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Nationalzeitung · 1907-01-18 · Heft 6 (18.1.1907) · p. Seite 4

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Journal
Nationalzeitung
Volume
1907
Issue
Heft 6 (18.1.1907)
Date
1907-01-18
Page
Seite 4 (sequence 4)
Language
German
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Seite 4 Nationalzeituna Nr. 6 und in der Nähe der größeren Städte beginnt man auch in Argrntinien schon dazu überzugehen —, s o könnte d a s e l b st bequem eine halbe Million Menschen leben und ri n g s um sind n och einige L a n d st r e ck e n frei u u d unbebaut, so daß die M ö g l i ch -- k e i t zweifellos vorhanden i st, in Argentinien ein ch ö ch st bedeutendes jüdisches Zentrum zu schaffe n. Einen wichtigen Faktor könnte diese jüdische Kolonisation in Argentinien spielen, da die ganze Republik bisher überhaupt nur fünf Millionen Einwohner besitzt." Indem Herd Prof. Marburg für die Entwickiung der argentinischen Kolonisation ein glänzendes Zeugnis ablegt, (allerdings um damit gegen die Existenzberechtigung der „Jto" zu argumentieren), beweist er eigentlich, daß die „Jto" mit ihren Ansichten nur Recht behält, indem sie die jüdische Siedlung nicht in einem Lande, welches von despotischen Regierungs- und mit veralteten Wirtschaftsformen verwaltet wird, sondern in einem freien k o n st i t u t i o n e l l e m Lande fordert. Wenn die Kolonisation im volkstümlichen und größeren Stile, wie von der Jto gedacht, vorgenommen wird, so ist es klar, daß wir die Emigrationsfrage a u f j e d e m freien Territorium ras ch er und sicherer lösen können, als in Palästina, unter den dort gegenwärtig obwaltenden wirtschaftlichen und politischen Verhältnissen. Ich bin überzeugt, daß die weitere Entwicklung der Ereignisse, welche sich jetzt abspielen/ auch Die zionistische Organisation zwingen wird, das Emigrationsproblem nicht vom dogmatischen Standpunkt der Beschlüsse des VII. Kongresses aus zu betrachten, sondern in dem Sinne, wie es den realen Bedürfnissen der jüdischen Massen entspricht und welcher sich in dem Program me der Jto aus - g e d r ü ck t h a t. Sollten aber die Zionisten dennoch znr Lösung des Emigrationsproblems auch weiterhin eine zweideutige Stellung einnehmen und auf diese Frage keine klare Antwort geben, so wird die zionistische Organisation aus den Interessensphären der jüdischen Massen einfach ansgeschaltet werden. Ihnen aber sage ich, wenn Ihnen die Interessen der jüdischen Massen a m Herzen gelegen sind und Sie die Bedingung z u r L ö s u n g des jüdischenEnlig r a t i o n s p'r o b l e m s und somit der brennendsten Seite der Juden frage m i t s ch a f f e u »vollen, so schließen Sie sich der Jüdischt e r r i t o r i a l i st i s ch e n Organisation an!! Ä«swa»deru»gsa»gelege»hkite». Die sanitären Verhältnisse in den Südstaaten. In vielen Kreisen ist die irrtümliche Allsicht verbreitet, daß die klimatischen und sanitären Verhältnisse in -den Südstaaten der Union ungünstiger sind, als diejenigen in den östlichen Staaten. Diese Annahme erweist sich als durchaus irrig, wenn man die Statistiken der Regierlmg der Vereinigten Staaten über die Sterblichkeit der weißen Bevölkerung in den Staaten östlich des Mississippi dnrchstudiert. Das Resultat dieser Untersuchung ergibt, daß die Sterblichkeit im südlichen Teile der Vereinigten Staaten bebeuteub geringer ist als in anderen Tellen der Union. So ist z. B. die Sterblichkeit im Staate New-Iork um 70% größer, als im Staate South-Carolina. Der Staat Sonth- Carolina gehört überhaupt zu den Staaten mit der geringsten Sterblichkeit. Die nachfolgende Tabelle gibt die Zahl der Todesfälle pro 1000 in den verschiedenen Staaten an mit ist zusammengestellt aus den Zählungsberichten der Negierung der Vereinigten Staaten während des Jahres 1900: West Virginia.9.91 Sonth-Carolina.10.41 North-Carolina.10.46 Texas.10.80 Georgia. •.11.09 Fl-orida.11.46 Mississippi.11.60 Virginia.11.79 Kentucky.11.83 Wisconsin.12.03 Illinois.12.58 Ohio.12.68 Alabama.12.88 Indiana.13.14 Tennessee.13.65 Michigan.13 84 Vermont.14.01 Louisiana.14.05 Pennsylvania.14.11 Maryland...... - -16.10 Delaware.16.17 Connecticut.16.86 New-Jersey ....... 