Nationalzeitung
- Journal
- Nationalzeitung
- Volume
- 1906
- Issue
- Heft 86 (11.12.1906)
- Date
- 1906-12-11
- Page
- Seite 3 (sequence 3)
- Language
- German
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Nr. 86 Nationalzeitung Seite 3 Der Krigittenauer Israel. Frauen-Wohlttttigkeitsverem. Ein recht stattliches Büchlein mit grünem Umschlag, die Farbe der Hoffnung, flattert in diesen Tage» in Wien herum. Ueber die Worte: Bericht des Brigittenaner israel. Franen-Wohl» tätigkeitsvereines ist ein klichiertes Bildchen, in dessen Mittelpunkt eine Frauengestatt mit einem Lorbeerkranze auf dem Haupte und einer Lilie in der Hand zu sehen ist. Der Frauenverein erscheint mir als eine Korporation, die sich spezielle Aufgaben gestellt hat, d. h. der hilflos dastehenden Frau ihren Schutz angezeihen zn lassen. Die Wöchnerinnen- Unterstützung und die Kinderbekleidung pflegt derselbe Hand in Hand mit dem Wöchnerinnen- Zcntralverband und dem Kinderbekleidungs- Vereine „Die Brüder". Hier haben wir ein Miniaturbild von Zentralisation in dem von mir gedachten Sinne, wie ich dies in der Nr. 82 dieses Blattes vom 23. v. M. unter „Bekleidungsrnmmel" dargelegt habe. — Trotzdem also dieser Frauenverein zweifellos ganz Außerordentliches leistet, dafür spricht der Nachweis der Einnahmen im Berichtsjahre per K 31.908*27, so würden diese Leistungen keinesfalls im gleichen Maße in die Wagschale fallen, wenn er nicht niit dem „Wöchnerinnen-Verband" und „Die Brüder" solidarisch wirken mochte. Zum Berichte selbst übergehend, entnehme ich demselben, daß der Verein in dem abgelaufenen Geschäftsjahre (es ist das 11. Jahr seines Bestandes) 883 Personen mit zusammen K 11.706— unterstützt hat. Es erhielten 770 Personen ä K 10 —, 49 Personen K 11'- bis 20 -, 54 Personen K 21'— bis 10O — und 10 Personen über K 100 —. Auf Schuhe und Kleider für arme Kinder verwendete der Verein K 1200—. Dem Wöchnerinnen-Zentralverband leistet derselbe als jährlichen Beitrag K 1000'— und der israel. Kindergarten im XX. Bezirk erhält eine Subvention von L 200'—. Das Barvermögen beziffert sich gegenwärtig mit K 17.007 02 in 4% Kronenrente und einem Depot beim Wiener Bankverein. Wenn man diese Ziffern steht, so fragen vereinskundige Leute gleich ziemlich erstaunt: Woher nehmen die dieses viele Geld? Hier die Antwort! Die Vereinsleitung ist in der glückltchen Lage auszuweisen, daß Freunde und ' Gönner ihr in diesem Jahre die respektable Summe von zusammen K 10.144-20 gespendet haben. Die Akademie bei Ronacher ergab, trotz der großen, sehr großen Auslagen — einen Reingewinn von K 5736*28. Anläßlich dieser Akademie im vorigen Winter verkaufte die Vereinspräsidentin Frau Dr. Weiß allein Karten um K 4326*30. Frau Dr. Weiß strebt aber keinesfalls für sich allein die Palme an, ihre Kolleginnen im Vorstände müssen viel, sehr viel arbeiten, sonst findet eine solche Dame beim Beratungstisch keinen Sessel vor. Zum Schluffe noch etwas, was nicht im Rechenschaftsberichte steht. In der allerletzten Zeit wurde eine Aktion für eine Existenzgründung eingeleitet. Es ergab sich die Notwendigkeit eines Betrages von X 2000'— für diesen Zweck und diese Summe ist bereits, bis auf einen kleinen Bruchteil, separat aufgebracht worden. Darum dem Verdienste die Krone! Es sei daher dem Brigittenaner israel. Frauen-Wohltätigkeitsvereine die vollste Anerkennung gezollt. X. Ob. Zur Affäre des Dr. Daniel Fmk. Von ehemaligen Schülern des Herrn Dr. D. Fink geht uns die folgende Kundgebung zu: Hochwohlgeboren Herrn Dr. Daniel Fink, Rabbiner und Professor. Wien. Hochgeehrter Herr Professor! Mit wahrer Eutriistung haben wir jene Aeußerung vernommen, die sich erkühnt, Ihnen, unserem geliebten Professor und ehemaligen Lehrer, die Befähigung als Religionslehrer abzusprechen. Wenn einer, so dürfen Sie sich