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Nationalzeitung · 1906-11-30 · Heft 84 (30.11.1906) · p. Seite 3

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Journal
Nationalzeitung
Volume
1906
Issue
Heft 84 (30.11.1906)
Date
1906-11-30
Page
Seite 3 (sequence 3)
Language
German
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Nr. 84 Nationalzeitung Seite 3 einem diesem Berufe nahestehenden Zweige der Kultusverwaltung zu widmen. Einige Sensation xief die Rede des Kultusvorstehers Kaiserl. Rat Wilhelm Pollak hervor, der an dem Programm des Wahlkomitees heftige Kritik übte und erklärte, daß er deshalb nicht kandidiert wurde, weil er dieses Programm nicht akzeptieren wollte. Hier sei auch der mit großem Beifalle aufgenommenen Rede des Herrn Dr. Zipser gedacht, der in seiner entschiedenen und dennoch maßvollen Weise auf den Passus im Berichte des Kultusvorstandes hinwies, in welchem über das Ausscheiden des Herrn Ritter v. Taussig aus dem Vorstande das Bedauern ausgesprochen und der Wunsch ausgedrückt wird, Herrn v. Taussig bald wieder in dem Vorstände zu sehen. Dr. Zipser beantragte, diesen Passus des Berichtes nicht zur Kenntnis zu nehmen. Zum Schlüsse interpellierte Herr Hermann Plaschkes wegen des Falles Dr. Fink. Präsident Dr. Alfred Stern gab im großen ganzen dieselbe Antwort wie vor zwei Jahren. Die Versammlung hat die Antwort zur Kenntnis genommen. politische K««dschan. Wenn wir nochmals auf die mährischen Landtagswahlen zurückkommen, so geschieht es darum, weil der Verlauf derselben uns ganz deutlich zeigt, was bei den nächsten Reichsratswahlen in ganz Oesterreich sich abspielen wird: Der vollständige Bankerott der „liberalen" deutschen Fortschrittspartei und Jungtschechen, ein rapides Anwachsen der klerikal-christlichsozialen Strömung unter Deutschen sowie Slawen und eine Vermehrung der agrarischen, sozialdemokratischen, freialldeutschen und tschechischradikalen Mandate. Die österreichischen Juden aber haben dank ihrer bisherigen, grundverfehlten Politik nicht nur wenig Aussicht, eigene jüdische Kandidaten durchzubringen, sondern können bei keiner einzigen der bestehenden Parteien auf eine Vertretung oder Unterstützung ihrer spezifischen Interessen rechnen. Da wird von mancher Seite uns das alte Lied von einer Sammlung und Konzentrierung der „freiheitlichen" Deutschen und slawischen Fraktionen „gegen die Reaktion" vorgesungen und dabei merken oder wollen die jüdischen Kreise, die es anstimmen, nicht sehen, daß sie dabei nur die Geschäfte des freialldeutschen und tschechischradikalen Antisemitismus besorgen, der übrigens auch nur eine Etappe zum christlich-sozial-klerikalen im deutschen, wie tschechischen Lager bildet. Aus diese Weise werden gerade die Juden die Zeche zahlen, wenn es zu einer Erneuerung der „Vereinigten deutschen Linken" oder zu einem einigen öeskiklub" oder zu einem — deutsch-polnischen Bündnisse gegen die Tschechen sowie Ruthenen kommt. Die Zahl jener deutsch-„freiheitlichen" Politiker ist nämlich ziemlich groß, welche bereit wären, in eine Sonderstellung Galiziens zu willigen, um sich so die Herrschaft zu sichern. Wenn nun die Juden Galiziens den diesbezüglichen Bestrebungen teilnahmslos gegenüberstehen oder gar dieselben fördern, schädigen sie nicht nur die Ruthenen, sondern liefern sich gebunden den polnischen Machthabern aus. Die Folgen der unsicheren Politik, welche die Juden anläßlich der Landtagswahlen in Mähren befolgten, machen sich schon fühlbar. So schreibt die „Reue Olmützer Zeitung": „Das Olmützer Judentum schwenkt ab, und zwar von den deutschen Parteien in das Lager der roten internationalen Volksbeglücker. Dies hat sich bei den Landtagswahlen in der allgemeinen Wählerkurie gezeigt, wo die, sonst so durch und durch deutsch fühlenden und stets um den Besitzstand des deutschen Volkes bangen Olmützer Juden, nach dem Beschluß der Wählerversammlung im Hotel „Austria" insgesamt dem Sozialdemonaten Schloßntckel ihre Stimmen gaben und den Kandidaten der deutschen Partei links liegen ließen. Aber nicht bloß für die Landtagswahlen, sondern für immer wollen die Juden vom Deutschtum abfallen und mit den Sozialdemokraten, wie diese mit den radikalen