17.16 Maine.17 50 Massachusetts.17.71 New-Aork.17.79 New-Hampshire.17.89 Rhode Island.18.91 Die Einwanderung nach New- Vork im Jahre 1906. Das „Journal of Commerce" veröffentlicht über die Einwanderling von Ausländern nach New-Iork im Jahre 1906 einige vorläufige Statistiken, die ihm vom Einwanderungsbureau gegeben wurden. Darnach kamen während des Jahres im ganzen 1,186.406 Personen im Hafen von New-Aork an, darunter 1,644.522 Ausländer und 141.884 Bürger der Vereinigten Staaten. Von den Ausländern waren 133.964 Kabinenpassagiere und 910 558 Zwischendeckpassagiere. Während des Jahres 1906 landeten somit in New-Aork mehr Ausländer als während des vorhergehenden Jahres in allen Häfen der Vereinigten Staaten, und das war auch schon ein Rekordjahr. Für alle Häfen der Vereinigten Staaten sind die Zahlen von 1906 noch nicht erhältlich, aber ini allgemeinen rechnen die Behörden immer 20 Prozent darauf, so daß die Zahl der im Jahre 1906 ill Amerika eillgewanderten Fremden dann rund VU Millionen betragen würde. Der Vorsteher des Einwandernngsbnreaus fügte noch hinzu, daß die Einwanderer, die letzthin nach den Vereinigten Staaten kamen, alle durchaus ordentliche Leute waren und daß, obwohl das Gesetz mit aller Schärfe durchgeführt lvurde, doch nur sehr wenige als unerwünscht zurückgewiesen wurden. Jüdisches Bereinsleben in Texas. Die letzte Nummer der in San Antonio erscheinenderl jüdischen Moratsfchrift „The Jewish Hope" bringt einige interessante Mitteilungen über das jüdische Vereinsleben im Staate Texas. Darnach sind in letzter Zeit eine ganze Anzahl jüdischlliterarischec und musikalischer Vereine in jüdischen Gemeinden in Texas gegründet worden. So in Dallas, Galveston, Houston und Waco, Diese Tatsache lvird als ein gutes Zeichen für das geistige Erwachen der sonst indifferenten jüdischen Gemeinden im Süden bezeichnet. — Aus anderen Mitteilungen der genannten Zeitung ist zu ersehen, daß auch sonst das jüdische Leben im Süden imnier stärker zu pulsieren beginnt, und daß allmählich auch im Süden sich wichtige jüdische Zentren bchden. Der Hilfsvereiu der deutschen Juden hat gemeinschaftlich mit der Großloge für Deutschland in Hamburg eine besondere Abteilung seines „Zentralbureaus für jüdische Auslvanderungsangelegenheiten" errichtet. Mit der Erweiterung der Fürsorgetätigkeit für die jüdischen Emigranten, die infolge der traurigen Verhältnisse in Rußland erforderlich geworden lvar und mit den neuen Aufgaben, die der Plan einer zweckmäßigen Verteilung der Einwanderer u« den Vereinigten Staaten au den Hilfsverein stellt, war die Etablierung eines solchen Bureaus im Haupthafen der jüdischen Auswanderung notwendig geworden. Die Adresse des uelken Bureaus ist: „Zentralbureau für jüdische Auswandernngsangelegenheiten (Hilfsvereill der deutschen Juden, Großloge für Deutschland) Abteilung Hamburg, Kleine Bäckergasse 21." Das Bureau untersteht dein Hamburger Lokalkomitee des Hilssvereines, das sich ans folgenden Herreil zusammensetzt: 1. Vorsitzender A. Lewandowski, 2. Vorsitzender Moritz Marburg, Schatzmeister Albert Wolf, Doktor I. Adam, Markus Beith, M. Deutschländer, D. Frischmanu, Dr. R. Hinrichsen, Oberrabbiner M. Hirsch, Dr. E. Kalmus, Paul Laskar, Dr. H. C. Plaut. Dr. Hermann Samson. Mit der ehrenanltlichen Geschäftsführung wurde Herr Pa»ll Laskar betraut, der in segensreicher Weise auch bisher die Arbeite!