jederzeit auf Ihre Schüler berufen, die in ihrem Herzen Ihnen für das ganze Leben hindurch Dankbarkeit und Treue bewahren werden und die es als ihr höchstes Glück betrachten, daß Sie ihnen den tiefen Sinn der heiligen Lehren der Religion erschlossen haben. Seit den Tagen, die wir mit Hingebung und Begeisterung Ihren erhebenden Ausführungen über die Gedanken der großen Propheten lauschen durften, fühlen wir uns wie in eine neue Welt versetzt, lernten wir uns mit Stolz als Inden fühlen. Nicht verschwiegen darf es werden, daß Sie uns allen jederzeit ein väterlicher Freund und Berater waren, daß wir stets mit jedem Anliegen, das unser jugendliches Herz bewegte, ohne Scheu und Zagen Ihnen gegenübertreten durften, daß Geduld, freundliche Mahnung. Rat und Hilfe bei Ihnen nie versagten. Wenn wir dies zur Steuer der Wahrheit öffentlich erklären, so sind wir uns dessen bewußt, damit nur einen schwachen Zoll jener Dankbarkeit abgetragen zu haben, zu der wir uns Ihnen gegenüber. sehr geehrter Herr Professor, stets verpflichtet fühlen werden. W i e ii, im November 1906, gez. Paul Breitenfeld. cand. ing. Edgar Baumann, cand. ing. Rudolf Adler, stud. tecb. Müller Camillo, tectm. Richard Stern, stud. ing. Oskar Spitzer, stud. ing. Hugo Schwefel, stud. ing. Nnch. Svira, cand. ing. Mar Jung, tech. Bernhard Adler, cand ing. Ludwig Ehrlich, cand. ing. Otto Dnb, cand. ing. Robert Blum, cand. archt. Ed. Kritzler, cand. archt. Apfelbaum, cand. ing. Gustav Deutsch, cand. chem. Artur Schwarz, stud. ing. Wilhelm Lederer, Bankbeamter Richard Gutmann. Privatbeamter Robert Hecht, stud. tecli. ^,,v.v. Oskar Langfelder, stud. tech. Alfred Bauer, stud. tech. Ltt'-wig Mellich, cand archt.; Artur Maydl, stud. techn. Max'Weißenstein, studing. vnKarl Weinberger. stud. ing. Georg Steiner, stud. ing. Erwin Reichmann, stud. ing. Leon Satanower. stud. ing. Theodor Engel, cand. ing. Robert Friedmann. i«g. Ernst Bogaez, cand. ing. Siegm. Schönberger, «and. ing. A. Hirschmann. ing. Philipp Pollak. ing. I. Hirschmann. ing. A. Biber, ing. W. Fleischmann. cand. ing. Louis Back, cand. ing., Einj. Freiw. im k. k. Korps-Art.-Reg. Nr. 2 Emil Silberstein, cand. ing. Emil Silberstein, cand. ing. I. Ornftein. ing. H. Weiß, Handelsschulsupplent Paul Schwarz, cand. ing. Vermischte Nachrichten. Wien. Der Ausschuß des Verbandes der israelitischen Religionslehrer an den österreichischen Mittelschulen hielt am 5. Dezember unter dem Vorsitze seines Obmannes Herrn Rabbiner Dr. Feuchtwang eine Sitzung ab. Den Hauptgegenstand derselben bildete die Revision des Lehrplanes für die Mittelschulen, wobei Herr Rabbiner Dr. David ein eingehendes Referat erstattete, woran sich eine gründliche Diskussion knüpfte, deren Fortsetzung in einer nächsten Ausschußsitzung folgen wird. Es wurde beschlossen, eine Deputation — bestehend ans dem Obmanne, den Professoren Kanitz und Dr. Weiß — in das Ministerium für Kultus und Unterricht zu entsenden, um über den Stand der im Vorjahre überreichten Petitionen Informationen einzuholen und einige der in derselben enthaltenen Bitten und Wünsche nochmals nachdriicklichst einer geneigten Erfüllmlg zn empfehlen. Wien. (Jüdisch-akademische Ferialverbindung „Achiwah") Chargenwahlen: .inr. Karl Sonnenfeld t, ing. Hugo Brief f t, Viktor Braun 111. Zuschriften an Karl Sonnenfels, Wien. Universität. Nadautz. Bei der am 25. v. M. stattgefundenen Vollversammlung und der am 27. v. M. erfolgten Konstituierung des Vereines ..Dorsche Zion" wurden nachstehende Herren in dm Ausschuß gewählt: Dr. Vierer zum Obmann, Dr. Engl zum Ob« mannstettvertreter, Oskar Lieben zum ersten Schriftfi'ihrer, CH. Schärf,311111 zweiten Schriftführer, Berl Lehrer zum Kassier, stut. jur. M. Rath zum Bibliothekar, Bamch Friedländer zum Haus- und Zeitililgsverweser. Ohne Funktion blieben die