Nationalzeitung
- Journal
- Nationalzeitung
- Volume
- 1907
- Issue
- Heft 4 (11.1.1907)
- Date
- 1907-01-11
- Page
- Seite 6 (sequence 6)
- Language
- German
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Seite 6 Nationalzeitnng Nr. 4 schmerzlichem (Mcfiiblc teilet die Preßburger Jsraeliten-Gemeinde allen ihren Glaiibeitsgeuoffeit das betriidendste Ereignis mit. das; ihr ehnvürdigster Herr Oberrabiner Moses Schreiber am (25. Tisri) 3. Oktober l s39 um 7". Uhr morgens, in seinem 78. ruhmvoll vollendeten Lebcnsiabre durch einen fanf.cn Ted aus ihrem Kreise, dem derselbe länger als 34 Jahre, bis in die letzte Stunde seines Lebens, mit Segen als Erzieher imb Lehrer wirkend, der . teilnehmendste, bewährteste Freund gewesen war. von Gott abgernfcn wurde. Die hiesige und alle Gemeinden von nabe und fern, die sein mitleidvolles Herz ohne Unterschied der Religion kannten, dir von seinem ruhmvollen für dos Reich Gottes so tatenvollen Leben überzeugt waren, erlitten durch seinen Hintritt den herbsten Verlust. Er hat sieh in den Herzen aller unserer Einwohner, sowie in denen seiner tausend Zöglinge und Schüler das unvergeßlichste Denkmal der Dankbarkeit erworben, so daß gegenwärtige Anzeige von seinem Hintritie auch in den entferntesten Ländern rub Kreisen unendlich vieleihm dankbar verbundene Herzen zur tiefsten Rührung der Wehmut stimmen wird. Gleich bei Erkrankung dieses liottgefälligen Maiines iiberreichte ihm der hiesige Gemcinee-Vorstand ein schriftliches Bittgesuch um die gütige Einivillignng. daß dessen ausgezeichnet tugendhafter Sohn. Herr Satnnel Wolf' Schreiber, der, von Gott mit Sanftmut und Liebe gekrönt, schon seit mehreren Jahren durch außerordentlichen Fleiß mit den ansehnlichsten Rabbinern in theologischer Korresvondenz steht und seine Kenntnisse so bereicherte, daß er ans eine hohe Stufe des Ansehens, erhoben ist, als Assistent im rabbinischen Wirkungskreise beistehen dürfe, wofür ihm die Gemeinde nach Ableben seines würdigen Vater-? die hiesige Nablmiatstelle. die er zu bekleiden würdig ist. zusicherte- Nachdem der verewigte, unvergeßlich tugendhafte Mann, niit klarem Verstände ni>d nach reiflicher Ueberlegnng diese Bitte znm Wähle und nach Wunsch der Gemeinde genau prüfte und ihr dann erst willfahrte, w eberholte er seinen' ihm vorgestellten Sohne nach der ihm eigentümlichen göttlichen Weise, alle die Pflichten, die ein Rabbiner, als treuer Vater, als gottgefälliger, tugendhafter Lehrer und als antcilnehmender Mensch zir b obachten und genau zu erfüllen habe. Hierauf erteilte er ihm seinen heiligen Segen und weihte ihn vor Gott und der Welt in sein Amt ein: er flehte znm Allerhöchsten mit emporgehobencn Händen und in der Glorie seiner Verklärung. daß der Schöpfer seinem Sohne in allen tugendhaften Unternehmungen den väterliche Rat und Beistand verleihen »volle, damit die für das Reich Gottes ansgestrenten Staaten nie aufhören mögen, gute Früchte zu tragen. Er segnete auch die ganze Gemeinde mit gerührtem Herzen für all' die ' Liebe und Anhänglichkeit, die sie ihm von Anbeginn bis in die 'etzte Stunde seines Scheidens erwiesen haben. Heil ihm, dem Unvergeßlichen! Lob und Preis aber dem Herrn all.r Herren, der ihn zum Segen für so Viele mit langem Leben gesättigct, und der ihn endlich mit Ehren genonimen hat. Allen von hier näher oder weiter entfernt lebenden Schülern und Freunden des Verewigten