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Nationalzeitung · 1907-01-18 · Heft 6 (18.1.1907) · p. Seite 5

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Journal
Nationalzeitung
Volume
1907
Issue
Heft 6 (18.1.1907)
Date
1907-01-18
Page
Seite 5 (sequence 5)
Language
German
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Nr. 6 Nationalzeitung Seite 5 eingebracht wurde, jüdischerseits die Wiener „Poale Zion" zuerst mit einer Versammlung beim „Goldenen Widder" hervortrat. Uns war diese Tatsache bekannt, doch konnten wir dieses Hervortreten um so weniger dem Konto der zionistischen Parteileitung yutschreiben, als es uns nicht minder bekannt ist, daß die „Poale Zion" damals nicht als Zionisten, sondern als Sozialisten auftraten und Herr Kaplansky- Kaplan in Konsequenz dieser Auffassung auf seiner jüngsten Agüationsreise in Galizien auch den Grundsatz aufstellte: Die „Poale Zion" sei eine eigene Partei, bei Poale Zionisten seien weder zionistische Sozialisten, noch sozialistische Zionisten, sondern eine Partei jüdischer Sozialisten, die bezüglich der Lösung der Indenfrage das Programm einer territorialen Lösung im Sinne des Zionismus akzeptiere. Nach dieser Richtigstellung sei nun in folgendem darauf hingewiesen, daß wir mit unserer Ansicht über die Fähigkeiten der österreichischen zionistischen Parteileitung in seiner jetzigen Zusammensetzung nicht alleinstehen, daß vielmehr z i o n i st i s ch e Organe sowohl im allgeineinen, wie auch in einzelnen konkreten Füllen unsere Anschauungen teilen. So schreibt das „Czernowitzer Wochenblatt" in seiner Nr. 116 vom 4. Jänner, nachdem es die eifrige Arbeit aller anderen Nationen und .und Parteien beleuchtet: „Einzig und allein wir Zionisten, die jetzt zum ersten male in Oesterreich in die politische Arena treten, wir, deren jüdischnationaler Standpunkt in der Politik ein ganz treuer (?!), unsere Arbeit demnach eine viel schwerere ist, wir haben Zeit, wir sitzen ganz gemütlich und sehen zu, wie andere arbeiten. * Wir können uns auch selbst den Vorwurf nicht ersparen. Anfangs machten wir uns, wie es einer neuen Partei geziemt, ganz eifrig an die Arbeit. Nach der Krakauer Konferenz, welche sich ausschließlich mit der Frage der jüdischnationalen Politik befaßte, konnte man wirklich annehmen, daß wir eine große, planmäßige, agitatorische Aufklärungsarbeit in Galizien und der Bukowina beginnen würden. Wir waren der Meinung, daß, nachdem tvir gegen so viele Gegner und so viele Gewohnheiten und Vorurteile zu kämpfen, etwas ganz Neues, bisher Unbekanntes zu schaffen haben, wir keinen Tag untätig werden vorübergehen lassen. Seit dem Krakauer Parteitage sind bereits sechs Monate verflossen und — außer der Agitationsarbeit in Brody- Zloezow — hatdie neuges ch affene p o l i t i s ch e O r g a n i s a t i o n weder irgendeine A g i t a t i o n s-, noch eine A u f k l ä r u n g s a r b e i t g el e i st e t. Und das i st w i r k l i ch u nverzeihlich! Jeder Tag, jede Stunde, die wir vernachlässigen, ist für uns verloren. Die Arbeit ist groß : und die Arbeiter? . . . ." Bezüglich des Verhaltens der Parteileitung -anläßlich der Landtagswahl in Kolomea schrieb das Organ der „Poale Zion" der „Jüdische Arbeiter" in Nr. 1 vom 4. Jänner d. I. in einem „Brief ans Kolomea": „Die jüdischnationale politische Partei, der sich ein großes Arbeitsfeld bietet, hat bis jetzt gar wenig geleistet. Eine einzige Volksversammlung wurde über die Wahlreform abgehalten, und auch diese i» letzter Stunde vor Erledigung der Wahlreform. Trotzdem die Ersatzwahl in den Landtag der politischen Partei eine gute Gelegenheit zur Anfrechthaltung und für die Lieferung einer Kraftprobe in dieser, für den nächsten Wahlkampf so wichtigen Stadt geboten hätte, hat sie diese günstige Gelegenheit nicht ansnützen wollen oder nicht ansnützen können und sich so blamiert, daß sie es bei der nächsten Reichsratswahl stark zu fühlen bekommen wird." Bezüglich der Landtagswahl selbst, schreibt der Korrespondent des genannten Blattes: „Aber mich interessieren speziell das Verhalten der zionistischen Partei zur Wahl, ihre Aktionen und das Vorgehen ihrer Führer. Sehen wir nun, wie die radikaldemokratische jüdischnationale