Nationalzeitung
- Journal
- Nationalzeitung
- Volume
- 1906
- Issue
- Heft 87 (14.12.1906)
- Date
- 1906-12-14
- Page
- Seite 4 (sequence 4)
- Language
- German
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Seite 4 Nalionalzeiluiig Nr. 87 übrigen Dnrchzugserschwerunqen weg, wie die Bestimmungen über die Schiffskarten, die Geldmittel und den Gesundheitszustand. Die rnffischen Auswanderer mühten nach wie vor die Stationen aufjuchen, um auf diese Verhältnisse hin geprüft zu werden. Die Einwanderung in die Südftaaten. New-Aork, 17. November. Gestern ist in Nashville im Staate Tennesee eine aus allen Südstaaten beschickte Tagung zu Ende gegangen, auf welcher die Frage, wie europäische Einwanderer nach dem Süden zu bringen seien, erörtert wurde. In diesem Teile der Vereinigten Staaten hat sich nämlich eine umfangreiche Bewegung entwickelt, Einwanderer zur Niederlasjung, besonders in den neu aufblühenden Jndustriebezirken, zu veranlassen Es fehlt den Industrien dort an zuverlässigen Arbeitskräften, da der Neger ei» ffehr unsicherer Kantonist ist und eigentlich nur arbeitet, wenn er nicht mehr weiß, woher er die nächste Mahlzeit nehmen soll. Während die Südstaaten früher geneigt waren, den Einwanderer über die Achsel anzufehen, begrüßen sie ihn jetzt in der zuvorkommendsten Weise; man macht Pläne, wie der Völkerstrom, der sich alljährlich nach Amerika ergießt, zum Teile wenigstens in die Südstaaten zu lenken wäre, und man veranstaltet sogar Feste, wenn ein Auswandererschiff anlangt. Die Tagung traf denn auch Anstalten, eine permanente Körperschaft zur Förderung der Einwanderung nach demSüdenzu schaffen und sie wählte den Gouverneur von Süd-Karolina, Herrn D. C. Haywood als ersten Präsidenten. In jedem Staate der ehemaligen konföderierten Staaten sollen besondere Einwanderungs-Bureaus gegründet werden, die Bundesregierung wird ersucht werden, bessere Fazilitäten für die Abfertigung von Einwanderuugsschjsfen in südlichen Häsen zu schaffen; schließlich soll in Europa Propaganda für den Süden gemacht werden, wobei sowohl die Erlangung verläßlicher Arbeitskräfte als auch die Besiedlung mancher, noch brachliegender Landstrecken im Auge gehalten wird. Der Staat Süd-Karolina hat einen besonderen Ein« wanderungskommiffär, Herrn E. I. Watson angestellt, der kürzlich aus einer Eurovareise „das Land auskundschaftete", wie er sich ausdrückt. Er meint, man habe nur nötig, den Europamüden die Vorzüge des Südens zu schildern, um sie den nordwestlichen Staaten, wohin sich die Schritte der meisten lenken, abspenstig zu machen. Herr Watson scheint bei den Behörden keine besonderen Schwierigkeiten gesunden zu haben, er sagt, die belgische Regierung habe sich sogar seiner Mission sehr günstig gezeigt. London, 27.November. Nach New-Aorker Meldungen macht sich in den südlichen Staaten, insbesondere in beu Staaten Texas und Georgia, ein derartiger Arbeitermangel gellend, daß die Fabriksbesitzer eigene Komitees ins Leben gerufen haben, die sich mit der Beschaffung des notwendigen Arbeitermaterials und der sofortigen Unterbringung der Zuzügler, sowie mit der Veranstaltung von Expeditionen, soweit dies gesetzlich zulässig ist, befassen. Die Taglöhne .sind bis zu vier Dollars gestiegen. Lotonisationsangelegenheiten. New-Aork. Die New-Iorker „Tribüne" enthielt in ihrer Nummer vom 17. November d. I. folgende interessante Notiz: „Die Herren Max Mitchell und andere Vertreter des Baron Hirsch-Fonds arbeiteten einen Plan aus, welcher deu Zweck hat, an den verschiedensten Punkten unseres Staates jüdische Gemeinschaften zu etablieren. Jedes Mitglied der Kolonie soll eine kleine Farm zur Bewirt» schaftung oder eine Anstellung in Fabriksanlagen zugewiesen erhalten. 