Nationalzeitung
- Journal
- Nationalzeitung
- Volume
- 1907
- Issue
- Heft 11 (22.2.1907)
- Date
- 1907-02-22
- Page
- Seite 4 (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
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Seite 4 Nationalzeitung Nr. M. die besten Schüler werden nach Vollendung ihrer Studien nach Europa geschickt. M o z a h (K o l o n i a), 8/e Stunden von Jerusalem entfernt, 72 Seelen, 75 ha, wovon ein Drittel Weingärten. Die Kolonie wurde 1894 von der Jerusalemer Loge des Vereines „B»ai brith" gegründet und in der ersten Zeit von einem Kölner Verein unterstützt. Gau M o n t e f i o r e (B u j a r a 1 M o u t e f i o r e), eine Viertelstunde von Jaffa bei Sarono. Wurde im Jahre 1895 von den Erben Montefiores der Alliance geschenkt. Ein früherer Zögling der Mikweh-Jsrael bearbeitet mit mehreren Arbeitern die Orangerie unter Leitung der Direktion dieser Anstalt'. I e h u d (I e n d i e h), 2 Stunden von Petach-Tikwah, 1883 gegründet als Wohnort für Kolonisten der eben genannten Kolonie. Durch große Eukalyptuspflanzungen wurde die fiebrige' Gegend assaniert, die Kolonie später aber wieder aufgegeben. II. S a m a r i a (Unter-Galiläa). Sichron Jakob (Samaria) setzt sich ans drei bewohnten Zentren zusammen, dem eigentlichen Sichron Jakob, Bath Schlomo und Meier Schfaje mit einem Gesamtkomplex von 1800 ha und 1300 Einwohnern. Sichron Jakob, 3 Stunden von Haiffa entfernt, wurde 1882 durch rnmänischeEmigranten unter dem Protektorate des Barons Rothschild gegründet. Nur ein Fünftel der Gründe ist angebaut; ein großer Teil der Weingärten wurde durch Philloxera zerstört. Gute Erfolge weist die Kultur der Mandelbäume auf. Außerdem werden Oliven, Tabak, Orangen, Flachs und Cassia kultiviert, auch Seidenzucht wird betrieben. Der Versuch mit Baumwollpflanzung mißlang. Die Kolonie hat eine Knaben- und Mädchenschule, Kindergarten, Bibliothek, ein Krankenhaus. Dampfmühle und große Warendepots. Zu Sichron gehören 4 Töchterkolonien: Manch, Burdj, Tantnra und Athlit. B a l h S ch l o m o (E in - e l - D s ch e m a l), 1 Stunde von Sichron entfernt, wurde 1889 gegründet. Schule, Synagoge. Die Hälfte der Gründe gehört den Kolonisten, die andere der Administralion. Meier Schfaje hat gutes Quellwasser und vortreffliches Klima; man Pflanzt Reben, Oliven, Mandeln, Maulbeeren, Feigen und Pfirsiche. Fast die Hälfte des Bodens sind felsige Hügel. C h u d e r a h (H e d e r a hi, 2 Stunden von Sichron, 1891 von russischen Vereinen und Privatleuten gegründet; 270 Seelen, 2650 ha. Fiebergegend wegen dreier großer Sümpfe, an deren Trockenlegung gearbeitet wird. Bisher wurden 100.000 Enkalyptusbäunie gepflanzt. Hauptsächlich Getreidebau. III. Galiläa. R o s ch - P i n a h (D s ch a j u u e), eine Stunde von Saffed entfernt. 