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Neue Zeitung · 1906-10-10 · Heft 6 (10.10.1906) · p. Seite 4

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Journal
Neue Zeitung
Volume
1906
Issue
Heft 6 (10.10.1906)
Date
1906-10-10
Page
Seite 4 (sequence 4)
Language
German
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Seite 4 Neue ‘Leitung Nr. 6 Erkennung ihrer Nationalität. Am heftigsten und - »»als weinte er wie ein Kind. Er zeichnete sich durch eine intensivsten wird dieser Kampf an der Universität bei russischen Zensoren seltene Unbestechlichkeit aus. Ein . «L ' .. v QntnoilmeL* A'cinrer her iiihflmrn. inrtii» I mim her hrhrmtf in Czernowitz geführt. Die hiesigen jüdischen Studenten, pochend auf ihre Zahl — sie machen 40% der ganzen Hörerschaft aus — versuchten zwei Jahre hindurch auf legalem Wege, durch uründliche Vorsprechungen, Veranstaltungen von Versammlungen, Ueberreichen von Petitionen ihrer gerechten Forderung zum Siege zu verhelfen. Aber alles Bemühe,i war vergeblich; die akademischen Behörden ignorierten entweder die akademischen Ennunziationen der jüdischen Studenten ganz oder suchten durch unstichhältige Ausreden die Sache auf die Regierung zu schieben. Dieses Spiel mit der jüdischen Studentenschaft hatte schließlich die Grenze des Langmutcs überschritten und die Studenten griffen zu einem wirkungsvollen Mittel. Durch das Einträgen von „Rumänisch" oder „Ruthenisch" in das Nationale, wollen sie die Negierung zwingen, auch die jüdische Nationalität anzucrkennen. Wie mir hören, beginnt man sich jetzt auch schon „oben" ,nit der Frage ernster zu befaffen. Leider tritt aber auch bei einer so wichtigen jüdischen Sache, wie die Anerkennung der jüdischen Natioualität, wieder ein Mangel an Solidarität zutage. Es mußte schmerzlich berühren, daß mitten in der emsigen Agitation, die die Majorität der jüdisch-nationalen Studenten während der Inskriptionen entfaltete, eine kleine inkorporierte jüdische Gruppe eine Gegenennunziation veröffentlichte, die nur Mißverständnis verursachte und Uneinigkeit deklarierte. X. Wir. verweisen bezüglich obiger Korrespondenz auf den in der vorigen Nummer verötsrntlichten Aufruf der jüdischen Studentenverbindungen und -Vereine von Czernoivitz. Der Schlußsatz bczicbt sich auf den abweichenden Beichluß der akademischen Verbindung „Hasmonaa", wonach in die Nationale die wirkliche Muttersprache — gemeint ist deutsch — eingetragen und die Worte „jüdischer Nationalität" binzugcfügt werden sollen. Gewiß ist auch dieser Modus wohlgemeint, _ aber cs kommt ja bei dieser Sache mehr auf die Gcschlopenheii des Auftretens, als auf die Form an. Vielleicht entschließt sich die „Hasmonäa" doch zu dem schönsten Siege, zum Siege über sich selbst und fügt sich der Mehrheit . . . Wir fügen uns auch, denn im Grunde kennen wir fiir ostjüdische Studenten einen dritten Modus, der die Vorzüge der beiden andern ohne ihre Nachteile hat, und den ja auch, wie wir ivisieu, viele einzelne solcher Studenten iu Galizien und in Wien anwenden. Vielleicht wird er einmal allgemein. Bis dahin aber ist uns jeder Modus genehm, der nach außen und oben deutlich ist. Zm Ilebrigcn wird sich der Verwaltuugsgerichtshof demnächst mit der Frage der jüdischen Nationalität zu befassen haben. D'c „Information" teilt mit: „Ein österreichischer Untertan jüdischer Konfession verlangte bei einer amtlichen Aumahme seiner Pcrsonaldalen. daß in die Rubrik „Nationalität" von Amts wegen „jüdische" eingetragen werde, was die Behörde erster Instanz unter Hinweis darauf verweigerte, daß die Bezeichnung „jüdische" nur in der Konfegionsrubrik zum Ausdruck gebracht werden könne. Der Beschwerdeführer, der bis an das Ministerium appellierte, blieb bei seiner Behauptung, daß es. eine jüdische Nationalität gebe, deren grundsätzliche Anerkennung er verlange. Das Ministerium des Innern wies den