politische Partei (die Ironie ist nicht schlecht! Anmerkung der Red. der „Nationalzeitung") den Wahlkampf begonnen und ihn — nicht zu Ende geführt hat. Einige Wochen vorder Wahl tauchte in hiesigen zionistischen Kreiselr die Kanditatur des Advokaten Dr. Zipser auf. Dr. Zipser stammt aus dem Volke, hat jüdische Erziehung genossen, ist bekannt als Demokrat und stand auch enlst an der Spitze der Kolomeaer Zionisten und ist auch ein Verteidiger von großem Ruf. Die Herren Dr. Halpern aus Stanislau und der Führer der hiesigen Zionisten Dr. Rosen heck, der ebenfalls dem politischen Komitee der zionistischen Partei angehört, erhielten vom Dr. Zipser bezüglich seines politischen Bekenntnisses befriedigende Erklärungen und dasWahlkomuee proklamierte die Kandidatur Dr. Zipfers. Das Wahlkomitee begnügte sich jedoch nicht mit der Erklärung Dr. Zipfers, daß er auf dem Programme der jüdischnationalen Partei kandidiere, sondern es entsendete eine Deputation an Herrn Funkenstein (dem Führer der „jüdischen Polen", Anmerkung der Red. der „Nationalzeitung"), um seine Zustimmung zur Kandidatur zu geben. Anstatt wahre Volkspolitik zn machen, die Massen aufuwecken und auch an diejenigen zu appellieren, ie kein Wahlrecht besitzen, um auf die Wähler einen Druck ausznüben; anstatt aus der Wahlaktion eine imposante Manifestation gegen die den Landtag beherrschende reaktionäre Klique und ihre jüdischen „Moschkos" zu gestalten, suchte man sich einen jener „breiten Schultern" ans, welche über das Volk herrschen. ..." Und nun noch einen Belastungszeugen in unserem Prozesse gegen die gegenwärtige zionistische Parteileitung f In der Brünner „Jüdischen Volksstimme" schreibt ein Wiener Zionist, Herr Jezechiel H e l l m a n n in einem Artikel „Einsicht und Umkehr", über die Bestrebungen Dr. L ö w e n st e i n s in Galizien, die er natürlich verwirft, und sagt dann weiter: „Wie dem auch immer sein mag, die Tatsache an und für sich, daß eine jüdische polnisch-nationale- Organisation geschaffen werden soll, darf nicht zionistischerseits ignoriert oder verkannt werden. Die zionistische Leitung muß jetzt daran gehen, den Fehler, den sie bei der Gründung der politischen Organisation begangen hat, wieder gut zu machen. Noch ist die große Masse in Galizien nicht zionistisch, ein großer Teil sogar antizionistisch. National jedoch, mit wenigen Ausnahmen, sind alle. Noch ist es Zeit zur Umkehr! Jetzt, gerade jetzt, darf es nicht geschehen, daß jene große Masse zionistischer Gegner, bei alldem aber gute, aufrichtige, bewußte Inden, aus dem politischen Leben quasi hinansgedrängt, oder gar dadurch ins feindliche Lager getrieben werden. Es wäre kein politisches, folgenschtveres Versehen, sondern ein Vergehen gegen d i e ganze N § t i o n, das unverantwortlich wäre. Der Zionismus als Partei hat nicht das Recht, fähige, arbeitsfreudige Personen, die außerhalb der Partei stehen, ans der Arbeit für die Gesamtheit auszuschließen. Die Organisation darf nicht zn dem Zwecke sein, um einigen Zionisten zu Mandaten zu verhelfen. Unsere Politik soll keine zionistische, sondern j ü d i s ch e sein, und darum schon muß jedem Inden die Möglichkeit geboten werden, seine Fähigkeiten in den Dienst der allgemein nationalen Interessen zu stellen, ohne erst durch die Anerkennung des Baseler Programmes hiezu qualifiziert zn werden. Die zionistische Partei muß von sich den Verdacht abwälzen, daß die Organisation — und das muß einmal öffentlich gesagt werden — nur darum rein zionistich ist, um beit markanten jüdischen Persönlichkeiten, welche sich nicht im Rahmen des alleinseligmachenden Baseler Programmes bewegen, die Hände zn binden, um sich auf diese Weise vor deren gefährlichen Rivalität zn schützen. Noch ist es Zeit, den Fehler gntznmachen! Dann würde ein allgemeiner Aufschrei der Freude das jüdische Lager durchbransen, dann würden unzählige Kräfte sich in den Dienst der guten Sache stellen, dann würde eine jüdische Organisation existieren, auf die man rechnen könnte. Eher n icht!"