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Nationalzeitung · 1906-11-27 · Heft 83 (27.11.1906) · p. Seite 3

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Journal
Nationalzeitung
Volume
1906
Issue
Heft 83 (27.11.1906)
Date
1906-11-27
Page
Seite 3 (sequence 3)
Language
German
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Nr. 83 Nationalzeitung Seite 3 Grant, Sir Alfred Thomas, George Hardy, Ioxall, Charles E. Price und Steadmam Der letztere ist Sekretär der Trade Union, woraus zu ersehen ist, daß die Arbeiterbevölkerung den Vorschlägen Clarkes freundlich gegenübersteht. Die jüdische Einwanderung i« den Uereinigten Staate«. Dieser Tage ist ein von R. C. Lindsay, dem zweiten Sekretär der englischen Gesandtschaft in Washington, verfaßter offizieller Bericht über die Einwanderung in den Vereinigten Staaten erschienen, der über die jüdischen Emigranten beachtenswerte Mitteilungen macht. Von 1,026.499 Personen, weihe in dem mit dem 30. Juni 1905 endigenden Jahre eingewandert sind, befanden sich 129.910 Juden (12-4 Prozent der Gesamteinmanderung). Fast alle diese nahmen in den großen Städten ihren Aufenthalt. Die jüdische Gemeinde zu New-Uork allein, die zu Anfang des Berichtsjahres 600.000 Seelen zählte, hat 1905 um 83.000 zugenommen. Die übrigen 46.000 Einwanderer wandten sich hauptsächlich nach den Staaten Pensylvanien, Massachusetts und Illinois. Mehr als die Hälfte der jüdischen Emigranten besteht aus gelernten Arbeitern, also Personen, die dem Lande produktive Kräfte zuführcn. Von den 129.910 Ankömmlingen waren 111.000 im Besitz von mehr als 10 Pfd. Es kann also keine Rede davon sein, daß, wie die Gegner der Einwanderung sagen, diese Leute in großer Zahl der öffentlichen Wohltätigkeit zur Last fallen. Dies geht unwiderleglich auch daraus hervor, daß in den städtischen Humanitären Anstalten New-Iorks nur 17 jüdische Arme untergebracht wurden. Aber auch die jüdischen Wohltätigkeitsinstitutionen sind verhältnismäßig wenig in Anspruch genommen worden. In den 10.015 Fällen, in den die United Hebrew Charities angegangen wurden, brauchte sehr häufig nur Rat erteilt zu werden; nur in 6200 Fällen wurde materielle Unterstützung nachgesucht. Meist war diese Unterstützung aber nur eine vorübergehende, und inan kann aus den statistischen Feststellungen deutlich das Bestreben der Hilfsbedürftigen, sich mit der Zeit völlig aus eigene Füße zu stellen, erkennen. Von den Personen, die 1894 bis 1895 zum erstenmal Unterstützung begehrten, wandten sich 1905 nur noch 3 Prozent, von denen aus 1895 bis 1899 5 Prozent, von denen aus 1900 bis 1903 71/» Prozent und von den vorjährigen Supplikanten 14 Prozent an die United Hebrew Charities. Eine vergleichende Tabelle lehrt, daß nur 8 Prozent der Juden, dagegen 8^ Prozent der Engländer, 30 Prozent der Iren und 19 Prozent der Deutschen die Wohltätigkeit in Anspruch nahmen. Nicht minder günstig gestaltet sich ein Vergleich der Kriminalität unter den verschiedenen Nationalitäten. Die Juden zählen 6 Prozent, die Engländer 11 Prozent, die Iren 15 Prozent und die Deutschen und Italiener je 13 Prozent bestrafte Individuen. Hervorzuheben ist ferner aus dem Bericht Lindsays die Anerkennung, die er über die Mäßigkeit, den Fleiß und die geistigen Fähigkeiten der jüdischen Einwanderer ausspricht. Die Resultate dieses Berichtes sind um so bedeutsamer, als es sich dabei um amtliche, völlig objektiv gehaltene Feststellungen handelt. Er wird jedenfalls den Elementen, die über die Ueberschwemmung Amerikas mit armen Leuten klagen, nicht willkommen sein, noch weniger aber wird ihnen eine Rede des früheren Präsidenten Cleveland, die im Anhang abgedruckt ist, Vergnügen bereiten. In dieser Rede sagte Cleveland unter anderem: „Man behauptet, daß die Qualität der gegenwärtigen Einwanderung nicht, wünschenswert sei. Noch aber ist es in aller Erinnerung, daß man dasselbe einst von Einwanderern behauptet, die mit ihren Nachkommen jetzt zu unseren besten Bürgern gehören." Eine jüdische Lehrerbild,ms»- nnstntt in Wien. Sonntag den 25. d. M. fand im Sitzung ssaale der Wiener Kultusgemeinde die Eröffnungsfeier der vom Kultusvorstande ins Leben gerufenen