Nationalzeitung
- Journal
- Nationalzeitung
- Volume
- 1907
- Issue
- Heft 10 (15.2.1907)
- Date
- 1907-02-15
- Page
- Seite 5 (sequence 5)
- Language
- German
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Ar. 10 National zeitung ©fite 5 Kultusvorsteher kaii. Rat K a » d e r s »ml)»t mit herzlichen Worten zur Einigkeit und fordert die Mitglieder der Bezirkskommiston ans, den Konflikt int 10. Bezirke zu beheben. Kais. Rat Lichtblau erklärt sich a!s Obrnann dieser Kommission hiezu gerne bereit, doch seien die Mitglieder dieser Konunission dis heute von der Kultnsgemeinde noch nicht ernannt, trotzdem die von der Wähle-schuft zu wählende» Mitglieder der BczirkSkonimissivn schon vor drei Monaten gewählt wurden. Redner ersucht den Vertreter der Kultnsgemeinde, dahin zu wirken, daß die Lifte der ernannten Bezirkskommissionsmitglieder ehestens bekanntgegeben werde, und mißbilligt es, daß nicht jeder einzelne Beziik seine Bezirkskommission besitz'', welche die Interessen und Bedürfnisse ihres Bezirkes wahrinhmen und vertreten konnte. lieber Antrag des gesamten Vorstandes wird Obmann Adolf H o f m a n n, welcher »Nit dem Tage der beniigen Generalversantinlnng durch volle 25 Jahre dein Vorstände des Tempelvereines und die letzte» sechs Jahre als Obmann a»gehört, z n in E h r e» m , t g 1 i e d e, dein dritten, seit oem Bestände des Vereines, einstiinmig ernannt. Bei den hierauf vorgenommenen Wahlen in den Vorstand wurden die Herren Ignatz F i t cf) c r, Jakob H e rl i n g e r. Arnold Selka, Dr. Emil Bernhard ' Singer und Ignatz T a u s s i k wieder und die Herren Dr. Emil K o h n und Rudolf Lichten st e i n neu in den Vorstand bernseil. Obmann Hosmann teilte zu Schluffe mit, dnß Der Abschluß des Kailinerlrages über den zum neuen Tempel erforderlichen Baugrund voraussichtlich in den nächsten Tagen erfolgen dürfte. Dir Ungerechtigkeit bei der Rothschild- Trauung. Zn diesem von utts in voriger Nummer besprochenen Thema erhalten wir folgende Zuschrift: Schreiber dieser Zeilen, der mit voller Unbefangenheit die Erscheinungen innerhalb der Wiener Kultus- -emeinde und die seines Bezirkes — als Mitglied des Josefstädter Tempels in der Neudeggergasse, ivelches den Rahmen zur jüngsten Nothschild-Wertheimstein- Trauung bot, mit jüdischer Empfindung und größtem Interesse verfolgt, wendet sich mit diesen Zeilen an Ihr Organ, dem berufenen Wortführer aller jüdischen Interessen zur Anhörung dessen, was der Gefertigte eben im Interesse der beiden trefflichen Kantoren des Tempels im 8. Bezirk der Herren Kwartin und Edelmann und ihres eminenten Chorpersonals hier zu erörtern die Absicht hat. Dienen doch diese Zeilen zur Aufklärung der großen Kollegenschaar der genannten Herren in der Ferne, denen es unbegreiflich ünd unfaßbar erschien, weshalb der eminente Funktionsapparat des Josefstädter Tempels umgangen ward, als die Tempelvorstehnng den in der Geschichte der Wiener Gemeinde noch nicht dagewesenen Vorgang vollzog, den Tempel zur Vornahme der Rothschild-Trauung für den 6. Februar von 10 Uhr vormittags bis 4 Uhr nachmittags der Partei pachtweise zu überlassen. Verdient schon dieser Akt die Beach.nng, so kann kann bei dem unerklärlichen Mißgriff der Pachtaffäre nicht scharf genug