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Nationalzeitung · 1906-11-30 · Heft 84 (30.11.1906) · p. Seite 5

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Journal
Nationalzeitung
Volume
1906
Issue
Heft 84 (30.11.1906)
Date
1906-11-30
Page
Seite 5 (sequence 5)
Language
German
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■ Nr. 84 Nationalzeitung Seite 5 Pulitzer vom „New-Aork World", Adolf S. Ochs von den „New-Dork Times" und „Philadelphia Ledger" sowie Edward N o sew ater vom „Omaha Bee". Jakob H. Schiff, Jsaac N. Seeligmann, Edward Lauterbach, Henry Siegel, Walter Damrosch und Felix Adler sind die markantesten unter den Juden, welche in den verschiedenen Arbeitsfeldern national vorherrschen. Nach einer Meinung rührt das daher, daß die jüdische Einwanderung stärker als die eines anderen Elementes sei. Von den 11 Millionen Juden der Welt hat Rußland 5 Millionen, Oesterreich-Ungarn 2 Millionen und die Vereinigten Staaten 1'5 Millionen. Da die Zahl derselben in Rußland abnimmt, in Oesterreich-Ungarn ständig ist, so wächst sie rapid in den „U. S." Vor 1910 wird Amerika Oesterreich-Ungarn an Judenzahl erreichen, um 1925 wird Amerika Rußland übertreffen und den ersten Platz unter den Gemeinwesen der Welt einnehmen als eine Residenz der Nachkommen Abrahams. Die Stadt New-Aork hat 750.000 Juden, halb so viel wie die U. S. zusammen, das ist mehr als irgend ein Land, ausgenommen Rußland, Oesterreich-Ungarn und U. S., siebenmal so viel wie London, dreißigmal so viel wie Jerusalem. New-Aork hat heute zwanzigmal so viel Juden als Jerusalem zur Zeit des Höheunktes jüdischer Macht, als diese Stadt eine er großen Hauptstädte der Welt war. Jeder fünfte, den man auf den Straßen New-Iorks trifft, ist ein Jude. Und der Zahl entspricht der soziale und geschäftliche Einfluß. Oskar S. Straus hat zwei ausgezeichnete Brüder; einer von ihnen, Isidor Straus war Generalpostmeister im Kabinett Cleveland. Natürlich bewog Roosevelt die Zugehörigkeit Straus zum Judentum in keiner Weise, ihm ein Portefeuille anzubieten, denn religiöse oder Rassenerwägungen kennt Mr. Roosevelt nicht. Mr. Straus hat seit vielen Jahren den Ruf hoher Gelehrsamkeit, weitblickenden Geistes und klarer Befehlshabergabe und sein Dienst im Kabinett wird einen Rat sehr stärken, der schon manchen tüchtigen Mann besitzt. Hans Fischt. Offener Hrief an Herrn Dr. Alfred Stern, Präsidenten der israelitischen Kultusgemeinde in Wien. Sehr geehrter Herr Präsident! In der am 26. November 1906 im Hotel „Zur Post" tagenden Wählerversammlung war auch meine Angelegenheit Gegenstand der Erörterung. Wenn Sie auch, wie mir berichtet wurde, gegen die Richtigkeit der in zwei hiesigen jüdischen Blättern abgedruckten Interpellation des Herrn Kultusvorstehers Hermann E l t b o g e n nichts zu erwidern hatten, so konnten Sie nicht umhin, Ihr Bedauern darüber auszusprechen, daß man es unterlassen hatte, derselben die darauf Ihrerseits erteilte Beantwortung beizufügen, mit welcher nicht nur sämtliche anwesenden Vorstandsmitglieder, sondern auch der Interpellant selbst sich durchaus zufrieden gegeben haben. Da die mir von zuständiger Seite gewordenen Informationen genan im entgegengesetzten Sinne lauten, bitte ich Ew. Hochwohlgeboren im Interesse der Wahrheit, des Rufes der Wiener Kultusgemeinde, wie endlich in dem meiner eigenen Person ebenso höflich als dringend, um die gefällige Veröffentlichung des Protokolls jener Vorstandssitzung, in welcher der abgedachte Beschluß zustande kam, als auch jener Sitzung vom 7. Oktober d. I., in