Nationalzeitung
- Journal
- Nationalzeitung
- Volume
- 1906
- Issue
- Heft 85 (7.12.1906)
- Date
- 1906-12-07
- Page
- Seite 6 (sequence 6)
- Language
- German
- Belongs to
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Seite 6 Nationalzeitung Nr. 80 Vierjährige Funktionsdauer: Herr Bankier Leopold Langer, kais. Rat 2301 Stimmen, in der Minorität blieb Herr Hermann König 1833 Stimmen; zweijährige Funktionsdauer die terren Max Frank, Dr. Hermann Löwi, amuel Steiner mit überwiegender Majorität, In der Minorität blieben die Herren: Hermann Eltbogen 411, kais. Rat Wilhelm Pollak 114. Das jüdische Vereinshaus in Mnfhans. Der „Verein zur Ausspeisung Armer Israelitischer Schulkinder der Bezirke XII—XV" veranstaltete Samstag den 1. Dezember eine schöne Feier. In den Räumen seines neuen Vereinshauses XV., Herklotzgasse 21, fanden sich eine große Zahl illustrer Gäste ein, um der feierlichen Einweihung dieses ersten jüdischen Vereinshauses in Wien beizuwohnen. Man muß die kolossale Inanspruchnahme unserer humanitären Vereine bedenken, man muß wissen, wieviel Elend gerade da draußen in den westlichen Bezirken zu lindern ist, um dieses schöne Werk ganz würdigen zu können. Und in unserem Zeitalter, dem „Zeitalter des Kindes", vereinigt sich alles in der schönen Aufgabe, dem Aermsten und Schwächsten des Lebens, dem Kinde, wenigstens das zu bieten, was Wohlhabenheit täglich unbedachtsam als selbstverständlich hinnimmt. Gerade die jüdische Wohltätigkeit hat ihr Hauptaugenmerk seit jeher auf diesen Umstand konzentriert, die Bezirke II und XX gehen voran, und nun haben auch die armen, jüdischen Kinder der westlichen Bezirke ein Heim, einen Ersatz für eine armselige Häuslichkeit gefunden. Bekommen jetzt nicht nur Nahrung, bekommen sie in einem schönen Raume, und werden liebevoll bedient. Ganz so, wie es zu Hause wäre . . . wenn es anders wäre . . . zu Hause . . . Wenn tiefes Kümmernis die herbe Not des Alltags, nicht all die Liebe zu dem einzigen Gute, zu dem Kinde, bis in den letzten Winkel des Herzens znrückgedrängt hätte . . . Nun wird in diesen Räumen das Lachen, der Jubel froher, - sorgenloser Kinder erschallen, und wird Eltern und Wohltätern gleichsam ein Lohn, ein Dank für ihre humanen Bestrebungen sein . . . Das jüdische Vereinshaus beherbergt drei Institutionen der westlichen Bezirke. Den „Ferienhort", den Turnverein „Zion" und den „Verein zur Ausspeisuug Armer Israelitischer Schulkinder Wien XII—XV". Dem tatkräftigen Zusammenwirken dieser Vereine ist es zu danken, daß sich heute dieser Bau erhebt. Insbesondere ist es die Präsidentin, Frau R e g i n e L a n d e i s, die mit unermüdlichem, rastlosem Eifer vorangeht, die den Verein aus kleinen Anfängen zu seiner heutigen Stellung erhob; darin waren sich alle Redner des Abends einig. Die Festpredigt hielt Herr Rabbiner Dr. G r u n w a l d. Er schilderte das Wirken jüdischer Wohltätigkeit, erinnerte daran, daß gerade das Kind, das schuldlose Kind von den Stürmen des Lebens am härtesten getroffen werde. Die Rede machte tiefen Eindruck. Dr. Grunwald vermies darauf, daß der heutige Tag der Vorabend des Tages der Thronbesteigung des Kaisers sei und schloß mit einem dreifachen Hoch auf den Kaiser. Die Kinder sangen die Volkshymne. Namens der Israelitischen Kultnsgemeinde sprach Herr Professor E h r m a n n, der dem Vereine Glück und Gedeihen wünscht, der rührigen P r ä s i d e n t i n F r a u L a n d e i s besonders dankt. Es sprachen noch die Vertreter des „Ferienhort", des Turnvereines „Zion" und schließlich Frau Landeis, die das viele Lob „wienerisch-jüdisch" abwehrt und für die allseitige Unterstützung dankt. — Entschuldigungsschreiben sandten Herr S a l o Cohn, Herr E l t b o g e n, der Sekretär der Kultusgemeinde Herr kais. Rat Lieben. Besonders herzlich schrieb Bürgermeister