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Nationalzeitung · 1906-12-07 · Heft 85 (7.12.1906) · p. Seite 3

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Journal
Nationalzeitung
Volume
1906
Issue
Heft 85 (7.12.1906)
Date
1906-12-07
Page
Seite 3 (sequence 3)
Language
German
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Nr. 86 Nationalzeitung Seite 3 Jto, Israel Zangwill mit den Führern der Jewish Colonisation Association in Paris das Ergebnis gezeitigt, daß zwischen den beiden Bewegungen ein freundschaftliches Verhältnis bergestellt wurde, welches geeignet ist, zn einem schließlichen Einverständnisse zu führen. Warschau. Vorige Woche erschien hier die erste Nummer eines neuen territorialistischen Organs in jüdischer Sprache. Das neue Organ führt den Titel „Wochenblatt". Als Herausgeber fungieren die Gg. Fi»kelstei n und Iazkan; die Redaktion liegt in den Händen des Gg. Hillel Z e i t l i n. Wir empfehlen unseren jüdisch lesenden Gesinnungsgenossen unser neues Bruderorgan zur Unterstützung und Verbreitung. Anfragen sind zu richten an Herrn N. Fink elfte in, Warschau, Cholodnoja 8. Territorialistische Pioniere. Die Warschauer Gruppen der „Territorialistischen Pioniere" haben einen Aufruf erlassen, in welchem sie auf die schwierige Lage der Emigranteu Hinweisen. Da die Hinüberleitung der Auswanderung in bereits stark bevölkerte Länder zwecklos ist und auf Hindernisse stößt, so müßte die Auswanderung in noch gar nicht oder nur schwach bevölkertes Land dirigiert werden, wv sie dann die Majorität bilden und eine autonome jüdische Gemeinschaft schaffen können. Um aber die Kolonisation in einem solchen Lande möglich zu machen, ist cs notwendig, schon heute jene Kräfte zu sammeln und bereit zu stellen, welche sich für eine Kolonisation eignen, und auch bereit sind, sich ganz in den Dienst des jüdischen Volkes zu stellen. „Wir wollen alle diejenigen sammeln", heißt es im Aufrufe, „die sich nicht Territorialisten nennen, sondern es auch tatsächlich sind, d. b. die bereit sind, vom bloßen Reden zu^Tat Überzugehe n." Zu diesem Zwecke ist es unerläßlich, Pionier-Gruppen zu bilden. Solche Gruppen müßten überall gebildet werden, wo Juden wohnen. In einem Ziele vereinigt, würden diese Pioniere die Avantgarde der Bewegung darstellen, sobald die Jto mit irgendeinem konkreten Vorschlag bezüglich eines Kolonisationslandes hervortreten würde. Sie würden dann das Fundament legen für die künftige jüdische Gemeinschaft. Achtung S. S. Die Londoner Organisation der zionistisch-sozialistischen Arbeiterpartei fordert auf diesem Wege alle S. S.-Organisationen, hauptsächlich diejenigen von Wien, Lemberg, Krakau, Wieliczka, Budapest, Berlin, Paris, Bern u. s. w. auf, ihre Organisationsadressen der Londoner S. S.-Organisation unverzüglich bekanntzngeben. Es handelt sich um eine äußerst wichtige Angelegenheit! l Unsere Londoner Adresse lautet: G. Feller, 58 Nelson Street Stepney London E. Das Zentralkomitee der jüdischterritorialistifchen Arbeiterpartei hat an die Ortsgruppen der Partei ein Zirkular gerichtet, in welchem die Verhaltungsmaßregeln anläßlich der Dumawahlen genau umschriebensind. Das Zentralkomitee warnt die Genossen, sich den sozialistischen Parteien nicht anzuschließen und alles aufzubieten, daß in die Duma nur solche jüdische Vertreter entsendet werden mögen, welche bereit sind sowohl die speziell jüdischen Interessen, wie auch diejenigen der Proletarier zu wahren. Das Zentralkomitee legt ferner den Gesinnungsgenossen nahe, sich mit anderen jüdischen Grupperl oder russischen Parteien zu verbinden, welche sich bereit erklären, die Wahl eines jüdischen Kandidaten zn unterstützen. Eine solche Vereinigung kann jedoch nur mit liberalen Parteien erfolgen', rvelche nicht rechts von der Kadettenpartei stehen. höheren Interessen des Friedens entsprechen." Über die Juden enthält die königliche Botschaft nicht ein Wort. UndKdennoch würde die Regelung dieser Frage ebenfalls „den einfachsten Grundsätzen der Menschlichkeit" entsprechen. In Kolomea findet am 18. Dezember die Ersatzwahl in den Landtag statt. Dank der Agitation von jüdischnationaler Seite gelang es, das Interesse der Juden für diese Wahl wachzurufen