Nationalzeitung
- Journal
- Nationalzeitung
- Volume
- 1907
- Issue
- Heft 5 (15.1.1907)
- Date
- 1907-01-15
- Page
- Seite 2 (sequence 2)
- Language
- German
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Seite 2 Rationalzeitung Nr. - Donau ertränkt, Sie haben mit Ihnen gemacht, was Sie nur wollten. (Zwischenruf: „Sie denunzieren das Land!") Ich habe nichts anderes getan, als Ihnen Gesetze dieses Landes zitiert. Ich habe die Vertreibung der Juden ans den Landgemeinde» erwähnt, ich habe Ihnen alle non Ihnen getroffenen Maßregeln zitiert." Der Mann, der so im Jahre 1893 sprach und voir flammendem Rechtsgefühl beseelt seinen Landsleuten ein Sündenregister vorhlelt, war der Domänenminister Peter Carp, einer der wenigen rumänischen Staatsmänner, denen die Wahrheit höher als der Judenhaß galt. Und es ist in Rumänien seit dem Jahre 1893 nicht anders, nicht besser geworden . . . Glaubt vielleicht die Königin von Rumänien, daß sie durch die Apotheose des Judentums sich von der Pflicht befreit hat, die Verbrechen zu sehen und zu brandmarken, die von den Rumänen an den unglücklichen „Fremden" veriibt lverden? Carmen Sylva hat vor kurzem erst die Welt durch ihren Hilferuf für die armen Blinden gerührt. Ist auch sie blind gegen die menschhcitfchändenden Greuel in ihrem Lande? Aus der territormliMcheil Bewegung. Basel. Am 6. Jänner sprach hier Herr Ing. G i n s b u r g, Zürich, vor einem zahlreichen Publikuin über die Ziele des Territorialismus. Nach dem trefflichen Referate wurde sogleich die Gründung einer „Jto"gruppe beschlossen. Dem Vereine traten bereits eine große Anzahl von Mitgliedern bei. Der Verein hat sich bereits konstituiert. Gewählt wurden die Herren: Ed. D o r t o r t (Präses), A. Weingarten (Aktuar), Josef Weiß (Kassier), B r e g i n s k i (Beirat), M e i s n e r, Leon B o r n st e i n, B. R e i n o w i c z als Revisoren. ___ Budapester Brief. (Die territorialistische Belvegnna in Ungarn. Der Antisemitismus macht Fortschritte. Numerus clausus der jüdischen Universitütshörer. Antisemitismus imKossuth- Klnb. Armin Vambery und Bischof Früknoi. Er hat sich nicht zu erkennen gegeben.) Wohl nicht geräuschvoll, aber desto intensiver ist die Tätigkeit der Territorialisten Ungarns. In allen größeren Städten dieses Landes haben sich „Jtogruppen" gebiloet, deren besonderes Verdienst es ist, daß die jüdischen Kreise deren Interesse für alljüdische Fragen bis nun ein sehr minimales war, durch die „Jto" herangezogen wurden. Männer, von denen man es nie vermutet hätte, daß sie außer der magyarischen Politik und höchstens noch im Kultuswesen einiges Interesse entgegenzubringen vermögen, hört man jetzt über die Möglichkeiten einer Lösung der Judensrage vom all-jüdischen Gesichtspunkte debattieren, das ist ein Beweis mehr, für die oftbetonte Tatsache, daß auch unsere Juden für jede praktische Arbeit zu haben sind, und daß das jüdische Herz auch dann nicht für sein Volk zu schlagen aufhört, wenn es scheinbar durch nichtjüdische Angelegenheiten reokkupiert ist. Allerdings sind es zum Teile auch hier dieselben Faktoren, die auch anderswo die Juden zur Besinnung auf sich selbst geführt haben. Wir meinen den Antisemitismus. Sie haben in diesen Blättern schon zu einer Zeit das Anwachsen der antisemitischen Strömung vorausgesagt, als unsere chauvinistischen Juden noch in eitel Freude schwelgten, über die Unantastbarkeit des liberalen Gedankens in Ungarn, und auch im Auslande Ungarn als das „Dorado" der Juden hingestellt wurde. Unzählig sind die geheimen und offenen Angriffe selbst der radikalliberalen Parteien gegen die Juden und wenn wir heute nur des ruhig gebutbeteii jüngsten Angriffes seitens des volksparteilichen Abgeordneten Karl H e n e z Erwähnung tun, so geschieht dies eben aus dem Grunde, weil