... (Ein weiterer Artikel folgt.) General-Versammlung der ^Gesellschaft zur Förderung der Wissenschaft des Judentums". Berlin, 10. Jänner. Die „Gesellschaft zur Förderung der Wissenschaft des Judentums" hielt am 5. d. M. in der prächtigen Aula der Knabenschule der jüdischen Gemeinde ihre General- Versammlung, zu welcher sich mit zahlreichen hiesigen und auswärtigen Mitgliedern ein stattlicher Kreis von Gästen, Damen und Herren, eingefunden hatte. In diesen! überaus regen Besuch offenbare sich, so hob der Vorsitzende, Herr Prof. Dr. Philippsott, in seiner Begrüßungsansprache hervor, daß die Bestrebungen des Vereines wachsendes Verständnis finden und in immer weiteren Kreisen die Erkenntnis sich Bahn bricht, daß die Pflege unserer Wissenschaft zn de» vornehmsten Aufgaben der Gegenwart gehöre. Dem Jahresbericht, ans welchem nach seinem Erscheinen nähere Einzelheiten mitgeteilt werden sollen, entnehmen wir, daß die Zahl der Mitglieder auf nahezu 900 gestiegen ist und dem entsprechend die Finanzlage sich recht günstig gestaltete. Die Gesellschaft hat im abgelaufenen Jahre eine Reihe von Schriften heransgegeben, ivelche den Mitgliedern teils kostenfrei', teils zu ermäßigtem Preise zugingen. Die weitausschanenden Pläne zu den großangelegten Publikationen, welche von der Gesellschaft in Angriff genommen wurden, rücken ihrer Verwirklichung näher; so z. B. die Germania Judaica, welche nach ihrer Vollendung die Grundlage für alle geschichtlichen Forschungen über die Inden in Deutschland bilden wird. Endlich hat die Gesellschaft die Studien einzelner Gelehrter durch Subventionen in hervorragendem Maße gefördert, u. a. die Arbeiten des Herrn Prof. Dr. N. Mütter zur Erforschung der altjndischen Begräbnißstätten in Italien. Nachdem sodann Herr Rabbiner Dr. Feuchtwang-Wien die Grüße der dortigen Knltusgemeinde überbracht und Namens derselben die Genugtuung über das Erscheinen der „Jüdischen Apologetik" ihres Oberrabbiners, Herrn Dr. Güdemann, Ansdruck gegeben hatte, referierte Herr Dozent Dr. Brann-Breslau über „die Geschichte der Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums", die mit dem soeben abgeschlossenen Bande ihr erstes Halbjahr- Hundert beendet. In detailierten Ausführungen legte Redner dar, daß die von Zacharias Frankel begründete, von Grätz fortgesetzte und nach mehrjähriger Unterbrechung von ihm selbst im Verein mit David Kaufmann wieder aufgenommene Zeitschrift in allen äußeren Wandlungen ihrer Bestimmung treu geblieben sei und einen hervorragenden Mittelpunkt geistigen Schaffens gebildet habe. Die stattliche Zahl' der Mitarbeiter, welche namentlich aufgeführt wurden, die Vielgestaltigkeit und Gediegenheit ihrer in der „Monatsschrift" niedergelegten Arbeiten, die nach Inhalt und Umfang charakterisiert wurden, bestätigen, daß der Anteil jüdischer Gelehrter an dem Ausbau der Religions- Geschichte und Philosophie, der Bibelforschung, der jüdischen Geschichte und aller anderen einschlägigen Wissensgebiete den Leistungen nichtjüdischer Forscher durchaus ebenbürtig sei. Sodann sprach in gedankenreicher, formvollendeter, von edler Begeisterung getragener Rede Herr Rabbiner Dr. Eschelbacher-Berlin über „Das Judentum im Urteile der modernen protestantischen Theologie". Die alttestamentliche Forschung nehme innerhalb der protestantisch-theologischen Wissenschaft eine hervorragende Stelle ein, wie das eine Reihe glänzender Leistungen bezeuge. Indessen, der Blick sei getrübt,' das Urteil nicht unbefangen, weil diese Forschung wesentlich vom Standpunkte und im Lichte des Christentums behandelt werde. Die positive Richtung, die dies offen ausspreche, und die kritische begegnen sich darin, daß sie die jüdische Religion nur als eine Vorstufe der christlichen bezeichnen, von der sie überwunden sei. Tatsächlich rnhe die christliche Theologie in ihrer Lehre von Gott im wesentlichen ans dem Alten Testament, sei der Dekalog der Kern auch ihres Sitiengesetzes, bilden die Psalmen das Gebet- und Gesangbuch der Kirche, wie der Synagoge — alles Beweise, daß das Judentum nicht die Vorstufe, sondern die Grundlage und unerläßliche Voraussetzung Tkvsbs-Apothcke ea S. MittcUiach »a Wien, I., Selter lll.irki Dr. » tPalaiö Sinn) Zentrum der Stadt Soda-Pastillen. UKL'AÄW Sodbeeniiktt. AufstoSkN re. leiden, unentbehrlich. Breis per Schachtel 60 Heller. *

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