Tschechen gemeinsame Sache machen. Die ältere deutschliberale Richtung des Olmützer Judentums will allerdings am Deutschtum festhalten, aber die jungjüdische Partei besitzt bereits die Oberhand und will den Tomahawk gegen alles Deutschtum ausgraben, weil dieses sich nicht wie der rote Sozialismus vom Judentum am Gängelbande führen lassen will. Die notwendige Folge wäre der Zusammenschluß der deutschen Ölmützer „vereinigten Christen". — Das zionistische Judentum mag dann sehen, wer mächtiger ist, und es dürfte die Herrschaften noch reuen, vorzeitig aus der Schule geschwätzt und Olmütz als Domäne der Juden erklärt zu haben. Mögen die rechten Männer sich finden, die das Werk der Vereinigung der Christen auf ihre Fahne schreiben und unerschrocken durchführen; dann stehen wir achtunggebietend da und jene Israeliten, welche bisher mit den Christen sich vertrugen, werden es weiter tun und werden unangefochten bleiben, aber zur . Scheidung der Christen in Olmütz muß es so wie so über kurz oder lang kommen." — Ob die Juden Mährens diesen Wink mit dem Zaunpfahl verstehen werden?! Im ungarischen Abgeordnetenhause wird das Budget verhandelt. Bekanntlich bieten die Budgetberatungen die Möglichkeit, über alles zu sprechen, was die eine oder andere Partei, die eine oder andere Nationalität drückt. Alle Parteien, Nationalitäten und Konfessionen haben diese Gelegenheit weidlich ausgenützt, nur die jüdischen Abgeordneten nicht, so weit sie als Juden in Betracht kommen. Die antisemitische Volkspartei hat frank und frei gegen die Einwanderung der Juden Stellung genommen, die Vertreter der einzelnen Konfessionen haben einzelne, sie betreffende Bestimmungen des Budgets kritisiert, nur unter den 23 jüdischen Abgeordneten fand sich kein einziger, dem es eingefallen wäre, gegen die schimpfliche Dotation der israelitischen Konfession — über welche wir erst jüngst berichteten — Stellung zu nehmen. Das Organ der ungarischen Juden «Erzenlösög» schreibt hierzu: „Und all das geschieht zu einer Zeit, wo 23 jüdische Abgeordnete im Parlamente sitzen! Daß die Regierung trotz der 23 jüdischen Deputierten mit den Juden in dieser Weise verfährt, ist nur möglich, entweder weil die Regierung zu kühn geworden ist oder weil die jüdischen Abgeordneten sich zu sehr ducken!" Wir glauben, die Sache steht so: Die Regierung ist zu kühn geworden, weil die jüdischen Abgeordneten sich zu sehr ducken. Auswanderungsangelegenheiten. Budapest. In der Debatte über das Budget im ungarischen Abgeordnetenhause ergriff auch der Vertreter der antisemitischen Volkspartei, Franz Buzäth, das Wort. Er sagte unter anderem: „Das Budget ist ein Spiegel, das uns ein getreues Bild der Zustände unseres Landes, die Licht- und Schattenseiten zeigt und uns bald mit Hoffnung, bald mit Verzweiflung erfüllt. Während wir das Zugrundegehen unserer Volksgenossen sehen, wie sie ihr Vaterland verlassen, und nunmehr in einer Anzahl von mehr als lVa Millionen nach Amerika auswandern, strömen zu uns ganze Scharen russischer, rumänischer und galizischer Juden ein, die mit sich ihre Armut bringen, aber infolge ihres Handelsgeistes dennoch hier Existenz und Auskommen finden durch direkte Schädigung des christlichen Volkes." Dem Redner wurde Beifall gezollt. So sieht's im freien Ungarn unter der Herrschaft der Achtundvierziger Partei aus! Petersburg. Vor einigen Tagen kam hierher ein Delegierter des amerikanischen Vereines zum Schutze der Juden in Rußland, Herr M. Kohn, um die Lage der Juden zu studieren. Herr Kohn wird, nachdem er hier seine Arbeiten erledigt haben wird, mit Erlaubnis der Regierung auch die jüdischen Städte bereisen. New-Aork. Man erinnert sich noch der Affäre, welche der von der amerikanischen Regierung nach Ungarn entsendete Einwanderungskommissär Markus Braun in Budapest mit der dortigen Polizei hatte. Da die amerikanische Regierung Herrn Braun damals keine entsprechende Satisfaktion bot, sah er sich zur Demission veranlaßt. In dieser Affäre hatte der damalige österreichischungarische Minister die Aeußerung getan: „Wou hat man denn auch den Braun hierhergeschlckt? Er ist ja Jude!" Nun hat Roosev e l t Herrn Markus Braun wieder zum Spezialkommissär für