1882 von rumänischen Juden gegründet. Ca. 33.000 Dönum (1 Dönum gleich 0.092 ha), wovon etwa ein Drittel unter die Kolonisten verteilt ist. Gute klimatische Verhältnisse und gutes Wasser. Ein Viertel des Bodens ist kultiviert. Die Kolonie wird von 800 Seelen bewohnt. Hauptknltur ist Getreide und Obst; auch besitzt die Kolonie viel Rindvieh und Schafe. Synagoge, Schule, Bibliothek. Ende 1904 brachte der Wein 14.000, Mancelu 12.000, Tabak 15.000 Frs. ein. Die i»i Jabre 1904 gegründete Seidenspinnerei hatte Mißerfolge wegen der Kosten des Fütterungsmateriales und der Schwierigkeit, Arbeitskräfte zu verschaffen. Die Produkte sollen guter Qualität sein. Der Anbau erfolgt nach der landesüblichen primitiven Methode, obwohl gute Ackergeräte zu Gebote stehen. I e s s v d H a m a a l a h (S b e d a), eine Stunde von Rosch-Pina, 1884 gegründet, 990 ha, 250 Seelen. Für jede» Anbau geeignet, Hauptsächlich wird Getreide g«baut, klimatische Verhältnisse ungünsti. Laboratorium zur Herstellung von Rosenöl. Der Boden ist unter 6 arme Familien verteilt, die der I. 0. A. unterstehen. M i s ch m a r - H a j a r d e n (Dschisser Benat Jakub), 2 Stunden von Rosch-Pinah, 1891 gegründet, 400 ha, 110 Seelen. Liegt 70 m über dem Jordan, ungesunde Gegend. Wurde 1898 von der „Jca" unter ihre Verwaltung benommen; größtenteils Getreidebau. Die Kolonie ist in einer schlechten Lage itub ungenügend eingerichtet. M a ch n a j i m. In der Mitte der drei vorgenannten Kolonien, von jeder 1 Stunde entfernt. 1899 von einem galizischen Vereine gegründet, 527 ha, etwa 70 Seelen. Hauptsächlich Getreidebau; die Kolonie ist in einer ungünstigen Situation. M e t h u l e h, 8 Stunden von Saida, 1896 gegründet, über 300 Seelen, wurde in früheren von den Drusen, den früheren Besitzern, stark belästigt. 1180 ha, wovon ein Drittel für den Getreidebau geeignet ist. Sehr gutes Klima und Wasser, gute Weideplätze, Viehzucht, Synagoge und Schule. Es ist Landmangel vorhanden und Schwierigkeit, in der Nähe welches zu finden. S e d j e r a h, gegründet 1899, von der „Jca" erworben. Musterfarm zwischen Tiberias und Nazareth, ca. 7000 ha, wovon auf die Farm allein 1700 ha entfallen. Die Hälfte des Bodens ist für Getreidebau, die andere für Olivenpflanznngen und als Weideplätze geeignet. Sedjerah besitzt ein gutes Inventar, rein gehaltene Felder, genügende Gebäude. 1904 wurde mit Wein- und Oelbaumpflanzungen begonnen. Es sind große landwirtschaftliche Maschinen vorhanden. Im Jahre 1904 wurden auf 518 ha Weizen, Hafer und Gerst' gebaut. 40 Arbeiter sind permanent in der Musterfarm beschäftigt, 12 Pächter bearbeiten den Grund für eigene Rechnung. Ausgedehnte Bewässerungsanlagen sollen die Ertragsfähigkeit des Bodens heben; bisher wurden 17 lern Graben ansgehoben. Gegenwärtig herrscht die Tendenz, die Felder an Pächter abzugeben und die Tätigkeit ver Musterfarm einzufchrünken, was im Interesse der großen früheren Anschaffungen und Einrichtungen und des vorteilhaften Einflusses der Musterfarm auf die umliegenden Kolonien zu bedauern wäre. Im letzten Jahre war eine starke Einwanderung von russischen Juden. T i b e r i a s g r n p p e. Diese um 1901 erworbenen, in der Nähe von Sedjerah gelegenen Kolonien bilden zwei Gruppen, und zwar: Melhamieh, 680 ha, 121 Seelen, MeskaH, 675 ha, 124 Seelen. Jetzt werden wieder zwei neue Zentren gebildet, nämlich Bedschden mit 1375 Dönum und 66 Einwohnern und