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Nationalzeitung · 1907-01-01 · Heft 1 (1.1.1907) · p. Seite 3

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Journal
Nationalzeitung
Volume
1907
Issue
Heft 1 (1.1.1907)
Date
1907-01-01
Page
Seite 3 (sequence 3)
Language
German
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Rr. 1 Nationalzeitung Seite 3 können also nur mit Hilfe der Juden die 30 Prozent aufbringen und ihre Kandidateil zum Siege führen. Wenn es nun den Juden einfiele, sich mit den Ruthenen zu vereinigen, so würden die Polen weitere 8—10 Mandate verlieren. Außerdem könnten die Juden mit Hilfe der Ruthenen fast alle ostgalizischen Städtemandate bekommen. Eine solche Vereinbarung wäre Daher sowohl für die Ruthenen, wie auch für die Juden von großem Vorteile, und die Macht der Polen im Lande wäre gebrochen. Bei der heutigen Situation ist jedoch an eine solche Vereinbarung gar nicht zu denken Die galizischen Juden sind hiezn noch nicht politisch reif genug, um einen solchen Schritt zu wagen. Selbst die R a d i k a l e n unter uns wollen die Polen nicht reizen und werden sich begnügen, wenn der Polenklub uns wenigstens die wenigen Mandate mit jüdischer Majorität überläßt. Können wir in diesen Bezirken u n s e-r e Kandidaten, Kandidaten, die uns passen, wählen, dann werden wir auch nicht mit den Ruthenen gegen die Polen kämpfen, und werden die fortschrittlichen polnischen Parteien unterstützen. Der Polenklub kennt diese Verhältnisse ganz genau und hat natürlich Luft, sich die jüdischen Stimmen zu sichern. Weil aber Abrahamowicz und seine Gesellschaft .ganz gut wissen, daß sie sich auf ihre jüdischen Polen, Dr. L ö w e n st e i n, Dr. G o l d rc. nicht mehr ganz verlassen dürfen, suchen sie jetzt auch mit den anderen jüdischen Parteien, .und zwar in erster Reihe mit den Zionisten Verhandlungen auzuknüpfen. Um nun die Stimmung in zionistischen Kreisen kennen zu fernen, werden Gerüchte ' verbreitet, daß der Polenklub den Zionisten ein Kompromiß angeboten hätte, welches daraus bestünde, daß der Polenklub den Zionisten 4 Mandate unter der Bedingung überläßt, daß diese 4 zionistischen Abgeordneten, sich verpflichten in den Polenklub einzutreten. Der Polenklub hingegen räumt diesen 4 -Abgeordneten'das Recht ein, in jüdischen Fragen selbständig vorzugehen, ohne sich an die Klnbftatuten halten zu müssen. Die Absicht, mit welcher diese Gerüchte verbreitet werden, ist ganz klar. Die Macher , des Polenklubs wollen die Antwort der Zionisten auf einen solchen Vorschlag kennen lernen, ehe sich offiziel an sie wenden. Die Antwort kann nur ein entschiedenes „Nein" sein. Die Zionisten würden sich nur blamieren, wenn sie ihre Zustimmung geben würden, daß ihre Abgeordneten in den klerikal-antisemitischen Polenklub eintreten. Lieber weniger Mandate, aber dasür rein jüdische „und unabhängige!" Zur Landtagswahl in Kolomen. Das in Krakau erscheinende zionistische Blatt „Hamizpe" veröffentlicht folgende von „Ch. ben Mosche" gezeichnete Zuschrift aus Kolomea: „Ich bitte Sie, in Ihrem geschätzten Blatte, als zionistischem Organe, meinen nachfolgenden Zeilen Raum gewähren zu wollen: „Wie den Lesern des „Hamizpe" schon bekannt, fand vorige Woche in unserer Stadt die Landtagswahl statt, und wurde der Antisemit K l e s k i mit 1020 Stimmen gewählt. Von den Zionisten kandidierte wohl ein nationaler Kandidat (Herr Dr. Lasar Zipser. Amu. d. Red. d. „Nationalztg"), war jedoch zum Schluffe gezwungen, von der Kandidatur zurückzutreten, weil unsere politische Partei ihn aus unverständlichen Gründen nicht unterstützeil wollte. Als die Zionisten dies sahen, beschlossen sie, eine Agitation einzuleiten, daß die Juden sich der Stimmenabgabe enthalten mögen. Dies gelang ihnen auch, denn kein Jude wurde irn Wahllokale gesehen. Aber höret und staunet! Herr Dr. R o s e n h e ck, Führer derZionisten in unserer Stadt und Delegierter des zionistischen Kongresses, w a r der einzige Jude, der seine Stimme für den antisemitischen Kandidaten abgegeben hatte! Und ein solcher Marin steht an der Spitze der Zionisten von Kolomea?! Schande und Spott!" Wir geben diesen Enirüstungsruf nur als Jllustrationsfaktum wieder, müssen