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Nationalzeitung · 1907-01-04 · Heft 2 (4.1.1907) · p. Seite 4

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Journal
Nationalzeitung
Volume
1907
Issue
Heft 2 (4.1.1907)
Date
1907-01-04
Page
Seite 4 (sequence 4)
Language
German
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Seite 4 Nationalzeitung Nr. 2 Referent gibt eine übersichtliche Darstellung der Entwicklung dieser Angelegenheit. — In der Plenarsitzung vom 21. September 1898 wurde über Antrag des Herrn Vertreters Baurat Theodor Ritter von Goldschmidt der Beschluß gefaßt, ein Institut für jüdische Krankenpflegerinnen im Anschlüsse an das Spital der Kultusgemeinde zu errichten und dasselbe nach der verewigten Kaiserin Elisabeth zu benennen. — Die zahlreichen Besprechungen, welche in dieser Angelegenheit im Schoße des Knltnsvorftandes stattfanden, führten zu dem Ergebnisse, daß mit Rücksicht auf vorhandene Schwierigkeiten zu jenem Zeitpunkte an die Aktivierung dieses Institutes nicht geschritten werden könne. Die hauptsächlichste Schwierigkeit bestand, daß das Spital der israelitischen Kultnsgemeinde damals noch nicht vollständig ausgebaut, beziehungsweise der iin Bau begriffene chirurgischgynäkologische Pavillon noch nicht vollendet war. Eine weitere Schwierigkeit ergab sich aus dem Mangel an geeignetem Materiale und schließlich hinderten Gründe finanzieller Natur das Jnslebentreten des Institutes. Die gepflogenen Beratungen wurden deshalb unterbrochen und auf einen späteren Zeitpunkt vertagt. — In der Zwischenzeit hat die Frage der Errichtung dieses Institutes durch zwei hochherzige Zuwendungen eine bedeutsame Förderung erfahren. Herr Philipp Frankl widmete dem Zwecke ein Kapital, welches sich derzeit auf ca. 25.000 Kr. beläuft. Des weiteren verfügte Herr Baron Albert Rothschild, daß aus dem für wohltätige Zwecke bestimmten Nachlasse des verewigten Nathaniel Freiherrn von Rothschild ein Betrag von 100.000 Kr. für die Errichtung eines Krankenpflegerinneninstitutes verwendet werde. — Diese Zuwendnngen sowie der in der Zwischenzeit erfolgte vollständige Ausbau des Spitales veranlaßte den Vorstand, sich neuerdings mit dieser Frage zu befassen. In den diesfälligen Besprechungen wurde der Grundsatz anfgestellt, daß, wenn möglich, die Errichtung und Verwaltung des Institutes durch einen eigenen Verein und nicht durch die Kultusgemeinde, welche durch ihre verschiedenen Humanitären Anstalten sowie durch die allgemeine Verwaltung in administrativer Hinsicht ohnehin sehr belastet ist. zu erfolgeu hätte. Selbstverständlich müßte der Kultusgemeinde schon mit Rücksicht darauf, daß die Pflegerinnenschule im Anschlüsse an das Spital der Kultusgemeinde gedacht ist, ein Einfluß auf die Verwaltung gewahrt werden, ebenso wie es selbstverständlich ist, daß auch bei Uebertragung der Gründung an einen Verein die Kultnsgemeinde nicht unbedeutende materielle Beiträge zu leisten haben würde. — Der Humauitsveretn „Eintracht" B'neh Brith hat sich nun bereit erklärt, die Gründung des Institutes in Angriff zu nehmen und hat zu diesem Zwecke ein vortrefflich ausgearbeitetes Expose dem Kultusvorstande vorgelegt. Dieses bildete die Grundlage für die zwischen dem Kultusvorstande einerseits, den Vertretern des Vereines „Eintracht" (B'neh Brith) und der Leitung des Spitales anderseits gepflogenen, wiederholten und eingehenden Verhandlungen. Durch dieselben erfolgte insbesondere auch eine Einigung zwischen dem Vereine „Eintracht" und der Spitalsleitung, welch letztere hauptsächlich auf die Heranbildung eines geeigneten Pflegepersonals für das Spital Gewicht legte, während dem Vereine vor allem die Heranbildung von Privatpflegerinnen als anzustrebendes Ziel vorschwebte. — Auf Grund dieser Beratungen, die fast ein ganzes Jahr in Anspruch nahmen, stellt der Referent namens des Vertreterkollegiums seine Anträge, welche im wesentlichen folgendes beinhallen: Das