Nationalzeitung
- Journal
- Nationalzeitung
- Volume
- 1907
- Issue
- Heft 6 (18.1.1907)
- Date
- 1907-01-18
- Page
- Seite 6 (sequence 6)
- Language
- German
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Seite 6 Nationalzeitnng Nr. f> der christlichen Lehre ist. Die Fruchtlosigkeit der Versuche, unserer Bibel diese Stellung innerhalb des Christentums zu nehmen, sprechen umso beredter für ihren Wert. Die Angriffe der Deisten und Rationalisten des 17. und 18. Jahrhunderts, Hegels, Schleiermachers, Reimarus' rc., welche von dem Alten Testament weit abrücken zu müssen glaubten, haben demselben nichts anzuhaben vermocht. Mit Herder, Ewald u. a., welche vorwiegend den sittlichen Gehalt und die ästhetische Schönheit der Bibel hervorhoben, setzte eine gerechtere Würdigung ein. Auch die grundstürzenden kritischen Arbeiten der jüngsten Zeit hätten nur das eine Ergebnis gehabt, daß sie das Urteil Klostermanns bestätigten: „Die Bibel bleibt; die wissenschaftlichen Versuche, die biblische Geschichte darzustellen, kommen und gehen." In ganz hervorragendem Maße habe sich dies auch gelegentlich des „Babel-Bibel-Streites" bewahrheitet, indem die Vertreter der protestantischen Theologie und Exegese fast einmütig gegen Friedrich Delitzsch und für das Alte Testament sich erhoben. Anders gestaltet sich das Urteil „unter dem Schatten des Kreuzes" über die nachbiblische Epoche, insbesondere über die Zeit, da das Christentum entstand. Mangelnde Kenntnis der späteren jüdischen Urkunden, und die Voreingenommenheit für die eigene Religion bewirken, daß das Judentum in den dunkelsten Farben geschildert wurde. „Nacht muß es sein, wenn der Stern von Nazaret aufgehen soll". Die Unhaltbarkeit und Ungerechtigkeit dieser Beurteilung unserer Glaubensgemeinschaft beleuchtete Redner an der Hand zweier signifikanter Aussprüche Lagardes und Harnacks, ferner durch den Hinweis auf die Standhaftigkeit, mit der die Juden ihrer Religion treu blieben, während z. B. der ganze Norden Afrikas, die Stätte einer mehrhnndertjährigen christlichen Kultur, mit dem Eindringen der Muhammedaner dem' Islam zufiel, und endlich ganz besonders eindrucksvoll durch eilten Vergleich zwischen der unverminderten Lebensfrische der Religionsschriften des Judentums, vor allem des Talmud, der das Geisteslabsal und der Jungbrunnen für unzählige Geschlechter, unser Hort und unsere Stütze durch die Jahrtausende geblieben fei. mit der im Staube der Bibliotheken den Todesschlaf schlummernden Kirchenväterliteratur. In lvarmen Herzenstönen von hinreißender Kraft schilderte Redner nun die Segenswirkungen des vielverkannteu und darum vielverlästerten Talmuds auf die geistige und sittliche Lebenskraft des Juden tums, um sodann mit der Mahnung zu schließen, unsere geistigen Hüter in treuer Hut zu bewahren undzu Pflegen. Die Erforschung und Kenntnis unserer Literatur und Geschichte werde in unseren eigenen Reihen die Liebe zum Väterglauben stärken und zugleich nach Außell hin bezeugen, daß das Judentum einen der wichtigsten Bausteine zur Kulturentwicklung der Menschheit geliefert habe ulld deshalb zur Mitarbeit an den Kulturarbeiten durchaus berufen sei. Langanhaltender Beifall folgte den nach Form und Inhalt gleich groß gearteten, nahezu eineinhalbstündigen Ausführungen, deren wohltuender Eindruck sicherlich in allen Hörern noch lange nachwirken wird. Der Vorsitzende sprach den' beiden Herren Referenten herzlichen Dank aus und schloß hierauf die Generalversammlung mit der zuversichtlichen Hoffnung auf ein ferneres gedeihliches Wirken der Gesellschaft. Vermischte Nachrichten. Jüdische Tohnbee-Halle, xx., Othmar- «asse 46. Wochenprogramm: Samstag den 19. Jänner Konzert. (Schuhmann- Feier) Arrangement: Frau Raja Barber-Waldberg und Frau Schmitz. Sonntag den 20. „Die Philosophie des Ersindens". Ingenieur E. Löwy des k. k. Patentamtes. Montag den 21. „Die Tatsachen und Gesetze des sittlichen Lebens" (VII). Professor Dr. W. Jerusalem. Dienstag den 22. „Die Entwicklung und Bedeutung des Bankwesens", Oskar Fischer. Mittwoch den 23. „Die ansteckenden Kinderkrankheiten und ihre Verhütung" (I). Dozent Dr. I. Zappert. Donnerstag den 24. „Erziehungsstätten für das Vorschulalter". 