widmet die Preßbnrger Jsraeliten-Gemeinde die vorstehende Todes- Anzeige und die Bekanntmachung, daß dessen Sohn, Herr Samuel Wolf Schreit er. als Ober-Rabbiner in der hiesigen Gemeinde b reits fungieret, statt besonderer Meldung ans ihrem aufs schmerzlichste bewegten, zugleich aber trosterfüllten Herzen. Preß- ^bnrg. den 6. Oktober 1839." Ein Trauerfall im Haufe des Abg. Dr. Straucher. Aus C z e r n o w i tz wird uns geschrieben: In Wien ist am l. Jänner im Sanatorium Löw Frau Karoline Kovacz (geb. Rosenstrauß) gestorben. Wer die Verblichene - eine Schwäger'« des Abg. Dr. Straucher — gekannt, wer Gelegenheit hatte, sie bei ihrem emsigen Wirken als Gattin und Mutter, bei Bekundung ihres stark ausgeprägten Wohltäligkeitssinnes zu beobachten und sich an ihrem erwärmend liebenswürdigen Wesen zn erfreuen, der wird den tiefen Schmerz ihrer Angehörigen und Bekannte», wegen ihres so jähen Heimganges nur zn sehr begreifen. Sie hinterläßt einen tieferschütterten Gatten und ein blühendes Töchterlein. Frau Doktor Straucher. welche an das Krankenlager ihrer Schwester, die man von ihrem Woh sitz in Lugvs (Ungarn) »ach Wien schon in schwerkranken Zustande zwecks Vornahme einer Operation transportiert hatte, geeilt war. fand sie bereits tot. In unserer Stadt, wo mau' das Ehepaar Kovacz kannte und achtete, gcht sich allgemeine Teilnahme kund. Ernst Josephson gestorben. „Der schwedische Künstlerkreis hat einen seiner Führer verlo en. ein glänzendes künstlerisches Talent, eine echte Künstlernatur ist dahin. Ernst Josephson ist seinem jahrelangen Leiden, nur 55 Jahre alt. erlegen." So beginnt eine der ersten Stockholmer Tageszeitungen einen langen Artikel über den Künstler, seine hervorragenden Leistungen auf dem Gebiete der Malerei und Dichtkunst und bringt auch sein Bild und viele Reproduktionen seiner Gemälde. Ernst Josephson entstammte einer Stockholmer höchst angesehenen jüdischen Familie, bei der künstlerische Begabung ein Erbe des Geschlechtes zu sein scheint. Er begann seine Kiinstlcrlaufbahn als hoffnungsvoller Schüler der Stockholmer Akademie, erhielt als solcher für ein Bild, das später die schwedische Königin ankaufen ließ und das noch jetzt ihre Brivatgemächer schmückt, die königliche Medaille und ein Reisestipendium, das ihn nach dem Süden führte. Es würde zu weit führen, seinen Entwicklungsgang hierzu verfolgen: nur einige Worte seien angeführt, die einer der größten Künstler in einem Nachrufe von seinem Freunde und Gcsinunnasgenossen sagte: „Nun ist er fort für immer, er. der in den bahnbrechenden Achtziger-Jahren das Zentrum der Neugestaltung unserer Kunst und Kunstverbällnisse war." Und ferner sagt er von ihm. daß er Josephson für den bedeutendsten Maler dieser an großen Künstlern so reichen Zeit ansah." Der Präsident des Künstler- Vereins sprach am Grabe warme Worte, von denen wir folgende hervorheben möchten: Von ihm sagte man. daß er die organisierende Kraft, die Seele bei der großen Arbeit der Renaissance Schwedens, der Zentrale Punkt in einem großen Künstlerkreise gewesen uxir. Immer war er es. der die Parole, das erste Zeichen znm Kampfe gegeben hat. chlle Künstler unserer Zeit, sowohl die älteren, die an seiner Seite gekämpft, sowie die jüngeren, die ihn nie persönlich sahen, w rdeu stets mit Liebe und Beivnndernng das Andenken an sein Lebenswerk und an die Fcnerseelc Ernst Josephson bewahren." Seine