Nationalzeitung
- Journal
- Nationalzeitung
- Volume
- 1907
- Issue
- Heft 11 (22.2.1907)
- Date
- 1907-02-22
- Page
- Seite 5 (sequence 5)
- Language
- German
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Nr. 11 NalionalzeitmH Seite 6 wurden, so sollen nun auch seine LobeShymnen auf seinen in der erörterten Frage gewiß nicht mit Unrecht angegriffenen Kollegen Singer eine berechtigte Abw.hr erfahren. Handelt es sich doch hier nicht um die mehr oder nrnder berechtigte überschwängliche Verhimmelung eines in weiteren Kreisen beliebten und in seinem Berufe verdienstlich wirkenden Mannes. Ein ehrliches, von lauterer Wahrheitsliebe erfülltes Gemüt, lehnt sich gegen die Verbreitung falscher Legenden auf, durch die man sich an Mit- und Nachwelt vergeht. Entsteht doch dadurch eine heillose Verwirrung aller Begriffe, indem dabei jedes Laster in eine Tugend, jeder Fehler in einen Vorzug verwandelt wird. Die tiefste Mittelmäßigkeit wird da zur Vollkommenheit, die erwiesene Unfäh gleit zur hohen Begabung und ein glückliches unverdientes Geschick zum berechtigten Verdienste. Kein Wunder wenn bei solcher Umwertung der Werte in unserem Falle einem Manne Lorbeerkränze dafür geflochten werden, weil dessen „fachwissenschaftliche Publikation", die sich übrigens auf Zeitungen beschränken und deren Stilisierung, wie Eingeweihte versichern, nicht einmal von ihm selbst herrührt, bei scheinbarer Verschiedenheit und gelehrtem Anstrich der Themen immer wieder dieselben Gegenstände behandeln, nämlich: die Selbstverherrlichuna und die versteckte, hinterlistige Abschlachtung mißliebiger begabter Kollege». So wird es einem schon als Ruhm angerechnet, wenn er blos der Senior eines Standes ist, für dessen Hebung er nichts Ersprießliches gewirkt und in welchem er sich sowohl gesanglich als auch musikalisch durch eine stets potenzierte Geschmacklosigkeit ausgezeichnet hat. Es ist darum nur natürlich, wenn sich im Laufe der Jahre die Besucher seines Tempels immer mehr lind mehr verringert haben und daß man ihm endlich, trotzdem sein hartes Organ auch jetzt noch als Orkan den heiligen Raum erschüttert, einen wirklich begabten Kantor zur Seite gestellt, der die ausgebliebenen Tempelbesucher wieder herangezogen hat. Und nun noch die allgemeine humanitäre Betätigung, die sich im Erteilen vou unentgeltlichem Gesangsunterricht im Blinden- und Waiseninstitut erschöpft, die aber einerseits mit Rücksicht auf die glänzend dotierte Stellung und den dafür erlangten Ruf eines Menschenfreundes, sowie andererseits auf die tatsächlich erzielten Erfolge an diesen Lehranstalten nicht so außerordentlich gepriesen zu werden verdient. Es erschien im Interesse der Wahrheit als dringend geboten öffentlich vorgebrachten Ansichten, öffentlich entgegenzutreten, um das entstehen irriger Anschüttungen zu verhüten, bedauerlich ist nur, daß hiebei eine persönliche Auseinandersetzung nicht zu umgehen war. Die uneigennützige ausgesprochene Wahrheit ist hart und schmerzhaft für den Einzelnen, aber notwendig und heilsam für die Gesamtheit. Übertriebenes Selbstbewußtsein und unberechtigt gehäuftes Lob fordert eine strenge kritische Prüfung heraus, die nicht immer zu Gunsten der Betroffenen ausfüllt. * * Vom Vorstande des österr.