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Nationalzeitung · 1907-01-11 · Heft 4 (11.1.1907) · p. Seite 4

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Journal
Nationalzeitung
Volume
1907
Issue
Heft 4 (11.1.1907)
Date
1907-01-11
Page
Seite 4 (sequence 4)
Language
German
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die 4 Nationalzeitung Nr. 4 gab' sie zu diesen Arbeiten ljerauzuziehen Mid ich spreche die Bitte aus, daß auch die ik!i.;nuci(i(ten Herren, dem att sie ergehenden Nr e iolgeleisten mögen. Meine Herren! Die Richtung, welche ich irr Kultusvorstaude und überhaupt in der Ge« m inde verfolge, meine Lebensführung, meine Anffassungsweise ist Jhneit bekannt. Ich erkläre, wie ich es schon öfters getan habe, daß ich der sogenannten konservativen Richtung angehöre, daß ich bei aller Anerkennung alles dessen, was Fortschritt heißt, in einer Herabminderung der Kenntnisse einen Fortschritt nicht zu erblicken vermag. Namentlich eine Kenntnis, die unserer Bibel und ihres Urtextes, welche Kenntnis und Erkenntnis einstmals als ungeheurer Fortschritt der ganzen Menschheit gepriesen wurde, ist es gerade, wodurch wir uns Selbständigkeit der Auffassung, des Charakters und der' Lebensführung verschafft haben, die uns immer in unserer religiösen Haltung und sonst überhaupt den richtigen Weg zeigt. Wir haben das eben vergangene Jahr mit zwri bedeutsamen Gründungen beschlossen: Mit der Gründung der Religionslehrerbildurrgs- Anstalt und des israel. Pstegerinnen-Jnstitutes. Durch diese Gründungen ist im großen und ganzen die Richtung gekennzeichnet,' welche die Tätigkeit des Kultusvorstandes einzuschlagen hat: Heranbildung und Pflege des religiösen Geistes der Jugend im Sinne der von unseren Vätern überkommenen Traditionen und Uebung der Wohltätigkeit, letztere allerdings in jenem bescheidenen Masse, das den Mitteln der Gemeinde entspricht. Wir müssen es uns zur Aufgabe machen, jene religiöse Duldung, die wir in höherem ethischen Sinne für uns in Anspruch nehmen, auch innerhalb unserer Glaubensgemeinschaft gegenüber den verschiedenen Richtungen in derselben' zu betätigen. Wir müssen nach dieser Richtung hin berechtigter! Wünschen, welchen wahre religiöse Ueberzeugung zugrunde liegt. Rechnung tragen, andrerseits aber Bestrebungen, welche die Religion nur als Deckmantel benützen, energisch entgegentreten. Nehmen Sie nochmals meinen herzlichsten Tank für die auf mich gefallene Wahl entgegen." Rede des Herrn Baurates Theodor Ritter von Goldschmidt nach seiner Wahl zum Vizepräsidenten : „Meine Herren! Ich bin Ihnen herzlich dankbar für das Vertrauen, das Sie mir durch die Wahl zum II. Vizepräsidenten bekundet haben. Dieser Dank gilt naturgemäß jenen Herren, welche so gütig waren, mir ihre Stimme zu geben und ich verbinde damit den Wunsch und die Hoffnung, daß es mir durch meine Tätigkeit in meinem neuen Wirkungskreise ge- lingeu möge, auch die anderen Herren davon zu überzeugen, daß ich der mir durch die Wahl erwiesenen Ehre nicht unwürdig bin. Wenn ich auf meine bisherige Tätigkeit im Kultusvorstande zm ückblicke und einzelne Phasen derselben hervor- hebe, so geschieht dies nicht deshalb, um mich ihrer zu rühmen, sondern zu denr Zwecke, um jenen Herren, welche dieselbe nicht beachtet haben, vielleicht die Ueberzeugung zu verschaffen, daß ich jederzeit die Pflichten meines Amtes ernst genommen habe. An dem Zustandekommen mancher Schöpfungen des Kultusvorstandes habe ich nicht unwesentlichen Anteil genommen Ich verweise auf das jüngst ins Leben gerufene jüdische Pflegerinneninstitrtt, bezüglich dessen ich in Gemeinschaft mit meinem Kollegen Dr. Steiner vor Jahren die Initiative ergriffen habe. Ebenso habe ich gleichfalls in Gemeinschaft mit Herrn Dr. Steiner, den Wöchnerinnenverband ins Leben gerufen, welcher heute eine unbestritten erfolgreiche, ausgezeichnet wirkende, gut organisierte Institution geworden ist. Auch in Bezug aus die innere Verwaltung habe ich einiges geleistet. So führte ich z. B. im Jahre 1897 die erste Systemisierung des Kultusgemeindepersonales durch; ich habe als erster ein systematisches Budgetschema