betont werden, daß man die ausgezeichneten svnanogalen Funktionäre ausschaltete und damit für die Folge eine sehr beklagenswerte Präfedein schuf. D:ch dies ist nicht die Aufgabe dieser Zeilen. Man berief die Beamte» der Inneren Stadt und Oberkantor Singer folgte dem Rufe und trug dazu bei, seine Kollegen von der Josefstndt einfach an die Wand zu drücken. Mit der Leitung des Tempels wollen und können ivir nicht rechten, denn diese muß e ans den Standpunkt verharren, daß wenn der Tempel über die einwandsfreien Funktionäre verfügt, diese nicht umgangen werden durften bei einem religiösen Akt, der i» den Räumen dieses Gotteshauses vollzogen wird. Doch müssen wir an Herrn Oberkantor Singer, der gleichzeitig Präses des Kantorenvorvines ist — sich immer das Schrittmaß vorhielt, die Ehre und die Standesinteresse» der Kantoren zu wahren, die Frage richte»: Wie hat er bei diesem Falle die Worte, die er mit dem Brustton der Ueborzeugung stets theoretisch gebraucht, wir wollen nicht „mißbraucht" sagen, hier in Taten umgesetzt. Vergaß der glänzend situierte, an Erfolgen und Ehren reiche Oberkantor der Seitenstatt, den Präses des Kantorenvereines? Wäre es nicht seine Pflicht gewesen, gut zu machen, war der Vorstand des 8. Bezirkstempels — cr fühlt es tief — vergriffen hatte? Wäre es nicht seine Aufgabe gewesen, als Hüter der Standesehre seine Mitwirkung fraglich oder von dem Umstände abhängig zu mache», die Kantoren Kwartin und Edelmann, wenn auch nur durch einen Akkord von ihren Lippen angestimmt, das einzuräumen. was ihnen als den lokalen Funktionären zu- 'kommt. Oder was Herr Singer ans leicht durchsichtigen Gründen — denn Eitelkeitsmotive können wir dem altbewährten Oberkantor unmöglich imputieren - nicht zu bestimmen, einzulösen, was der Vereinspräses so volltönend sang und sagte. Herr Oberkantor Singer ist einfach bei der ersten Belastungsprobe seiner präsidialen Zusagen — einfach dem Selbstinteresse unterlegen. Es ist umso beklagenswerter als Herr Singer selbst als der Kantor Fuchs, den zeitweilig abwesenden Oberkantor Kwartin bei einer Trauung vertreten mußte, die Hände über sein teures Haupt znsammenschlug und ihn des ungebührlichen Uebergriffes zieh. Wir waren Zeuge» anläßlich der Bestattung weil. Michael Straßcrs, vollzogen durch die Beamten des Tempels in der Neudeggergasse, seines Tempels, dessen Mitbegründer er mar, als Oberkantor Singer seinen heiligen Zorn nicht meistern konnte und über das vielgebrauchte hasogos Go wul wetterte, als ob die Funktionäre verantwortlich wären, wenn die Trauerfamilie unter Einwilligung des Zentralvorstandes sie zur Funktion zuzog. Und nun hält sich Herr Oberkantor Singer, aus das mittlerweile hinfällig gewordene Recht, Funktionen in allen Bezirkenzu vollziehen, wo vor Jahren nur einzelne Familie» wohnten, die nur massig zusammen gehen, um Stätte der Andacht zu erbauen und sie mit einem glänzenden Kreis von Funktionären zu versehen. Ja, es mußte eine R o t.h s ch i l d Trauung sein, als Oberkantor Singer sich dieses seines Rechtes erinnerte. Doch unbestritten ist es sein Verschulden, daß er nicht -den Oberkantor des Tempels zur Mitfunktion heranzog. Der Prä es des Kantorenvereines war dies — den Funktionären wie sie auch