-ungar. Kantoren- Vereines werden wir nm Aufnahme des nachstehenden Commnniqnes ersucht In der Dienstag, den 1i). d. M. 7 Uhr abends unter, dem Vorsitze des Vizipräsidenten I. Bauer und in Anwesenheit der Vorstandsmitglieder PH. B a ß l, S. D ü n m a n n , B. G u t t m a n n, S. I u r b e r g e r, I. L ö w i t, I. S ch l e i f e r, I. S ch l e s i n g e r, M. S ch o r r und I. S m ot r i tz k y stattgehabten VorstandSsitzung, welche sich mit der durch diverse Veröffentlichungen in den Wiener jüdischen Blättern sattsam bekannten Angelegenheit der Trauung W e r t h e i m st o i n - R o t h s ch i l d im Tempel, VUl., Nendeggergasse beschäftigte, wurde folgender einstimmiger Beschluß gefaßt: „Unter schärfster Mißbilligung und Zuriickweisung der anläßlich der Trauung im Tempel, VIII., Neudeggergasse gegen bcu Präses des österr.-ungar. Kantorenvereines, Herrn Oberkautor Josef Singer, in der Wiener jüdischen „N a t i o n a l z e i t u n g" veröffentlichten, vollkonnnen ungerechtfertigten (?) und höchst bedauerlichen Angriffe und Anwürfe, sieht sich der Vorstand nach genauester Prüfung der Sachlage zu der Erklärung veranlaßt, daß Herr Oberkantor Josef Singer vollkommen korrekt und einwandfrei vorgegangen ist und auch als Präses des Kantorenvereiues nach keiner Richtung hin die gebührende Rücksicht auf die Wahrnehmung der Standesinteressen außeracht gelassen hat. Auf Grund dieser Ueberzeugung fühlt sich der Vorstand des österr.-ungar. Kantorenvereines verpflichtet, dem Herrn Oberkantor Josef Singer als Kollegen und Präsidenten des Vereines durch diese öffentliche Kundgebung sein vollstes Vertrauen auszudrücken." Das jüdische Volkslied. Das Ministerium für Kultus und Unterricht geht daran, die Volkslieder der Nationen Oesterreichs, die einer vom Staate inaugurierten Zusammenfassung noch völlig entbehren, zu sammeln. Durch die Ausführung dieses für die Gesamtkultur Oesterreichs bedeutungsvollen Planes wird die Regierung nicht nur das Gebiet der Wissenschaft mit kostbaren geistigen Schätzen bereichert haben, sie wird sich vielmehr zum Ruhme anrechnen können, einmal fern vom politischen Felde, das stets beit Kampfplatz, der im kräfteverzehrenden Wettstreit miteinander ringenden nationalen Parteien darstellte, eine Plattform friedlicher Art gefunden zu haben, auf der jeder Nation ein Gleiches gewährt lverden kann. Es ist kein Zufall, daß in den Tagen, wo die Volks rechte die staatliche Anerkennung erlangt haben, dem Volks leben, das sich in seinen Liedern für die Ewigkeit wiederspiegelt, ebenfalls eine staatliche Bevormundung zuteil wird. Die als Nationen anerfanUten Völker sind Beim poütijdfeu Reformwerke auf ihre Rechnung gekommen, und da ist es zweifellos, daß es betreffs einer kulturellen Errungenschaft, wie sie die Sammlung des Volksliedes bedeutet, keinerlei Zutuns und keines „Konferierens" an kompetenter Stelle bedarf, damit allen Wünschen in vollstem Maße Rechnung getragen werde. Das jüdische Volk aber ist in seiner traditionellen Ausnahmsstellung von der reichen Politischen Ernte sehr karg bedacht in gezwungener Resignation