« in Hamburg geleitet hat. Die Tätigkeit des Bureaus hat bereits am 1. Jänner begonnen. In Verbindung mit dem Hauptbureau in Berlin und mit deu zahlreichen Schntzkomitees des Hilfsvereines an der Grenze und im Innern Deutschlands lvird das Hamburger Bureau es als feilte Aufgabe betrachten, die mit der Auswandernng verbundellen Härten und Beschwerlichkeiten für die Emigranten zu mildern und allen Auswanderern helfend und ratend zur Seite zu stehen. Politische 7... Jüdischnationale Organisationsbestrebnngen machel« sich jetzt in allen Kreisen des Judeiltuins bemerkbar. Auch in solchen Kreisen, die es nicht zngeben wollen, daß dasjenige, was sie tun und anstreben, jüdischnationale Politik bedeutet. Es ist nur natürlich, daß gerade diese Bestrebungen in der allgemeinen Presse Beachtung finden, und es wäre eine schlechte Taktik, wollten wir die Stimmung verschweigen, welche diese Sonderbestrebungen in der Presse der eillzelnen Parteien hervorgerufen haben. Und da ist lvohl die Meinung des offenen politischen Gegners nicht nur interessanter, sondern auch praktisch wichtiger, als diejenige unserer sogenannterl Freunde und Beschützer. Von diesem Gesichtspunke aus gewinnt ein Artikel des chnstlichsozialen „Deutschen Volksblatt", welcher unter dem Titel „Jüdischnationale Organisationsbestrebungen" in Nr. 6473 des genannten Blattes erschienen ist, auch für uils an Bedeutung. Nach einer, wenn auch stellenweise unzutreffenden Beleuchtung der letzten zwei größeren jüdischen Versammlungen in Prag und Lemberg, schreibt das christlichsoziale Organ: „Diese Stelluilgnahme der österreichischen Judenschaft müßte eigentlich der Beginn einer neuen politischen Aera sein und alle Parteien, alle nichtjüdischen Völker veranlassen, eine gründliche Revisiol, ihrer Programme vorzunehmen, lvelche der veränderten Haltung der Inden Rechnung trägt. Solange ein Teil der Juden sich wenigstens den Anschein gab, als ob sie die Absicht hätten, in den anderen Nationen aufzngehen, konnte man es vielleicht noch begreifen, wenn auch nicht entschuldigen, wenn es unter diesen soilderbare Schwärmer gab, lvelche es für möglich hielten, daß der Jude im Laufe der Jahrzehnte durch Angewöhnung und Vermischung sich in einen Deutschen, Tschechen oder Polen verwalldeln könnte. In dem Augenblicke aber, in dem die Juden selbst sich auf ben unverfälschten Rassenstaildpunkt stellen und als eine Nation, behandelt werden »vollen gleich deu anderen, wäre is nicht bloß eine Dummheit, fonbern auch eine Charakterlosigkeit, ihnen bei ihrer nationalen Organisation störend in den Weg treten zu wollen. Wir Antisemiten haben sogar die Pflicht, die Realisierung des Programmes, das sich aus bett Prager und Lemberger Beschlüssen ergänzt, auf das wirksamste zu unterstützen. Jetzt kann es uns erst recht leid tun, daß bei der Beratung der Wahlreform unsere »viederholt aufgestellte Forderung, eine eigene Judenkurie zu schaffen, vollständig unberücksichtigt geblieben ist. Wenn die österreichische Jndenschaft, wie dies aus ihren jüngsten Aktionen hervvrgeht, willens ist, sich auf nationaler Basis zn organisieren, dann ist iricht einzusehen, »veshalb man nicht auch für sie eigelle Mandate schaffen soll, wie dies durch die Abgrenzung der Wahlbezirke für die anderen Nationalitäten geschehen ist." __ Stellung der Juden in der inneren Politik. in. I. Kr. Ehe wir in unseren Ausführungen »veltergehen, sei noch die Tatsache nachgetragel«, daß als im Jahre 1905 die Wahlreformvorlage Waschbar! Wasservicht! Geruchlos! SSL V Keform-Scbwei^blülter SSS

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