine zweite allgemein-jüdische Konferenz einzuberufen. Diesmal sollte es etwa der Berliner Hilfsverein deutscher Juden oder die Bene ') Er hat mir gegenüber eingewendet, daß Cypern zu klein sei... . „Wenn ich eine kleine Sache planen wollte, wäre Cype m vielleicht gerade recht —" -) Der Wiener Kolonisationsverein hat schon seit fahren „Palästina und seine Nachbarländer» in seinem Programm. 3) Hierüber ist eine Auseinandersetzung kaum nötig: Es wäre schon reichlich genug damit erzielt, wenn für die nicht (oder nicht ganz) Mittellosen ein Land gesunden wird. Mittellose würben dann vorerst nur in dem Maße dort zu brauchen sein, in dem sie von den Bemittelten beschäftigt werden können. Die beiden Aufgaben: Mittellosen Leuten Möglichkeiten zu verschaffen und Bemittelten ein Land zu zeigen — diese beiden schwierigen Aufgaben e r s ch w er t sich ganz überflüssigerweise, wer sie gleichzeitig lösen will. Brith Logen sein, von denen die Einladung auszugehen hätte (um Einseitigkeit zu vermeiden und allgemeinere Beteiligung zu sichern). Dort sollten alle jüdischenOrganisationen durch ihre Vertreter sich schlüssig w erden überein alljüdisches einheitliches Vorgehen in der Landfrage. Eine solche Veranstaltung ist vielleicht auch j am besten dazu berufen, den von Nathan Birnbaum m diesen Blättern angeregten Appell an die Nationen zu erlassen — entweder diese Veranstaltung selbst, oder in Verbindung mit einer gewählten Vertretung der Judenschasten aller Länder. Beide Zwecke können durch ihre Verbindung nur gewinnen! Es wird eine imposantere Veranstaltung sein und sie würde auch mehr Machtmittel in sich vereinigen — sowohl um dem Appell mehr Nachdruck zu verleihen, wie auch um das Vorgehen in der Landfrage allgemein gütiger und ausfiihrbarer zu gestalten. Jaffa, Ende September 1906. Davis Trietsch. Wochenschau. Man erfährt, daß in T o m s k (Sibirien) 400 Juden und Jüdinnen in ein Haus getrieben, daselbt eingesperrt und mit dem Hause verbrannt wurden. — Der Häuptling der „schwarzenHundert" stellt neue Juden gemetzel in Aussicht. — Und die Juden raffen sich zu dem einzigen großen, unwiderstehlichen Appell an die Völker noch immer nicht auf. Der Häuptling der „schwarzen Hundert» hat uns Juden und die Großfürsten als Unglück Rußlands bezeichnet. Diese Zusammenstellung ist der größte Schimpf, der uns je angetan wurde. Als ob man uns mit ihm selbst und seinesgleichen vergliche. Die Landesautonomie-Bestrebungen der Polen in Galizien treten immer mehr hervor. Ein Erfolg derselben wäre ein nationales Unglück für die Juden. Pogromdrohnngen und Ritualmord-Beschuldigungen in Ungarn. Anfänge einer selbständigen jüdischen Politik in Mähren angesichts der bevorstehenden Landtagswahien. Aus dem Parlament. Die Wahlreform steht vor der letzten Klippe: Der deutschen Forderung die Wahlkreiseinteilung durch eine qualifizierte Majorität sicher zu stellen. Hoffentlich gelingt es, dürch^ ein Kompromiß auch drüber hinwegzukommen. Es ist keine Zeit mehr zu verlieren. Sonst laufen die Tage des gegenwärtigen Zlbgeordnetenhauses ab, ohne daß die Wahlreform unter Dach und Fach gebracht ist. Darauf arbeiten ja die Wahlreforinfeinde hin. Dann könnte nur das Oktroi helfen. Also, der Polenklub ist von einer jüdischen Deputation aufgesucht worden, die ihn ganz ergebenst bat, den Juden doch acht Wahlkreise zu geben. Herr v. Abrahamovicz verwies auf die Schwierigkeit der Reasfumierung der bereits erfolgten Einteilung. Herr Dr. Glambinsksi, der Spezialist für jüdische Wahlkreisangelegenheiten, war viel freigebiger. Er versprach einen 7. Wahlkreis: Sokol-Belz-Rawa-Zolkiew, — und wurde beauftragt über die Einzelheiten mit der Deputation zu beraten. Die Deputation bestand aus den Herren Horowitz und Dr. Schaff aus Lemberg und Dr. T i l l e s aus Krakau ihnen schlossen sich die jüdischen Abgeordneten Dr. Gold, Kolischer und Sainfeld an. Ein aufgezwungener Jude. Man schreibt uns aus Leipnik: Herr Josef Polak, ein fanatischer .Tscheche', ist vor mehreren Jahren aus der Leipniker israel. Kultusgemeinde ausgetreten und hat sich konfeflionslos erklären layen. Bor einem Jahre wollte er nun bei der k. k. Bezirkshauptmannschaft Mähr. Weißkirchen seine Rückkehr St Judentums anmelden. Er wurde an den Kultusvorer in Leipnik gewiesen, forderte aber den Rabbiner Dr. H i l l e l auf offener Straße auf, seinen Uebertritt zur Kenntnis zu nehmen. Der damalige Kitltusvorsteher Herr Dr. R o k o t n i tz erklärte, daß eine Anmeldung, — auch wenn alle Formalitäten erfüllt wären — zur Ausnahme