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Neue Zeitung · 1906-09-14 · Heft 2 (14.9.1906) · p. Seite 3

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Journal
Neue Zeitung
Volume
1906
Issue
Heft 2 (14.9.1906)
Date
1906-09-14
Page
Seite 3 (sequence 3)
Language
German
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Nr. 2 N eue Zeitung . Seite 3 Das tapfere Eintreten des polnischen freisozialistischen Reichratsabgeordneten Breiter in seinem „Monitor" für die Wahl Stands verdient alle Anerkennung. Die Haltung der Nuthenen scheint noch immer nicht bestimmt zu sein. Die Schuld liegt unbedingt auf jüdischer Seite. Wir werden darauf in eincin prinzipiellen Artikel zurückkommen. Der Kampf um ein jüdisches Gymnasium. Aus Krakau wird uns geschrieben: ■ Nicht etwa um ei« staatliches jüdisches Gymnasium handelt es sich, wiewohl wir darauf ebenso Anspruch haben, wie die zwei anderen Völker unseres Landes, — auch nicht, um, ein Prioatgymnasinm, das von einer mächtigen . jüdischen Organisation gegründet wäre, etwa von einem jüdischen Schulverein, der nirgends nötiger wäre als in Galizien, sondern um ein Privatunternehmcn eines Einzelnen, des Herrn Rabbiner Tr. Jung in Ungarisch- Brod. — Indes; man muß mit dem Geringen zufrieden sein, wenn man das Größere nicht hat, und so haben denn alle hiesigen Bürger, die keine extremen Anhänger des Polentnnis oder keine solchen des Chassidismus sind, die Gründung des neuen Gymnasiums, welches auch Realgymnasium sein wird und OeffcntlichkeitSrecht besitzt, begrüßt. Sie hielten eine Versammlung ab, in welcher sie ihren Standpunkt klar legten, beschloye», das Gymnasium zu unterstützen und die Kultusgemeinde aufforderten, das Gleiche zu tun. Tie Versammlung protestierte auch gegen die als terroristisch bczeichuete Gegenagitation der Chaffidim. Im Uebrigen haben sich außer diesen und den „jüdischen Polen" auch noch die „Mischen Demokraten" — eine den national gesinnten Juden nahestehende Gruppe — gegen das jüdische Gymnasiui» ausge'procheu. Sie sehen in ihm eine konfessionelle Anstalt, die sie nicht fördern wollen. Als allgemein gegen alle jüdischen Landesschulen gerichtete Anschauung ist diese 'Ansicht jetzt kaum mehr aufrechtzuerhallen. Auch iiu besonderen fyatlc verkennt sie wichtige innere Unterschiede. Allein soviel darf zugegeben werden, daß ein staatliches oder ein von einer über den religiösen Parteien stehenden Körperschaft gegründetes Gymnasium jedenfalls sicherer iväre. Und dann - eine ordentliche jüdische Schulpolitik darf nicht mit den Mittelschulen, sondern muß mit den Volksschulen beginnen. , Kölnische Insii;! Am 25. Juni wurde in Kolomea der sozialdemokratische Agitator Michael Herer — der außerdem noch so frech ist, ein Jude zu sein — verhaftet. Man wollte ihn vor der Ernte, da ein' 'Agrarstreik befürchtet wurde, unschädlich machen. Ein zweimaliges. Ansuchen um Aufhebung der Untersuchung wurde jedesmal von der Kolomeaer Ratsrammer bewilligt, über auch scheide Male pünktlich vym Leinberger Oberlandesgericht abgelehnt. Bcgrütidung: „Weil die Ernte noch nicht zu Ettde sei" und Herer schon zweimal gestraft ist (nämlich wegen Uebertretung des Versammlungsgesctzcs und eines ähnlicheil Verbrechens). Und Lerer sitzt noch! Esgibt noch Richter in Polen! Zwei russisch-jüdische Soldaten für die Ehre ihres Uollres. Das in jüdischer Sprache in Warschau erscheinende Tagblatt „Der Weg" erzählt eine interessante Geschichte: Neulich wurden zwei jüdische Soldaten in Begleitung eines älteren christlichen Kameraden alls Zaiviercie nach Sosnowice geschickt, um dort Einkäufe zu besorgen. Auf dem Wege beschimpfte der,Christ die Juden. Diese verprügelten ihn dafür. Nachhause gekommen, zeigte er sie dem Hauptmann, einem getauften Juden, an. Dieser drohte nun vor der Front mit