Dr. Karl Lueger. Nur die unleidige Krankheit könnte ihn hindern, persönlich zu erscheinen. Er freue sich der Wohltätigkeit, dieses jüdischen Vereinshauses und wünscht dem Vereine für alle Zukunst Erfolg. Unter den vielen Anwesenden bemerfte» wir die Herren Franta und Götzl (B'nai Moith), die Delegierten verschiedentlicher Korporationen, die Präsidentin des Brigittenauer Franen- und Wohltätigkeits-Vereines Frau Dr. Emilie Weiß u. v. a. Das Vereinshaus repräsentiert sich als ein zweistöckiger, schmucker Bau. Im Vestibüle sind die Räume des „Ferienhort", des Turnvereines „Zion" und die Küche. Im ersten Stockwerke der Speisesaal, sowie die Spielräume für die Kinder. Das Ganze macht eiuen freundlichett, anheimelnden Eindruck. In einer Gegend, wo ein ,.Jud'" noch immer das erfreuliche Anzeichen einer unerfreulichen „Hetz" ist, befindet sich das erste jüdische Wiener Vereinshans, das hoffentlich keine vereinzelte Erscheinung bleiben wird. M. Scha. Vermischte Nachrichten. Preßburg. (Oberrabbiuer Schreiber g e st o r b e n.) Unsere Stadt ist von tiefer Trauer erfüllt. Unser allverehrter Oberrabbiner. Ehrtv. Herr S. B. Schreiber ist in Frankfurt a. M.. wo er in einer Heilanstalt von schwerem Leiden Heilung suchte, Montag gestorben. Der Verblichene, ein Enkel des Chatbam Sofer und ein Sohn des K'tab Sofer. galt nicht nur wegen seiner Abstammung von so hervorragenden Ahnen, sondern auch wegen seiner persönlichen Vorzüge, seines scharfen Geistes und seiner immensen Gelehrsamkeit und besonders wegen seiner nnaufdringlichen Frömmigkeit als Autorität in der ungarischen Orthodoxie, welcher Niemand, auch der prinzipielle Gegner nicht, die Achtung versagen konnte. Die von dem Verblichenen geleitete Preßbnrger Jeschitah wurde von der Regierung als orthodoxe Hochschule anerkannt, unh ihr all jene Begünstigungen eingeräumt, welche "dem hohen Rabbinerseminar in Budapest zugestanden wurden. Die Jeschitah, aus welcher fast sämtliche jüngeren orthodoxen Rabbiner und KnltusfunktionäreUngarns. sowie eine große Zahl angesehener Männer, welche sich anderen Berufen znwendeten, hervorgegangen sind, zählte zeitweise 300 bis 400 Hörer. Der Verstorbene, welcher ein Alter von 63 Jahren erreichte, wurde Mittwoch, den 5. d. M.» in Preßburg. wohin die Leiche überführt wurde, zu Grabe getragen. Aus allen Teilen des Landes strömten die Trauernden herbei, um dem Dahingeschiedenen die letzte Ehre zu erweisen. Auch von Wien begaben sich mehrere hundert Personen, u. a. anch eine große Abordnung der orthodoxen Schiffschul zum Leichenbegängnisse. Das Andenken des Gerechten wird zum Segen! Wien. (Vortragszyklus aus jüdischer Geschichte.) Donnerstag, den 13. Dezember 1906, präzise V28 Uhr abends findet im Festsaale des Ingenieur- und Architekten-Vereines, 1., Eschenbachgaffe 9. vornehmlich für die reifere Jugend ein Vortrag des Herrn Dr. Max Grunwald statt. Thema: ..Jüdische Königinnen in Geschichte und Dichtung." Eintritt frei. Verein znr Hebung der Gewerbe. Am Sonntag, den 9. Dezember d. I.. präzise 7 Uhr abends findet im große» Festsaale des n.-ö. Gewerbe- Vereines. 1.. Eschenbachgasse 11. eine Plenar- V e r s a m m-l u n g dieses Vereines mit folgender TH-g e s 0 r d n n n g statt: Vortrag des Herrn Jaques Jaeger. Schriftsteller 0. M. der k. k. geographischen Gesellschaft in Wien: „U e b e r Land und Meer". Die Auswanderung von Hamburg nach Nordamerika mit 62 kolorierten Skioptikonbildern. Damen und Gäste willkommen. (Schon am 20. Dezember) findet die Ziehung der xxv. k. k. Staatslotterie für gemeinsame MMär-Wohltätigkeitszwecke statt. Nur vier Kronen beträgt der Breis eines Loses, das in allen Wechselstuben. Tabaktrafiken rc. erhältlich in. Die 18389 Gewinste (Haupttreffer 200.000 Kronen) werden sämtliche in barem Gelde ansbezahlt. Mädchenkomitee „Die Jugend für die