er der a l l e r j ü n g st e, wenn auch nicht der letzte und größte ist. In seiner Budgetrede sagte dieser Abgeordnete u. a.: „Indem ich für die Errichtung der Kaschauer Universität Stellung nehme kann ich einen überaus »vlchtigen Umstand nicht verschweigen, nämlich die Verteilung unserer Universitütsyörer nach verschiedenen Rasselt und Religionen. An der Budapester Umversität sind beitäusig 42 Perzent der Hörer Katholiken, zirka 35 Perzent Juden, die übrigen verteilen sich unter anderen Konfessionen. Für die uligarljche Nation ist von die,em Verhältnis ernstes zu befürchten. Eben deshalb bitte ich ce» geehrten Herrn Minister — und ich glaube, es dürfte nicht so schroff kungen — baß er a n der Budapester Universität den numerus clausus errichten, die Zahl der an der Universität zuzntasseiiden jüdischen Hörer einschränken möge. Ich bin überzeugt, daß ohne diese Maßregel die Juden fänilliche produktive Lausbahnen an sich reißen, bald auch die Verlvatiung leiten und die Gesetze llach ihrem Geschmacke durchführen werden." Aber Karl H e n c z ist Parteianllsemit, von dem nichts anderes zu erwarten ist. Biel schlimmer ist es jedoch, daß in der Kossuth- Partei, deren Hauptprogrammpunkt der äußerste Liberalismus bildet, der Aulisenlitmus heute Triumph i|t. Diese Partei führt heute einen erbitterten Kamps gegen die demokratische Parlei, deren Führer der Jade Doktor W i l h e l in B a s z o n y i ist. Und ivas nie für möglich gehalten wurde, geschah nun tatsächlich in einer Konferenz der K o s s u t h- Partei, daß nämlich ein Parteimitglied, Julius Markos, ungerügt, ja zum Teile unter Beifall der Anwesenden, den eines Ernst Schneiders würdige» Ausruf sich leisten konnte: „W i r w o l t e n k e l n I u d a p e st, w i r b r a u ch e n den Vaszonyi scheu D e m o k r a t i s m n s n i ch t, d i e Demokraten ui ü s s e n aus der Partei ausgeschlossen werden, nieder in i t den Juden!" Nicht besser bestellt ist es auch im Budapester Gemeinderate. Und zu alledem schweigen die jüdischen Abgeordneten im Parlamente. Wir können „Magyar Szo" nur recht geben, wenn es hiezu schreibt: „Einmal gab es an der Akadenne einen antisemitischen Ausfall. Nach der Sitzung begegnete auf dem Korridor Professor A r m i ir V a m b 6 r y den Bischof Wilhelm Früknoi. (Beide getaufte Inden.) Letzterer erzählte V a m b 6 r y mit Entrüstung, was in der Sitzung vorgegangen war. „Und was hast Du hochwürdiger Freund dazu gesagt?" fragte V a m b 6 r y. „M' boh!" erwiderte der Kirchensürst, „ich habe mich nicht zu erkennen gegeben!" Jetzt war eine große antisemitische Hetze im Kossnthklub, wo die Juden arg beschimpft wurden. Und was haben die jüdischen Abgeordneten dazu gesagt? M'boh! sie haben sich nicht zu erkennen gegeben! . .- Nichtsdestoweniger muß festgestellt werden, daß es. auch in den Köpfen der ungarischen Juden zu dämmern beginnt und vielleicht haben sie das Glück, noch früher zu ihrem Judeiltume znrnckzukehren, als es den anderen gefallen wird, sie dazu zu treiben. Jochanau. Die jüdische Auswanderung über Oesterreich-Angara. (Jea und die „Israelitische Allianz zu Wien"). Am 10. Jänner fand eine Sitzung der Emigrationssektion des Petersburger Zentral, komitees der Jca statt, in welcher Herr K o st e l a n s k i eine» sehr interessanten und lehrreichen Vortrag über „die russisch-jüdische Auswanderung über Oesterreich.Ungarn" hielt. In Oesterreich sowohl, wie in Ungarn gibt es keinerlei Gesetze, zur „Regulierung der ausländischen Emigrationsbewegüng." Die Emigranten werden weder von der Polizei, noch vo,i der administrativen Behörde in der freien Wahl ihres Reisezieles behindert. Es gibt keine Kontrollstationen, noch Infektionen, noch Bäder für die Emigranten. Die Zahl der jüdischen Emigranten, die von Oesterreich-Ungarn