Neue Zeitung
- Journal
- Neue Zeitung
- Volume
- 1906
- Issue
- Heft 2 (14.9.1906)
- Date
- 1906-09-14
- Page
- Seite 2 (sequence 2)
- Language
- German
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Seite 2 Neue Zeitung Nr. 2 gedeckten Positionen schaffen können, so müssen kann, mit Menschen,-an deren Händen das Blut i aufhielt und Herr Kutschera der Damen sich änwir sie ihnen schaffen. — Mit unseren Mittausender klebt. Grüße zu tauschen oder gar zunahm. Es ist nun kein Zweifel, daß letzterer seine stimmen zu tafeln. Erinnern wir sie, daß Kumteln, mit unserer Kriegskunst! Und da haben wir zunächst ein Verbrechen zu sühnen, das Einige von uns entweder in erbärmlicher Gewinnsucht oder in unbegreiflicher Leichtgläubigkeit begingen, indem sie nicht dem eigenen' Fleisch und Blut, sondern den Feinden KÄegshilfe leisteten. Nicht nur müssen solche Untaten fürder unmöglich werden in unserer Mitte, sondern wir müssen die Kreise, die mit den Gelddingen zu schaffen haben, moralisch zwingen, einen unerbittlichen finanziellen Feldzug gegen die russische Regierung zu beginnen. Den ganzen starken Willen unseres Stammes müssen wir auf unsere .Geldgewaltigen, und müssen diese auf ihre, nichtjüdischen Berufsgenossen spielen lassen, damit die russische Henkerregierung ausgehungert werde. Doch damit dürfen wir uns nicht begnügen. Wir müssen auch das Gewiffen der Welt gegen Rußland mobilisieren. Wir dürfen nicht ruhen, bis die Völker ein Machtwort gesprochen haben, vor dem -sich der Zarismus, wenn er bis dahin noch nicht verendet ist, beugt. Mcht winselnd dürfen wir kommen, mit höfischen und höflichen Worten; die jeden Eindruck verfehlen nnd die. Unlust, uns zu helfen, noch vergrößern.' . Das ist es ja,, was uns so. überaus, verab-. scheut machte, daß wir unsere Wünsche und unser^'Rechte nie u n s e r e Wünsche und u ns efr e Rechte nennen, daß wir glauben. Alles so nebenbei und im Süllen abmachen zu müssen. Im Grunde wartet die Menschheit schon längst auf unser erstes kräftiges Wort: Sie wartet darauf, in heimlicher unbewußter Sehnsucht nach Erlösung von einem Alp. Begreifen wir dies doch endlich und treten wir in dieser furchtbaren Angelegenheit zum ersten Male als die neuen Juden vor fie hin. Fort mit der Süßüchkeit! Durch sie bringen, wir die Welt zum Bewußtsein der Schmach, in. die fie durch die Duldung der russischen Greuel gesunkenist. Wir bestärken sie nur in ihrer muckerischen Selbstzufriedenheit. Wir helfen ihr, sich in den Mantel diplomatischer Wohlanständigkeit hüllen. Wir ermöglichen: ihr den täglichen und stündlichen Bruch jener religiösen und sittlichen Prinzipien, zu welchen sie sich offiziell bekennt. Wir tragen, dazu bei, daß oft edelgeartete Menschen sich auf Wege verirren, die ihrer unwürdig sind. Sprechen wir nicht süßlich! Nennen wir das Ding beim rechten Namen! Sagen wir doch denjenigen, die es angeht, daß es keine Ehre sein Jüdische Offiziere in de« verschiedenen Herren. Die..,Sunday Tim*-s-‘ veröffentlicht einen interessanten Artikel über die Inden in den veffchiedenen Heeren, dem wir Nachstehendes entnehmen: Die größte Zahl jüdisch r Soldaten sind in der russischen Armee zn finden, was unter anderem daraus zu crseben ist, daß im Kriege gegen Japan nicht weniger als 15.000 Juden aktiv in der. Front gefochten haben. ....... Auf Rußland folgt