11. Direktor Max Fischer. Freitag den 25. Bibelvortrag. Lehrer Josef Pick. Samstag den 26. Konzert. Arrangelnent Obertantor Basier. Durch besondere Umstände veranlaßte Aenderungen Vorbehalten. Eintritt frei für jeden Erwachsenen. Beginn der Vorträge an Wochentagen V28 Uhr. Samstag, sowie an Sonn- und Feiertagen 7 Uhr. „Dibre Cmeth^, ein Vierteljahresblatt für Israeliten und Freunde Israels, 62. Jg. Ein Misfionsschwindel gelungenster Art. Das Blatt beginnt mit gut jüdischer Ueberschrift und bringt zum Schluß die „Erfolge" der Judenmission. Die Artikel gemahnen an sezessionistische Bilder: Man weiß nicht, was soll es bedeuten. In den meisten wird Christentum und christliche Liebe empfohlen mit marktschreierischen Anpreisungen wie die neuesten Pflanzenfette. In einer Bemerkung zu Sacharja heißt es: „Während die Makkabäer sich nur für kurze Zeit von äußerer Knechtschaft befreien konnten, hat Jesus uns (?) eine ewige und innere Freiheit gebracht." Die Erfolge sehen darnach aus. In Westdeutschland wurden 1905 17 Personen getauft. Wieviel Taufen durch die 1905 verausgabten 40.000 L. St. der Londoner Judenmissionsgesellschaft erreicht wurden, wird verschwiegen. Dagegen scheinen die Juden schlau genug zu sein, die Schulen und Krankenanstalten der Missionen zu benützen. Warum nicht? Gott wird es diesen doch lohnen. Hans Fischl. Wie«, (Verein zur Hebung der G ew e r b e). Am Sonntag, den 20 Jänner findet im Festsaale des Niederösterr. Gewerbe-Vereines I. Eschenbackgasie Nr. 11. präzise 7 Uhr abends, eine Plenar- Versammlung des Vereines mit folgender Tagesordnung statt: 1. Erster Bericht des Präsidenten „über die Kaiser-Jubiläumsausstellung 1908." 2. Vortrag des Hof- und Gerichts-Advokaten Dr. Friedrich E l b 0 g e n: „Gerichtssaalbilder". 3. „Gewerbe, Wirtschaft und Leben in meiner Tropenheimnt" (mit 60 Skioptikonbildern) von Fräulein Hilda Sykora. Damen und Gäste willkommen! Wien. (Vortragszyklus aus jüdischer Geschichte.) Donnerstag, den 24. Jänner 1907, präzise V28 Uhr abends findet im Festsaale des Ingenieur- und Architektenvereines. I. Eschenbachgasse 9, ein Vortrag des Herrn Heinrich Dork- Steiner statt. Thema: „Vorlesung eigener Dichtungen". Eintritt frei, ohne Karten. Die Hamburg Amerika-Linie meldet unterm 14. Jänner 1907: Nordamerika: Dampfer „Alesia", von Neworleans kommend, 12. Jänner 10 Uhr 20 Min. morgens Prawle Point passiert. — „Ainerika", von Newyork kommend 13. Jänner 3 Uhr nachm. Dover passiert. — „Armenia", 12. Jänner 8 Uhr morgens von Philadelphia nach Hamburg. — „Blücher", nach Newyork, 14. Jänner 12 Uhr!5 Min. morgens von Cherbourg. — „Rosnia", nach NKvyork, 12. Jänner 2 Uhr nachm. Cuxhaven passiert. - „Eger", von Galveston kommend, 12. Jänner 9 Uhr 20 Min. morgens Lizard passiert. — „Patricia". 13. Jänner 7 Uhr morgens von Newyork nach Hamburg. Mestindie», Mexiko, Südamerika: Dampfer „Antonia", von Nordbrasilien kommend, 12. Jänner 1 Uhr nachm, auf der Elbe. — „Borussia", nach Mittelbrasilien, 11. Jänner 10 Uhr abends von Funchal. — „Dortmund", nach Mittel- und Siidbrafilien, 13. Jänner von St. Vincent. — „Fürst Bismarck", 12. Jänner von Tampico. — „König Friedrich August", nach dem La Plata, 12. Jänner, 8 Uhr abends von Coruna. — ..La Plata", 11. Jänner von Ceara. — „Mecklenburg", 11. Jänner in Colon. — „Navarra", 11. Jänner in Buenos Aires. — „Rhaetia", 12. Jänner in Sa»tos. — „Salamanca"? 12. Jänner von Buenos Aires. — „Sparta, 11. Jänner in Buenos Aires. — „St. Croix", 13. Jänner von St. Thomas. — „St. Thomas", 13. Jänner in St. Thomas. — „Syria", 12. Jänner 4 Uhr nachm, von Ponta Delgada. Ostasien: Dampfer „Andalusia", auf der Heimreise von Ostasien, 12. Jänner 6 Uhr nachm, von Singapore. — „Brasilia", auf der Ausreise nach Ostasien, 12. Jänner Quessant Creach passiert. — „Liberia", auf der Ausreise nach Ostasien, 18. Jänner 8 Uhr 46 Min. morgens Cuxhaven passiert. — „Teutonia", auf der Heimreise von Ostasien, 13. Jänner 12 Uhr mittags von Antwerpen. Diverse Fahrten: Dampfer „Asiyria", nach Persien, 12. Jänner in Fiume. — Vergnügungsdampfer „Meteor", auf der Mittelmeerfahrt, 12. Jänner 9 Uhr morgens in Malta. — Dampfer „Ocenna", 12. Jänner 11 Uhr morgens in Alexandria. — „Poseidon", 12. Jänner von Libau. — „Savola", von.Persien kommend, 13. Jänner 6 Uhr 40 Min. nachm, aus der Elbe. — „Virgo", 13. Jänner 3 Uhr 15 Min. nachm. Holtenau passiert. Eingesendet. 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