Nationalzeitung
- Journal
- Nationalzeitung
- Volume
- 1907
- Issue
- Heft 4 (11.1.1907)
- Date
- 1907-01-11
- Page
- Seite 5 (sequence 5)
- Language
- German
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9u 4 Nationalzeitung Seite & Auf die Ausführungen des Vertreters der Kultnsgemeinde Herrn Baurat Theodor Ritter v. Gvldschmidt erwidert der Obmann des Vereine« : Die Aeußerung des Herrn Vertreters der Aniinsgemeinde, daß sich in die dem Jahresberichte vorangestellte Ansprache au die Geueralve> ammln»g ein Irrtum eingeschlichen haben müsse, zwinge ihn zu einer Entgegnung. Es sei dem Vereine von Seite des Kultusvorstandes ausdrücklich, und zwar schriftlich die Zusicherung gegeben worden, daß bei Ableben von Mitgliedern des Tempelvereines oder deren Angehörigen in der Regel die Funktionäre des IX. Bezirkes zur Verwendung kommen sollte«!, in allen anderen Fällen aber dann, «venu die Hinterbliebenen es wünschen sollten. Diese Zusage besteht und es kann daher von einem Jrrtnme nicht gesprochen werden. Wie eine Krankheit nicht durch Bekämpfung einzelner Symptome geheilt werden könne, so nütze es auch nichts einzelne Beschwerden gegen die Gemeindevorstehung zu erörtern. Man müsse dem Uebel auf den Grund gehen. Schon vor nahezu .2000 Jahren hat unser Lehrer Hillel den Grundsatz aufgestellt: „Kol Isroel jescb lohem cheskas Raschrus“, in religiösen Dingen ist jeder Jude vertrauenswürdig. Der Vorstand der Wiener Kultusgemeinde aber begegnet den Gemkindeangehörigen, insbesondere den Tempelvereien, trotzde«n diese naturgemäß keinerlei egoistische Zwecke, sondern nur das Wohl der Gemeinde anstreben, mit großem Mißtrauen. Dies gehe schon aus den Statuten hervor, weil z. B. nicht nach Kultusbezirken gewählt wird, sondern die ganze Gemeinde einen einzigen Wahlkreis bildet, weiters das Wahlrecht von '-der dreijährigen Seßhaftigkeit abhängig gemacht sei, während dieselben Herren, die dieses Erfordernis aufgestellt haben, das Verlangen der jetzt in Niederösterreich herrschenden Partei nach einjähriger Seßhaftigkeit auf das heftigste bekämpfen. Auch die Zusammensetzung der Bezirkskommissionen z. B. beweise dieses Mißtrauen gegen die Gesamtheit der Steuerträger. Sonst . könnte «nan nicht die vermöge ihrer kunstvollen : Zusammensetzung ohnehin zu einem willenlosen Werkzeuge der Kultusgemeinde gemachten Bezirksfoimnifftonen erst recht j?den befriedigenden -'Wirkungskreis vorenthalten. Diesern unfaßbaren Mißtrauen, nicht aber den Verträgen mit den Gelueindefunktionären ist es auch znzuschreiben, wenn die Funktionäre der Teinpelvereine von. der Mitwirkung bei Leichenbegängnissen möglichst ferngehalten werden. Man will ihnen eben bei jeder Gelegenheit vor Augen führen, daß sie nur Bedienstete von Teinpelvereiuen, aber nicht der Kultnsge«neinde sind. Und doch wären die Herzen der Teinpelvereine, wie auch die der Gemeindeulitglieoer ' durch ein vertrauensvolles Entgegenkommen, - eine freundliche Tat leicht zu gewinnen. Rediler hofft es werde bald die Zeir kommen, wo sich die Herzen der Kinder und der Väter wieverstndeu — weheschiw lew owaus al bonirn welew bonim al awaussom. Zum Schluffe