Auswanderungsangelegenheiten ernannt, und so hat denn dieser tüchtige und gerechte Fachbeamte eine Genugtuung erhalten. New-Aork. Der Vertreter des Vereines zur Unterstützung jüdischer Einwanderer auf dem Einwanderungskommissariate in Ellis Island, Herr Alexander Harkavy, hat sich nach Europa begeben. Zweck seiner Reise ist, die Ursachen festzustellen, weshalb die Einwanderer über die Verhältnisse in Amerika so schlecht informiert sind, daß sie in so auffallend häufigen Fällen nicht zur Landung zugelassen werden. Herr Harkavy, ein ausgezeichneter Kenner der Einwanderungsangelegenheiten, will zwei Monate in Europa zubringen, während dieser Zeit Rotterdam, Amsterdam, Antwerpen, Paris, Hamburg, Bremen, Berlin, London, Liverpool, Southampton und Eydtkuhnen in Rußland aufsuchen. Herr Harkavy hofft in diesen Städten im Einvernehmen mit den städtischen Behörden Jnformationsbureaus für Auswanderer nach Amerika ins Leben zu rufen. In Städten, wo solche Bureaus bereits bestehen, sollen diese veranlaßt werden, nach einem bestimmten, bereits ausgearbeiteten Plane zu arbeiten. Bei dieser Gelegenheit wird Herr Harkavy auch mit den Oberbeamten der Schifffahrtsgesellschaften darüber Besprechungen pflegen, auf welche Weise die Beförderung des Gepäcks der Auswanderer reguliert und erleichtert werden könnte. Präsident Roosevelt über die Einwanderungsfrage. Die stets sehr gut unterrichtete „Washingtoner Post", deren Beziehungen zum „Weißen Hause" bekannt sind, enthält in ihrer Nummer vom 12. November einen Artikel, welcher sich mit dem Inhalte der nächsten Botschaft des Präsidenten Roosevelt an den Kongreß beschäftigt. In diesem Artikel heißt es bezüglich der Stellung des Präsidenten zur Einwanderungsftage: „Der Präsident hat die Einwanderungsfrage zum Gegenstände sorgfältigen Studiums gemacht und ist auf diesem Wege zu dem Schlüsse gelangt, daß gewisse Gegenden Europas eine unerwünschte Klasse von Einwanderern in die Vereinigten Staaten entsendet. Sein Wunsch ist nun, dem Gesetze eine mehr einschränkende Kraft zu geben, um solche Fremde auszuschließen. Der Präsident hatte ursprünglich die Absicht, die einzelnen Elemente der europäischen Bevölkerung, welche seiner Ansicht nach von der Einwanderung ausgeschlossen werden sollten, zu spezifizieren, doch gab er diese Absicht nach reiflicher Ueberlegung schließlich auf. Es ist jedoch bekannt, daß die Einwanderungsbehörden von einem Teile der aus Süditalien, Sizilien, aus dem südöstlichen Teile Europas und Rußland kommenden Einwanderer ganz und gar nicht entzückt sind. Der Präsident will alle diejenigen fremden Leute fernhalten, welche keine guten amerikanischen Bürger zu werden versprechen, und da er seine eigene Auffassung darüber hat, weshalb und inwieweit Fremde sich der amerikanischen Gemeinsamkeitspolitik nicht zu assimilieren vermögen, wird er den Wunsch äußern, daß der Kongreß die nötigen Grenzlinien ziehe." Aus der territoriaUstische« Bewegung. Eine Enquete der Kiewer Territorialisteu. Dem „Jewrajskij Golos" wird aus Kiew geschrieben: Durch die Unmöglichkeit, öffentliche Versammlungen zu veranstalten, zur Untätigkeit auf agitatorischem Gebiete verurteilt, hat der aktive Verein der Kiewer Territorialisteu beschlossen, wenn auch nur im Wege von Fragebogen, eine Enquete unter den Juden der Stadt Kiew zu veranstalten, die territorialistische Armee in dieser Stadt festzustellen, die Massen über den Territorialismus aufzuklären und die Beziehungen herzustellen zu denjenigen Juden, in welchen der Wunsch lebt, sich unseren Reihen anzuschließen. Der Wortlaut dieses Fragebogens ist folgender: „Eine allgemeine Bewegung kann nur dann auf eine große Ausdehnung rechnen, wenn sie den anerkannten und unerläßlichen Bedürfnissen der breiten Massen entspricht. Die jüdisch-territorialistisckie Bewegung muß schon nach ihrer Natur als allgemeine Volkssache die allerbreitesten jüdischen Volksschichten ergreifen, und sind wir Krebs-Apotheke « $. mittelbad) « Wien I.» hoher Markt Nr. 8 (PoUta »in«) im Zentrum dar »tobt. Dieselben sind für Personen sovapastmen. E^asss: stoßen ic. leiden» unentbehrlich. Preis per Schachtel «0 Heller.

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