Oesterreich, wo im Gegensatz zum benachbarten Deutschland die Juden als Offiziere zugelasten werden und es ihrer, nach den Angaben des Versagers, nicht weniger als 2000 geben soll, wobei vermutlich die der Reserve und die Militärärzte mitgerechnet wurden. In bcu letzten zehn Jahren wies bie österreichische Armee sogar drei aktive jüdische Generale auf, nämlich den Lchiffs- Jngenieur General Popper, den Brigade-General Eduard Ritter von Schweizer und den General von Eis. der fünf Feldzüge mitgemacht hat und sich der besondereil Gunst des Kaisers Franz Josef erfreut hat. Sicher falsch ist die Angabe, daß es in. D 'e u t s. ch l a n b noch „eine beträchtliche Anzahl jüdischer Offiziere" .gibt, daß in Baien, Jude» als aktive Offiziere zugelaffen werden, daß in Preußen „gegen 200 jüdische Reserveoffiziere, über 450 Reservennd gegen zirka > 0 aktive Militärärzte" existieren. Frankreich wies zur Zeit der.Degradation Alfred Dreyfus' nicht weniger als 300 jüdische Offiziere auf, deren Zahl mittlerweile noch weit erheblich gestiegen sein dürfte. Neben Gcneial Naque't-Laroque, von dessen Beförderung zum Chef des gesamten Artillerieivisens. in .ihrem Blulle berichtet wurde, ist noch Geueral Valabrögue zu nennen. lieber die Juden nn englischen Heere weß der Verfasser nur zu berichten, daß im' Burenkriege 2WKJ Juden auf Seiten Englands gefochten haben. In den V e r e.i n i.g t e n. S t a at e n von N o r d a m e r i k.a, die nur ein. kleines Söldnerheer besitzen,' find nur. verein elte jüdische'Offiziere.anzut effcn, darunter der Marinekapitän M a r'i x, der sich schon. mehrfach ausgezeichnet' har und. die-besten Chancen .besitzt, in. nicht, «llzuferner Zeit zum.-A d m i r.a l'zu avancieren. . . . Endlich weist.auch die Tn r k ei,' die nach den Vorschriften des Korans Nichtniuh-mmedaner zum Militärdienst überhaupt nicht zuläßi,.einen Hohen jüdischen Würdenträger auf. den bekannten E l i a s Pa s ch a, Chefarzt der' Marine mit dem Range eines Admirals und Leibarzt des Sultans. pane und Anstifter von Leuten, welche Säuglinge an den Wänden zertrümmern oder in zwei Stücke reißen, Frauen schänden und dann morden, Männern mit den Nägeln die Augen ausreißen, daß solche Mordzüchter keine paffende Gesellschaft für moderne westeuropäische Staatsmänner sind. Donnern wir es diesen christlichen Staatsmännern und den christlichen Völkern so lange zu, bis sie es hören, daß es unter anständigen Menschen Gepflogenheit ist, Mördern das Handwerk zu legen. Namentlich, wenn maus kann. Und man kann cs! Mit Rußland kann man fertig werden. Ein Machtwort der Mächte — und die russische Regierung muß die Unverletzlichkeit der Nichtkämpfer auch im inneren Kriege anerkennen! Man wende nicht ein, daß wir gut zu sagen, zu erinnern, zu donnern haben! Die Staatsmänner und Völker würden uns nicht hören. Gewiß, wenn wir . bald ermüdeten. Aber wenn wir nicht müde werden —' gibt es keine Macht, die dem unermüdlich aufgepeitschten Gewiffen auf die Dauer widerstände! Und dann dürfen wir natürlich.auch nicht mit verzettelten Kundgebungen kommen. Oertliche Protestversammlungen haben ja in Ermanglung eines -Besseren - zumindest einen inneren erzieherischen Wert. Aber durch sie kommt-kein- Volkswille, kein Volkszorn zum Ausdruck. Durch sie werden die Völker niemals das jüdische Volk in seiner moralischen Persönlichkeit