in eine ReligionSgenogenschaft nicht genügen könne weil es ihr fteistehen müsse zu prüfen, ob der Aufnahmswerber allen Fordeningen entspreche, und die nötige Würdigkeit habe. Dagegen sprachen sich die Bezirkshauptmannschaft Mähr. Weißkirchen und auch die mährische Statthalterei aus und erkärten Polak, weil er sich bei der Kultnsgemeinde angemeldet habe, für einen Juden. Und so ist er wieder unser. W. Ungarn macht sich wieder. Man schreibt uns aus Budapest: Das magyarische Paradies beginnt schon nach der Hölle zu schmecken. Die neueste Errungenschaft sind Pogromdrohungen der Volksparteipresse. Wehe den Juden, wenn sie es wagen sollten, gegen die Koalition zu kämpfen. Dann kommt der Pogrom. Dabei wird ganz ungeschminkt das russische Wort gebraucht. Es scheint, daß wir die Courage, auf die wir ungarische Juden uns etwas einbilden, bald werden brauchen können. Im Uebrigen hat die letzte Woche auch zwei Ritualmordbeschuldigungen gebracht. Die eine in Kaschau, die andere in Magyar-Kanisza. Im elfteren Falle drang die Polizei — es war Jom Kippur — in die Synagoge, um die Schlachtung des Kindes zu stören. Die Kaschauer Knltusgemeinde hat die Polizei geklagt. Es fallen einem die Tage von Tisza-Eßlar ein und daß unser Magyarien nur rufweise fortgeschrittener ist, als ^Rußland. Und die Nichtmagyaren aufs äußerste erbittert! Wie soll das enden? Die Landes-Autonomiebeftrebungen. Die polnischen Konservativen und Pseudodemokraten werden immer zudringlicher. Unlängst hat sogar der Lemberger Gemeinderat eine darauf abzielende Resolution gefaßt. Wir Juden müssen auf dieses Treiben gut achtgeben und uns ganz entschieden denjenigen anschließen, die diese Gelüste bekämpfen. Es sind dies die Ruthenen und sehr viele Polen, welche wissen, was zu erwarten steht, wenn man Galizien den Schlachzizen ausliefert. Einen Vorgeschmack bietet der Artikel „Jüdische Polen" in der vorliegenden Nummer. Säumen wir nicht! Hier droht uns die furchtbarste Gefahr. Die galizische Autonomie wäre mit völliger Knechtung unseres Volkstums in Galizien gleichbedeutend. Auf gegen die galizische Landesautonomie und für die nationale Autonomie aller Völker, auch des unsrigen! Das muß unser Kampfruf sein. — Wir kommen noch auf das Thema ausführlich zurück. Die Aussperrung der 60© jüdischen Schneider in Lemberg hat mit dem Siege der Arbeiter geendet. Die Meister haben die Bedingungen der Arbeiter angenommen. Das Erreichte bezieht sich auf die Arbeitszeit. Jüdische Volkshäuser. . Sonntag, 7. d. M., fand in Brody eine sehr gut besuchte § 2-Versammlung statt, die sich mit dem Plan der Gründung eines jüdischen Volkshauses befaßte. Während der Versammlung selbst wurden K 500.— gespendet. Mit den schon von früher vorhandenen K 1200.— sind also K 1700.— für den Baufond vorhanden. Auch in Gliniany wird ein jüdisches Volkshaus gebaut. Jom Kippur-Pogroms. In New-Uork hat es am Jom Kippur skandalöse Vorfälle gegeben, die von den dortigen bundistischen Zeitungen als Jom Kippur-Pogroms bezeichnet werden. Es handelt sich um Ueberfälle von jüdischsozialistischen Klublokalen und Prügelungen und Verwundungen von jüdischen Sozialisten durch Juden. Aus Mangel an Raum und weil wir noch direkte Nachrichten abwarten wollen, verschieben wir die Berichterstattung auf nächste Nummer. Personalnachrichteu. Herr Rabbiner Meyersohn in Wien hat einen schweren Verlust erlitten. Samstag, den 13. d. M. starb nach langem, schweren Leiden sein Sohn Herr David Meyersohn im Alter von 22 Jahren. Der Verstorbene zeichnete sich durch großes talmudisches und allgemeines Wissen aus. Die Beteiligung am Leichenbegängnisse war eine sehr starke. Der Statthalter von Mähren hat dem Volksschullehrer Herrn Salomon Spiekmann in Jglau, die Ehrenmedaille für 46jährige treue Dienste zuerkannt. Körper nnd Nerven. Die Wiffenschaft hat nachgewiesen. daß der menschliche Organismus zum Gedeihen hinreichende Mengen Fett nöttg hat. Ganz besonders wichtig ist eine ausreichende Ernährung mit Fett auch für die Nerven, was durch neuere Forschungen überzeugend nachgewiesen ist. Leider sind die bei uns gebräuchlichen Speisefette tierischen Ursprungs sehr teuer, zum Teil auch schwer verdaulich. Da ist es denn ein Segen für dieHausftau, daß ihr jetzt im Ceres-Speisefett aus feinsten Kokosnüffen ein ideales Fett zur Verfügung steht, mit deffen Hilfe sie ihre Familie, den Forderungen der Wissenschaft, des Geschmacks und der Bekömmlichkeit entsprechend — gut und billig — ernähren kann.

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