heimgekehrt, und wenn jetzt die den Osten des Reiches in kompakten Massen bevölkernden Juden mit ihrem stark ausgeprägten nationalen Charakter, der sich besonders in den Volksweisen mit einer scharf abgegrenzten Individualität und einer seltenen Eigenart des Empfindens ansdrückt, mit gleicher Forderung an das Ministerium herantritt, so tun sie dies im Bewußtsein einer schuldigen Pflicht für ihr Volkstuin, aber auch mit derselben Berechtigung, die de» anderen Nationen zuerkannt wird. Die ostjüdische Bevölkerung hält daher an der zuversichtlichen Ueberzeugung fest, daß das Ministerium diesen Standpunkt der Gerechtigkeit auch dem jüdischen Volke gegenüber wahren wird, umsomehr, als die Regierung in diesem Falle nicht in die prekäre Lage kommt, politische Konzessionen zu erteilen, was ein vorbedächtiges Erwägen und berechnendes Prüfen voraussetzt, sondern vielmehr darum angegangen wird, einem Volke, dessen Rechte ans politischem Gebiete sehr gering geschätzt werden, auf kulturellnationalem Gebiete die Anerkennung seines Volkstums durch die Sammlung des jüdischen Volksliedes, wenn nicht als gleichwertiges Aequivalent, so doch als vorläufige Entschädigung zu bieten. — In dieser Angelegenheit hat die jüdisch-akademische Verbindung „Zephirah" ein auf breiter Grundlage ausgearbeitetes Memorandum an das Ministerium für Kultus und Unterricht gerichtet, worin dasselbe ersucht wird, eine Kommission mit der Sammlung des jüdischen Volksliedes zu betrauen. Das Memorandum wurde von Universitätsprofessor Dr. F r i e d w a g n e r, zu dessen Händen es überreicht -wurde, mit einer sehr warmen Befürwortung begleitet. Es ist daher zu erwarten, daß die Jttdischnationalen bald mit einer schönen und wertvollen Arbeit werden bedacht werden. Austritte uns dem Judentum in Wien. (Vom 33. bis 31. September 1906.) Malwine Breyer, Gaudenzdorf, 12., Steinhagergasse 20; Max Kohner, Chemiker, 13., Braunergasse 53; Bruno Langbank, Graz, 13., Brannergasse 55; Richard Ritt. v. Mauthner, Landwirt, 1., Kärntnerstraße 51; Rudolf Ritt. v. Mailthner, Bankbeamter, 1., Bäckerstraße 1; Eugenik Pniower, Trzebnia, 6., Hofmühlgasse 2; Otto Pollak, Wien, jetzt Gmunden; Therese Fantus, Estergom, 20., Wattensteinstraße 55; Barbara Mühlrad, Humpoletz, 16., Habichergasse 17; Kurt Bathe, sind. Phil., 1-, Hegelgasse 21; Paul und Leopold Hollitscher, Kaufmann, 1., Hohenstaufengasse 7; Rich. Rothziegel, Priv.-Beamter, 4, Mtthlg. 7; Deborah Schnener, Nizankevice, 6., Gumpendorferstraße 92; Robert Böhm, Vertreter, 3., Hetzgasse 4; Adolf Gottsleben, 19.. Pantzergusse 10;'Olga Schimetschek, Tulln, 19., Zahnradbahnstraße 10; Anna Tetelmann, Odessa, 9., Währingerstraße 33, Pension Atlanta; Marc Pigeon, Buchhändler, Pultscha (Rum.), 9., „Hotel Union"; Marie Fried, Stressow, 12., Aichhorngasse 8; Emil Hutter, Edelstein- Händler, 9., Kolmgasse 6; Mathilde Glogau, Wien, 9., Wasagösse 11; Margarete Recht, Prag, 2., Springergasse 27; Berta Löwy, 9., Schlickplatz 4; Salomon Hirschler, Hilfsarbeiter, 9., Thnrngasse 13; Otto Porges, Mechaniker, Gmünd, 13., Rohrbachstraße 15; Betti Goldstein, Miskolcz, 18., Anton Frankgasse 4; Stefanie Schönberg, Wien, 3., Reisnerstraße 42; Emil