immer heißen mögen — schuldig. — Die Prachtklasse enthebt nicht von loyaler Denkungsweise und Oberkantor Singer ist so situiert, daß der materielle springende Punkt diese Unbill verübt an den lokalen Herren Kwartin und Edelmann rechtfertigen konnte. Durch seine Haltung hat Kwartin über die des „großen" Kollegen Singer unbestritte n den Sieg davongetragen. Es widerstrebte ihm — nach Muster - stummer Assistenten (so lautet der technische Ausdruck für die untätige müssige Staffage) sich zum wortkargen Kavalier oder zum T e »i p e l st a t i st e n herabwürdigen zu lassen und da man seine Dienste, selbst unter dem präsidialen Prolekiorale des die Standesehre gar so hochhaltenden Singer nicht in Anspruch nahm, so blieb er ferne dein Tempel, wo er seit vier Jahren wirkt dem Gotteshaus zur Ehr, seinen andächtigen Zuhörern zur Erbauung. Dies mußte besprochen und das Kesseltreiben aufgerollt werden für den Fall, daß wieder ein Tempel verpachtet werden sollte und Oberkantor Singer zur Funktion herangezogen werden sollte. Immerhin ein lehrreiches Kapitel, ivie eifersüchtig Herr Präses Singer über die Standesehre seiner Kollegen wacht. I«'. Ein Tompelbesucher des Tempels im Vtll. Bezirke. Das Kaatorenmonopol. Die gelegentlich der vorwöchentlichen Rothschild- Hochzeit veranstalteteJnvasion seitens der ohnehin vielbeschäftigten und verbrauchten Kräfte aus dem Seitenstät'enrayon in den schmucken Tempel derNeudeggergasse, hat, wie uns von dort berichtet wird, anfänglich die Befürchtung hervorgerufen, es könnten öfters solche unliebsame Gastspiele stattfinden, was den an Ordnung, exakte und weihevolle Durchführung verwöhnten Mitgliedern des Tempelvereines sehr peinlich gewesen wäre. Es wurden indes die bündigsten Versicherungen erteilt, daß man künftig derartigen Zuzug fernzuhalten wissen wird. Der nur dem Titel nach erste Bezirk ist bekanntlich hinsichtlich der richtigen Auswahl)! seiner Funktionäre längst überflügelt worden, aus welchem Grunde die Besucher des Stadttempels vielfach bemitleidet werden. Nm jeder Vergleichung auszuweichen, wäre es daher für den ersten Bezirk entschieden ratsamer, die Erwerbsgier ein wenig einzudämmen und sich in künstlerischer Beziehung mir der jeweiligen Reklame der „Woch.'nschrist" zu begnügen. Als Beweis, daß das unter so eigentümlichen Umständen abgehaltene Rotschild-Hochtieitsgeschäst auch in weiteren Kreisen Indignation hervorruft, mag ein an Heer» S. Heit, Obmann desUnterstiitzungsvereineshanoelsangehörigerJsraeliten gerichteter Antrag des Herrn M. Baum dienen, wonach die alljährlich stattfindende Gedenkfeier dieses Vereines nicht mehr ausschließlich durch den Oberkantor Singer, sondern alternierend und zwar schon in diesem Jahre dem Oberkantor Don Fuchs übertragen werden möge. Dem Vernehmen nach plant übrigens eine größere Anzahl von Genieindemitgliedern eine Aktion nach der Richtung, daß dem Diktat betreffs der willkürlichen Zuteilung gewisser Funktionen ein Ende gemacht werden. Scheinjudevltlm. Am Samstag gab es eine kleine Studentendemonstration. Einige jüdischnationale Studenten begleiteten pfeifend und johlend den Bummel anläßlich des 60. Stiftungsfestes der Verbindung „Fidelitas". Wenn die Studenten für Freiheit und Judentum