welcher derselbe Beschluß Gegenstand einer Interpellation war. Mit dem Ausdrucke vorzüglicher Hochachtung Rabb. Dr. Daniel Fink. Vermischte Nachrichten. Men. (Vortragszyklus aus jüdischer Geschichte.) Donnerstag den 6. Dezember 1906, präzise Va8 Uhr abends, findet im Festsaale des Ingenieur- und Architektenvereines, I., Eschenbachgasse 9, ein Vortrag des Herrn Kustos Dr. S. Frankfurter statt. Thema: „Die Wiener Judenstadt im Mittelalter und in der Neuzeit mit besonderer Berücksichtigung der Friedhöfe und ihre Denkmäler." Mit Vorführung von Lichtbildern. Eintritt frei. Wien. (Gebetstunden.) Freitag den 30. November, abends um 4 Uhr 1b Min.; Samstag den 1. Dezember, abends um 4 Uhr b0 Min: vom 3. Dezember bis inklusive 6. Dezember, abends um 4 Uhr 1b Min.; Freitag den 7. Dezember, abends um 4 Uhr 15 Min.; Samstag den 8. Dezember, abends um 4 Uhr 45 Min.; vom 9. Dezember bis inklusive 13. Dezember, abends um 4 Uhr 1b Min.; Freitag den 14. Dezember, abends um 4 Uhr 15 Min.; Samstag den 1b. Dezember, abends um 4 Uhr 45 Min.; vom 16. Dezember bis inklusive 20. Dezember, abends um 4 Uhr 1b Min.; Freitag den 21. Dezember, abends um 4 Uhr 1b Min.; Samstag den 22. Dezember, abends um 4 Uhr 45 Min.; vom 23. Dezember bis 27. Dezember, abends um 4 Uhr 1b Min. Der Gottesdienst an Wochentagen beginnt um 7 Uhr früh, an Samstagen um 8y2 Uhr früh. Wien. (Dr. Wilhelm Zucker.) Unter ungewöhnlich großer Beteiligung der Berufsgenossen und Freunde wurde am 27. d. M. der erste Vizepräsident der niederösterreichischen Advokatenkammer, Dr. Wilhelm Zucker, beerdigt. Die Zeremonienhalle des Zentralfriedhofes war bereits vor 10 Uhr vormittags dicht gefüllt. Anwesend waren nebst den Verwandten des Verstorbenen: Der Präsident der Advokatenkammer Dr. v. Fei st mantel, der Vizepräsident Dr. v. Mayr, der Präsident der Notariatskammer Dr. Mayerhofer, der Präsident des Disziplinarrates der Advokatenkammer Dr. v. Koppler, die Ausschußmitglieder Dr. Stein, Dr. Ruzicka, Dr. Sieger, Reichsratsabgeordneter Dr. Ofner, Generalstabsmajor Schmidl, der Präsident der israelitischen Kultusgemeinde Dr. Alfred Stern mit dem Vizepräsidenten Dr. Gustav Kohn, dem Vorstandsmitglied Dr. Felix Katzau und dem Sekretär kaiserlichen Rat Dr. Lieben, die Rcgierungsräte Bayer, Tezner und v. Winternitz, Direktor Miko sch von der Kreditanstalt, Präsident Morawitz, Generalrat Wetzl er sowie die Direktoren Landesberger, Rosenberg und Schütz, ferner Sekretär Richter von der Anglobank, Präsident Hofrat v. Hausse und Direktor Kern von der Allgemeinen Elektrizitätsgesellschaft sowie Berwaltungsrat Zillich und Direktor Herzl von der „Schodnica", Großindustrieller Petschek, Universitäts- Professor Dr. Josef P o l l a k, die kaiserlichen Räte Otto Bondy und Lichtenstadt, die Landesgerichtsräte Dr. Fluß und Löwner, Direktor Heller vom Blindeninstitut, Industrieller R. K ah l er, viele Advokaten, Vertreter der Redaktion der „Neuen Freien Presse" und Abordnungen des Vereines von Kinderfreunden (Kinderasyl Zillingsdorf). Nach den Trauergesängen und den rituellen Zeremonien trat Dr. Alfred Stern, in dessen früherer Kanzlei der Verstorbene seine advokatorische Tätigkeit begonnen hatte, an die Bahre und schilderte in ergreifenden Worten die hervorragenden Charaktereigenschaften und außerordentlichen Verdienste des Verblichenen. Der Präsident der Advokatenkammer Dr. v. Feistmantel hielt namens der Kammer den Nachruf. Er pries Dr. Zucker als einen der Besten und Edelsten des Standes, als einen Mann von höchster Geistesbildung und vortrefflichen