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Nationalzeitung · 1906-11-30 · Heft 84 (30.11.1906) · p. Seite 6

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Journal
Nationalzeitung
Volume
1906
Issue
Heft 84 (30.11.1906)
Date
1906-11-30
Page
Seite 6 (sequence 6)
Language
German
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Seite 6 Nationalzeitung Nr. 84 Gemeinde nicht vor. Der Kläger Cohen glaubt, eine dahingehende Bescheinigung, die nur auf Verlangen ausgestellt wird, hat er sich nicht geben lassen, und im Protokoll steht nichts davon, daß der Austritt aus religiösen Bedenken erfolgt ist. Der Bezirksausschuß wies den Kläger ab, er stützte sein Urteil auf das Fehlen der Erklärung im gerichtlichen Protokoll, daß tatsächlich religiöse Bedenken den Austritt aus der Synagogengemeinde veranlaßt hätten. Auffindung eines jüdische« Bibelkommentars. In der Schweinfurter Stadtbibliothek wurden durch deren Verwalter Pfarrer Dr. Preger Pergamentblätter entdeckt, die als Einbandüberzug des 8. Bandes von Crusius' Turcograecia verwendet waren. Diese Blätter, mit hebräischen Schriftzeichen beschrieben, stellten sich als Fragmente einer Handschrift des Bibelkommentars des jüdischen Gelehrten Rabbi Salomon ben Isaak (Raschi) heraus, der, ein Zeitgenosse des ersten Kreuzzuges, im Jahre 1105 in Troyes starb. Die Blätter umfassen die Erklärungen zu 6en68is, Kap. 49, V. 9— 26; ferner zu Lxockus Kap. 9, V. 17 — Kap. 12, V. 4. Die von dem Einband losgelösten Blätter erklärte dar als Raschi-Kenner bekannte Gelehrte Professor Dr. Berliner in Berlin nach den Typen als aus dem XIV. Jahrhundert stammend, die Typen wie auch die zahlreichen Varianten weisen auf Deutschland als Heimatland der Handschrift hin. Die Blätter werden nunmehr gesondert in der Stadtbibliothek verwahrt. Interessante Einzelheiten über die Juden an der Malabarküste erzählt ein Jude aus Cahin im Londoner Jewish Chronicle. Wir erfahren daraus, daß unsere Glaubensgenossen in jenem Teile Britisch- Jndiens scharf gesondert sind in weiße Juden, schwarze Juden und sogenannte „Meschuschararim". Während die ersteren nur eine einzige Gemeinde bilden und eine Synagoge besitzen, bestehen die schwarzen Juden aus sieben Gemeinden, davon je zwei in Cochin und in Ernacolam, je eine in Mola, Paroov und in Chinomanqualam. Die Meschuschararim, das sind die Abkömmlinge derer, welche in letzter Zeit von den weißen Juden zugelassen wurden, wohnen zumeist in Bombay und Kalkutta, nur wenige innerhalb der schwarzen Juden in Cochin. Die weißen Juden halten sich von den schwarzen völlig abgesondert und besuchen nur selten ihre Versammlungen. Die europäischen und anderen fremdländischen Juden gehen nur mit ersteren Ehen ein, selten mit letzteren. Die Meschuschararim, welche keine eigene Synagoge besitzen, sind auf die Mitbenutzung der weißen Juden angewiesen, dürfen jedoch keine Sitzplätze einnehmen und werden nur ein einziges Mal im Jahre, am Simchath Thora, aufgerufen. Diese kränkende Zurücksetzung veranlaßle die Meschuschararim in Kalkutta zu Ende des Jahres 1881, sich beschwerdeführend an den Chacham Baschi in Jerusalem, Rabbi Meir Pamizel, zu wenden, der sie für eine Mischlingsrasfe hielt und abwies, aber, nachdem er den wahren Sachverhalt erfahren hatte, eine andere Entscheidung traf, ohne daß dieselbe ausgeführt wurde. In Kalkutta dauern diese Drangsalierungen bis auf den heutigen Tag fort, namentlich seitens der schwarzen Juden. Die letzteren beschlossen, nachdem die Korrespondenz der Meschuschararim mit dem Chacham Baschi im Jahre 1881 in dem Kalkutter Journal Haperach veröffentlicht worden war, sich in „Mejuchassim" und „Nicht-Mejuchassim" zu spalten. Die schwarzen Juden führten früher keine Zunamen, außer zwei oder drei Familien, die „Madaai" hießen. Während der letzten Jahrzehnte haben sich Bezeichnungen wie„Melamed", „Gabi" usw. eingebürgert. Es gibt unter ihnen keine Kohanim. Neuerdings werden sie, besonders Angehörige der Gemeinde in Cochin, von den weißen Juden in Bombay als Chasanim, Lehrer usw. beschäftigt. Aber sonst bleiben sie voneinander streng geschieden. Daß die weißen Juden mit den schwarzen Juden keine ehelichen Verbindungen schließen, hat seinen Grund vorwiegend in den Kastenverhältnissen der Hindus, unter denen die ersteren lange Zeit gelebt und deren Sitten und Vorurteile sie angenommen haben. Die jüdische Einwohnerzahl der preußischen Großstädte. Nach der Volkszählung von 1905 hatten die 28 preußischen Großstädte jüdische Einwohner: Berlin 98893 Stettin 3001 Barmen 584 Breslau 20356 Königsberg 4415 Rixdorf 1176 Köln 11035 Duisburg 1287 Gelsenkirchen 1171 Frankfurt 23476 Dortmund 2104 Aachen 1665 Düsseldorf 2877 Halle 1361 Schvneberg 6929 Hannover 4923 Altona 1773 Posen 5761 Magdeburg 1935 Kiel 430 Kassel 2527 Charlottenburg15604 Elberfeld 1754 Bochum 1030 Essen 2411 Danzig 2546 Krefeld 1834 Wiesbade« 2656 Juden in Dänemark. Das dänische statistische Amt hat ein Tabellenwerk über die Bevölkerung Dänemarks im 19. Jahrhundert herausgegeben. Hiernach betrug bei der Volkszählung die Zahl der Juden im Jahre 1870: 4290 — 2-40 °/00 der Gesamtbevölkerung „ „ 1880: 3946 2 00 %o „ „ „ 1890: 4080 ---188 <>/00 „ „ „ „ 1901: 3476 1-42 %0 „ Es zeigt sich, daß die jüdische Bevölkerung Dänemarks sich in den 30 Jahren von 1870 bis 1901 nicht vermehrt hat, sondern absolut und noch mehr relativ zurückgegangen ist. 1870 waren noch 2-40 %o 1901 nur noch 1-42 °/gg der Gesamtbevölkerung jüdisch. Juden dürfen am Sabal nicht gepfändet werden. Die Elsaß-Lothringische Verwaltungs-Zwangsvollstreckungsordnung vom 26. Mai 1905 enthält folgende Bestimmung: „Zur Nachtzeit sowie an Sonntagen und allgemeinen Feiertagen dürfen Pfändungen und Versteigerungen nicht vorgenommen werden; eb enowenig gegen Israeliten am Sabbat und an israelitischen Festtagen." Mach Schluß des Slattes. Die Hestrkolwmmissnmen gegen da» Zentrnlivalstkomitee. Donnerstag abends fand auf Einladung des Präsidiums der Kultusgemeinde eine Besprechung der Mitglieder der Bezirkskommissionen in Angelegenheit der Kultuswahlen statt. Die Debatte war eine sehr erregte. Fast zwanzig Mitglieder der Sitzung wendeten sich in heftigster Weise gegen das Vorgehen des Zentralwahlkomitees, dem jedes Mandat und Recht zur Aufstellung von Programmen und Kandidaten abgesprochen wurde. Dieses Vorgehen wurde als eine Bevormundung des Kultusvorstandes und der Kultuswähler bezeichnet. Diesen Standpunkt vertraten besonders energisch die Herren Ortsschulrat Heit, Hofbauer, Felsenburg, Hofmann rc. Nach eingehender Debatte wurde beschlossen, das Unrecht, welches den bisherigen Kultusvorstehern Eltbogen und kais. Rat Wilhelm Pollak durch das sogenannte Zentralwahlkomitee zugesügt wurde, dadurch gut zu machen, daß diese beiden Herren wieder kandidiert werden, und um Platz für sie zu gewinnen, zwei Herren aus der vom Zentralwahlkomitee publizierten Liste zu streichen. Die zwei zu streichenden Namen sollen durch das Los bestimmt werden. Durch diese Wendung der Dinge gewinnt unser heutiger Leitartikel an Aktualität und Bedeutung. Eingesendet. Photographisches Kunstatelier Eckhaus. Das Neueste auf dem Gebiete der Uan Dqckr Kiider in eleganter, kunstvoller Ausführung bietet dem?. I. Publikum zu billigsten Preisen das Kunstatelier E. Eckhaus, XX., Wallensteinstraße 26. MTP%5 ftlkalMohav I. Wiener Teppich-Keih und Uerkaufs-Anstalt mn eröffnet Wien I., Krngerstraße 13. Gs gelangen rum Verkaufe Wirtschaststeppiche, 200/300 .... v. fl. 4.25 aufw. 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