Grohs, Metallarbeiter, Eibnschitz, 20., Pöchlarnstraße 8; Leni Blau, Deaki, 20., Bäuerll gaffe 15; Ernst Beck, Wien, 5., Wimmergasse 18; Rudolf Feldmann, Handelsangest., Höritz, 9., Säulengasse 15; Ludwig Schön, Wien, 15., Arudtstraße 89; Gisela Weiß, Budapest, 2., Rotensterngasse 5; Jakob Big, Hilfsarbeiter, Wien, 2., Novaragasse 45; Jacques Sepalitzer, Rechlshörer, Wien, 6., Mariahilferstraße 119; Hugo Stern, Friseurgehilfe, 19 , Silbergasse 11; Gabriele Suchy, Brünn, 2., Obere Donanstraße 45 a; Engenle Jsler, Wien, 2., Lessinggasse 19; Wally Jokl, Schauspielerin, Brünn, i., Ebenstorferstraße 3; Elsa Friedmann-Schorsteln, jetzt in Linz; Margarete Singer, Professorstochter, Wien; Karl Grast, Hnmpolec, 1., Reichsratsstraße 29; Heinrich Herschl Geiger, Hilfsarbeiter, Lackenbach, 20., Leipzigerstraße 54; Josef Chummer, Czernowitz, 18., Schopenhauerstraße; Emilie Hnpka, Hilfsarbeiterin, Wien, 14., Meifelstraße: Ignaz Fischhof, Gymnasiast, 10., Hasengasse 33; Arthur Fischer, Wien, jetzt Prag; Alfred Deutsch, Wien, 7., Kaiserstraße 91; Klara Schrecker, Wien, 9., Waisenhausgasse 20; Karl Wechsler, Mittelschüler, Wie», 9., Hörlgasse 10; Marianne Saxl, Wien, 1., Salzgries 16; Karl Stroß, Kaufmann, Alexandrien, 1., Konkordiaplatz5; Auguste Kompert, 1., Schottenbastel 6; Joses Grünwald, Privatbeamter, 1., Lazzenhos 1; Jda Meyersberg, Privatbeamtin, Wien, 9., Hörlgasse 14; Kamilla Fuchs, Chrudim, Wien, 17., Gschwandnergasse 32- Ellen Schwarz, Dresden, Wien, 13., Hauptstraße 53; Dr. Leo Fis,hl. Chemiker, Wien, 13., Jennllgasse 6; Walther Herlinger, Jurist, Trzebinje, 13., Linke Wienzeile 4; Siegfried Deutsch, Wien, 16., Ottakringerstraße 117; Charlotte Kohn, Federnschinückerin, Aussee (Mähren). 2., Zirkusgasse li.‘; Alice Spieler, Koritschan, 1., Roten-- sterngasse 15; Jacques Freudenthal, Tarnopol, 18., Dittecsgasse 6; Wilhelm Keckes, Suczawa, 16., Lerchenfelderstraße 31; Marie Weiß, Lnndenburg, 16., Redtenbachgasse 53; Ernestine Mahler, Post Recin, 16., Hasnersrraße 144; Heinrich Weiß, Artist. Waitzen, 18., Schnlgasse 33; Oskar Porges. 8., Josefstädterstraße 65; Josef Weiß, Waitzen, 20., Mathildengasse 10: Julius Bauer, sind, med., Nachod. 9., Lacknergasse 1; Richard Flecker, sind, juris, Kierling, 1., Hoher Markt 9; Ernst Galitzenstein, 8, Kvchgasse 9; Susanne Viert, Neutra, 10., Qnellengasse 79; Estelka Heilpern, 1., Schottenring 32;' Robert Kehn, 1., Fleischmarkt 14; Albert Baar, Bankbeamter, 14., Sechshauserstraße 67; Alfred Neumann, 8., Lachnergasse 13; Josefine Sobotka, 1., Canovagasse 7; Richard Berger. Rechn.-Revid. i. P., 14., Laiuzerstraße 15; Kamilla Kummer, 19., Heiligenstädterstraße 5; Rudolf Schwarzbatel, Photograph, 2, Pazmanitengasse 28. vermischte Mach ei ästen. Wien. Am 10. Februar fand die Generalversammlung des jüdischen Vereines „Einheit" statt. Der Bericht über die fünfmonatliche Tätigkeit der vom Vereine errichteten billigen Restauration, p., Floßgasse 7, .wo bei angenehmer Bedienung für 36 Heller ■■ S. Mittelbach Soda-Pastillen. ESF&IS Wien» I.» fiolw Ittarltt Nt. Sodbrennen. Aufstoßer» re. leibe«, unnrtbedrttch. ' Galais Tina) Zentrum der Stadt WM" Preis per Schachtel WW Hell«. "WO