Bildungsanstalt für jüdische Religionslehrer statt. Wir bemerkten unter den Anwesenden die Herren Präsident Dr. Alfred Stern, Vizepräsidenten Dr. Gustav Kohn, die Kultusvorsteher Dr. Markus Spitzer, Dr. Martin Steiner, Prof. Ehrmann, kais. Rat Sachs, Salo Landau, ferner Oberrabbiner. Dr. G ü b emann, die Rabbiner Dr. S ch m i e d l, Dr. G e l bhaus, Mayersohn, Dr. Feuchtwang, Dr. Bauer, Dr. Taglicht, Dr. Mandl, Dr. David, Kramer. Vom Rabbinerseminar: Rektor Schwarz, Lektor Fried mann, Professor Dr. Samuel Krauß. Weiters die Herren Kustos Dr. Frankfurter, Adolf Schramek, die Gemeindesekretäre kais. Rat Dr. Lieben und Dr. Adler usw. Die Feier begann mit der Abstngung eines hebräischen Psalmes durch Oberkantor Singer in Begleitung eines verstärkten Chors. Hierauf hielt Kultuspräsident Dr. Alfred Stern die Eröffnungsrede, in welcher er einen Rückblick auf die Entstehungsgeschichte der zu eröffnenden Anstalt warf und besonders die Verdienste des Kultusvorstehers Dr. Markus Spitzer und des gewesenen Vorstehers Direktor Simon um die Sache hervorhob. Von diesen beiden Herren ging die Anregung aus und insbesondere Herr Dr. Spitzer ließ dann die Sache nicht eher zur Ruhe kommen, bis sie die heutige Form annahm. Es sprachen dann noch recht wirkungsvoll Oberrabbiner Dr. G ü d e m a n n und der zum Direktor der neuen Anstalt ernannte Dr. David. Nach einem vom Oberkantor Guttmann meisterhaft vorgetragenen Psalm in deutscher Sprache und nach Absingung der Volkshymne wurde die erhebende Feier geschlossen. Die bereits inskribierten Zöglinge nahmen an der Feier ebenfalls teil. Gr« Dortrag Professor Marburgs. Der Wiener „Jüdische Kolonisationsverein" trug sich schon seit langer Zeit mit der Idee herum, einen Vortragsabend über „Palästina" zu veranstalten. Ursprünglich war ein Vorstandsmitglied hierzu ausersehen und als dieses sich infolge verschiedener Umstände veranlaßt sah, den Vortrag nicht zu halten, wandte sich der Vereinsvorftand an mehrere hervorragende Persönlichkeiten des Auslandes mit der Einladung, in Wien einen Vortrag über Palästina zu halten. So unter anderen auch an Herrn Dr. Paul Nathan in Berlin. Herr Dr. Paul Nathan hat die Einladung dankend abgelehnt. Professor Warburg-Berlin, an den man sich dann wandte, hat jedoch die höfliche Einladung angenommen, und so kam er denn nach Wien und hielt am Mittwoch den 21. dieses Monats im Saale des „Niederösterreichischen Gewerbevereines" seinen Vortrag über „Die Zukunft Palästinas und unsere Aufgaben daselbst". Wer die hiesigen Verhältnisse einerseits, die Stimmung im Zionismus anderseits genau kennt, wird, selbst wenn er inr Gegensätze zu dem Vortragenden jede Parteitaktik zur Seite stellt, unumwunden zugeben müssen, daß der Vortragsabend ein Fiasko war. Das Publikum bestand, wenn man vom Vereinsvorstande absieht, fast durchwegs aus Zionisten; an dem gemeinsamen Nachtmahle nahmen trotz vorheriger tüchtiger Agitation nur sehr wenige, und zwar wieder zum überwiegenden Teile Zionisten, das heißt Parteizionisten teil. Zieht man nun die Tatsache in Betracht, daß der Vortrag als Propagandavortrag für nichtzionistische Kreise gedacht war, und deshalb auch hauptsächlich in nichtzionistischen Kreisen für einen guten Besuch agitiert wurde, zieht man fernerhin die Tatsache in Betracht, daß für den Verein und seine Bestrebungen' selbst von der Kanzel herab pur orckrs Propaganda gemacht wurde, so muß man zu dem Schlüsse gelangen, daß das große nichtzionistische Publikum, das sonst für alle öffentlich-jüdischen Angelegenheiten zu haben ist, sich der Kleinkolonisation Palästinas gegenüber zumindest passiv, wenn nicht direkt ablehnend verhält. Und der Vortrag des Herrn Professor Marburg hat nur wenig oder nichts dazu beigetrageu, die ablehnende Haltung des großen Publikums zu ändern. Wir sind uns bef|e# bewußt, daß wir mit dieser Feststellung eme laesiv majestates an einem der heutigen zionistischen Führer begehen, aber mir würden die Wahrheit fälschen, wenn wir das Gegenteil von dem behaupken würden. Weder der Inhalt noch der Ton des Vortrages war den Interessen des Vereines günstig, der sowohl in seinen Aufrufen wie auch in seinen sonstigen