hinausziehen, dann allen Respekt, aber an einem „gewöhnlichen" Samstag mit Schlapphut und aufgestelltem Rockkragen den Verkehr zu stören, hängt mit d.r jüdischen Sache nicht zusammen. Am Abend selbigen Tages feierte eine stramme jüdische Verbindung, die sich durch Aesthetik unbeliebt gemacht hatte, ihr 25. Stiftungsfest. Durch ihr Fehlen bewies die Studentenschaft, daß „Fidelitas" sie immer noch mehr interessiere als etwa „Libanonia". Gottlob hört man von anderwärts mehr von jüdischem Positivismns. Der jüdische Turnverein in Graz, der sich etwa in der Lage einervorgeschobenen Feldwache befindet, hat mit Erfolg eine Wintersportsekkion gegründet, und nun kann man im steirischen Gebirge den jungen Juden unter Hedad-Rnfen ins Tal rodeln sehen. Der liberale Luftzug ans dem Reiche ist unseren deutschen Juden stark in die Glieder gefahren. Vorwahlstimmung. Der Obmann der Deutschen Vvlkspartei, die im Zeichen des Antisemitismus geboren ward, vertrant sich der „Neuen Freien Presse" an, die weiter unermüdlich für „Chewra Kadischa" und christliche Waisenkinder sammelt. Jud und Christ zittern gemeinsam am Krankenlager Luegers und allenthalben hört man in breitem Trebitscher Idiom: „All's was recht ist, er ist e sehr tüchtiger Mensch!" Den jüdischen Wohltätigskeitsvereinen wird ans Herz gelegt, am Abend des Deutschen Böhmerwaldkränzchens nichts zu veranstalten, damit niemand in ein Dilemma gerät. ' ü. F—1. Vermischte Nachrichten. Heiterer Knnstlerabend. Die Nachfrage um Karten für diese zugunsten des Vereines zur Errichtung von Horten für schulpflichtige Kinder in Wien am 21. d. M. in den Sofiensälen stattfindende Veranstaltung ist eine ungemein rege, so daß der Sofiensaal an diesem Abend ein vornehmes gesellschaftliches Bild bieten wird. Ein gediegenes künstlerisches Programm, der Devise des Abends entsprechend, wird mannigfache Ueberraschungen bringen. Die wenigen »och verfügbaren Karten werden im Vereinsburean, IX,, Universitätsstraße 4 (nachmittags 4 bis 6 Uhr), abgegeben. Der Beginn der Akademie ist für präzise 9 Uhr festgesetzt. Wien. (Vortragscyklus aus jüdischer Geschichte). Donnerstag den 21. Februar 1907. präzise J/i8 Uhr abends findet im Festsaale des'Ingenieur- und Architektenvereines, Wien, 1. Bez., Eschenbachgasse 9, ein Vortrag des Direktors Herrn Doktor- Heinrich Brody aus Prag statt. Thema: „Der Gaon aus Fajjum". Wien (Aufnahme von s k r o p h u t o se n K i n d e r n.) Die Aufnahme von skrophulosen Kindern in die Kolonien Hall und Darkau hat bereits begonnen und wird am 5. Mürz geschlossen. Später eingelaufene Anmeldungen können nicht berücksichtigt werden. Eltern . und Vormünder haben mit den Kindern persönlich zwischen 4—7 Uhr nachmittags im Veinsbureau des „Kaiser Franz Josefs-Ferienheim", 9-, Bez. Türkenstraße Nr. 17 behufs Anmeldung zu erscheinen. Wien-Floridsdorf. «Hebräischer Fortbildungskurs für Mittelschulen). Der vom Herrn Berzirksrabbiner Dr. M. Rosen mann mit Beginn des Schuljahres errichtete Fortbildungskurs für Mittelschüler hat sich glänzend bewährt. Sonntag ni S. Miltelliach es Wie», I.. Hoher Dlarkt Dr.* (Palais Sinn) Zentrum der Stadt Soda-Pastillen. WZLLßF Sodbrennen. Ausstößen re. leide«, unentdrbrttch. Preis ver Schachtel SV Heiler. -WA