und sie zn bewegen, daß sie sich für einen jüdischen Kandidaten einsetzen. Der Kandidat der Jüdischnationalen ist der Kolomeaer Advokat Dr. Lasar Z i p s e r. Bisher galt es als Tradition, daß der jeweilige Bürgermeister der Stadt auch gleichzeitig Landtagsabgeordneter sei. Da der derzeitige Bürgermeister dieses traditionelle Recht ebenfalls für sich in Anspruch zunehmen gedenkt, so kann man sich auf einen heftigen Wahlkampf gefaßt machen. Zur Wahlbewegmrg in Rußland. (Von unseren Korrespondenten.) Liba«. Hier hat sich ein jüdisches Wahlkomitee gebildet. In seiner jüngsten Sitzung wurde der Beschluß gefaßt, im Notfälle sich mit den anderen freiheitlichen Parteien behufs gemeinsamen Vorgehens zu verbinden. Wilna. In einer Versammlung jüdischer Wähler unserer Stadt erklärte der Vertreter der Kadettenpartei, daß die Partei beschlossen habe, den jüdischen Advokaten A. Grusenberg für die Duma zu kandidieren. Dr. Grusenberg, der sich als Anhänger der Kadettenpartei vorftellte, hat die Kandidatur angenommen. Die Versammlung nahm die Erklärungen zustimmend zur Kenntnis. Minsk. Hier wurde die Druckerei, in welcher die jüdischen Wahlaufrufe hergestellt wurden, behördlich geschlossen. politische Rundschau. Die Botschaft König Carols von Rumänien an die gesetzgebenden Körperschaften seines Landes enthält einen sehr interessanten Passus: „Die im letzten Jahre ausgesprochene Hoffnung, daß der T e r r o r i s m u s, dessen Gegenstand die Rumänen im ottomanischeu Reiche, diese treueil Untertanen des Sultans, sind, schlvinden und es infolgedessen möglich sein werde, die freundschaftlichen Beziehungeil zlvischen Rumänien und Griecheliland wieder herzustellen, haben sich nicht erfüllt. Im Gegenteile. Griechenland hat die diplomatischen Beziehungen mit uns abgebrochen. Wir betrachten diesen Bruch, den wir bedauern, mit jener Ruhe, die unserem Bewußtsein entspringt, daß die Forderungen Rumäniens nicht nur gerecht s i»d, sondern auch den e i n f a ch st e n Grundsätzen der Menschlichkeit und den Äuswauderungsangelegeuheltru. Das Auswandererschiff „Korea". Bekanntlich besteht -seit einem Jahre eine direkte Schiffsverbindung zwischen Liban und den amerikanischen Häfen. Diese neue Linie der „Ostasiatischen Schiffahrtsgesellschaft" wurde von den jüdischen Emigranten aus Rußland mit Freuden begrüßt, weil dadurch der Umweg über Deutschland und die noch in aller Erinnerung lebenden Widerwärtigkeiteil, welchen die jüdischen Auswanderer auf preußischem Boden und in Hamburg ausgesetzt waren, vermieden wurden. Nun wird die bereits eingetretene Beruhigung neuerdings durch einen Zwischenfall gestört, der den beteiligten Kreisen zu denken gibt. Für den 13- November war die Abfahrt des Emigrantenschiffes „Korea" der ostnsiatischen Schiffsgesellschaft festgesetzt. Hunderte von Emigranten aus den verschiedensten Teilen Rußlands, welche Karten für die direkte Ueberfahrt nach Amerika gelöst hatten, trafen pünktlich in Li bau ein. Hier wurden die Auswanderer mit der unangenehmen Mitteilung überrascht, daß die „Korea" nicht fahrtfähig sei und die Emigranten gruppenweise auf kleinen Dampfern nach Hamburg gebracht und von dort erst nach Amerika weiterbefördert werden sollen. Diese Nachricht rief eine allgemeine Panik hervor, denn die Abfahrt erlitt eine Verzögerung und außerdem dachten die Aermsten an die Chikanen, denen sie in Deutschland ausgesetzt ivürden. Das Libauer Komitee der „Jca" nahm sich sofort der Emigranten an und sorgte für ihren Ünterhalt während der Wartezeit. In jüdischen Kreisen besteht jedoch die Befürchtung, daß die plötzliche „Erkrankung" der „Korea" nicht ein Zufall sei, daß vielmehr die direkte Verbindung zwischen Rußland und Amerika aufgelassen und die armen Emigranten wieder regelmäßig über Hamburg würden befördert lverden. Der „Fraind" fordert auch das Petersburger Bureau der „Jca" und den Hilfsverein der deutschen Jude» auf, sich dieser für die jüdischen Emigralltett äußerst wichtigen Frage aliznnehllien. Vas neue amerikanische Ra1nrallsat>o»sge-etz. Gesetz vonl 39. Juni 1900, in Kraft getreten am 37. September 1909. Art. 1. Das „Einwanvernngsbureau" im Ministerium für Handel und Gewerbe wird hierdurch in ein „Einwanderungs» und