Reklamanten nicht kurzweg ab, sondern holte ein Gutachten der Universität Wien und des Kultusrefereuten der Regierung ein, die, allerdings nicht in so bestimmter Weise, wie die Untcrbehördc, ihre Ansicht dahin aussp r a ch e n, daß die Anerkenn u n g gründlicher Kenner der jüdischen, speziell auch der hebräischen Literatur, bestieß er sich auch der größten Objektivität gegenüber den verschiedenen Strömungen und Parteien innerhalb der Judenheft. Seine Vorgänger halten chassidische Werke nicht drucke» lassen, weil sic sich von den Grundsätzen des aufgeklärten Absolutismus leiten ließen. Er gab die Bücher frei, er war übrigens selbst bis in die reifen Mannesjahre Ehossid gewesen. Ebenso ließ er die zionistische Pregc ruhig gewähren und sich entivickeln, wiewohl er ein ausgesprochener Gegner des Zionismus war. Zm übrigen war er ein Freund der Kolonisation Palästinas und man konnte oft seine Spenden für diese in jüdischen Blättern ansgewiesen sehen Er trug sich auch mit dem Gedanken, nach dem heiligen Lande zu übersiedcln und sich dort frei als Jude zu bekennen Er ivollte nur warren. bis feine übrigens Jüdin gebliebene einzige Tochter mit dem Studiuni fertig ivürde. Als im Vorjahre der liebertritt zum Judentum freigegcben wurde, plante er seine offene Rückkehr zum Judentum. Mittlerweile wurde er vom Schlag gerührt. Der Tod erlöste ihn nach einjährigen, Lcid-n. Auswanderer-Auskunftsbureau. In Basel hat das „Hilfskomitee für jüdische Auswanderer" ein „Auskunftsbureau ftir jüdische Auswanderer" cröffitet. Das Bureau stellt sich die Aufgabe, den Auswanderern mündlich oder brieflich möglichst geitaue Informationen zu erteileit uttd ihre Interessen zu wahren. Um dies ausreichend iit der Lage zu sein, wird eine regelmäßige Statistik geführt werden. l h r e r M e i n u n g n a ch, w c g e n i h r e r F o l g e n u i ch t o p p o r t u n erscheine. Der Beschwerdeführer will'nunmehr an die letzte und höchste Instanz, das Lerwaltungsgcricht herantreten." Da Zweckmäßigkeitsgründe für den Vcrwaltungsgerichtshof kaum maßgebend sein dürsten, so wäre ja eigentlich Aussicht auf eine günstige Entscheidung im Sinne des Beschwerdeführers vorhanden. Jedenfalls werden sich jene Juden, die nicht nur als religiöse, sondern auch als nationale Gemeinschaft betrachtet sein wollen, nicht von einem Kultnsreferenten vorschreiben lägen, was für sic oder andere opportun ist. Der Kampf um die Anerkennung der jüdischen Nationalität hat begonnen und wird nicht eher ruhen, als bis denjenigen, die sie fordern, ihr nationales Selbstbeststmnungsrecht eingeräumt sein wird. Zensor I. Landau. Man schreibt uns aus St. Petersburg: Am I. Oktober starb hier im 72. Lebensjahre I. Landau. Die russisch-jüdische Presse, die selbst in ihren konservativsten Repräsentanten nie rcgicrnngsfreiiiidlich und selbst in ihren radikalsten Vertretern nie der Assimilation gewogen ist, widmet dem Tahingeschiedenen, wohl er kaiserlich russischer Zensor und — getauft freundliche Worte. Solcher Getaufter hat das russische Judentum schon viele gehabt. Ich erinnere mir an den berühmten Orientalisten "Profegor E h w o l s o n, der trotz feiner Taufe als einer der besten Juden Rußlands galrj nur für jüdische Ideale lebte und ständiger Mitarbeiter hebräischer Zeitungen war. Oder an den jüngst ernwrdeten Duma-Abgeordneten Herzen st ein, der sich auf einem Zirkular des Autonomisteiiverbandes ausdrücklich der Nation nach als Jude bezeichnte. Und viele andere. Landau gehörte in diese Kategorie. Er hielt sich an die Zirkulare, die ihm das Ministerium zusandte, gab sich aber Mühe, sic niilde auszulegen und war nicht um Gründe verlegen, wenn -er seine Amtsführung zu rechtfertigen hatte. Oft Aus der jüdischen Oeffent- Uchireit. Zur Kultuswahl. Löbliche Redaktion! i bitten Sie nachfolgende heute überreichte Eingabe in Würdigung der Wichtigkeit des Gegenstandes in