Ausschlachtung aller Juden. Die beiden Soldaten überlegten nun nicht lange und machten dem Herrn Hauptmann -einen Besuch. Sie fragten ihn, ivie er sich erlauben konnte, die Christen gegen die Juden zu hetzen, zumal er selbst voit jüdischen Eltern stamme, und ohrfeigten ihn, um ihrer Frage mehr Nachdruck zu verleihen. - Natürlich wurden sie bald darauf verhaftet, aber ebenso bald von der bund.stischen Organisation des Ortes - befreit. Die Ohrfeigen, die der verräterische Lump bekam, sitzen aber. Der Tschrnownilr als Prophet. Ein Freund nuferes Blattes schreibt uns: Auf der Reise in uieine bukowinische Heimat machte ich die Bekanntschaft eines höheren russischen Staatsbeamten. Ich kam aus die Juden zu sprechen, und da meinte der Tschinownik, er sei fest überzeugt, daß — in Südrußland wenigstens — die Inden zum große Teile Ackerbauer werden würden, wenn ihnen das, Gesetz nicht im Wege stünde. Er sieht sie auch, da ja die Gleichberechtigung früher oder später Tatsache werden - müsse, in Zukunft als Bauern. — Zu wünschen ' wäre es ja. Die französischen Irrdrnschaft und t»as , Trennnngsgefrh. Die französische Zn'denheit hat sofort, nachdem das Gesetz vom 9. Dezember 1905, betreffend die Tremumg der Kirche vom Staate, votiert war, Anstalten getroffen, um ihm Folge zu leisten. Und zwar ergriff das Pariser Zentralkonsistorium die Initiative. Eine juridische Kommission desselben arbeitete ein Statut aus, bas einem Komitee von Vertretern sämtlicher Gruppen und Körperschaften vorgelegt und angeuommen wurde. Die ..Association Consistoriale Israelite de Paris*' war in gesetzlicher Form begründet j Ein Aufruf forderte auf, auch in den anderen Städten j Frankreichs „Associalions Cul'undles israeliius" zu gründen,; Diese völlig selbständigen Vereinigiingen sollen dem Pariser j Zentralkonsiftoriiim beitreten und ihm 10% ihrer Einnahmen überweisen. Fast sämtliche Gemeinden haben sich bereits! reorganisiert. und die Ausbringung der halben Million.' die bisher der. Staat beisteuerte, saus vrivaten Mitteln, ist j beinahe gesichert. — Leider haben taniende Juden die Be-! freiung von der gesetzlichen Beiträgspflichl benutzt, um sich j ihren Pflichten gegen die Gemeinde zu entziehen. j Statistisches aus Palästina.! . - Die statistisch v o l ks m,i rts ch a f t l i ch e K o'mj m i s s i o n, die der siebente Ziynisten-Kongreß eingesetzt hat, j gab, wie bekannt, vor einigen Monab'n eine llebersicht der sozi-; alen Verhältnisse der Juden in 'Rußland heraus, die gerechte Anerkennung fand. Nun arbeitet sie an einem Bericht über die jüdische Emigration nach Palästina und hofft damit bis Ende des Jahres fertig zu werden. Professor Loris Schatz in Jaffa hat einen besonderen Teil des Berichtes übernommen, — indem er sich mit der Statistik der jüdischen Handwerker und Arbeiter in Jerusalem befaßt. Die marokkanischen Ifidrn in Gefahr. Der „Vossischen Zeitung" wird aus Tangers der Ausbruch von Unruhen in Mogador gemeldet,; die sich gegen dis einheimischen Inden und gegen j die Fremden richten. Das diplomatische Korps ist zuj sammengetrctenund hat die marokkanischeRegierung j ausgefordert, Soldaten nach Mogador zu schicken.! Dies ist auch geschen. — -Der Unruhestifter ist der Kaid Anflus, der diesJuden aus Mogador vertreiben will. Gin Pogrom in — den Vereinigten Staaten von Nordamerika. Man berichtet uns ans New-Iork: Ein Pogrom — wenigstens den äußeren Merkmalen nach: Geschlagene und gemarterte Juden,- darunter solche, die man zu diesem Zwecke aus Wagen herausholt, erbrochene jüdische Läden usw. usw. — Der Anlaß allerdings ist sehr eigentümlich. Die Fabriken Tutelinann brothers und Feigin in Philadelphia beschäftigen zum größten Teile jüdische Arbeiter, und zwar 1700, allerdings auch 300 christliche Arbeiterinnen. Die-Arbeiter, Ostjuden, die