Kundgebungen peinlich darauf sieht, nicht als zionistischer Verein angesehen zu werden, und dennoch wurde der Vortrag von allen, die ihn hörten, als zionistischer beurteilt, so sehr, daß Herr Siegfried Fleischer in seinem Trinkspruche beim gemeinsamen Nachtmahle mit gutem Rechte behaupten zu können glaubte, daß der Vortrag Marburgs ein gelungener Propagandavortrag für — den Zionismus war und daß Doktor Alfred Stern, der an jenem Abend zum Ehrenpräsidenten des Kolonisationsvereines gewählt wurde, gleichzeitig auch den Titel „zionistischer Lehrbub" erhielt. Es half nichts, daß Dr. Stern es ablehnte, Zionist zu sein, Baurat Oskar Marmorek war der Ansicht, daß der Herr Kultuspräsideut Dr. Alfred Stern, ob er es nun will oder nicht, ein „halber Zionist" sei. Jawohl, das war der richtige Ausdruck für den Vortrag, für den ganzen Abend und, wenn man will, für die ganze Situation im Zionismus. „Halber Zionismus", „halbe Zionisten!" Aber in einem Punkte zeigte sich Professor Marburg als echter Zionist und würdiger Kollege U s s i s ch k i n s in der oberflächlichen und gar nicht taktvollen Beurteilung des Territorialismus. Es entspricht sicherlich nicht dem guten Takte, wenn jemand als Gast in 'einer fremden Stadt in einem Vortrage, gewissermaßen ex eatlloära eine ganze Bewegung angreist, trotzdem er weiß, daß eine Diskussion ausgeschlossen ist und der Vertreter der betreffenden Richtung von vornherein jede Gelegenheit genommen ist, diese Angriffe zurückzuweisen. Wollte Professor Marburg mit diesem, seinen Ausfall gegen den Territorialisnrus und mit seiner eigenartigen Lobhudelei an die Adresse der Jca, dem Zionismus dienen, so dürfte er sein Ziel kaum erreicht haben, denn selbst diejenigen, die allen Grund hatten, mit dem Vortrage gufrieben zu sein, mußten diesen Mangel an Takt verurteilen. Nur dem Taktgefühle der anwesenden Territorialisten war es zu danken, daß sie nicht durch laute Demonstrationen die ganz deplacierten Angriffe des Gastredners zurückwiesen. Mit dein Inhalte des Vortrages wollen wir uns in der nächsten Nummer eingehender befassen. Heute wollten wir nur dasjenige besorgen, wovon uns an jenem Abend nicht so sehr die Rücksicht auf den Gast, als vielmehr die Achtung vor den Hausherrn abhielt. I. Kr. Vermischte Nachrichten. Wien. (Auszeichnung.) Herrn Gottlieb Lederer, Vizepräsidenteil des „Hilfsvereines für die notleidenden Juden Galiziens", wurde vom Kaiser das Ritterkreuz des Franz Josefs-Ordens verliehen. Wien. (Auszeichnung.) Der Kaiser hat dem Industriellen Karl Katzau, einem Bruder des Kultusvorstehers und Vorstandrnitgliedes der „Israelitischen Allianz zu Wien" Herrn Dr. Katzau, den Titel eines kaiserlichen Rates verliehen. Ein jüdisches Bereinshans in Wien. Am 1. Dezember, dem Vorabende des patriotischesten Festtages für ganz Oesterreich, findet die Einweihung des ersten jüdischen Vereänshauses in den westlichen Bezirken statt. Dem rührigen Ausspeisungsvereine des Xll. bis XV. Bezirkes ist diese Schöpfung zu verdanken und werden schon jetzt täglich 110 Kinder ausgespeist und von dem Vereine „Kinderhort". dessen Lokalitäten sich ebenfalls im Bereinshause befinden, tagsüber beaufsichtigt und unterrichtet. Bei weiterer steter Förderung dieser Vereine ist eine größere Entfaltung deren segensreicher Tätigkeit vorauszusehen. Die Einweihung findet um 7 Uhr abends XV., Herklotzgasse 21 statt. Frau Regine Land eis, Präsidentin des Ausspeisungsvereines, und Herr Dr. I. Samuely, Obmann des Vereines zur Errichtung von Kinderhorten, sind gern bereit, Anfragen über ihre Vereine zu eredigen. Verein für unentgeltlichen Arbeitsnachweis an jüdische Hochschüler in Wien. Mit dem Anwachsen der jüdischen Bewegung sind auch die Bestrebungen, die materielle Lage der jüdischen Studenten zu bessern, allgemeiner geworden. Die maßgebenden Kreise haben erkannt, welche Bedeutung es für die jüdische Sache hat, wenn unsere Akademiker, von den Kreds-Rpolveke £ mituibacb « tDieitl., yoher «mtt Nr.8 (Pal? s Sin») im Sentnm dir Stadt- Dieselben sind lür Personen, Sooa-pastMN. ftotzen re. lewen, unentbehrlich. Preis per Schachtel 60 Heller.

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