kennen lernen, werden ihm niemals Auge in Auge gegenüberstehen. "Und gerade das ist notwendig. Gerade das hat bis jetzt gefehlt und gerade deshalb, weil es bisher fehlte, ist es gar so arg mit uns geworden. Eine große, inächtige Kundgebung des ganzen Volkes muß erfolgem Des ganzen Volkes, nicht etwa wieder bloß einiger Notabeln oder einiger Kultusgemeinden! Des ganzen Volkes in allen seinen Klassen und-. Parteien! Fort mit allen Klüften bei diesem ' Anlaß. Eine gesamtjüdische Versammlung' muß in irgend eine europäische Stadt einberufen werden, — eine Vertreterverämmlungt. aus" de^^gdnzen. Jüdenheit, die ihr Wort an' die Welt zu richten hätte. Gleichgiltig, wer die Einberufer sein wollen, Nicht so gleichgiltig, welchen Vertretungsmodus sie wählen. Es muß ein demokratischer sein. Denn noch einmal: Die. Welt muß -endlich einmal. zu fühlen bekommen, daß das jüdische Volk zu ihr spricht, ein ganzes Volk,'das seine Kinder nicht mehr hinschlgchten lassen will. B. Wochenschau. Aus Amerika kommen Nachrichten über antisc- ...itische Strömungen und Exzesse. Die amerikanischen Juden haben keinen Grund, deshalb zu düster in die Zukunft zu blicken. Allein sie müssen sich an ihren europäischen Brüdern ein.warnendes Beispiel nehmen nnd bei Zeiten dazu schauen, um jüdische Ehre und. jüdisches Vermögen durch eigene Kraft'zu wahren. Die französischen Juden Haben sich infolge der Trennung von Kirche und Staat, auf,, neuer Grundlage organisiert. Das ist Nebensache. Traurige Hauptsache aber ist, daß tausende Juden die Aufhebung der Beitragspflicht für die Gemeinde benutzen, um sich von der Gemeinde ganz zurückzuziehen .... Sollte die französische Judcnheit schon einen verlorenen Posten darstellen? , Der K and i d a t d e r.Z i o n i st e n u n d Jüdischnationalen für die Ersatzwahl in den Städten Brody- Zloczow erklärte, für den Hall seiner Wähl dem Polenklub n i ch t b e i z u t r r t e n. So selbstverständlich diese Erklärung sein sollte, muß sie in Anbetracht der bisherigen entgegengesetzten Uebung als ein zeitgeschichtliches- Ereignis angesehen werden. * Die marokkanischen Juden'sind wieder an Leib und Seele bedroht. In Siedlce (Ruff.-Polen) furchtbarer Pogrom. Nur vom Militär arrangiert. Nerganr — kaiserlicher |ial Wir gratulieren — namentlich zn den vielen jüdischen'Titelköllegen.. . >. . Halten fie es nötig? Der. österreichifch-üngarifche Konsul in' der rumänischen Stadt Konstanza, ein Herr: Ku t s ch er a, wurde von Äem. Präsidenten der "rumänischen Kultur-Liga, Gr ad ist e.anu,- geohrfeigt.'' Und demnächst ' wstd - ein Duell. zwischenden beiden stattfinden, / - .:>: - . ."'v. ... Der Anlaß zu dieser Streitgeschichte war der, daß sich - Herr Grädisteanü über daswie erjsagt, demonstrative Magyarischsprechen zweier. Däiüen Pflicht, als östexreichisch-u n g a r i s ch e r Konsul, der er nun einmal ist, ehrlich erfüllte und nicht anders handeln konnte. Auch scheint für den rumänischen Herrn der Umstand sehr maßgebend gewesen zu sein, daß die beiden Damen Jüdinnen waren. Denn magyarisch sprechen hört man ja alle Tage in Rumänien ... Und doch hatten gerade die beiden j ü - i s ch en Damen es nötig, zu einer Zeit, in der die Rumänen wegen der garstigen Unterdrückung ihrer Volksgenossen in Ungarn mit den Magyaren in Fehde leben, die Empfindlichkeit der Rumänen n deren