in jüdischen Gewerkschaften organisiert sind, traten nun aus rein ökonomischen Gründen in. den Streik. Da fielen-.:die Fabrikc-Mn —^selber. Juden — auf den genialen Gedanken, eine -regelrechte Judenhetze zu arrangieren. Sie ließen in die englischen Zeitungen die Nachricht lancieren, daß die jüdischen Arbeiter. nur deshalb streiken, weil sie mit christlichen Kollegen nicht zusammen arbeiten wollen. Diese Nachricht wurde von antisemitischen Blättern aufgegriffen und deren Einfluß, sowie gedungenen Strolchen gelang es, eine große Menge christlicher Arbeiter aufs Aeußerste zu erregen. Dreitausend Mann stärk zogen sie am 16. August abends vor die Fabrik und verübten dort ihre Untaten an den Streikenden und anderen Juden. Die Polizei trieb sie, da wir ja doch nicht in! Rußland sind, bald auseinander. An den folgenden Tagen konnten sich die Unruhen, wenn auch in milderem Maße, wiederholen, da die aufgestellten Polizeiposten, offenbar von den huliganischen, jüdischen Fabrikanten bestochen, und daher sehr schlapp waren. — Am 18. fand eine Versammlung der 300 mitstreikenden Christinnen statt, in welcher die Behauptung der Chefs, daß der Streik gegen die christlichen Arbeiter gerichtet sei, als Lüge gebrandmarkt würde. : Der Streik dauert fort, doch gibt sich ein großes Komitee, dem Juden aller Klaffen angehören, Mühe, ihn beizulegen. Antisemitismus hr Amerika. Derselbe Korrespondent schreibt uns: Bisher war der amerikanische Anlisemitisums mir .ein Importartikel. Es gab deutsche und tschechische Zeitungen, die ihn pstegten. Aber in englischer Sprache trat er nicht hervor. Nun ist das Eis gebrochen. In Brooklin gibt ein katholischer Geistlicher, namens Belfort, ein Blatt „Monitor" heraus. Der Mann war noch vor wenigen Wochen ein Lobredner der Juden. Plötzlich,' wahrscheinlich aus irgend welchen privaten Gründen, ist er ein wütender Antisemit geivorden und veröffentlicht in seinem Blatte einen Brandartikel gegen die Inden, um den ihn seine europäischen Vorbilder beneiden können. Wenn, nun auch die Zeitung und ihr Herausgeber wenig Beachtung genießen, so ist die Erscheinung doch'nicht unbedenklich. Iiidische Sklaven in Amerika. Es ist furchtbar, aber leider wahr, daß sich unter den Juden der N<lw-Iorker Judenstadt Leute finden, ihre aus Europa herüberkvmmenden Brüder an Gesellschaften '- im Süden verkaufen. Die Unglücklichen werden zur Zwangsarbeit angehalten, mörderisch gepriigxlt-und. erhalten nicht einmal genügend Brot zu essen. Die sogenannte „Nikson Lombard Compagny" „beschäftigt" allein hundert solcher jüdischer Sklaven in Alabama. Wer weiß, wie viel Tausende cs noch in den anderen Südstaaten gibt? Die jüdische Wochenschrift „Ter Amerikaner" bemerkt sehr richtig, daß die Juden in der ganzen Zeit ihres mittelalterlichen Elends sich Eines bewahrten,'wvdurch sie sich von den fönst glücklicheren Völkern auszeichneten: Die persönliche Freiheit. Sollte sie jetzt, im zwanzigsteir Jahrhundert, 'im freien Amerika verloren gehen? Das Blatt fordert zur Gründung einer eigenen Befreiungsgesellschaft und zur nachdrücklichen Verfolgung der entmenschten jüdischen Sklavenhändler auf. Unabhängige Wohlfahrtspolitik der Gstjuden in Amerika. ‘ New-'Hork, 20. August 1906. Vor zwei Jahren hat sich hier ein V e r-. band der galizischen u n d b u k o w inischen Juden in Amerika gebildet, der sich inuner mehr zu einer Rieseuorgatiisation auswächst. Es gehören ihm bereits 78 Vereine mit einer Mitgliederschaft von 10.000 an. Augenblicklich hat er den Plan gefaßt, ein großes jüdisches Spital in New-Iork zu bauen, an dem es leider bisher fehlt. Von ganz besonderer Wichtigkeit aber ist es, das; sich der Verband die Aufgabe gestellt und eilt aus der letzten Konvention gewühltes Komitee mit ihrer Durchführung betraut hat, aus den ostjüdischen