Charaktereigenschaften, endlich als Vorkämpfer für alle politischen Freiheiten und werktätige Nächstenliebe. Abg. Dr. Ofner rief dem Wer» storbenen namens der Berufskollegen den Scheidegruß zu und entwarf in ergreifenden Worten ein Bild von dessen Tättgkeit. Advokat Dr. Grab, der durch mehr als ein Vierteljahrhundert die Kanzlei mit Dr. Zucker gemeinsam geführt hatte, schilderte in bewegten Worten den Charakter, den hingebungsvollen Eifer, die Liebe zum Beruf, die den Verblichenen bis zu seinem Lebensende ausgezeichnet hatten. Dr. T e l e k y dankte dem Toten im Namen des Vereines von Kinderfreunden, dessen Kinderasyl in Zillingsdorf Dr. Z u ck e r mitbegründet und stets eifrig gefördert hatte. Wien. (Verein „Jehudah Halevy".) Bei der Sonntag den 25. d. M. stattgefundenen II. ordentlichen Generalversammlung wurden folgende Herren in den Ausschuß gewählt: Gerson Mack, Präsident; stud. phil. I. Barbag, Vizepräsident; Gustav Birken, Kassier; Leo S p a n d o r f, l. Schriftführer; 8t,id. phil. H. Kristianpol e r, II. Schriftführer; stud. phil. Samuel Querbach, Bibliothekar; Jsak Groß, Kulturreferent; «lud. Ing. B. Lazar und sind, lhsol. I. Menscher, ohne Funktion. Das Seminarprogramm des Vereines „Theodor Herzl" enthält für diese Woche folgende Vorträge: Montag den 26. November: „Der Jargondichter Leon Kobrin"; Mittwoch den 28. November: „Die sanitären Verhältnisse in Palästina"; Donnerstag den 39. November: „Hebräische Literatur"; Samstag den 1. Dezember: „Diskussion über Zionismus und Jtoismus". Sämtliche Borträge finden im Bereinslokale, IX., Grüne Torgasse 34, statt und beginnen um 7 Uhr abends. Gäste willkommen! Jüdische Tohnbee-Halle, XX., Othmargasse 46. Eintritt frei für jeden Erwachsenen. — Beginn der Borträge an Wochentagen y,8 Uhr, Samstag sowie an Sonn- und Feiertagen 7 Uhr abends. Wochenprogramm: Freitag den 30. November 1906: Btbelvortrag, Herr Religionslehrer Leopold Weiß: Samstag den 1. Dezember: Konzert; Sonntag den 3. Dezember: Literarischer Abend, HerrSchriftstellerArturSchnitzler; Montag den 3. Dezember: „Oesterreichische Geschichte" (III.), Herr Dr. Georg Jerusalem; Dienstag den 4. Dezember: Aus der jüdischen Geschichte: „Chaim Luzzatto", Herr Rabbiner Dr. M. Rosenmann; Mittwoch den 5. Dezember: Bilder aus der Volkswirtschaft, Herr Leopold Spitzer; Donnerstag den 6. Dezember: Die Erziehung des Kindes zum Gehorsam, Herr Lehrer Josef Weiß; Freitag den7.Dezember: Bibelvortrag; Samstag den 8. Dezember: Konzert. Czernowitz. (DasArbeitsprogramm der „Emu nah".) Geehrte Redaktion! Der Unterzeichnete akademische Verein „Emunah" beehrt sich um Veröffentlichung ihres Arbeitsprogrammes zu bitten: In dieser Woche wurde hier der Distriktstag der zionistischen Partei abgehalten. Im Anschlüsse an diesen geben wir, eine stattliche Anzahl der inkorporierten jüdisch-nationalen Studentenschaft, unser diesjähriges Arbeitsprogramm der Oeffentlichkeit bekannt und es soll nicht näher erörtert werden, daß wir hierbei die werktätige Unterstützung aller Berufenen erwarten. Vor Jahren, als wir Jüdisch- .Nationale die begeisterte Arbeitslust in reale Arbeit umfetzen wollten, beschäftigte uns vorerst die Frage, ob wir unseren Mut, Kraft, Zeit und Ausdauer in den Dienst der Real- oder Sozialpolitik stellen sollen. In der Zwischenzeit haben wir erkennen gelernt, daß sie nicht zwei diametrale Arbeitsfelder sind, daß sie vielmehr ineinanderfließen und daß die gute Bewirtschaftung des einen Feldes dem Fruchtertrage des anderen zugute kommt. Wir wollen hier nicht mitreden, wie die Männer unserer Parteileitung