Jugend." Jahrmarkt für Groß und Klein. Das Jung Wiener-Mädchenkomitee. welches durch seine höchst gelungenen Veranstaltungen gleichwie durch sein Wirken für arme, kranke, jüdische Kinder wohlbekannt ist. hat, ermutigt durch den großen Erfolg des vorjährigen Festes, auch in diesem Jahre die Abhaltung eines Jahrmarktes für Groß und Klein beschlossen. Sonntag, den 9. d. M. werden die herrlichen Räume des Hotel Kontinental den Zwecken des Komitees dienstbar gemacht. Ein unerschöpfliches Programm künstlerischer Darbietungen, heitere Vorträge aller Art. Näschereien für die Kleinen und praktische Tombolagewinste für die Großen, gibt es da in Hülle und Fülle. Es ist zu erwarten, daß auch heuer gleich wie im Vorjahre, ein grober Kreis vornehmer Familien dem Jahriiiarkfeste seinen Glanz verleihen wird. Das in Handstickerei kunstvoll ansgeführie Bild, welches seinerzeit vielfach Bewundernng erregte, gelangt nunmehr, nachdem alle Lose verkalkst sind, im Rahmen des Festes zur Verlosung. Die Besitzer von Losen werden daraus insbesondere aufmerkiam gemacht. Karten sind erhältlich in der Musikalienhandlung Hugo Knevler. 1. Bezirk. Habsburgergaffe 2, in der Kunsthandlung Walter Deutsch, 1. Bezirk, Kärntnerring 2 und an der Tageskasse. Jüdische Toynbeehalle. 20. Bez.. Olh. margasse 40. Eintritt für jeden Erwachsenen. Beginn der Vorträge an Wochentagen halb 8 Uhr, Samstag sowie an Sonn- und Feiertagen 7 Uhr abends. Anmeldilngen von Vorträgen und Mitwirkungen bei Konzerten wolle mail an den Obmann Herrn Dr. I. Samuly. I. Bez., Fischerstiege 6, adressieren. W 0 ch e n v r 0 g r a m m: Freitag, den 7. Dezember 1906, Bibelvortrag. Herr Religionslehrer Löw-Vogel. Samstag, den 8. Dezenlber 1906: Konzert, Arrangeur Prof. S. Storch. Sonntag, beit 9. Dezember 1906: „Eindrücke einer Palästinareise" (mit Skioptikon). Herr Rabb. M. Reich ans Baden. Montag, den 10. Dezember 1806: „Ethik". Herr Prof. Dr. Wilh. Jerusalem. Dienstag, den 11. Dezember 1906: Elternabend. Mittwoch, den 12. Dezember 1006: „Ueber Kurpfuschertum, Herr Dr. Heinrich Grün. Donnerstag, den 13. Dezember 1906: „Juridisches im Alltagsleben". Herr Dr. Oberländer. Freitag, den 14. Dezember 1906: Bibelvortrag. Herr Religionslehrer H. Löw-Vogel. Samstag, den 15. Dezember 1906.: Konzert Arrang.: Frl. Freund. Samstag, den 1. Dezember d. I. gab es in der Toynbeehalle einen glänzenden Konzertabend, der allen Anwesenden in angenehmster Erinnerung bleiben lvird. Komponist Edmung Eysler batte sich in den Dienst der guten Sache gestellt und brachte eigene Kompositionen zum Vortrage. Die Damen Grete Eibuschitz (Violine) und Ella Eibnschitz (Klavier), sowie Frl. Kamilla Kaufmann (Gesang), vervollständigten mit ganz vorzüglichen Leistungen das Programm. — Sonntag, den 2. v. M. las Dr. Arthur Schnitzler eigene Dichtungen unter dem Jubel der Zuhörerschaft. Gmgejendet. Prag. (Volks-Vorschußkasse,Prag. r. G. b. H.. Königshofergnsse 12.) Im Laufe des Monates November wurden Darlehen im Betrage von k. 191.125*65 bewilligt. Am 30. November betrug der Stand der Darlehen k 727.518*71, der Spareinlagen K 345.65482 und der Stand der Anteile K 130.640*-. I. M»er TMi-Leih- 1111H Vttkinlss-Wult neu eröffnet Wien I., 2(rugerstratze *3. Es gelangen;itm Verkaufe Wirtschaftstevviche. * 00/300 . . vfl. 4.25 an sw Persia. 200/300 . 6.50 „ Brüsseler ia, 200/300 . .. 12.- .. Tavestrie. Schafwolle. 200/300 . 16.- „ Veloursvlüsch. 2<)0/:>00 . . . . „ .. 17— „ Laufteppiche in allen Breiten -.. .. —.18 .. Bettvorleger. .. .45 „ Wandteppiche. „ „ * 1.50 „ Svitzenvorhänge per Fenster.... .. 1.60 „ Tüllstores mit Applikation - -.. .. 4. - Portieren.„ .. 1.20 ,, Tnchvorhänge. gestickt. „ 12.— ,, Pliischtischdeckc. gestickt „ .. 7.50 „ Tuchtischdecke.„ 5 50 „ Garnitur: 2 Belt-.! 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