eigenen Lande zu reizen? Wir wollen nicht annehmen, daß sie es. absichtlich taten. Aber es ist ja im Grunde noch viel trauriger, wenn, es unabsichtlich geschah. Umso tiefer sitzt das Uebel. Die beiden Damen —' übrigens aus Arad, einer;ar -nicht magyarischen Stadt und selber sowohl )es Deutschen, als des Rumänischen mächtig — ahnen nicht, wie sehr sie die Verblendung und das Schicksal des ganzen ungarischen Judentums .verkörpern. Die Grsafimafil Zlorronr-Krody. Uor der Entscheidung, s;Brody, 11. September. 1906 Tie Aussichten Adolf Stands steigen von Stünde zu Stunde. Vor Allem haben die großen Wählerversammlungen, die hier stattfanden und bei welchen Dr. Zipper, Dr. Malz, Dr. Pordes, Waldmann, Löbl Taubes, F eiermann, Jahr -sprachen, , einen großen Eindruck gemacht; ganz besonders aber die Sonntags-Versammlung, bei welcher sich der jüdischnationale Kandidat vorstellte und eine glänzende Rede hielt. Seine Erklärung, daß er. dein Polenkluv nicht - beitreten, - vielmehr sich bemühen werde, im Parlamente einen j ü dis ch e n Klub zu gründen, wurde. mit türmischem Beifall ausgenommen. ' Die Schlachzizenpartei verbreitet die Drohung, daß man im Falle der Wahl Stands die Zahl der in der neuen Wahlkreiseinteilung zugestandenen jüdischen Wahlkreise/ vermindern 'werde.; Die Drohung ist offenbar , nur. ein Wahlmanöver, und schreckt' niemanden/ Sollten aber die Herren wirklich daran gehen, sie wahr zu machen, umso schlimmer für sie. Dann werden alle Juden sehend werden, und das wird eine. Macht geben,, die sich schließlich die Wahlkreise auf anderem Wege wird zu erobern müssen. Wie sehr übrigens das polnische Zentralwahlkomitee die Gefahr der Wahl Stands kennt, beweist der Umstand, daß im letzten Augenblicke Heinrich Ko l isch er hervorgeholt und als alleiniger Kandidat des Polenklubs proklamiert wird. Sicher ist - Kolischer ein prominenterer Mann als' die bisherigen jüdischen Kandidaten, aber er ist nichts weniger als beliebt und hat sich diese seine Unbeliebtheit redlich verdient. - ' Von Zloczow laufen nun auch günstigere Nachrichten ein. .; Als Kandidat hat sich auch der 'Rabbiner von Floridsdorf, Dr. R.o s e n m a n n, vorgestellt, aber keinen Eindruck gemacht. Daß er in den Polenklub eintreten will, hat gegen ihn eingenommen. Man kann darin keine Realpolitik mehr.sehen. Hoffen wir, daß Freitag der Gedanke der vollen jüdischen Selbstbestimmung siegt.' K. Zloczow, 9. September 1906. Samstag sollte hier eine Wählerversammlung in. der Synagoge stattfinden.: Auf Betreiben des jüdisch-polnischen Kandidaten Dr. G o l d verbot sie der Bezirkshauptmann. Alstrotzdem die Jüdisch- . nationalen als Beter im Bethause warten wollten, bis ihr Redner kam, brachte der Kultüsvorste'her B l u m e n b l a t t Gendarmen mit aufgepflanzten Bajonetten-ins .Gotteshaus, die die Menge ver- . trieben. Also Badeni als Erzieher! Dr, Gold hat sich übrigens auch den Dr. Lueger zum, Vorbild genommen.. Als - Vizebürgermeister von ' Zloczow kann er auch' die.: Toten, wählen lassen.' /.Einige Hundert davonsind'in die, Zloczower Wählerliste eingetragen. - 7-•- , / Sonntag, fand buch eine Wählerversammlung statt,welch« Herr Löbl.-'Taubesiw äußerst wirksamer Meise sprach. . Vielleicht werden endlich einmal-..auch die Zlöczywer' Juden schon müde; die.Wahlknechte des Polenklübs zu seim. / - >,--> Jakob.