bedeutendsten Gemälde sind nach barten Kämpfen, die frühzeitig seine Kraft gebrochen, fast sämtlich vom Staate angekauft und den Nationalgalerien Stockholms, Christianias und Gothenbnrgs einvcrleibt. Budapest. (Jude und K a l v i n e r). Die Anekdote handelt von Tesider Szil-'gyi aus seiner Miuisterzeit und dem witzigen Chefredakteur der „Bud.'vester Korrespondenz". Prof. Albert Sturm. Der Minister ließ den Offiziosns rufen, nm ihm ein Commuiiiqiw zu diktieren. Nachdem das Diktat niedergeschrieben war. schlug Sturm einen Ausdruck vor. de» verschieden war von dem. welchen der Minister gewählt hatte. Szilagyi fand die Korrektur gut und akzeptierte sie. Als das Coinmunigiw nun in der neuen Fassung durchgelesen wurde, hatte Sturm abermals darau ansznstellen und schlug wieder einen neuen Ausdruck vor. Szilägyi war in guter Laune und akzeptierte auch diese Aenderung. Als null das fertige Commiiniawzum letzten Riale dnrchgelesen wurde, konnte Sturm es sich nicht versagen, befriedigt und auch ein bißchen selbstgefällig auszurnfen: „Was Exzellenz, es ist doch gut. wenn der Alte im Hause ist!" Da wurde Silägyi böse und die Löwenstirn in drohende Runzeln legend, fuhr er den Professor barsch an: ..Sie. Sturm! Nicht wahr. Sie sind Jude?" „Warum Exzellenz?" fragte Sturm eingeschiichtert. „Weil Sie vorlaut sind!" donnerte ihm die ministrielle Antwort entgegen. Sturm steckte die ungnädige Behandlung ein und schritt scheinbar gebeugt zur Türe. Als er außer Schußweite war blieb er stehen und fragte den Minister: Exzellenz, nicht wahr. Sie sind Kalviner?" „Warum?" knurrte S.;il»ghi grimmig. „Weil Sie undankbar sind", war die Antwort Sturms, der damit aber auch schon znr Tiire hinaus war. Petersburg. (Kruschewan vor Gericht.) Wie seinerzeit gemeldet wurde, fa»d vorige Woche der Prozeß des Redakteurs S a ch a r o w gegen den b riichtigten Judenfresser K r u sch e w a u statt. Letzterer war wegen Verleumdung »nd Aufreizung der Christen gegen Juden angeklagt. Kruschewan wurde zu e i n e r W o ch e A r r e st s u u d z u einer G e l d st r a f e von zweihundert Rubeln verurteilt. Während die Richter sich zur Beratung zurückgezogen hatten, überfiel ein Anhänger K r n s ch e w a » s. einer von den „echt russischen Männern", den Redakteur Sacharoiv und verletzte ihn mit einem Knüttel jchiver am Kopfe. Der Attentäter wurde verhaftet. Giugefendet. N'.ch langer schwerer Arbeit ist es gelungen, eine getreue Nachahmung des Salomonischen Tempels zu Jerusalem in Mmiatnr anszubanen und im Maßstabe von 1:250 aus Holz geschnitzt herzustellen. Es ist damit ein großes Stück Arbeit geleistet worden, denn bte historischen Neberliefernngen von der Bauart des Tempels sind nicht zuverlässig und einander widersprechend. Sv haben sich auch die Rabbiner verschiedenster Gemeinden, insbesondere Sr. Ehrw. Rabb. Weiß, Czernoivitz sehr anerkennend über dieses Kunstwerk geäußert. Dasselbe ist beim Erbauer, Herrn L. S ch w a r z b a ch. ]I., S t e f a n i e st r. 12, in der Zeit von 10 Uhr früh bis 12 Uhr nachts, gegen Entree von 40 Heller» zu sehen. Für Kinder 20 Heiler; für Studenten 30 Heller. »Iffl I Mer Teppich-MmiD ZerkiNlfs-Aiisililt neu eröffnet Wien I., TLrugerstrasze 13. Go gelangen utni Verkaufe: Wirtschaftstevpicbe. 200 300 . . v. fl. 4.25 aufm Persia. 200,300 .„ „ 0.50 „ Brüsseler 1-.. 2»»0 300 . 12. 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