jedoch für die Form und den Inhalt deWben dem Einsender, beziehungsweise dem zitierten BWe überlassen. Die Gemeinderatswahlen in Ezerrrowitz brachten den Sieg der koaliierten Partei. Bekanntlich verstand es Dr. S t r a u ch e r, eine Koalition der unter seiner Führung stehenden Inden, der Ruthenen und des einflußreichen Teiles der Deutschen für die Gemeinderatswahlen zu schaffen. Sämtliche Kandidaten dieser nunmehrigen Majorität wurden trotz starker Gegenagitation mit überwältigender Majorität gewählt. Ein jüdische« Lrmckenpsiegerinnenheim i» Wien. Bekanntlich hat der Kultuspräsident Doktor Alfred Stern m seiner Rede bei der Wählerversammlung im Hotel „Post" die Errichtung eines jüdischen Pflegerinnenheims für die allernächste Zeit in Aussicht gestellt. Diese wichtige, jüdisch-soziale Institution ist nunmehr ganz gesichert. Die „B'n a i B'r i t h", der wir in Wien schon viele hervorragende humanitäre Einrichtungen zu verdanken haben, beschloß, auch diese wichtige Anstalt ins Leben zu rufen, für den Fall, als die Kultusgemeinde sich an der Errichtung und Erhaltung der Anstalt beteiligt. In seiner Plenarsitzung vom 30. Dezember beschloß nun der Kultusvorstand sich an dieser Aktion entsprechend zu beteiligen. Die Ausbildung der jüdischen Pflegerinnen wird im Spitale der Knltusgemeinde (Rothschildspital) erfolgen. Zur Oberin wurde Frl. E m m a L e w y aus Hannover bestellt. Frl. Lewy hat ihre Ausbildung in Kopenhagen genossen und war kurze Zeit Oberin der Frauenabteilung des jüdischen Versorgungshanses in Wien. Ausführlicheres' über diesem. Gegenstand bringen wir in unserer nächsten Nummer. Vermischte Nachrichten. Wie«. Samstag, den 5. Jänner, abends 7 Uhr findet im Zeremoniensaale des Tempels, ix., Müllnergaste 21, die 40. ordentliche Generalversammlung des israelitischen Bethausvereines „Chewra-Beth-Hatfilab" im nenenten Bezirke statt. Tagesordnung: 1. Rechenschaftsbericht. 2. Neuwahl von drei Mitgliedern in den Vorstand. 3. Neuwahl des Ausschusses. 4 Anträge und Interpellationen* Zur Ausscheidung nach Ablauf ihrer dreijährigen Mandatsdauer gelangen die Vorstandsmitglieder Ignatz Simon, Dr. Moritz Schnepp. und Kais. Rat Jg. W i l h e l m. Dieselben sind jedoch wieder wählbar. Wien. (Hebräisch-literarischer A b e n d). Trotz der Verhinderung einiger Kräfte gestaltete sich der, am Sonntag, den 23. Dezember stattgehabte hebräische Abend sehr schön. Dr. Leopold Kahn ervffnete mit einer glänzenden Ansprache, die stürmischen Beifall fand. Herr R o s e n b l a t t hielt einen Vortrag, in welchem er darauf hienwies, daß nicht das Volk, wie Herr B r a i n l n meine, sonden die Führer und Schrift steller, an dem Niedergang der hebräischen Kultur schuld seien, hauptsächtlich wegen der mangelnden Opferwilligkeit. Herr Dr. Kahn gibt die Nichtigkeit dieser Behauptllng in Bezug auf die Führer zu. die Schriftsteller aber seien stets bemüht, die hebräische Kultur zu heben. Nach einigen vortrefflichen Gesangsvorträgen. des Fräulein Blumen, des Herrn Kantor P i nkasowitz, und einer kurzen Rede des Herrn Dr. Nathan B i r :: b a u m schloß der schöne Abend, der bei jedem Teilnehmer den besten Eindruck znrückließ. IKindersestl. Der „Verein zur Ausspeisung armer israelitischer Schulkinder" für die Bezirke XIV—XV. veraustallete am 25. Dezember, nachmittags einKinderfest.Der schöne Saal des Arbeiterheims in der Königseggaffe war schon lange vor 3 Uhr dicht gefüllt. Ans allen Bezirken kamen Mitglieder und Freunde des Vereines mit ihren Kleinen, die sich ein paar Stunden an den Darbietungen erfreuten, welche vornehmlich von Wiener Theaterkindern bestritten wurden. Kleine Tänzerinnen. Sängerinnen und Sänger entzückten die Kinderschaar und als sich gar Zauberer und Bauchredner zeigten, wollte der Jubel schier kein Ende nehmen. Dank der Rührigkeit des Damenkomitees, dürfte das Reinerträgnis dieser Veranstaltung Tausend Kronen weit übersteigen. Wien. (Ch an ukaseier im Mädchen-E r zieh ungsin st ituteder L. D. Königsberg' schen Stiftung Dienstag, den 1.8. Dezember, fand tu dem neuen Anstaltsheime (n., Valeriestraße 21) die Ehanukafeier. und Enthüllung einer Gedenktafel, für die verstorbene Vorstandsdame des Vereines. Frau