sprach auch das Ausschuß« -Mitglied Herr Josef Steiner zur selben Frage, indem er sehr zutreffend hervorhob, daß die Funktionäre der Bethansvereine ja genau dieselben Funktionen versehen, wie diejenigen in der Zentrale und daher auch dieselbe Berücksichtigung verdienen, wie jene. Das Skrntinium ergab folgendes Wahlresultat. In den Vorstand ivnrden gewählt die Herren: Ignaz Simon, Dr. Moritz Schnepp, kais. Rat Ignaz Wilhelm und in den Ausschuß die Herren: Sal. Fuchs, Dr. Alfred Glogau, Leopold Heudl, Gerson Kvralek, Wilhelm Pappe, heim, Josef Steiner, Dr. Ad. Steiner, Isidor Trebitfch. Gericht über die Aertretuna der Wiener Kultusgemeinde bei dem Leichenbegiinaniffe des veruorbene» Pretzburger Rabbiners. Wie seinerzeit berichtet ivnrde, «var die Wiener Kultnsgemeinde durch den Kultnsvorsteher phil. und jur. Dr. Markus Spitzer bei den« Lelchenbegängnisse in Preßburg vertreten. Im Einlanfe der letzten öffentlichen Plenarsitzuug des Kultusvvrstandes befand sich auch ein Bericht des Herrn Dr. Spitzer über seine Mission, den wir wegen seiner besonders kernigen Sprache hier seinem gaiizen Wortlaute nach wiedergebei«. Der Bericht lautet: Wien, 13. Dezember 1906. Hochverehrter Herr Präsident! Ich erlaube mir zur Kenntnis zu bringen, daß ich in Entsprechung der au mich ergangenen höchst ehrenvollen Aufforderung den löblichen Knltusvorstand bei denk am 5. d. M. stattgefnndenen Leichenbegängnisse des vereinigten Herrn Oberrabbiners B? Schreiber in Preßburg vertreten habe nnd wurde die durch die erfolgte Vertretung unserer Gemeinde bewiesene Pietät. Brüderlichkeit und Zusammengehörigkeit mit lebhafter Befriedigung und Genugtuung begrüßt. Dieses Leichenbegängnis gestaltete sich durch die Beteiligung Tausender unserer Glaubensgenossen und Deligierten ans Hunderten von Gemeinden zu einer überwältigeliden Kundgebung wahrhaft kindlicher Liebe der gesamten Judenschaft Ungarns für den dahingefchiedenen ausgezeichneten Lehrer und Führer. Es möge mir gestattet sein, die unbegrenzte Verehrung hervorznheben, die den SUlämient jüdischer Wissenschaft daselbst entgegengebracht wurde, zu deren Beobachtung mir reichlich Gelegenheit geboten war, welche auf mich einen erhebenden unauslöschlichen Eindruck machte und in mir die Überzeugung festigte, dag diese Verehrung eine der vornehmlichsten Bedingungen der Erhaltung des Judentums sei. Genehmigen Sie hochverehrter Herr Präsident den Ausdruck meiner besonderen Hochachtung, mit der zu zeichnet! ich die Ehre habe, ergebenst Dr. Marüls Spitzer. Vermischte Nachrichten. Wien. (Religionslehrer- Be rein „E s r a") In der am verflossenen Sonntag stattgehabten Generalversammlung des Vereines der ausschließlichen Religionslehrer „Esra" wurden nachfolgende Herren in den Vorstand gewählt: Wilhelm Breuer, Obmann, Markus Stengel, Obmann-Stellvertreter, Lazar Wiesner, Kassier, Wilhelm Toch, Schriftführer, Max Rindskopf, Adolf R o t t e r, Dr. Jakob Weiß, Ausschußmitglieder. Wien. (W o h l t ä t i g k e i t s a k a d e m i e.) Sonntag, den 3. Feber 1907, veranstaltet der Brigitten, israel. Frauen-Wo' ltätigkeitsverein, dessen Abende nicht nur in Bezug auf das