Naturalisationsbureau" verwandelt. Dieses Bureau, das der Leitung und Kontrolle des Ministeriums für Handel' und Gewerbe untersteht, soll neben den bereits jetzt ihm gesetzlich übertragencn Aufgaben die Handhabung über alle die Naturalisation von Eingewanderten betreffenden Angelegenheiten übernehmen. Das Bureau wird beauftragt, Listen zum Gebrauch in den verschiedenen Einwanderungsstationen in allen Teilen der Vereinigten Staaten anzulegen, in welche die Einwanderungs-Kommissäre bei jedem einzelnen in den Vereinigten Staaten ankommenden Einwanderer folgende Eintragungen zu machen haben: Name, Alter, Beschäftigung, Personalbeschreibung (darunter auch Größe, Aussehen, Farbe der Haare und Augen), Geburtsort, letzter Aufenthaltsort, Ort der beabsichtigten Niederlassung in den Vereinigten Staaten, Datum der Ankunft des Einwanderers, und wenn er in einem amerikanischen Hafenplatze angekommen ist, den Namen des Dampfers, mit dem er angekommen. Die Einwanderungs-Kommissäre sind verpflichtet, dem Einwanderer ein Attest über diese Eintragung mit allen Einzelheiten ausstellenzu lassen. Art. 4. Ein Einwanderer kann Bürger der Vereinigten Staaten nur unter folgenden Modalitäten und Voraussetzungen werden: Erstens: Er soll unter Eid vor dem Beamten eines mit der Naturalisation von Einwanderern bevollmächtigten Gerichtshofes oder dessen zuständigem Stellvertreter im Distrikte, den der betreffende Einwanderer bewohnt, wenig st ens zwei Jahre vor seiner e n d g i l t i g en Z u l a s s u ng z u m Bürgerrecht und nachdem erdas 18. Lebensjahr erreicht hat, erklären, daß es seine Absicht ist, Bürger der Vereinigten Staaten zu werden und jedwede Untertauenpflicht und Treue gegen einen ausländischen Fürsten, Potentaten, Staat oder Souverän aufzugeben und ganz besonders unter namentlicher Nennung gegen den Fürsten, Potentaten, Staat oder Souverän, dessen Bürger oder Untertan der Einwanderer zurzeit ist. Diese Erklärung soll auch angeben: Name, Alter, Beschäftigung,Personalbeschreibung, Geburtsort, letzter Aufenthaltsort im Auslande, Datum der Ankunft, eventuell Name des Dampfers, mit welchem der Einwanderer nach den Vereinigten Staaten kam, sowie der gegenwärtige Aufenthaltsort in den Vereinigten Staaten. Vorgesehen aber ist das von keinem Einwanderer, der in Uebereinstimmung mit dem am Tage seiner Erklärung rechtsgilt'igen Gesetz seine Absicht, Bürger der Vereinigten Staaten zu werden, ausgesprochen hat, verlangt wird, diese Erklärung nach dem neuen Gesetz zu wiederholen. Zweitens: Nicht weniger alszwei Jahre und nicht mehr als sieben Jahre, nachdem der Einwanderer die Erklärung seiner Absicht, Bürger zu werden, abgegeben hat, soll er eine schriftliche Eingabe in doppelter Ausfertigung machen mit eigenhändiger beglaubigter Unterschrift versehen, in welcher er angeben soll: seinen vollen Namen, den Aufenthaltsort (wenn möglich auch Straße und Hausnummer), seine Beschäftigung und wenn möglich auch Datum und Ort seiner Geburt, feruer den Ort, von dem er emigrierte, sowie Datum und Ort seiner Ankunft in den Vereinigten Staaten und wenn er den amerikanischen Boden an einem Hafenort betreten hat, den Namen des Dampfers, mit dem er angekommen, ferner Ort und Name der Behörde, vor der er seine Absicht, amerikanischer Staatsbürger zu werden, kundgetan hat, sowie die Zeit, wann dies geschehen ist. Wenn er verheiratet ist, hat er auch den Namen seiner Frau anzugeben und — wenn möglich — das Land ihrer Geburt und ihren Aufenthaltsort zur Zeit der Einreichung des Natnralisationsgesuches. Wenn er Kinder hat, so ist auch Name, Geburtsort und Datum sowie Aufenthaltsort jedes zur Zeit der Eingabe lebenden Kindes anzugeben. V o r g e s e h e n i st, daß der G e s u ch st e l l e r, wenn er seine Eingabe vor dem I n k r a f treteu d i e se s Gesetzes ein gereicht hat, die Eingabe nicht eigenhändig zu unterzeichnen brau ch t. Das Gesuch soll ferner kundtun, daß der Gesuchsteller kein Gegner der Staatsregierung ist. daß er kein Mitglied oder Anhänger einer Organisation oder Gemeinschaft ist, welche Unglauben und Auflehnung gegen die Staatsregierung lehrt (Anarchist), daß er kein Poly-

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