120 Acres Land sind bereits in Nedway angekauft und in kleinen Teilen an Juden mit geringem Vermögen weitergegeben worden. Diese Landstriche weisen heute bereits eine starke Kultur auf. und die Inden verrichten dort die schwerste Arbeit. In anderen Sektionen wurden 500 Acres zu demselben Zwecke anaekaust. Der Staat wird überall dort, wo sich Gelegenheit zum Ankauf von Land bietet, von diesen jüdischen Ansiedlungen überschwemmt." So weit der Bericht der „Tribüne". Einem Redakteur des „American Hebrew" machte hierauf Herr Robinson von dem „Jüdischen Ackerbau- und Hilfsverein" die Mitteilung, daß der Bericht der „Tribüne" weit übertrieben sei, und der Verein die von dem oben genannten Blatte angedeuteten Kolonisutionspläne nicht gefaßt habe, doch gab Herr Robinson zu, daß der Verein daran gehen »volle, sein Arbeitsfeld zu erweitern, doch seren diesbezüglich endgiltige Beschlüsse noch nicht gefaßt worden. New-Dork. (Eine neue jüdische Kolonie.) Vorige Woche fand hier eine gut besuchte Versammlung der „Jewish Colony Organisation" („Jüdische Kolonien-Organisation") statt. Es wurden in englischer, deutscher und jüdischer Sprache Reden gehalten, in welcher der Plan entwickelt wurde, ans einem großen Landgebiete der Grafschaft Nassau eine jüdische Kolonie anznlegen. Fertige Pläne für 400 Häuser wurden der Versammlung vorgelegt, und es wurde die Hoffnung ausgesprochen, daß diese 400 Wohnhäuser in der ersten Hälfte des nächsten Jahres fertiggestellt sein und bezogen werden können. Die Käufer dieser 400 Häuser stammen aus allen möglichen Teilen der Stadt, die meisten jedoch aus dem New-Iorker Ghetto, der Ostseile, wo, wie sich ein Redner ausdrückte, „das Volk nach frischer Lust und Sonnenlicht dürstet." Der Plan der Begründer dieser Kolonie geht dahin, daselbst 1685 Familienhäuser zu errichten. Selbst der Plan für den Tempel, welcher im Zentrum der Kolonie sich erheben soll, ist bereits entworfen und von der Versammlung mit Enthusiasmus zur Kenntnis genommen worden. Ebenso ist auch der Marktplatz, der unbekannt bleiben soll, schon sestgestellt. Die Gründer beabsichtigen, die Stadt zu einem Muftermunizipium zu gestalten und sind auch schon die Schritte eingeleitet worden, um die Unternehmung gesetzlich zu sichern. Die ursprünglichen Organisatoren der Kolonie, welche auch in der Versammlung?das Wort ergriffen, sind die Herren: Morris Becker, MaxH. Thuna, Max Welkowitz und Samuel Wolkoff. Argentinien. Landverkauf in Argentinien. Das landwirtschaftliche statistische Amt gibt bekannt, daß vom Jahre 1901—1906 eine Fläche von 49.300.000 Hektar für 696 Millionen Pesos, gleich 1.152.800.000 Mark verkauft worden ist. Ausstehend sind noch die Angaben solcher Verkäufe in den Provinzen Cordoba, Santa F6, und Tucuman. U. a. hat auch die Jewish Colonisation Association, (J ca) im letzten Jahre in der Provinz Buenos-Aires, im Leloir Estate ein Areal von 100.000 Hektar erworben. Einwanderung in Argentinien. Buenos Aires. Vom 1. Jänne^ 1906 bis 1. Juli 1906 landeten in Buenos Aires 152.496 Personen, von denen-91.000 als Einwanderer sich bezeichnten. Der Nationalität nach verteilen sich letztere aus 43.869 Italiener, 23.936 Spanier, 11.283 Russen, 2373 Oesterreicher, 2128 Syrier. 1317 Franzosen, 1300 Ungarn, 985 Deutsche. 808 Engländer, 438 Montenegriner, 325 Griechen, 321 Portugiesen, 243 Brasilianer, 226 Rumänen, 224 Schweizer, 112 Finnländer, 101 Belgier, 97 Nordamerikaner, 92 Dänen, 77 Holländer, 68 Marokkaner, 50 Bulgaren, 47 Uruguayer, 46 Chilenen 36 Serbier, 33 Schweden, 19 Norweger, 14 Paraguayer, 12 Cubaner, 9 Chinesen, 8 Peruaner, 5 Bolivianer und 3 Venezolaner, während 336 verschiede»,er Herkunft waren. In den Provinzen Wurden 38.659 Personen untergebracht, so daß vorerst in der Metropole am La Plata 52.341 verblieben. Bon den 91.000 Eingewanderten waren 31.309 Ackerbauer, 16.022 ohne Profession, (nämlich 15.550 Frauen und Kinder). 