Schemsin mit 1828 Dönum und 63 Einwohnern. Außerdem besitzt die „Jca" in der Umgebung von Tiberias 30.000 Dönum Gründe bei Dalaika, Sahu, Abedieh, um Dschebel, Lubieh und Jbeh, wo noch keine Kolonien errichtet wurden; ferner haben verschiedene jüdische Vereinigungen etwa 6500 Dönum in Dalaika, Sahu und Umdschnmi. In Jama und MeskaH wurden neue Gebäude aufgeführt, in Aama und Dalaika neue Kolouisten angesiedelt. Im Oktober 1903 herrschte dort die Cholera, Ende 1904 trat in Melhamieh Viehseuche aus. 1904 wurden in Jama 12.860 Dönum, in Melhamieh 3200 Dönum bebaut und gaben verhältnismäßig guten Ertrag. Der in Bedschden mit Pächtern unternommene Versuch mißglückte; der Ertrag war ein minimaler. IV. O st j o r d a n und H a u r a n. B e n e - I e h u d a h (Jschgun), von der „Jca" unabhängige Kolonie im Osten des Genezarethsees, gegründet 1891. Gutes Klima, 315 1>a, 83 Seelen. Zwei Drittel des Bodens sind für Getreidebau geeignet, der Rest ist felsig. Die Kolonie ist in trauriger Lage, wurde von' der Londoner „CHowawe-Zion" früher unterstützt, was aber später aufgehört hat. H a u r a n g r u p p e. Ca. 90.000 Dönum, der „Jca" gehörig, bilden 2 Gruppen: Djellin- Sachem, umfaßt die Besitzungen m Djellin, Kokab, Hezra, Sachein und Nadafa mit 6000 ha. B u st o s mit 2800 ha. Diese Terrains sind nicht kolonisiert mit Ausnahme von Djellin, wo sich mehrere Pflanzungen befinden. Der übrige Boden ist an Araber verpachtet, die den fünften Teil der Ernte als Pachtzins abgeben. Die Regelung der Besitzverhältnisse wird noch geraume Zeit in Anspruch nehmen, erst dann kann an eine regelmäßige Kolonisation gedacht werden. I ü d i s ch e H ä u s e r k o l o n i e u b e i I e r n s a l e m. Außerhalb der Stadtmauern von Jerusalem gibt es 48 jüdische Hüuserkolonien, von denen die älteste. Nachlath-Schibah, im Jahre 1869 gegründet wurde. Von diesen wurden 15 durch Ballgesellschaften, die übrigen durch jüdische Gemeinden und einzelne Wohltäter (darunter 3 durch Montefiore und 3 durch den hiesigen Direktor der Banque Ottomane, Frutiger) ins Leben gerufen. Diese 48 Häuserkolouien umfassen zusammen 3478 Wohnungen. 13 Häuserkolonien sind ausschließlich für Arbeiterwohnnngen bestimlnt. Die Baugesellschaften bezwecken die Erbauung von in einem Trakte vereinigten kleinen Häusern auf einem der Gesellschaft gehörigen Terrain. Jedes Haus ist nur für eine Familie bestimmt und erhält 2 kleine Zimmer, Küche, Vorraum, sowie etwas Gartengrund vor dem Hause. Das Eigentum des Hauses kann ine Wege von durch 12 Jahre fortgesetzten Amortisationszahlnngen erworben werden. Die Angerechtigkeit bei der Rothschild' Trauung. Zn dieser Angelegenheit erhalten wir noch folgende Znschristeil: Die Affaire S i n g e r - K w a r t i n hat durch einen vom Herrn Oberkurator B. Guttmann gezeich« neten Artikel in einem hiesigen Blatte für weitere Kreise an Interesse womöglich noch gewonnen. Nicht aber deshalb, weil darin etwa in dieser Frage originelle Gesichtspunkte aufgezeigt und mit innerer Notwendigkeit überzeugend dargestellt werden, sondern lediglich darum, weil hier das vielbesprochene