Regine Wert hei mb er. statt. Ein distinguiertes Publikum hatte sich eingefunden. Wir bemerkten unter den vielen Gästen: den Präsidenten der Kultusgemeinde, Dr. Alfred Stern, der i. Vizepräsident.Dr. Gustav-Kahn: ans dem Kultusvorstande die Herren: Prof. Dr. E h rma nn. kais. Rat Sachs, Dr. Löwi, Salo Eohn, Baurat Mcnmorek. L. Steiner; .ferner Oberrabbiner Dr. Güdemann und Gemahlin. Rabbiner Dr. F e u ch t w a n g, Dr. David und Gemahlin: der Ehewra-Kadischa die Herren Vorsteher Kann und S. Simon: den i. Sekretär kais. Rat Dr. Theodor Lieben: weiters Frl.Nelly v. Go mpe rz, Herr und Frau Direktor Fischer. Dr. Emil Adler. — Oberkanior Kläger entzündete die Chanukalichter. Nachdem die Zöglinge eit: Weihelied gcsungen. hielt Oberrabbiner G ü d e m a n n eine tiefempfunde. wirkungsvolle Festrede, die tu einer liebevollen Ermahnung an die Zöglinge der Anstalt ausklang. — Theodor- Ritt er v, G o l d sch m i d t. dankt den Damen des Kuratoriums, sowie Herrn Salo Cohn, für seine mnnifizente Spende, Herrn B a u r a t M a r m o r e k, für sein freundliches Entgegenkommen bei d«nn Baue der Anstalt. Besondere Anerkennung zollt Redner dem Lehrkörper der Anstalt. — Herr Salo Cohn dankt für die freundlichen Worte, und verspricht dem Institut sein ferneres Wohlwollen. — Namens der Kultnsgemeinde dankt der Präsident Dr. Alfred Stern, dann spricht noch Herr W e r t h e i m b e r. der für das ehrende Andenken an seine Mutter dankt. Mit der Abfingung der Volkshymne fand das schöne Fest sein Ende. Lemberg. Hier ist au: 28. Dezember der Kanimmln S a l o m o n Bube r, ein bekannter hebräischer Schriftsteller und Bibliograph, der auch außerhalb Galiziens sich durch eine Reihe fachwissenschaftlicher Werke einen bedeutenden Ruf erworben hatte, heute im 80. Lebensjahr gestorben. Buber war Seniorchef der Firma Salomon Buber & Sohn und das älteste Mitglied der Lemberger Handelskammer. Wir behalten ntis vor. auf Salomon BuberS näherer Biographie in unserer nächsten Nummer zurückzukommen. Drohobhez. Vorigen Samstag fand die Gemeinderatswahl in Tustanowice, wo bisher ein Negierungskommissär fungierte statt, bei welcher die Juden unter Führung des Herrn Jakob Spitzmann vollständig siegten. In dem ersten und zweiten Wahlkörper sind durchgehends die Wahlzettel der jüdischen Partei abgegeben worden, im dritten Wahlkörper, welcher ungefähr 1000 Wähler umfaßte, hatte die gegnerische, christlichsoziale Partei bloß 120 Stinimen. der Rest fiel unserer Partei zu. Die jüdischen Wähler brachen diesmal mit ihrem alten Jndifferentismus und beteiligter: sich sehrzahlreich an der Wahl. Ci« jüdisches Konzert im Petersburger Konsertratorimn. Vor einigen Tagen fand im Saale des Petersburger Konservatoriums ein vom berühmten Warschauer Oberkantor, S i r o t a veranstaltetes Konzert statt, dem auch eine sehr große Anzahl von Nichtjuden beiwohnte. Herr Oberkantor S i r o t a erntete besonders mit dem meisterhaften Vortrage hebräisch-liturgischer Gesänge ungeteilten Beifall. Knltussteuern bei Mischehen. Die Reprüsentantenversammlung der Berliner Kultusgemeinde beschäftigt gegenwärtig ein Antrag des Justizrates Dr. Hermann Veit Simon, der ein allgemeines Interesse für sich in Anspruch nehmen kann. Der Antrag wünscht einen Beschluß der Repräsentanten-Versantmlung dahin, den Gemeindevorstand zu ersuchen. dieSteuerordnung bezüglich der Besteuerung der Mischehen einer Revision zu unterziehen und der Repräsentanten-Versammlung eine geeignete Vorlage zu machen. In der beigegebenen Begründung des Antrages wird auf die Bestimmung hingewiesen, daß auf Grund der Kirchensteuergesetze von 1905 bei Mischehen von der evangelischen beziehungsweise katholischen Kirchengemeinde der evangelische beziehungsweise katholische Ehegatte nüt der Hälfte desjenigen Einkommens herangezogen werden soll, die der Ehemann bezahlt. Die jüdische Gemeinde zieht bei Mischehen nur den Ehemann, sofern er Jude ist. heran und d.iesen mit dem vollen Einkommen. n, K. Mitt-Ibach ea Loda-KaMen. ttftClt» I.» mmt Dr. $ Sodbrennen. Ausstößen rc. leiden, unentbehr! (Palais Siua) Zentrum der Stadt Preis her Schachtel Sh Heller.

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