in die weite Welt ziehen, ist eine verhältnismäßig ziemlich große. Eine genaue Statistik über die Dnrchwanderung wird dort wohl nicht geführt, auf G'ilnd gewisser Tatsachen und Ziffern, glaubt der Referent jedoch annehmen zu dürfen, daß im abgelaufeiien Jahre 40—50 000 jüdische Emigranten über Oesterreich-Ungarn ihren Wanderiveg genommen haben. Diese Answanderer stammen zumeist aus dem südlichen, und südwestlichen Teilen Rußlands. Weder in Oesterreich noch in Ungarn gibt es Anstalten oder Vereine, welche sich' mit der Regulierung der jüdischen Emigration befassen. Die jüdischen Wanderer haben daher in Oesterreich und Ungarn sehr viel zu leiden, denn es gibt keinen der sich ihrer annehmen, oder ihnen wenigstens mit Rat zur Seite stehen würde. Die jüdische Bevölkerung verhält sich ihren armen, wandernden Brüdern aus Rußland gegenüber, gleichgültig, ivenn nicht gar feindlich. Es ist soweit gekommen, daß die dortigen Inden allen Ernstens' daran gedacht haben, die rnssischjüdische Ansivalidernngsbeivewegutig mit Hülfe der Polizei von Oesterreich abzuhalten. Die „W i e n e r I s r a e l. A l l i a n z" hat wohl in Angelegenheit der Emigration etwas. wenn auch nur iveniges getan, aber ihre ganze Arb.it hat den jüdischen Emigranten wenig geuützt. Man hat den Emigranten ohne jede Kontrolle und Recherchen kleine Geldsummen angewiesen, so daß diese Unterstützirngen zumeist von geborenen Schnorrern oder bemittelten Emigranten ausgenützt wurden, die über geilügellde Mittel für eine Reise nach Amerika verfügen. Am liebsten hat die „A l l ia n z" solche Emigranten unterstützt, die nach Rußland zurnckkehren wollen und schließlich beschränkte sie sich ganz auf die Unterstützung der nach Rußland zurückfahrenden Emigranten. Den wirklichen Emigranten hat die „Allianz" auch die kleinste Unterstützung versagt, weil sie voll der Ueberzeugung ausging, daß sie durch solche Zuwendungen zur Steigerung der Einwanderung aus Rußland beitrage. Bon T r i e st und Fiume hat man eine sehr gute, direkte Verbindung nach A m e r i k *. Da sich jedoch niemand der Durchwanderer angenommen hat und diese sich selbst überlassen in die Hände der Agenten fallen müssen, wird der größte Teil der Emigranten über Hamburg geschickt, wv sie den schrecklichsten Widerwärtigkeiten ausgefttzt sind. Die Agenten behandeln die Auswanderer im allgemeinen sehr schlecht und beuten sie auf die schändlichste Weise aus. Großen Unalillehmlichkeiten sitld die Auswanderer auch deshalb ausgesetzt, weil die Schiffskarten, welche sie aus Amerika zngeschickt erhalten, nicht immer den Vorschriften entsprechend ausgestellt sind. Der Referent vertritt schließlich die Anschauung, daß den Emigranteil ein besonders großer Dienst erwiesen würde, wenn in den österreichischen Grenzstationen, sowie in den österreichischen und ungarischen Hafenstädte llnd größeren Durchzugszentren Information--- bureaux errichtet würden, welche dem jüdischeil Auswanderer zur Seite stehen und sie häuptsächlich vor den Agenten schützen. Auswanderung nach Nordamerika. Wir brachtell in uliserer letzten Freitagsnummer, auszugsweise, einen unter diesem Titel, von Herrn Schriftsteller Jaques Jäger, gehaltenen Vortrag. Wir haben nachträglich richtigzustetten, daß Herr Jäger Schriftführer des Oesterr.-ungar. Kolonialvereines ist, und berichtigen den Irrtum, daß die Fahrt von N e w - A o r k nach Galoest o n e 85 Stunden (nicht 58) dauert. Der Mangel an nationalen Häfen macht sich in O e st e r r e i ch bemerkbar. Lzernorvitzer Brief. (Dekorierung des Bürgermeisters Dr. Reiß.) In Würdigung eines vom Gemeinderate der Landeshauptstadt Czernowitz ausgesprochenen Wunsches fand cim 5. d. M. in einer anßer. Waschbar! «SasserDtchtt Gerachlo»! Vollen» echte Rcform-$clnvei(iblaitcr DrtfriB Mil. mwm.