13.332 Taglöhner, 4185 Schneiderinnen, 3923 Dienstmädchen, 3542 Kaufleute u. s. w. Es sind fast alle Professionen mehr oder minder vertreten, besonders Zimmerleute, Maurer. Kesselschiede, Elektrotechniker, Klempner, Maschinisten, Mechaniker rc. Eine Statistik über die Religion der Ein» Wanderer liegt noch nicht vor. Im Jahre 1905 sind laut der amtlichen Statistik 10.078 Russen, in Argentinien eingewandert. Darunter waren 7516 Juden, also 75 %. Nimmt Man dasselbe Zahlenverhälnis an, so ergibt sich, das; schon im ersten Halbjahr 1906 die jüdische Einwanderung in Argentinieu mehr als 800 Personen betragen hat. ») Weizen. Anbaufläche Erntefläche Ertrag Hektar Hektar Tonnen Provinz Buenos- Aires . 2.409.056 2-320.000 2.018.400 Provinz Santa Ml.542'5n0 1.415.634 673 396 Provinz Cordoba 1.236.415 1.196.700 690.495 Provinz Entre-Rios Territorium 314.320 296.020 141.497 Pamva Central Andere Prov. und 85.487 74.480 60.928 Territorien. . . b) Lein. 87.515 87.515 87.515 Provinz Buenos- Aires . 263.248 256.861 223.206 Provinz Santa Fö 498.800 419.136 237.609 Provinz Cordoba 118.165 117.900 51.600 Provinz Entre-Rios 135.010 121.150 74.670 Panipa Central. Andere Prov. und 0.769 5.890 3.828 Territorien. . Es betrug sonach: 799 799 799 die Anbaufläche des Leins 1.022.781. Hektar wirkliche Erntefläche . . . 951.746 Erträgnis.581.912 Tonnen die Anbaufläch des Weizens 5.676.293 Hektar wirkliche Erntefläche . . . 5.390-3-10 ., Erträgnis. 3.672.231 Tonnen Das Ergebnis dieser Ernte dürfte als eins der günstigsten in Argentinien bezeichnet werden. Auch in den jüdischen Kolonien der Jewish C o l o n i s a 1 i o n Association ist bie Ernte sehr gut ansgefallen. Neben der Landwirtschaft bildet bekanntlich die Viehzucht eine der Hauptquellen der argentinischen Volkswirtschaft. Welchen Umfang dieser Erwerbszweig bereits angenommen hat, beweisen die folgenden Zahlen: Die Ausfuhr an gefrorenem Rindnnd Hammelfleisch erreichte »die Zahl von 236. 690 Tonnen, im Werte von 87.640.204 Mark.— England und Frankreich waren hauptsächlich die Abnehmer._ Zur Wahlbewegung in Rußland. Mohilew. In sämtlichen hiesigen Synagogen wurde ein Aufruf bezüglich der Wahlen verlesen. Im Aufrufe heißt es unter anderem: „In jeder Schule und jeder jüdischen Organisation solle» Bevollmächtigte gewählt werden, welche dann gemeinsam ein Wahlkomitee bilden werden. Ein solches, fast von allen Mohilewer jüdischen Einwohnern erwähltes Komitee wird sicherlich das Recht besitzen, sich im Namen der Mohilewer Juden mit den Wahlen zu befassen und die Agitationsarbeit zu leiten." Der Aufruf batte auch den Erfolg, daß alle Synagogen und Organisationen ihre Bevollmächtigten in das Komitee entsendeten und sich an . der Wahlarbeit beteiligen. Die Gründung eines Zentralverbandes für Oesterreich der Eine sehr wohltuende Abwechslung in dieser stürmischen, politischen Saison war die Dienstag den 11. d. stattgehabte Versammlung der Wiener Territorialisten. Es war eine 8 2-Versammlung. und umso erfreulicher ist es, zu verzeichnen, daß der Besuch ein außerordentlich guter war. obwohl nur geladene Gäste Zutritt hatten. Der Saal war dicht besetzt. — Diese Versammlung der „Jto" wird für die ganze fernere Entwicklung des Territorialismus in Oesterreich von großer Bedeutung sein. Männer, die die Geschichte des Zionismus vom Anbeginne an nicht nur kennen, sondern auch mitlebten, haben das Wort ergriffen, nnd ihre Ansicht manifestiert. Und wenn sich heute die Idee des Territorialismus in manchem Kppfe „ganz anders malt", wie bet anderen wieder, so ist ein gemeinsamer Zug klar zum Ausdrucke gekommen, e i n Prinzip hat vollends gesiegt: Die Notwendigkeit rascher Hilfe! Das betonten alle Redner: aber auch darin waren alle einig, daß der Territorialismus, kraft der Realität seines Programmes, kraft seiner dringlichen Notwendigkeit. das einzig mögliche Mittel zur sozialökonomischen Lösung der ^udenfrage sei. und sich «cht, Reform-Schweißblätter HfbfrflB nüffl. wwm Waschbar! Wasserdicht! Geruchlos!