Institut, welches den Namen „Kaiserin Elisabeth-Institut für jüdische Krankenpflegerinnen" zu führen hat, bezweckt die Heranbildung von Pflegerinnen für den Dienst im Spitale der Kultusgemeinde und zur Privatkrankenpflege. Die Ausbildung der Schülerinnen erfolgt im Spital der israel. Kultusgemeinde und dauert ein Jahr. Die Schülerinnen haben sich zu verpflichten, nach Ablauf dieses Lehrjahres weitere drei Jahre im Verbände des Institutes zu verbleiben, hievon zwei Jahre der Krankenpflege im Spitale der Kultnsgemeinde und ein Jahr der Privatkrankenpflege zu widmen. Während dieses einen Jahres haben die Schülerinnen durch Dienstleistungen in Kinderspitälern rc. ihre Ausbildung zu ergänzen. Die Pflegerinnen erhalten nebst einem mit den Dienstjahren steigenden Monatsgehaltes freie Wohnung und Verpflegung im Pflegerinnenheim und erlangen unter gewissen Modalitäten im Falle ein tretender Berufsunfähigkeit bezw. nach Ablauf einer bestimmten Dienstzeit Anspruch auf eilte Pension. Die Errichtung des Institutes erfolgt durch einen vom Vereine „Eintracht" iB'neh Brith.) zu gründenden Verein, in dessen Vorstand der Vorstand der Kultusgemeinde und die ärztliche Leitung des Spitales vertreten sein wird. Die Kultusgemeinde leistet für die ersten drei Jahre die sich auf Grund des ausgestellten approximativen Kostenvorauschlages als erforderlich darstellende Subvention unter Heranziehung der Zinsen der für die Zwecke eines Pflegennnen- Jnstitntes bei der Kultusgemeinde erliegenden Kapitalsbeträge von zirka 125.000 K. Weiters überninlmt die Kultusgemeinde die Ausbildung der Schülerinnen und die sukzessive, dauernde Bestellung von Pflegerinnen für den Wartedienst in, Spitale, wodurch das Budget des Spitales in erheblichein Maße erhöht wird. Die Verpflichtungeil der Kultnsgemeinde beziehen sich auf den Zeitraum von drei Jahren und lvird die Frage der weitelen Subventionierung, sowie überhaupt die weitere Stellungnahme der Kultusgemeinde zu dieser Angelegenheit von der Entwicklung des Institutes abhängig fein. Ueber diesen Antrag entwickelt sich eine eingehende Debatte, an welcher sich die Herrell kaiserlicher Rat Sachs, Prof. Ehrmann, Baurat v. Goldschmidt, Wilhelm Kuffner, Oberfinanzrat Dr. Rappaport, Dr. Breuer, Baurat Marmorek, kaiserlicher Rat Weil, Salo Landau und der Referent beteiligen. Im Verlaufe der Debatte wird ieiteus einzelner Redner insbesondere hrrvorgehvbeu, daß es sich bei der Gründung eines Krankenpflegerinneninstitutes in Wien angesichts der auch noch dermalen bestehenden großen Schwierigkeiten nur um einen allerdings Erfolg versprechenden Versuch handeln könne und daß es hauptsächlich von der Stellungnahme der Wiener jüdischen Bevölkerung abhängen werde, ob das in so hohem Grade wünschenswerte Ziel erreicht werden wird. Die Anträge des Vertreterkollegiums werden sohin genehmigt. Schluß der Sitzung 2 Uhr nachmittags. _ Die Mission Alexander Harkarrys. Wir berichteten bereits, daß Alexander Harkany aus New-Aork eine Reise nach Europa äuge« treten habe, um hier in Angelegenheit der amerikanischen Einwanderung manche Verbesserungen zu veranlassen. Hierzu schreibt der Berliner „Generalanzeiger". „Herr Alexander Harkany aus New-Iork, Repräsentant der „Israelitischen Immigranten- Hülfsgesellschast" auf Ellis Island, ist auf dem Dampfer „St. Petersburg" in einerwichtigen Mission nach Europa gefahren.' Herr Harkany lvird die hauptsächlichsten europäischen Häfen besuchen, auch einige der Kontrollierungs-Stationen, mrd lvird mit den verschiedenen israelltischeu Gesellschaften, die an der Auswanderung der russischen Juden interessiert sind, konferieren, damit die Auswanderer in gehöriger Weise über Alles, was sie im New-Iorker Einwanderungs-Departement zu gewärtigen haben, instruiert werden. Eine andere Aufgabe seiner Mission wird sein, nachzusorschen, was mit den deportierten israelitischen Auswanderern geschieht und ob den Bedürftigen bei ihrer