Reinerträgnis, sondern auch in künstlerischer ,md gesellschaftlicher Hinsicht zu den glänzendsten der Saison zählen, zu Gunsten seiner humani. tären Zwecke seine diesjährige WohltäügkeitSakademie mit nachfolgendem Tanzkrünzchen. Die Vereinsteitung mußte Heuer die Sophiensäle mieten, da sich die Räume des Etablissements Ronacher für die große Menge der Gäste zu klein erwiesen hatten. Mit Rücksicht auf den eminent wohltätigen Zweck hat bereits eine Reihe hervorragender Künstler ihre gefällige Mitwirkung bestimmt zugesagt. Nach den noch vorhandenen Karten herrscht lebhafte Nachfrage und sind dieselben zum Preise von K. 3.— bei der Präsidentin Frau Emilie Weiß, XX., Klosterneuburgerstraße 13. sowie bei sämtlichen Vorstandsdamen erhältlich. Israelitische Kultusgemeinde Wien. (St u ii b m ci ch u n g.) Die Religionsprnfungen für Mittelschüler finden im ersten Semester des Schuljahres 1906/07, Dienstag, den 22. Jänner 1907, von 3—5 Uhr nachmittags in der Religionsschule der israel. Kultusgemeinde (l., Seitenstettengaffe 2. 2. Stock) durch Herrn Professor Dr. Heinrich P o l l a k statt. Der Vorstand der israel. Kultusgemeinde Wien. Wien. (T r a u u n g.) Sonntag, den 6. d. M. fand im Josefstädter Teutpel die Trauung des Fräulein Emma Geiger mit Herrn Jakob König statt. Ein zahlreiches Publikum ivohnte dein Feste bei; insbesondere aus Börsekreisen waren zahlreiche Gäste erschienen, ein deutlicher Beweis für die Beliebtheit, derer sich Herr Peter Geiger erfreut. Herr Kantor K w a r t i n absolvierte mit ausgezeichneter Stimme die Gesänge; Se. Ehrwürden Herr Rabb. Dr. Bauer hielt eine tiefempfundene, schöne Ansprache. Der Chor funktionierte unter bewährter. Leitung tadellos. Wien. (Morris. Rosen seid- Abend.) Der Brrein zionistischer Hochschiiler „Theodor Herzl" in Wieit veranstaltet am Sonntag, den 27. Jänner 1907, präzise 8 Uhr abends im Festsaale des Österreichischen Ingenieur- und Architektenvereins, t., Eschenbachgasse Nr. 9. einen Morris Nosenfeld-Abend. dessen Reinerträgnis dem schwerkranken Dichter zufällt. Ihre freundliche Mitwirkung haben zugesagt: Herr Dr. N. Birnbaum, (Math. Acher) Konffrence. Herr k. k. HofburgschauspielerFerdinand Gregori (Rezitation Rosenfeldschet Gedichte), Herr Konzerlsänger Don Fuchs (Vortrag Rosenfeldscher Lieder). Karten ä K. 5. -. 2.— und 1. sind in Gutmanns Hof-Musikalienhandlung erhältlich. Es steht wohl zu erwarten, daß diese Veranstaltung in den weitesten Kreisen des jüdischen Publikums das regste Interesse erregen wird. Jüdische Totznbee-Halle. XX., Othmargaffe 46. Beginn der Vortrüge a„ Wochentagen 728 Uhr Samstag, sowie an Sonn- und Feiertagen 7 Uhr. ' Eintritt frei für jeden Erwachsenen. Wochenprogramm: Freitag den 1t. Bibelvortrag. Religionslehrer Leopold Weiß. Samstag den 12. Konzert. Sonntag den 13. „Heiteres aus der ärztlichen Praxis". Dr. Wilhelm Stecket. Montag den 14. „Die Tatsachen und Gesetze des siltlichen Lebens". Professor Dr. Wilhelm Jerusalem. Dienstag den 15. „Erziehungsstätten für das Vorschulalter". II. „Ihre Erziehungsmittel". Direktor Max Fischer. ' Mittwoch den 16. „Chemie des täglichen Lebens". HI. chem. Georg