Einwanderern selbst eine repräsentative Hilfskörperschaft hervorgehen zu lassen. Tie Leiter des Verbandes gehen nämlich von der 'Ansicht aus, daß sich die amerikanischen Ostjuden unbedingt von der Hilfe der deutschen und amerikanischen reichen Juden, welche wohl die bestell 'Absichten haben, aber die Interessen der eingewanderten und noch weniger die der irr der alten Heimat zurückgebliebenen Juden verstehen, emanzipieren müssen. Erst wenn es eine große Organisation der eingewanderten Juden gebett werde, werde es auch möglich sein, die gewiß nicht wegzuleugnenden Beziehungen der erwähnten Kreise erfolgreich 'zu verwerten. Wie wenig - das Komitee daran denkt, irgend jemanden zu brüskieren,- geht-daraus hervor, daß es in Sachen der geplanten Schöpsting mit dem Orden „Brich 'Abrahan: Jndepedent" und mit den „Bnaj Brith" in Unterhandlungen getreten ist,, die viel Erfolg versprechen. Territorialistisches. Anläßlich der kürzlich in London stattgeftindencit Generalversammlung der l. T. O. hat ein Vertreter des Londoner Blattes „Jewish World" eine Unterredung mit dem Generalagenten von Viktoria, Air. I. W. T a v e r u e r, gehabt, der seine Ansicht dahin präzisierte, die Regierung von An st ra lic n wäre gerne bereit, der l T. 0. ein großes Stück Land behufs Gründung einer jüdischen Kolonie zur - 'Verfügung zu stellen. Ein solches Gebiet, das gut 50.000! Menschen ernähren könnte, wäre gegenwärtig an dem Murray ström zu vergeben und die Kolonisten könnten bei eiiient Landbesitz von '25 'Acres nicht nur Getreidebau, sondent auch ganz besonders mit Erfolg Geflügelzucht treiben. Tie Jnstallationskosten würden sich da pro Familie höchstens ans '2000 Mark stellen. Ta Australien jeder Gemeinde vollständige lokale Selbslvcrwalinng gewährt, so würden die Juden' in der neuen Kolonie leicht den Sonnabend anstelle des Sonntags setzen können, j Im gleichen Sinne hat sich der Generalagent für Weftanstralien, Mr. James, ausgesvrochen; in dem von ihm vertretenen Gebiele gibt es massenhaft freies Land, und jeder Weiße kann da von der Regierung 160 Acres ttlltnrfähigen Bodens bekommen uild außerdem zum Preise von 10 Schilling per Acre, zahlbar in *20 Jahren, soviel Land hinznbelommcn als er nur haben mag. Tie Regierung würde eine Eii-wanderung ackerbautreibender Juden gerne sehen. Ter Präsident des australischen Einwandernngsamtes. Tr. Richard 'Arthur hielt anläßlich einer Massenprotestversammlung gegen die russischen Indengtenel eine Rede, in der er unter anderem folgendes sagte: „Ich sehe nicht ein, 'warum dieser Strom russischer Inden nicht an unsere Küste geleitet werden könnte? Australien mangelt es an Bevölkerung. zBeisall.) Wir haben 3,<;00.0CÖ Onadraiiiieilen Land mit nur 4,- or.uuo Bewohnten. Außer den arktischen Regionen ist Australien mit seinen t‘;3 Personen ans die Ouadratmeile das am spärlichsten bevölkerte Land der Erde. Dieser Answanderuitgsstroin sollte nach unserem Erdteil geleitet werden. Es braucht ihn. Wir suchen keine Bewohner für die großen <2iädte Australiens. Tort haben mir >chon zuviel. Es wäre traurig. Ghettos in Sidney oder Melbourne errichten zu wollen.! Landwirtschaftliche Niederlassungen mitueit in Australien gegründet werden, wie sie auch in anderen Teilen her Welt mit Erfolg errichtet worden sind. Hiergegen wird geltendgemacht, daß die Inden keine Landwirte sind. Das gebe ich zu. Die Mehrheit der Inden ist schon so lange vom Erdreich getreitnt und tu Ghettos gesperrt, in denen sie durch ihre Umgebung gezwungen sind, ans gewisse Beschäfiiguitgeu und Gewerbe sich zu beschränken, daß sie die Befähigung für Landwirtschaft, die sie unzweifelhaft vor ihrer Zerstreuung in hohem Grade besaßen, bedeutend eingebüßt haben. Doch >ehe ich keinen Grund, warum die

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