ihr Verhalten zur Reichs-, Land- und Lokalpolitik einrichten sollen. Wir — und hierbei hoffen wir uns eines Sinnes mit dem größten Teile der nationalen Studentenschaft — wollen unsere Betätigung in Erstrebung einer sozialen Gesundung und geistigen Aufklärung für das jüdische Proletariat verlegen. Wem fiele es heute ein, gegen die Berechtigung der praktischen Seite der allgemeinen sozialen Frage in die Bresche zu treten? Wir bekennen uns zur spezifisch jüdisch-sozialen Richtung und wir laden daher die Arbeitswilligen, die Bemittelten und Einflußreichen zur Mitarbeit an der Schaffung von drei Institutionen ein: 1. Kostenloser Arbeitsnachweis und Stellenvermittlung. 2. Die Errichtung einer Volksbibliothek und endlich 3. die Gründung eines jüdischen Schülerheims. Wir verschließen uns nicht der Einsicht, daß Institute von so weitreichender Bedeutung nicht von heute auf morgen geschaffen werden können. Wir kennen die Mühe, um die Skepsis zu beseitigen, die die stete Begleiterin solcher Propositionen zu sein pflegt. Da wir uns unsere Wege fest vorgezeichnet haben, wird uns diese Arbeit nicht entmutigen. Wir bitten schon heute um Mithilfe und Mitarbeit all diejenigen, denen gleich uns eine solche Betätigung am Herzen liegt und dann hoffen wir, bald über einen guten Fortschritt dieser Sache berichten zu können. Die Bedeutung der drei genannten Institute, was sie für uns werden und auf welche Art sie organisiert werden sollen, wollen wir noch erörtern. Im Aufträge des akademischen Vereines „Emunah": Czernow i tz, 24. November 1906. David T a u b e s, dz. Präses. Warschau. (Für jüdische Geisteskranke.) Hier fand vor einigen Tagen die erste Versammlung des Vereines zum Schutze jüdischer Geisteskranker statt. Der Verein .zählt bereits 350 Mitglieder, hat bereits bedeutende Fonds, welche zur Errichtung und Erhaltung einer Anstalt für jüdische Geisteskranke dienen sollen. In den Vorstand des Vereines wurden gewählt die Herren: Dr. Wiesl, Dr. Goldflamm, der in der Versammlung das sehr inhaltsreiche Referat erstattete, H. Poznan s k y, A. W e i ß b l a t t, M. R u n d st e i n, B. G o l d f e d e r, St. G o l d b a u m, Dr. L. B e r gm a n n und Dr. Schweizer, der in der Versammlung den Vorsitz führte. Zangwitt über das Wahlrecht der Frauen. Die Londoner „Times" veranstalteten kürzlich eine Enquete über das Wahlrecht der Frauen. Israel Z a n g w i l l, der ebenfalls eingeladen wurde, seine Meinung über diese Frage zu äußern, schrieb unter anderem: „Die Einwendungen gegen die politischen Freiheiten der Frauen sind so veraltet, daß sie selbst von einem so orientalischen Volke wie es die Juden sind nicht mehr beachtet werden. Dementsprechend läßt auch der z i on i st i s ch e Kongreß, der einem jüdischen Parlament am nächsten kommt, weibliche Delegierte zu. Europa jedoch verharrt noch immer auf die Erhaltung dieser Spur des Harem stad iums der Zivilisation." Ein „ausgetretener" Cohen. Um Kultussteuem handelte es sich bet einer Klage vor dem Bezirksausschuß, die F. Cohen in Barmen gegen die Synagogengemeinde daselbst angestrengt hat. Cohen sollte für das Jahr 1906 Kultussteuern in Höhe von 180 Mk. bezahlen, was er ablehnte mit der Begründung, daß er bereits früher vor dem Amtsgericht seinen Austritt aus der jüdischen Gemeinde erklärt habe, zur Zahlung von Steuern daher nicht mehr verpflichtet sei. Entscheidend bei der Streitfrage ist, daß der Austritt aus religiösen Bedenken erfolgt sein muß, sonst liegt ein gültiger Austritt aus der

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