Ihrem w. Blatte abzudrucken: Dringend wegen sonstiger Frustrierung dieser Eingabe. Löbliches Bertreterkollegimn!!er Vorstand der israelitischen Kultnsgcmcindc Wien hat in der „Wiener Zeitung" publiziert, daß die Wählerliste fiir die diesjährigen Wahlen zur Einsicht in der Kultuskanzlei aufliegt und Reklamationen innerhalb 14, Tagen vom 3. Oktober d. I. schriftlich Laselbst einzubringcn sind. Neun wurden Stimmen laut, jene Fristbc siinunung sei dahin ausznlegcn, daß schon am 17. Oktober die Frist abläuft. Wenn jedoch erwogen wird, daß in die Zeit vom 3. bis 17. Oktober nicht weniger als -vier JomimJTowim und zwei Sabbate fallen, aü welchen Tagen (nebst den Sonntag-Nachmittagen) in der Kultusgemeindekanzlci überhaupt nicht .amtiert wird, daß also die Einsichtnahme der Wählerliste, diese Voraussetzung jeder Reklamation, nur an 8, beziehungsweise 7 Tagen möglich wäre, wenn ferner erwogen wird, daß die gleichen Verhältnisse wegen der stets im Herbst stattsindenden Wahlen iimner wiederkehren, dann ist es klar, daß unter den in der h. a. Publikation genannten 14 Tagen nur Werktage gemeint sind und sohin die Reklamationsfrist erst am 23. Oktober «bläust. Wir bitten daher, die Richtigkeit dieser nuferer Auffassung zur allgemeinen Darnachachtung durch die unverzügliche amtliche Publizieruug in der dieswöchentlichen Nummer der Wiener jüdischen Blätter zu bestätigen. Bei diesem Anlaß sei uns gestattet, auf einen schweren Übelstand der bisherigen Wahlen hinzuweiscn, den zu beheben es diesmal noch Zeit ist: Die Knltuswähler des II. und XX. Bezirkes sind, je nachdem ihr Familienname mit einem der Buchstaben A—K öder aber L—Z beginnt, durch die Wählerliste der Wahlsektion Tempelgasse oder aber Leopvldsgasse zugeteilt. Es ist offenkundig, das; dieser Modus eine arge Belästigung der Wähler bedeutet, die z. B. oft aus der Pratergegcnd an dem Wahllokal Tempelgasse vorbei zum Wahllokal Lcopoldsgasje oder aber von der Brigittenau her an dem Wahllokal Leopoldsgaffe vorbei zuin Wahllokal Tempelgaffe müssen wählen gehen. Dieser, die Wahlbeteiligung stark schädigende Übelstand würde auf die einfachste Art dadurch behoben, das; die Wähler, des Bezirksgerichtssprengels Leopoldstadt i (links der Taborstraße) dem Wahllokal Leopoldsgaffe und jene des Bezirksgerichtssprengels Leopoldstadt ll (rechts derTabor- Durch die Arbeit weniger Stunden kann die geschriebene Wählerliste zur Drucklegung in vbskizziertem Sinne bereit gestellt werden. Für das zionistische Wahlkomitee:. Dr. Paul Weisengrün m. p. Dr. Egon M. Zweig m. p. Hiezu sei noch bemerkt, daß die in dein Wahlstatut vorgesehene 14tägige Reklamationsfrist als zum Schutze der Wählerschaft statuiert, natürlich nur ein Minimum darstellt und im Bedarfsfall ohneweiiers verlängert werden kann. Mit vorzüglicher Hochachtung für das zionistische Wahlkomitee: Dr.Paul Weisengrün. Dr. Egon M. Zweig. Aufruf. Das Hininordcn jüti'chcr Volksmassen scheint in Rußland nicht anfhörcn zn wollen. Immer wieder liest man, daß wehrlose Greise, unschuldige Kinder unter grausamen Qualen vernichtet werden. Weit und breit keine Hilfe! Wohl sticht man der Not des Augenblickes zu steuern; cs sollte jedoch mehr geschehen, als die Gabe des rasch verstüchtcnden Mitleids z» bieten vermag. Wir wollen den verfolgten Inden eine dauernde Znsiuchi gründen; wir wollen in Palästina an schon bestehende und gedeihlich arbeitende jüdische Kolonien neue Heimstätten für Ackerbauer und Gewerbetreibende anglicdern, ein Streben, das uns mir den Palästiua-Kolonisationsvereinen der.ganzen Welt verbindet. Dort sollen unsere unglückseligen Stammcsgcnosseu endlich nach blutiger Verfolgung, nach jahrtausendlanger Unrast ein sicheres Heim, eine dauernde Heimat finden. Hier handelt cs sich nicht um Zuknnftsideen, nicht um Parteiftagcn. Hier gilt es rasche und dauernde Hilfe zu organisieren Wir wenden uns daher an