Rückkehr die notwendige Hülfe zuteil wird. In Hafenstädten, wo sich keine israelitischen Gesellschaften befinden, die den Auswanderern Auskunft über die hiesigen Zustände geben oder den Deportierten Hülfe angedeihen lassen können, wird Herr Harkany an die hiesigen lokalen israelitischen Gemeinden appelieren, solche Gesellschaften zu gründen. Es wird in zuständigen Kreiselt erwartet, daß die Mission des seit Jahren ans Ellis Island stationierten Mannes viel dazu beitragen lvird, das Los solcher Personen, die auswandcrn wollen, die aber den Bestimmungen des Auswanderungsgesetzes nicht ganz entsprechen, zu erleichtern, indem er die Gesellschaften genau instruieren wird, welcher Art Auswanderer hier auf Schwierigkeiten stoßen und in den meisten Fällen deportiert werden. Die New-Aorker Menschenfreunde, welche sich die Aufgabe gestellt haben, den jüdischen Auswanderern nach Möglichkeit behilflich zu sein, wollen den armen Unglücklichen, die aus dem einen oder andere« Grunde gezwungen sind, ihre Heimatsscholle zn verlassen, die Zlvangs-Rückkehr ersparen, indem sie durch einen erfahrenen Mann In. formationen verbreiten lassen, welche Art Einlvanderer hier erwünscht sind und durchkommen können. Das ist die Mission de» Herrn Harkavy, nnd er lvird sich als für diese Angelegenheit geeignete Persönlichkeit erweisen. da er ganz genau die Verhältnisse auf Ellis Island kemlt, wo die meisten Ankömmlinge gelandet werden." Mugesendet. Jüdische Sprachkurse. Die jüdische Sprache, die Sprache der überwiegeitden Majorität der Jliden, der Ostjnden. erlebt ihre Blütezeit. Aus dem von gedankenlose« Menschen verspotteten sogenannten „Jargon", hat sich eine glänzende Literatursprache entwickelt. Die jüdische Literatur hat trotz ihrer Jllgend eine Reihe von Meisterwerken gezeitigt, die zu den schönste« aller Literaturen gehören. Die jüdische Sprache ist zur wahren jüdischen Volkssprache geworden. I« ihr lebt nnd denkt der größte Teil der Inden. Jeder national-bewußte Jude muß deshalb will er den Geist, das Leben und Streben seine» Volkes kennen, die jüdische Sprache beherrschen. Er muß ihre blühende Literatnr, die jeden Tag vorlvärts schreitet, in sich anfnehmen. Der akademische Verein „Jüdische Kultur" hat deshalb beschlossen, j ü d i s ch e S p r a ch k u r se zu errichten. Es soll dadurch denjenigen, welche da» Lebe» der Ostjudcn nnd ihre Sprache keime« lernen wollen, sowie denjenigen, die zwar die jüdische Sprache beherrschen, aber in ihre Literatur nicht eingchrrrngen sind, erinöglicht werden, Kenntnisse in berfelOen zn erwerben, respektive zu erweiterlr. Es werden zwei Kurse abgehalten werden und zwar ein Kurs für Anfänge r und ein Kurs für Fortgeschrittene. Im ersten Kurse weiden die Elemente der Sprache: Schreiben, Lesen. Orthographie nnd die Elemente der Grammatik vermittelt werden. Der zweite Kurs soll dazu dienen, eine Erweiterung und Vertiefniig der Kenntnisse in der jüdischen Sprache herbeizuführell. Er soll hier die Syntax, die Literaturgeschichte. Konversation und Stillehre unterrichtet werden. Jeder Kurs wird zweiinal wöchentlich abgehalteu werden. Die genaue Zeit wird später vereinbart werden. Wir ersuchen deshalb diejenigen, welche a« diesen .Kursen teilnehmen wollen, dies uns schriftlich oder mündlich, in unserem Vereinslokale: F l o ß g a s s e 9. T ü r 6. an jedem S a m st a g u n d M i t t w o ch boii 7-8 lllir abend», bis spätestens Samstag, denn. Jänne r l. I. mittelen zu wollen. Wir hoffen, daß alle nntional-bewnüten Jude«, welche an bem Aufschwung nnd dem Leben ihre» Volkes Interesse finden, die Gelegenheit nicht dersäumen werden, sich das Indische zn eigen z« machen. Akademischer Verein „Jüdische Aultur" in Wien. Pelzwaren kauft man zn staunend billige» Preiseil in modernster elegantester AnSstattnn» nur I!» bekannten Pelzivarengeschäfte r.< Köllnerbos g a s s e 2. V Reform-Sclweplätter M

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