Herren'. Dr. Lllttiilger, F. Rachmut, stut. jur. S. Lecker' Magister Sigbert Geber, S. Herer. Die Generalversammlung faste den einstimmigen Beschluß, Herrn ' Reichsratsabgeordneten Dr. S t r a n ch e r wegen seiner hervorragenden Verdienste um das Judentum zum Ehremnitgliede des Vereines zn ernennen. Am 16. Dezember veranstaltet der Verein „Dorsche Zion" eine Makkabäerfeier im Schntzensaale, zn der spezielle Einladungen ergehen werden.' Olmütz. Der nunmehr pensionierte Beamte der hiesigen israel. Kultusgemeinde, Herr Moritz Dnnker, erhielt im Festsaale unseres Rathauses durch Herrn Bürgermeister Brandhuber die Medaille für 40jährige treue Dienstleistung. Zur Feier dieses Ereignisses hatten sich zahlreiche Freunde desJnbilars, unter ihnen der Vorsteher der Gemeinde Dr. I. Eben,' Rabbiner Dr. Oppenheim und die Beamten der Gemeinde eingefunden. Herr Bürgermeister Brandhuber hielt eine Ansprache an Herrn Dnnker. in der er darauf htnwies, daß der Stifter der Medaille, unser erhabener Monarch, vor 58 Jahren am 2. Dezember'M8 in Olmütz die Regierung antrat. Er beglückwünschte den Jubilar zur Verleihung der Medaille an ihn und brachte ein dreifaches Hoch auf den Kaiser ans,' in welches'die Anwesenden begeistert, einstinimten. Der'greise Jubilar dankte tiefgeruhrt mit wenigen herzlichen Worten und wurde sodann von allen Seiten anfs Wärmste beglückwünscht. Prof. Dr. Emanuel Mendel wurde aus Anlaß der Einweihung des Krankenhauses in Pankow, um dessen Bau und Einrichtung er sich in hervorragendem Maße verdient gemacht hat. der Charakter eines Geheimen Medizinalrates verliehen. Pankow kann man Mendels zweite Vaterstadt nennen. Denn dort lies; er sich, nachdem er im Alter von 22 Jahren — er ist 1839 in Bunzlau geboren — das medizinische Staatsexamen bestanden, als praktischer Arzt nieder, dort errichtete er eine Privatheilanstalt, die zu den allerersten ihrer Gattung überhaupt gehört, und von Pankow aus verbreitete sich sein Ruf weit über Deutschlands Grenzen. Die praktische Tätigkeit, die er in diesem Ort und seiner Umgebung ausübte. war eine ungemein ausgedehnte und deshalb mit Anstrengungen und Schwierigkeiten verbunden, die heute die jüngeren Aerzte gar nicht mehr kennen lernen. Trotzdem fand seine nie ermüdende Arbeitskraft Zeit zu reicher wissenschaftlicher Beschäftigung, die ihn in das Gebiet der Jrrenheilkunde leitete. Er habilitierte sich deshalb.auch für Psychiatrie und Neurologie 1873 an der Berliner Universität und wurde 1684 znm außerordentlichen Professor ernannt. Als solcher hält er Vorlesungen, von denen das Kolleg für Mediziner und Juristen über Zurechnungsfähigkeit zu den den besuchtesten an der Berliner Hochschule gehört, aber nicht nur von denen, für die es bestimmt ist, frequentiert wird. Dort finden sich alle Fakultäten ein. Literarisch ist Mendel in fast allen Zweigen seiner Wissenschaft hervorgetreten r von ihm rühren Beiträge in der Enlenburgschen Encyklopädie, in dem Ebstein-Schwalbeschen Handbuch her. er redigiert das «Neurologische Zenträlblatt" und den „Jahresbericht für Neurologie und Psychiatrie". und als Gutachter in Unfallsachen und als Sachverständiger vor Gericht ist er derart geschätzt, daß wohl nur selten ein einschlägiger wichtiger Prozeß ohne sein Votum geführt wird. Er leitet eine Poliklinik für Nervenkrankheiten, die von Tausenden von Kranken jährlich ausgesucht wird, und erfreut sich einer internationalen Privatklientel, in der namentlich das russische Element, in deren Psyche einzndringen ihm vorzüglich gelingt, vertreten ist. Bei Allen ist er wegen seiner Liebenswürdigkeit, die keinen Unterschied kennt, und seiner persönlichen Soda-Kastilien. Ulittt» I.» markt nr. $ Sodbrennen, Ausstößen re. leiden, unentbebrltch. (Palais Siaa) Zentrum der Stadt W" Preis her Schachtel 60 Heller, dl