alle Edelgesinnten; wir ersuchen jeden, der noch einer Empfindung des Mitleids zugänglich ist und unschuldige Menschcnbrüdcr vom drohenden Nntergangc retten will; wir flehen alle jene an, denen die Ehre unseres Stammes am Herzen liegt, treten Sie unserem Jüdischen Kolonisationsvcreine bei. Beitrittserklärungen und Geldsendungen erbitten wir niis an das Sekretariat, 2. Bezirk, Gredlcrstraße Nr. l>. Ein ordentliches Mitglied zahlt jährlich mindest 5 X, ein immerwährendes ^Mitglied einmal für immer mindestens 250 K und ein Stifter einmal fiir immer, mindest 2000 K. Das Zentralkomitee des Jüdischen KoloiiisationsvereineS: Baurat Wilhelm Stiaßny, Emil Horner, kaffer-- sicher Rat Leopold Sachs. Hofn. Gerichts advokat Doktor Siegmund Zins. Licco Adult, David Ritter v. Gnttmann, Ignaz Schiff. Dr. Josef Bloch, Dr. Edmund Kohn, Heinrich (Aorki Steiner, Professor Dr. S. Ehrmann, Baurat Oskar Marmorek, Präsident Dr. Alfred Stern, Oberrabbiner Dr. Moritz Güdemami, Dr. Bela Taussig. Professor Dr. Josef Pollak, Hofrat Siegmniid Taussig,' Richard Rappavort, Rabbiner Dr.'Adolf schmiedt... wurden ihm ftoWWSIiS fiS dem Wahllokal Tempelgaffe zugewiesen Auftrag alle Berichte über Kischineio streichen »rußte. Daj werden. Jüdische Vereinigung. (Sekretariat: XIII, Liiizcrstraße 34*) Einladung zu der Donnerstag, den 18. Oktober, Abend 8 Uhr, in G n t h s Restauration, II, Stephaniestraßc staltfindenden Vereinsversammlung. Tagesordnung: 1. Die politische und wirljchastliche Lage der Inden in Oesterreich. Referent: Herr L n c i a n Brunner. Disknssion. Gäste willkommen! Am 6. d. M. fand eine B e r s a m m l n n g d c r teuer Itoisten st a tt. Der Besuch war ein guter. Das Referat halte Herr Schmidt, der sich sehr warm für di: iioistische Sache entsetzte nnd alle gegen diese erhobenen Eimvände mit Gcgengründcn zu beantworlen wußte Er machrc auch von Znstimmungsknttdgebungen und netten Vcrctitsgrutidungcn auf itoistischcr Grundlage Mitteilung. Die Disknssion war eine sehr lebhafte und kamen bei derselben von ocrfchiedciien Seiten Sympathien für den Territorialisinns zum Ausdruck. Viel Erregung vernrfachlen die zwischen der itotstischctt Gruppe tmd der „Poalej Zion" schwebenden, höchst bedauerlichen Differenzen. st. Pom Vorstände des B e t h a n s v e r e i n s „0 se n w" (III. Ob. Viaduftgaffe 12) erhalten wir folgenden Samstag, den 20. September sprach Seine Ehrwürden Herr cat:d. Rnbü, Dr. Ch. Verlisch ans unsere Einladung im Bet ha usc „Osvst tow“ anläßlich des Jom Kippur Tages in einer über eine Stunde währenden Rede über d:e nationale Bedeutung des Tages. Im Verlause seiner Rede schilderte er auch die trostlose Lage unserer Brüder in Rußland. Die Wärme und Rührung, womit Redner über diesen Gegenstand sprach, teilte sich der zahlreichen Zuhörerschaft mit, so daß man kein Auge tränentos sah. Redner hob zum Schlüsse hervor, das; der Jo in Kippur ein Tag der Versöhnung nicht mir mit Gott, sonbcrit auch mit sich selbst und mit einander sein muffe. Unter der Fahne des nationalen Jndciifttms allein könne Israel ein einiges, in allen seinen Teilen versöhntes Volk sein. Die Macht des Wollen» eines ganzen Volkes räume alle Schwierigkeiten hinweg: „Ein Land — und solche traurige Tage, wir die nn'ercr russischen Brüder, gehören nur noch der Gcschichic an." ag, den 6. d. W., veranstaltete der j ü d i einen Festabend, anläßlich seines vierjährigen Bestandes. Der Abend fiel sehr gut aus. Die Eröffnungsrede hielt Fräulein W e i n t r a u b, die Festrede Herr Doktor Feld bin m aus Krakau. Fräulein Kurz'nnd Herr K u r z zeichneten sich durch ein Mandolinenduett und Fräulein Wang durch eine Deklamation aus. Doch möchte ich mir die Bemerkung erlauben, daß wir anfangen könnten, für einen nationaleren Gehalt unserer Feste zu sorgen. Ans einen j ü d i s ch e n Abend ge-

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