in der Form, wie es heute noch vorliegt, ausgestellt; auch in meiner Eigenschaft als Obmann der Friedhofkommission habe ich mehrfache organisatorische Verbesserungen eingeführt. In diesem Sinne rverde ich auch weiterhin auf Grundlage des Programme-, welches der Herr Präsident dargelegt hat, irr Gemeinschaft mit meinen hochverehrten Gönnern und Freunden Dr. Stern und Dr. Gustav Kohn zum Wrhle unserer Gemeinde zu wirken, bestrebt sein. Ich bitte um Ihr Vertrauen!" In der auf die öffentliche Sitzung folgenden vertraulichen Sitzung wurden folgende Gegenstände behandelt: 1. Stiftungen rverden verliehen: a) Die JonasKönigswartersche Theologen- Stiftnng 2 Plätze 4 Kr. 900, au die von dem Kuratorium der israel -rhevlog. Lehranstalt vorgeschlagenen 2 Hörer des theologischen Seminars. b) Die M. L. Biedermannsche Waise»- stiftuttg im Gesamtbeträge von Kr. 5620, an die von denr Kuratorium vorgeschlagenen Bewerber. o) Das Moritz Freiher vonKönigswarter'sche Stipendium für einen Arzt im Spitale der Kultnsgemeinde im Betrage von Kr. 800, an den von der Spitalsdirektion vorger'chiagenen Bewerber. 2. Die ausgeschriebenen Stellen eines Sekundararztes der chirurgischen Abteilung und eines Sekundararztes der gynäkologischen Abteil„ug des Spitales der israelitischen Kultnsgemeinde werden an die von den betreffenden Primarärzterr bezw. der Spitalsdirektion vorgeschlagenen Bewerber verliehen. - 3. Die Gewährung von Subventionen an verschiedene Bethaus- und humanitäre Vereine im Sinne des Vertreterkollegrums rverden nachträglich genehmigt. Schluß der' Sitzung 2 Uhr nachmittags. Generalversammlung des israel. Tempelvereines Seth-Huatfilah im IX. Sezirke. Samstag, den 5. d. M, abends 7 Uhr, fand im Zeremoniensaale des Ternpels in der Müllnergasse die diesjährige Generalversammlung des obigen Bethausvereines statt, zu welcher außer den Vereinsmitgliedern in Vertretung der Knltusgemeinde Herr Banrath Ritter von Goldschmidt, ferner der Präsident des Vereines zur Hebung der Gewerbe, Herr S. Brod, Herr Lölvensteirr vorn Schulverein für derr IX. Bezirk, Redakteur Jakob Krauß (Nationalzeitnng) n. s. w. erschienen waren. Nach Eröffnung der Generalversammlung und Begrüßung der erschienenen Gäste durch derr Vereiiisobmaiirr Herrn Gottlieb Bettelheim verliest letzterer den Rechenschaftsbericht, dem wir folgendes entnehmen: „Das abgelaufene 40. Vereinsjahr, über rvelches Ihnen zu berichten rvir heute die Ehre haben, unterscheidet sich in nur geringem Maße von de» vorangegangenen Berichtsjahren. Die Zahl der Vereinsmitglieder, 320. ist beinahe gleich geblieben. Bei den Sitzmieteeinnahmen, Kr. I4 890°70 gegen Kr. 15.35644 im Vorjahre, zeigt sich eine Verminderung um Kr. 466 74, was sich durch den früheren Eintritt der hohen Festtage erklärt. Derselben Ursache schreiben rvir die geringe Abnahme der Spenden zur Erhaltung des Gotteshauses, Kr. 6504 34 gegen Kr. 7067-72. zu. Der Einführung des allwöchentlichen Mittelschulgottesdierrstes und der Aneiferung ausgezeichneter, für unseren heiligen Glauben begeisterter Religionslehrer verdankerr rvir, daß nunmehr alle im IX. Bezirke wohnhaften Knaben bei Eintritt des vorgeschrieberren Alters feierlich konfirmiert rverden. Dagegen wurden trotz unseres an die Eltern gerichteten Rundschreibens nur 40 Mädchen konfirmiert, wobei wir das auffallende Fernbleiben der wohlhaberrderr Kreise nicht übersehen können. Wir schreiben diese be» deutliche Tatsache dem ungenügenden Religionsunterrichte in den Privatschuleu für Mädchen zu und empfehlen diese letzteren der besonderen Fürsorge unserer Gemeinde. Sind doch in erster Reihe unsere Töchter berufen, die Liebe zum angestammten Glauben in die Herzen unserer Enkel zu pflanzen. Auch die Zahl der im Berichtsjahre vorgenommenen Trauungen, 80. ist fast unverändert geblieben. Trotz der uns von Seite bei Kultusvor- Vorstandes erteilten Zusicherung, ans> ahmslos bei Beerdigung aller im Bezirke Verstorbenen die Verwendung unserer Funktionäre den Hinterbliebenen anheimzustellen, wurden die elftere» nur in 5 Fällen zur Funktion berufen. Wir müssen annehmen, daß die Trauernden nicht in alten