Jerusalem. Donneestag den 17. Literarischer Abend. „Die Juden von Barnow". Dr. I. Samuely. Freitag den 18. Bibelvortrag. Samstag den 19. Konzert. Schuhmann-Feier. Mittwoch den 25. Dezember fand ein von dem Violinvirtuosen Herrn Buchbinder im Vereine mit den Herren Mohsberg (Viola) und Deutsch (Clavier) veranstaltetes Konzert statt. Sowohl die Solovorträge als auch die Kammer,nusikstücke der Mitwirkenden zeugten von großer' Technik und feinem künstlerischen Verständnis. Der Bassist Solo Leinberger erntete für den ganz vorzüglichen Vortrag heiterer Opernarien und Lieder stürmischen Beifall. Dessen Begleitung am Kla ier hatte Frl. Blau-Leinberger übernommen und sich in lobenswertester We.se dieser Ausgabe entledigt. Samsiag den 5. Jänner d. I. erschien die Schriftstellerin Frau Regina Reißer aus Breslau am Vortrngstische und sprach über „Wilhelm von Humbold und dessen Familie in ihren Beziehungen zum Judentum". Die Dankeskundgebungen des aufmerksamen Auditoriums für die schönen und trefflichen Ausführiingen der Dame wollte.: fast kein Ende nehmen und es kann dieser Ab nd als einer der glänzendsten der Toynbee-Halle bezeichnet werden. Talmud-Thora-Berein in Floridsdorf. Am 30. Dezember v. I. föitb bk (feilet alversammlung dieses Vereines statt.' Der Ehrenpräsident des Vereins Sr. Ehrw. Herr Bezirksrabbmer Dr. Rosen mau eröffnete die Versammlung und begrüßte die Anlvesendeil aufs herzlichste. Er tvidmete dem vor kurzem verstorbenen sehr verdienstvollen bisherigen Obmanne des Vereines Dr. Leopold Grünwald s. A. einen warm empfundenen Nachruf. Die Anwesenden erheben sich von ihren Sitzen. Es wird beschlossen. diese Kundgebung im Protokolle festzuhalten. Bei der hierauf vorgenommenen Netlwahl des Vorstandes wurden einstimmig folgende Herren gewählt: zum Obmanne Max Nenmani'. zum Obmannstellvertreter Emanuel Grün Wald, zum Kassier Simon Czaczka, znm Schriftführer Dr. Samuel Ruß. zum Kontrollor Oberlehrer Jgu. L ö w und zu Beiräten Dr. Jakob König nnd Gabriel' Dnkes. Herr Beim Deutsch, der sich um den Verein große Verdienste erworben hat. wird znm Beirate kooptiert. Es wird geschloffen, letzterem ein Anerkennungsschreiben z,i widmen. Mit Befriedigung konstatierte der Vorsitzende den günstigen Stand des Vereines und die fegenreiche Wirksamkeit desselben nnd schließt die Versammlung mit dem Appell, es inöge jeder in seinem Kreise für den Verein agitieren, damit er zu höheren Zielen gelangen könne. AuS Aulast des Ablebens des Ober rubbiners Schreiber veröffentlicht der Archivar der Pretzburger Israel. Knltnsgemeiude. Herr Lazarus Schönfeld eine intereffante Todesanzeige aus dem Jahre 1839 über das Ableben eines Vorfahren des null Verstorbenen, den Oberrabbiuer Moses Schreiber übermittelt, die er als seltenes Stück erst kürzlich im Archiv entdeckt hat. Wir bringen nachstehend dieses in jeder Hinsicht interessante Beleg: „Todes-Anzeige. Mit innig Alvebr-Apotbeke ki K. Mittelbach KI Zoda-Pasiillen. Ulfe«, I.» Hobel Markt Nr. * €fo»wm«c, mfto§cn IC. (Palais Siua) Zeutrum der Stadt WM- Preis per Schachtel 6v Heller. "M> Personen. welche anMaäe«- veschwerden. ^Uebelfeite». leide», unentbehrlich.