Vorkommnis bei der Rothschild.Trauung nur den Vorwand abgibt, für eine Solidaritätserklärung, dem Herrn Oberkantor Singer gegenüber, die aus einer nicht zu verkennenden Interessengemeinschaft der beiden letztgenannten Herren entspringt. Mag es nun auch Fernerstehenden gleichgiltig sein, aus welchem Grunde jemand für seinen Kollegen plötzlich sein Herz entdeckt hat, so ist es doch Pflicht einer objektiven Kritik, im Dienste der Wahrheit die Motive zu kennzeichnen, welchen die Verteidigung eines angeblichen Nechtsstandpunktes der Oeffentlichkeit gegenüber veranlaßt haben. Gegeben ist die gewiß nicht zu billigende Tatsache, daß der Vorstand eines Vereinstempels sein.Gotteshaus mit Umgehung der Funktionäre behufs Vornahme einer Trauung verpachtet. Wenn nun der Oberkantor eines anderen Tempels eingeladen wird, diese Funktion zu vollziehen, so ist es seine primitivste kollegiale Pflicht, sich auch von den größten materiellen Vorteilen nicht so blenden zu lassen, daß ec sich dazu hergrbe, dieses Unrecht durch seine Bereitwilligkeit überhaupt zu ermöglichen. Herr Oberkantor Singer ist aber auch Präses des Kantorenvereines und darum doppelt zu verurteilen, wenn er das Unrecht, das ein Vereinsmitglied treffen soll, nicht nur nicht zu verhindern sucht, sondern es selbst begeht. Da gräbt nun Oberkantor Guttmann zur Verteidigung dieses Vorgehens seines Kollegen ein Privilegium aus den Zeiten weiland Sulzers aus und vergißt dabei, daß seither mehr als ein Vierteljahrhundert verstrichen ist. in welchem sich die Kultusverhältniffe unserer Stadt wesentlich verändert haben. Ueberhaupt muß seine in diesem Zusammenhänge mit so viel scheinbarer Selbstverständlichkeit, aber auch unverhüllter rücksichtsloser Monopolsucht geübte Kritik an der natürlichen Entwicklung unserer Vereinsrempel auf das Entschiedenste zurückgemiesen werden. Damit die Herren Oberkantoren des 1. und 2. Bezirkes sämtliche Wiener Friedhoffunktionen haben sollen (was nebenbei bemerkt, in unserer Zeit technisch gar nicht mehr durchführbar wäre), sollen sich die anderen Bezirke mit Betsälen und den billigsten gottesdienstlichen Einrichtungen zufrieden flehen! Die würdig ausgestatteten Gotteshäuser aber mit ihrem, dem Gefühlsleben einer neuen Zeit angemessenen und mit allen Mitteln erhabener Kunst verschönerten und von begeisternder Weihe getragenen Gottesdienst, welche gerade in der Großstadt für die Pflege und Erhaltung des Zusammengehörigkeitsgefühles hauptsächäch der indifferenteren Jntelligenzschichte unserer Glaubensgenossen notarisch einem dringenden Bedürfnisse entsprechen, diese Kultuseiiirichtungeii durch Hinweis auf die zunehmende Zahl von Getauften diskreditieren zu wollen, ist gewiß ein vergebliches Bemühen. In» Gegenteile ist viel eher der Schluß berechtigt, daß nach dieser Richtung hin noch viel zu viel gespart wird. Wenn im Vorstehenden die von Oberkantor Guttmann geäußerten Ansichten über unverlierbare Privilegien und einen heißersehnten Zentralismus in Kultus-Angelegenheiten als unhaltbar nnchgewiesen Reform-Schweißblätter KZ XLalchbar! Waflervichl! Verochlo»!