Fällen auf dieses Recht aufmerksam gemacht weiden, wiewohl alle Kultusdiener Anspruch auf gleichmäßige Fürsorge der Kultusgemeinde Härten. Die bedrängte ökonomische Lage unserer Beamten hat uns erst in den letzten Tagen veranlaßt, ihnen einen Tenerungsbeitrag in der Höhe von 10$ ihres Gehaltes zu bewilligen. Derselbe wird im uächstjährigerr Recheuschastsberichte zum Ausdrucke kommen. Ebenfalls in letzter Zeit hat unser Mitglied Herr Jvsef S i e b e n s ch e i n gemeinsam mit den anderen Erben nach der seligen Frau Fauni Kanu zu ihrem Andenken unserem Vereine 10.000 Kr. gewidmet. Für diesen die Verstorbene wie deren überlebende Verwandte ehrende,! Akt besonderer Großherzigkeit sprechen wir ihnen auch an dieser Stelle unseren wärmsten Dank aus. Irr gleicher Weise gedenken rvir dankbar des seligen Herrn Leopold Leon Lederer, der, ohne dem Vereine jemals als Mitglied angehört zu haben, doch denselben in seinem Testamente mit einem Legate von 500 Kr. bedachte. Auch diese beiden Widmungen werden im nächstjährigen Berichte ansgeiviesen werden. Seit unserer letzten Verein-Versammlung haben wir das Hiirscheiden folgender Vereiirsmitglieder zu beklagen: Carl Rieß und kais. Rat Bernhard Steinhof. Wir werden ihnen stets ein ehrendes An gedenken bewahren. Die Not der Zeit sowie die täglich zunehmende Gleichgiltigkeit in religiösen Dirrgeu machen uns unsere Aufgabe, unser schönes Gotteshaus aus freiwilligen Beträgen rvürdig zu führen, immer schwieriger. Wir rufen die verehrten Mitglieder, unsere allverehrte Mnttergemeinde, sowie alle Glaubensgenossen mrseres Bezirkes auf, uns in unserem Streben mit allem Eifer zu unterstützen, Gott zur Ehr', den Menschen zum Wohle. Auf Antrag des Herrn Zuckermann rverden der Gebarungsausweis und die Bilanz, die den Mitgliedern in Druck zugegangen sind, als verlesen betrachtet, en bloc genehmigt, und dem Vorstände das Absolntorirrm erteilt, hierauf rvird die Wahl in den Vorstand und den Ausschuß vorgenommen. Während des Wahlaktes ergreift Herr Dr. Moritz Sch nepp das Wort. Er führt aus, daß nur die Anhänglichkeit zum Kultus und die Liebe zum Vereine ihn veranlassen, rvieder in den Vorstand zn kandidieren. Redner führt den Nachweis, daß die Bethansvereine eigentlich die Pflichte», der Muttergemeinden erfüllen, indem sie gegen die immer mehr anwachsende Indolenz gegen den jüdischen Kultus ankämpfen. Die Mrrttergemeinde würdige jedoch nicht immer die hohe Bedeutung der Bethausvereiue. Dies habe sich auch bei den letzten KultuSwahlen gezeigt, bei welchen die Bethausvereiue gar nicht berücksichtigt wurden, während sie nach Recht entsprechende Vertretungen inr Kultnsvorsiande haben müßten. Hoffentlich werde der Ausfall der jüngsten Wahl ein memento für den Knltusvorstand bilden. Er urgiert die Durchführung des längst zugesicherten Beschlusses, daß die Funktionäre des Tempelvereines zu den inr Bezirke vvrkvmmendeu Funktionen bei Leicheubegängllissen rc. herangezogen werden. Durch den Wegfall dieser natürlichen Einkünfte der Bethansfurrktionäre fei deren materielle Lage so schlecht, daß der Bethansverein im IX. Bezirke sich veranlaßt gesehen habe, ihnen eine 10$ ige Teuerungszulage zn gewähren. Der Vorsitzende'Herr Gottlieb Bettelheim stellt gegenüber den Ausführungen des Vorredners fest, daß, wie er sich als Mitglied des Zentralkomitees überzeugt habe, der Kultnsvorstand diesmal tatsächlich keinen Einfluß, auf die Kandidaturen zu üben vermocht hat und daß sogar der Wunsch des KultusvorstandeS zwei Vertreter der Bethausvereine zu kandidieren, unberücksichtigt geblieben ist. Banrat Ritter von Goldschmidt stellt zunächst die Behauptung auf, daß der Rechenschaftsbericht einen Irrtum enthalte, da seines Wissens der Kultirsvorstand die vom Vvrsitzeuden erwähnte Regelung der Heranziehung von Frrriktionärerr der Bethausvereine wohl irr Aussicht gestellt, aber nicht in fester Form zngesichert habe, Im Uebrigen nimmt er den Knltnsvorstand sowohl irr dieser Frage wie auch bezüglich der Vorgänge bei den letzten Wahlen energisch irr Schutz «aschbarj Wasservicht! Geruchlos! 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